Die stille Almetalbahn zwischen Paderborn und Büren: Halte ohne Gleise

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stille Almetalbahn zwischen Paderborn und Büren: Halte ohne Gleise

Zwischen Paderborn und Büren Weinberg ist die Almetalbahn stillgelegt und abgebaut, aber nicht entwidmet. Der Beitrag geht die Halte Wewelsburg, Ahden und Brenken und den Weg der Strecke bis Brilon durch.

Der ehemalige Bahnhof der Almetalbahn in Brenken, 2013.
Der ehemalige Bahnhof der Almetalbahn in Brenken, 2013. Foto: Martin Lindner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1899
Paderborn–Büren eröffnet
1974
Personenverkehr Büren–Brilon endet
1981
Personenverkehr Paderborn–Büren endet
2006
Stilllegung nach Sanierungsbedarf

Lage: Von Paderborn über Büren und Brilon nach Brilon Wald, 60 Kilometer. Status: Zwischen Paderborn und Büren Weinberg stillgelegt und abgebaut, aber nicht entwidmet. Zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald fahren seit Dezember 2011 wieder Regionalzüge. Heute: Der Kreis Paderborn besitzt den Abschnitt Paderborn–Büren, Teile dienen dem Almeradweg.

Die Almetalbahn ist eine 60 Kilometer lange, eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn von Paderborn über Büren und Brilon zum Bahnknoten Brilon Wald.

Sie ist nach der Alme benannt.

Zwischen Paderborn und Büren Weinberg ist sie stillgelegt und abgebaut, aber nicht entwidmet.

Zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald verkehren seit 2011 wieder Regionalzüge, dieser Abschnitt gehört nicht zu den stillen Halten.

Dieser Beitrag geht die Halte Wewelsburg, Ahden und Brenken sowie Büren, Ringelstein, Alme und Thülen durch.

Aus der Betriebszeit sind keine freien Fotos vorhanden, die Bilder zeigen die Orte heute.

Entstehung: Eine Strecke in drei Teilen

Die Trassierung der Strecke erfolgte zwischen 1898 und 1901.

Gleichzeitig wurde die Verbindungsstrecke von Geseke nach Büren zur Bahnstrecke Hamm–Warburg geplant und gebaut.

Das nördliche Teilstück von Paderborn bis Büren wurde am 20. Oktober 1899 eröffnet.

Das Teilstück von Brilon Stadt nach Brilon Wald war ab dem 1. Juli 1900 betriebsbereit.

Am 1. April 1901 ging die Reststrecke zwischen Büren und Brilon in Betrieb.

Auf der Strecke fuhren zunächst Dampflokomotiven, später Diesellokomotiven und Triebwagen.

So sah es vorher aus: Eilzüge durch das Almetal

Ab 1950 war die Strecke durch den täglichen Heckeneilzug von Bremen über Paderborn, Büren, Brilon und Marburg nach Frankfurt am Main auch an das Fernverkehrsnetz angeschlossen.

Mit dem Sommerfahrplan 1969 fuhr samstags zusätzlich das Eilzugpaar Hamburg–Winterberg über die Almetalbahn.

Im Jahr darauf wurde diese Verbindung als Kurswagen in den Heckeneilzug eingereiht.

Vom 27. Mai 1963 an verkehrte täglich ein Zugpaar des Heckeneilzuges Paderborn–Köln über die Almetalbahn.

Eine V 100 brachte den aus drei Silberlingen bestehenden Zug von Köln über Dieringhausen, Olpe, Meschede und Brilon nach Paderborn.

Wegen der beiden Dome und Bischofssitze an den Endpunkten nannte die Bevölkerung die Verbindung Dom-Express oder Kardinalsexpress.

Der Zug verschwand nach nur zwei Jahren aus den Kursbüchern.

Wewelsburg: Tunnel und Flughafenanbindung

Südlich von Wewelsburg liegt der Wewelsburger Tunnel, er ist 143 Meter lang.

Ein Gutachten von 2010 sah vor, den Flughafen Paderborn-Lippstadt über einen Busshuttle ab dem Bahnhof Wewelsburg anzubinden.

Im Kreismuseum Wewelsburg lief 2007 eine Sonderausstellung zur Almetalbahn mit dem Titel Unter Dampf und Diesel bei Tag und Nacht.

Südportal des Wewelsburger Tunnels, 143 Meter lang, 2013.
Südportal des Wewelsburger Tunnels, 143 Meter lang, 2013. Foto: Fabianb15, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ahden: Bahnhof, Viadukt und Tunnel

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt liegt nördlich von Ahden etwa 1,3 Kilometer Luftlinie von der Strecke entfernt, der Höhenunterschied beträgt rund 50 Meter.

