Oleftalbahn: Die stillen Halte der Flitsch von Kall bis Hellenthal
Die Oleftalbahn verband Kall durch das Schleidener Tal mit Hellenthal. Der Regelverkehr für Reisende endete 1981, seit der Flut 2021 ist die Strecke nicht mehr befahrbar. Dieser Beitrag geht ihre Halte durch.

Lage: Schleidener Tal im Kreis Euskirchen, von Kall nach Hellenthal. Status: Regelverkehr für Reisende seit 1981 eingestellt, seit der Flut 2021 unbefahrbar. Heute: Die Strecke steht als Liniendenkmal unter Denkmalschutz.
Die Oleftalbahn, kurz Flitsch genannt, ist eine 17,8 Kilometer lange Nebenbahn von Kall durch das Schleidener Tal über Schleiden nach Hellenthal.
Der regelmäßige Personenverkehr endete 1981.
Zuletzt fuhren Ausflugszüge im Sommerhalbjahr und gelegentlich Güterzüge, bevor die Überschwemmungen im Juli 2021 die Strecke unbefahrbar machten.
Dieser Beitrag geht die Halte durch, die ohne Regelverkehr sind, von Anstois bis Hellenthal.
Alte freie Fotos gibt es nur von Gemünd, die übrigen Bilder zeigen spätere Zustände.
Wie die Oleftalbahn entstand
Der Bau begann im März 1881, nachdem die Trasse Bestandteil des Eisenbahngesetzes geworden war.
Nach genau drei Jahren Bauzeit wurde die Strecke am 8. März 1884 eröffnet, damals als Secundairbahn Call-Hellenthal.
Grund für den Bau waren die Bedürfnisse des Schleidener Tals, das stark von Eisenverhüttung und Bergbau geprägt war.
Die Bahn brachte Steinkohle heran und band Erzgruben und Hüttenwerke an.
19 Betriebe hatten einen Gleisanschluss.
Beim Bau der Urfttalsperre wurden sämtliche Baumaterialien bis Gemünd auf der Oleftalbahn herangeschafft.
Von dort ging es mit einer etwa 13 Kilometer langen schmalspurigen Materialbahn zur Baustelle der Staumauer.
So sah es vorher aus: Wiederaufbau und Hochbetrieb
Wegen der grenznahen Lage und der Nähe zur Front ab der Ardennenoffensive wurde die Bahn 1945 stark beschädigt.
Besonders betroffen waren Bahnhöfe, Brücken und der Gemünder Tunnel.
Erst 1948 konnte die Strecke wieder in Betrieb genommen werden.
Zwischen 1949 und 1951 erhielten die Bahnhöfe Kall, Gemünd, Schleiden und Blumenthal neue Empfangsgebäude.
In den 1960er Jahren fuhren täglich zehn Zugpaare je Richtung.
Anstois, Mauel und Nierfeld
1953 wurden in Anstois, Mauel und Nierfeld neue Bedarfshaltepunkte eingerichtet.
Der abgelegene Haltepunkt Anstois bei Kilometer 2,0 wurde schon vor 1981 wieder aufgegeben.
Mauel bei Kilometer 5,0 und Nierfeld bei Kilometer 8,0 wurden bis 1981 bedient.
Heute sind sie nur noch Durchfahrtpunkte.
Gemünd
Gemünd hatte ursprünglich einen Bahnhof mit drei Gleisen, darunter ein Ausweichgleis für Zugbegegnungen und ein Abstellgleis für den Stückgutumschlag.
Geblieben sind der Haltepunkt bei Kilometer 5,9 mit dem ehemaligen Empfangsgebäude und einem Bahnsteig.
Das Empfangsgebäude beherbergt heute ein kleines Restaurant.
Gemünd und Hellenthal wurden so stark umgebaut, dass sie nicht mehr als denkmalwürdig gelten.
Hinter dem Haltepunkt folgt der 130 Meter lange Gemünder Tunnel, in dem die Trasse einen großen Bogen ins Oleftal macht.
Der Tunnel gehört zum Liniendenkmal Oleftalbahn.
Östlich des Bahnsteigs wurde im Planum eines alten Nebengleises die Holzladestraße Gemünd angelegt.

