Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn: Die stillen Halte der Klüttenbahn

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Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn: Die stillen Halte der Klüttenbahn

Die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn und die Bergheimer Kreisbahn bildeten ein Kleinbahnnetz im Rhein-Erft-Raum. Der Braunkohletagebau ließ vieles davon verschwinden, dieser Beitrag geht die stillen Halte durch.

Luftbild von Alt-Mödrath 1958, links oben Burg Mödrath und der Bahndamm Horrem-Liblar.
Luftbild von Alt-Mödrath 1958, links oben Burg Mödrath und der Bahndamm Horrem-Liblar. Foto: Cramers Kunstanstalt K.G. Dortmund, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1898
Mödrath-Türnich eröffnet
1913
Verstaatlichung der Strecken
1956
Bahnhof Mödrath abgebrochen
1966
Letztes Teilstück stillgelegt

Lage: Rhein-Erft-Kreis zwischen Mödrath, Liblar, Brühl und Elsdorf. Status: stillgelegt, weitgehend abgebaut oder abgebaggert. Heute: Teile des Bahndamms gehören zum Strategischen Bahndamm.

Die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn, im Volksmund Klüttenbahn, verband Braunkohlegruben der Ville mit Staatsbahnstrecken und mit der Bergheimer Kreisbahn.

Der Name geht auf die Klütten zurück, einen Vorläufer industrieller Briketts.

Fast die gesamte Strecke verschwand durch den Braunkohletagebau, der letzte Abschnitt wurde 1966 stillgelegt.

Dieser Beitrag behandelt die stillgelegten Halte von Mödrath über Liblar bis Brühl, dazu die Bergheimer Kreisbahn mit Elsdorf.

Freie historische Fotos der einzelnen Halte stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen ein Luftbild von 1958 und Reste des Strategischen Bahndamms.

Wie die Klüttenbahn entstand

Die Stettiner Firma Lenz & Co. verhandelte ab 1894 über einen Anschluss der Braunkohlegruben in der Ville an die Staatsbahn in Horrem und Liblar.

Die Strecke sollte über Brühl nach Wesseling an den Rhein weitergeführt werden, um Kohle und Zuckerrüben auf dem Wasserweg zu verfrachten.

Die Strecke Mödrath-Liblar wurde als schmalspurige Kleinbahn freigegeben.

Am 24. Juni 1898 wurde der erste Abschnitt bis Türnich-Balkhausen eröffnet, der Rest bis Liblar am 1. März 1899, die Strecke Liblar-Brühl folgte am 1. Mai 1901.

Am 4. August 1903 wurde die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn AG gegründet.

Auf ihr Betreiben wurde die Strecke 1904 durch eine dritte Schiene zusätzlich auf Normalspur umgerüstet.

Zum 1. Januar 1913 wurde die Gesellschaft verstaatlicht und am 8. Januar 1913 aufgelöst.

So sah es vorher aus: ein zusammenhängendes Meterspurnetz

Der Kreis Bergheim beschloss 1894 den Bau einer meterspurigen Kreisbahn, weil die Staatsbahnstrecken sechs beziehungsweise viereinhalb Kilometer an der Kreisstadt vorbeiführten.

Innerhalb von drei Jahren wurden mehrere Strecken eröffnet, unter anderem von Benzelrath über Mödrath und Kerpen nach Blatzheim, von Mödrath über Horrem und Bergheim nach Elsdorf und von Zieverich nach Bedburg.

In Mödrath bestand Anschluss an die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn, in Liblar an die Staatsbahn und die Euskirchener Kreisbahnen.

So entstand ein zusammenhängendes Meterspurnetz von Zülpich im Süden bis Bedburg im Norden.

Hauptkunden waren Zuckerfabriken und Braunkohlegruben.

Der Verkehr der Klüttenbahn entwickelte sich gut: 1900 wurden 64.350 Personen und 82.265 Tonnen Güter befördert, 1907 waren es 138.674 Personen und 251.477 Tonnen.

Mödrath

Akkutriebwagen 515 522 als Zug Nt 8425 zwischen Düren und Elsdorf, 1993.
Akkutriebwagen 515 522 als Zug Nt 8425 zwischen Düren und Elsdorf, 1993. Foto: Stefan von der Ruhren, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mödrath war der Knotenpunkt: Hier begann die Strecke nach Liblar, dazu bestanden Anschlüsse der Bergheimer Kreisbahn nach Horrem und Bergheim, nach Benzelrath und nach Kerpen-Blatzheim.

Der Bahnhof bestand seit 1896.

Der Ort Mödrath wurde 1956 wegen des Braunkohletagebaus Frechen umgesiedelt, weil er im Abbaugebiet lag.

Alt-Mödrath hatte damals etwa 2.800 Einwohner.

Der neue Ortsteil schließt direkt an das Stadtzentrum von Kerpen an.

Der Bahnhof Mödrath wurde 1956 komplett abgebrochen.

Auf der Strecke nach Horrem wurde der Personenverkehr am 28. Mai 1972 und der Güterverkehr am 1. Oktober 1978 eingestellt.