Nach einer Darstellung des Ortes wurde die Strecke mit einem Bahnhof in Ahden 1898 eingeweiht, die Angaben zur Strecke nennen für den Abschnitt Paderborn–Büren den 20. Oktober 1899.

Der Bahnbetrieb im nördlichen Bereich endete nach derselben Ortsdarstellung bereits 1974, nach den Streckenangaben dauerte der Personenverkehr zwischen Paderborn und Büren bis zum 30. Mai 1981.

Das Gebäude des ehemaligen Bahnhofs steht noch.

Der ehemalige Bahnhof Ahden, 2013.
Der ehemalige Bahnhof Ahden, 2013. Foto: Martin Lindner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Ahdener Viadukt der ehemaligen Almetalbahn, 2013.
Der Ahdener Viadukt der ehemaligen Almetalbahn, 2013. Foto: Fabianb15, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Südportal des Ahdener Tunnels, 118 Meter lang, 2013.
Das Südportal des Ahdener Tunnels, 118 Meter lang, 2013. Foto: Fabianb15, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Brenken: Am nördlichen Ortsrand

In Brenken führte die Bahnstrecke am nördlichen Ortsrand vorbei.

Sie wurde stillgelegt und ist mittlerweile abgebaut.

Die Personenbeförderung im Nahverkehr erfolgt durch Buslinien.

Viadukt der Almetalbahn unter der Almetalbrücke der A 44 bei Brenken, 2021.
Viadukt der Almetalbahn unter der Almetalbrücke der A 44 bei Brenken, 2021. Foto: Ath, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Büren: Ruine des Bahnhofs

In Büren endete 1899 der erste Abschnitt der Strecke.

Auf dem Abschnitt Büren–Brilon wurde der regelmäßige Personenverkehr am 29. September 1974 wegen Oberbaumängeln eingestellt.

Der Güterverkehr zwischen Büren und Ringelstein endete am 30. Mai 1965.

Nördlich von Büren wurde die Strecke noch bis Ende 1995 im Güterverkehr genutzt.

Die Reste des Bahnhofs in Büren, Februar 2008.
Die Reste des Bahnhofs in Büren, Februar 2008. Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ungenutzte Gleis der Almetalbahn zwischen Bennenberg und dem Brenker Kreuz bei Büren, 2008.
Das ungenutzte Gleis der Almetalbahn zwischen Bennenberg und dem Brenker Kreuz bei Büren, 2008. Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ringelstein: Bahnhof an der Strecke

Zwischen Ringelstein und Alme endete der Güterverkehr am 14. April 1975.

Zwischen Büren und Ringelstein war er bereits am 30. Mai 1965 zu Ende gegangen.

Der Bahnhof Ringelstein, 2011.
Der Bahnhof Ringelstein, 2011. Foto: Svencb, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Alme und Thülen: Güterzüge bis 1991 und 1992

Bis Alme kamen noch bis zum 31. Juli 1991 Güterzüge, bis Thülen bis zum 30. Mai 1992.

Auf dem Abschnitt Büren Weinberg–Thülen fand seit 1981 in den Sommermonaten Museumsbahnverkehr statt.

Ihn führten zunächst Dortmunder Eisenbahnfreunde als Westfälische Almetalbahn e. V. mit der alten Dortmunder Straßenbahn GT4 431 und einem Generatorwagen durch.

Ab 2001 ersetzten Schienenbusse die Straßenbahngarnitur.

Der Triebwagen 798 766-2 der Waldbahn Almetal im Bahnhof Thülen, 2008.
Der Triebwagen 798 766-2 der Waldbahn Almetal im Bahnhof Thülen, 2008. Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Das Ende der Fahrgäste

Der Heckeneilzug verkehrte noch bis zum Ende des Winterfahrplans 1978/79 von Brilon Wald über Warburg weiter in Richtung Norddeutschland.

Auf den Abschnitten Paderborn–Büren und Brilon Stadt–Brilon Wald gab es regelmäßigen Personenverkehr bis zum 30. Mai 1981.

Danach wickelten Bahnbusse den Personenverkehr vollständig ab, die bereits vorher zunehmend Nahverkehrszüge ersetzt hatten.

1999 übernahm die Westfälische Almetalbahn GmbH den Streckenteil Paderborn–Büren.

Sie wollte den Güterverkehr wieder beleben und die Strecke für Ausflugsfahrten mit einer historischen Dampfeisenbahn nutzen.

Es blieb bei einzelnen Bedarfsgüter- und Museumsbahnfahrten.

Zum 30. Juni 2006 wurde der Streckenteil wegen notwendiger Sanierungsarbeiten stillgelegt und kurz darauf abgebaut.