Türnich-Balkhausen

Türnich-Balkhausen war der erste Halt der Strecke ab Mödrath, bis hier wurde am 24. Juni 1898 eröffnet.

Der Tagebau Frechen wurde 1949 als erster Großtagebau im rheinischen Braunkohlerevier aufgeschlossen.

Er erforderte die Verlegung des Abschnitts zwischen Mödrath und Türnich-Balkhausen, die zum 16. Dezember 1956 fertiggestellt wurde.

Teile des Bahndamms zwischen Mödrath und Türnich sind noch als Teil des Strategischen Bahndamms zu erkennen.

Brüggen, Zieselsmaar und Köttingen

Die Strecke verband zwischen Mödrath und Liblar die Orte Türnich-Balkhausen, Brüggen, Kierdorf, Zieselsmaar und Köttingen.

Zieselsmaar wurde mit der Strecke nach Liblar 1899 bedient.

Zu diesen Halten sind weitere Einzelheiten nicht belegt.

Liblar Dorf und der Bahnhof Liblar

Die Strecke führte durch Liblar selbst, als Haltepunkt Liblar Dorf.

Zum Liblarer Bahnhof am Ortsrand wurde sie in einem weiten Bogen an die Eifelstrecke herangeführt.

Dort bestand Anschluss an die staatliche Eifelstrecke und die Euskirchener Kreisbahnen.

Grube Brühl, Maria Glück und Gruhlwerk

Von Liblar nach Brühl führte die Strecke in östlicher Richtung der Brühl-Liblarer Landstraße folgend über die Gruben Brühl und Maria Glück zum Bahnhof Gruhlwerk.

Von dort verlief sie nach Norden, kreuzte die Heider Villestraße und führte in einem Bogen nördlich des Klosters Benden und der Winterburg wieder nach Osten.

1942 musste der erste Streckenabschnitt wegen des Braunkohleabbaus verlegt werden: Statt der Strecke von Liblar nach Gruhlwerk führte nun ein Abzweig von der Eifelstrecke zum Bahnhof Gruhlwerk.

Brühl Kaiserstraße und Vochem

In Brühl traf die Strecke an der Haltestelle Kaiserstraße auf die Pingsdorfer Güterbahn, eine Nebenstrecke der Köln-Bonner Eisenbahn.

Eineinhalb Kilometer weiter endete sie am Bahnhof Vochem, dort bestand Anschluss an die Querbahn nach Wesseling.

Der Personenverkehr zwischen Liblar und Brühl wurde in den 1920er Jahren eingestellt.

Das letzte Teilstück von Kierberg-Heide über Vochem nach Brühl wurde am 31. Mai 1966 stillgelegt.

Elsdorf: Bahnhof Ost und Bahnhof West

Elsdorf hatte zwei Stationen ohne Schienenverbindung untereinander: den Kleinbahnhof Elsdorf Ost und den Bahnhof Elsdorf West.

Der Kleinbahnhof Ost gehörte zur Bergheimer Kreisbahn und war der Anfang der Strecke nach Zieverich, zunächst meterspurig, ab 1903 dreischienig auch normalspurig.

Ab 1938 verkehrten täglich sechs Personenzüge, die alle über Zieverich nach Bergheim fuhren.

Am 28. Mai 1961 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 28. Mai 1967 der Güterverkehr.

Das Empfangsgebäude von Elsdorf Ost wurde nach langem Leerstand verkauft und von 1997 bis 1999 von einem Privatinvestor zum Café Dampflok umgebaut.

Der Bahnhof Elsdorf West lag an der Strecke Neuss-Düren, die 1869 gebaut wurde.

Der Personenverkehr zwischen Bedburg und Düren wurde am 27. Mai 1995 eingestellt, der Güterverkehr am 31. Dezember desselben Jahres, die Stilllegung folgte zum 2. Juni 1996.

Der Abschnitt Düren-Elsdorf wurde im Bereich des Tagebaus Hambach abgebaggert.

Das Empfangsgebäude wurde in den 1980er Jahren abgerissen, an der Stelle befindet sich heute ein Parkplatz, die Trasse durch Elsdorf ist heute eine Parkanlage.

Elsdorf ist die einzige Stadt im Rhein-Erft-Kreis ohne Anschluss an das Bahnnetz.

Niedergang und Ende

Wegen des flächendeckenden Braunkohleabbaus in den 1950er und 1960er Jahren verschwand die gesamte Strecke oder wurde umgelegt.

Fünf Jahre nach der Verlegung fiel das Teilstück zwischen Mödrath und Türnich-Balkhausen dem Tagebau zum Opfer und wurde am 28. Mai 1961 stillgelegt.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Personenverkehr bis Liblar eingestellt.

Der Güterverkehr zwischen Mödrath und Liblar endete am 1. Juni 1965.

Der Strategische Bahndamm

Ab 1904 war die Strecke als Teil einer strategischen Bahn gedacht, einer Entlastungslinie für den Güterverkehr aus dem Ruhrgebiet Richtung Frankreich.

Sie sollte von Neuss über Rommerskirchen, Horrem und Liblar nach Rheinbach ins Ahrtal führen.

Beide Bahngesellschaften wurden deshalb zum 1. Januar 1913 verstaatlicht, die Strecke wurde aber nie fertiggestellt.

Brückenwiderlager des Strategischen Bahndamms 300 Meter nördlich von Rommerskirchen.
Brückenwiderlager des Strategischen Bahndamms 300 Meter nördlich von Rommerskirchen. Foto: Leuni, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Strategische Bahndamm im Landkreis Neuss zwischen Hülchrath und Neukirchen.
Der Strategische Bahndamm im Landkreis Neuss zwischen Hülchrath und Neukirchen. Foto: Eberhard Dilba, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick auf den Strategischen Bahndamm im Landkreis Neuss bei Hülchrath.
Blick auf den Strategischen Bahndamm im Landkreis Neuss bei Hülchrath. Foto: Eberhard Dilba at de.wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Unterführung von Münchrath nach Neukirchen unter dem Strategischen Bahndamm.
Unterführung von Münchrath nach Neukirchen unter dem Strategischen Bahndamm. Foto: Bierfaß 23:13, 30. Jan. 2011 (CET), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Auf dem Strategischen Bahndamm bei Münchrath.
Auf dem Strategischen Bahndamm bei Münchrath. Foto: Bierfaß at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Von den ehemaligen Strecken der Bergheimer Kreisbahn bestehen noch die Strecke von Horrem über Bergheim nach Bedburg und die Strecke Niederaußem-Rommerskirchen.

Alle anderen Strecken sind abgebaut.

Von der Klüttenbahn sind Reste bei Liblar erhalten, vor allem Bahndämme und Brücken.

Vorher und nachher

Mödrath: früher Knotenpunkt und Bahnhof, heute ein Ort ohne Bahnhof.

Elsdorf West: früher Bahnhof, heute Parkplatz.

Elsdorf Ost: früher Kleinbahnhof, heute Café Dampflok.

Gruhlwerk und Alt-Mödrath: früher Halt und Ort, heute vom Tagebau überbaggert.

Die Geschichte in Daten

1. September 1869: Elsdorf wird an die Strecke Neuss-Düren angebunden.

1894: Der Kreis Bergheim beschließt die Kreisbahn.

24. Juni 1898: Mödrath-Türnich-Balkhausen wird eröffnet.

1. März 1899: Die Strecke erreicht Liblar.

1. Mai 1901: Liblar-Brühl wird eröffnet.

4. August 1903: Die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn AG wird gegründet.

1904: Die dritte Schiene wird eingebaut.

1. Januar 1913: Die Strecken werden verstaatlicht.

1942: Der Abschnitt Liblar-Gruhlwerk wird verlegt.

1949: Der Tagebau Frechen wird aufgeschlossen.

16. Dezember 1956: Die Verlegung Mödrath-Türnich-Balkhausen ist fertig, der Bahnhof Mödrath wird abgebrochen.

28. Mai 1961: Mödrath-Liblar und der Personenverkehr nach Elsdorf werden eingestellt.

1. Juni 1965: Der Güterverkehr Mödrath-Liblar endet.

31. Mai 1966: Das letzte Teilstück Kierberg-Heide-Vochem-Brühl wird stillgelegt.

28. Mai 1972: Der Personenverkehr Mödrath-Horrem endet.

1. Oktober 1978: Der Güterverkehr Mödrath-Horrem endet.

27. Mai 1995: Der Personenverkehr Bedburg-Düren endet.

2. Juni 1996: Die Strecke durch Elsdorf wird stillgelegt.

Häufige Fragen

Warum hieß die Bahn Klüttenbahn?
Wegen ihrer Bedeutung für den Braunkohlebergbau, Klütten sind ein Vorläufer industrieller Briketts.
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Mödrath-Türnich-Balkhausen am 24. Juni 1898, bis Liblar am 1. März 1899 und bis Brühl am 1. Mai 1901.
Was wurde aus dem Bahnhof Mödrath?
Er wurde 1956 komplett abgebrochen, der Ort war wegen des Tagebaus Frechen umgesiedelt worden.
Warum hat Elsdorf keinen Bahnanschluss?
Die Strecke durch Elsdorf wurde 1996 stillgelegt, der Abschnitt nach Düren liegt im Tagebau Hambach.
Was ist der Strategische Bahndamm?
Eine nie fertiggestellte Entlastungsstrecke für den Güterverkehr aus dem Ruhrgebiet Richtung Frankreich.

Von den Halten der Klüttenbahn sind einzelne Dämme und Brücken geblieben, die übrigen sind abgebaggert oder überbaut.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn · Wikipedia: Bahnstrecke Mödrath-Liblar · Wikipedia: Bergheimer Kreisbahn · Wikipedia: Elsdorf (Rheinland) · Wikipedia: Mödrath · Wikipedia: Erftbahn · KuLaDig: Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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