So sieht es jetzt aus: Radweg und Brücken

Eine Freistellung von Bahnbetriebszwecken zwischen Paderborn und Büren Weinberg wurde aufgeschoben, um eine Reaktivierung und die Anbindung des Flughafens prüfen zu können.

2012 kaufte der Kreis Paderborn ein 26 Kilometer langes Teilstück zwischen Paderborn und Büren für einen Euro, um eine Entwidmung zu verhindern.

Für die Verkehrssicherung zahlt der Kreis jährlich 32.000 Euro, die anliegenden Städte und Gemeinden zahlen 23.000 Euro.

Die Städte und Gemeinden können die Trasse für andere Zwecke wie Radwege nutzen, müssen sie aber rückübertragen, wenn die Gesamttrasse wieder gebraucht wird.

Die Stadt Paderborn pachtete ein vier Kilometer langes Teilstück an und asphaltierte im Bereich Wewer ein Stück zur Optimierung des Almeradwegs.

Brücke der stillgelegten Almetalbahn über die Alme in Nordborchen, 2016.
Brücke der stillgelegten Almetalbahn über die Alme in Nordborchen, 2016. Foto: Tsungam, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Als Denkmal aufgestellte Eisenbahnräder an der ehemaligen Almetalbahnlinie in Wewer, 2016.
Als Denkmal aufgestellte Eisenbahnräder an der ehemaligen Almetalbahnlinie in Wewer, 2016. Foto: Tsungam, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Frage nach der Reaktivierung

Ein Gutachten von 2010 ergab für eine Reaktivierung zwischen Paderborn und Büren den höchsten Kosten-Nutzen-Faktor von 1,2.

2011 beschloss der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter einstimmig, die Strecke nicht wieder in Betrieb zu nehmen, weil die Reaktivierung knapp 30 Millionen Euro kosten würde.

Dazu kämen jährliche Betriebskosten von 3,8 Millionen Euro.

Am 25. Mai 2020 beschloss die Verbandsversammlung des Nahverkehrsverbunds Paderborn-Höxter eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung.

Am 18. Juni 2024 wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Für eine durchgehende Linie von Paderborn über Büren und Brilon nach Marburg mit zusätzlicher Linie Paderborn–Büren ergab sich ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,6.

Als Baukosten werden rund 314 Millionen Euro angesetzt, davon allein 86 Millionen Euro für Ersatzmaßnahmen für Bahnübergänge zwischen Paderborn und Büren.

Die Geschichte in Daten

1898 bis 1901: Trassierung der Strecke.

20. Oktober 1899: Paderborn–Büren eröffnet.

1. Juli 1900: Brilon Stadt–Brilon Wald betriebsbereit.

1. April 1901: Büren–Brilon eröffnet.

27. Mai 1963: Dom-Express Paderborn–Köln beginnt.

30. Mai 1965: Güterverkehr Büren–Ringelstein endet.

29. September 1974: Personenverkehr Büren–Brilon endet.

14. April 1975: Güterverkehr Ringelstein–Alme endet.

30. Mai 1981: Personenverkehr Paderborn–Büren und Brilon Stadt–Brilon Wald endet.

31. Juli 1991: Güterverkehr bis Alme endet.

30. Mai 1992: Güterverkehr bis Thülen endet.

Ende 1995: Güterverkehr nördlich von Büren endet.

1999: Westfälische Almetalbahn GmbH übernimmt Paderborn–Büren.

30. Juni 2006: Paderborn–Büren wird stillgelegt.

Dezember 2011: Regionalzüge Brilon Stadt–Brilon Wald.

2012: Kreis Paderborn kauft 26 Kilometer für einen Euro.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Almetalbahn?
Sie ist 60 Kilometer lang und führt von Paderborn über Büren und Brilon nach Brilon Wald.
Welcher Abschnitt ist stillgelegt?
Zwischen Paderborn und Büren Weinberg ist die Strecke stillgelegt und abgebaut, aber nicht entwidmet.
Wer besitzt die Trasse zwischen Paderborn und Büren?
Seit 2012 der Kreis Paderborn, der sie für einen Euro kaufte.
Fährt auf der Strecke noch ein Zug?
Zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald fahren seit Dezember 2011 wieder Regionalzüge.
Wird die Strecke reaktiviert?
Eine Machbarkeitsstudie von 2024 ergab für ein Gesamtkonzept ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,6, mit Baukosten von rund 314 Millionen Euro.

Die Almetalbahn ist damit eine Strecke, bei der zwischen Paderborn und Büren nur die Trasse, Brücken, Tunnel und einzelne Gebäude geblieben sind.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Almetalbahn · Wikipedia: Ahden · Wikipedia: Brenken · Wikimedia Commons: Bilder zur Almetalbahn

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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