Olef
Der Haltepunkt Olef liegt bei Kilometer 9,0.
Die Strecke führt dort ähnlich einer Straßenbahn mitten über den Dorfplatz.
Aus Sicherheitsgründen mussten im Regelbetrieb der Bundesbahn die Schaffner den Zügen durch den Ort vorausgehen und den Straßenverkehr sichern.
Am 30. Mai 1981 versuchte die Bevölkerung auf dem Dorfplatz von Olef, den letzten Zug an der Weiterfahrt zu hindern.
Höddelbusch
Bei Kilometer 10,3 in Schleiden-Höddelbusch liegt eine Verladerampe mit mehreren Rangiergleisen.
Dort wurden Panzer für den Truppenübungsplatz Vogelsang verladen.
Die Belgier gaben den Truppenübungsplatz zum 1. Januar 2006 auf.
Die Verladerampe ist erhalten.
Schleiden Rathaus
Der Haltepunkt Schleiden Rathaus bei Kilometer 11,7 bestand nur von 2005 bis 2007.
Er ersetzte in dieser Zeit den Bahnhof Schleiden, weil der Streckenabschnitt für ein Straßenbauprojekt der B 258 vorübergehend asphaltiert und als Behelfsstraße genutzt wurde.
Der Bahnsteig wurde wieder vollständig zurückgebaut.
Schleiden

Der Bahnhof Schleiden liegt bei Kilometer 12,0 und hat zwei Bahnsteiggleise mit einem Mittel- und einem Außenbahnsteig.
Das Empfangsgebäude wurde um 1990 abgebrochen.
Auf seinem Gelände entstand 2011 ein Busbahnhof, der niveaugleich an den Außenbahnsteig grenzt.
Weitere Nebengleise wurden zurückgebaut, es liegen nur noch die Abzweigweichen.
Oberhausen
Der Haltepunkt Oberhausen liegt bei Kilometer 14,0.
Er wurde im Herbst 2010 reaktiviert und am Wochenende von der Rhein-Sieg-Eisenbahn bedient.
Oberhausen hatte ein Anschlussgleis zur Firma Kewo.
Blumenthal

Das Empfangsgebäude in Blumenthal wurde 1950/51 massiv in Bruchstein über kreuzförmigem Grundriss gebaut.
Als Architekt ist Max Schneider vom Hochbaudezernat der Bundesbahndirektion Köln überliefert.
Das Gebäude gehört zum Liniendenkmal Oleftalbahn und steht unter Denkmalschutz.
Heute dient es als Wohnhaus.
Die Rhein-Sieg-Eisenbahn errichtete bei der Reaktivierung 2010 einen neuen Bahnsteig etwas vor dem Empfangsgebäude.
Der Güterschuppen kann seit 1998 nicht mehr angefahren werden, weil das Nebengleis schon vor ihm endet.
Hinter dem Empfangsgebäude standen Abstellgleise für die Fahrzeuge der Oleftalbahn.


Hellenthal

Hellenthal ist der Endbahnhof bei Kilometer 17,2.
Der Bahnhof besteht heute aus einem Bahnsteiggleis mit einem 2010 neu errichteten Bahnsteig neben dem Busbahnhof.
Die übrigen Abstell- und Nebengleise wurden abgebaut, wie in Schleiden liegen nur noch die alten Abzweigweichen.
Das Empfangsgebäude existiert noch und wird als Getränkehandel genutzt.
Der Lokschuppen wurde im Krieg zerstört und nie wieder aufgebaut, erhalten blieb der Betonsockel des Kohleladekrans.


Niedergang und Ende
Am 30. Mai 1981 stellte die Deutsche Bundesbahn trotz starker Proteste der Bevölkerung den regelmäßigen Personenverkehr ein.
Bis zum 28. Mai 1994 gab es noch regelmäßigen Güterverkehr bis nach Hellenthal.
Danach folgte bis zur Aufgabe des Truppenübungsplatzes nur noch Militärverkehr bis Höddelbusch.
Der Abschnitt zwischen Schleiden und Hellenthal war von 1997 bis 2010 stillgelegt.
Von 2004 bis 2005 förderte das Land Nordrhein-Westfalen wegen des Nationalparks Eifel Personenfahrten an Sonn- und Feiertagen in der Ausflugssaison.
Danach wurde der Ausflugsverkehr privatwirtschaftlich weitergeführt.
2011 stellte die Kölner Bezirksregierung die Oleftalbahn als Baudenkmal unter Schutz.
So sieht es jetzt aus
In der Nacht zum 15. Juli 2021 wurden bei den Überschwemmungen über 90 Prozent der Strecke beschädigt oder zerstört.
Durch den Streckenverlauf unmittelbar neben Urft und Olef war die Strecke im gesamten Verlauf betroffen.
Im Oktober 2024 gab der Nahverkehr Rheinland die Ergebnisse einer Vorstudie zur Reaktivierung bekannt.
Vorher und nachher
Gemünd: früher Bahnhof mit drei Gleisen, heute Haltepunkt mit Restaurant im Empfangsgebäude.
Schleiden: früher Empfangsgebäude, heute Busbahnhof.
Blumenthal: früher Bahnhof, heute Wohnhaus.
Hellenthal: früher Bahnhof mit Lokschuppen, heute ein Getränkehandel im Empfangsgebäude.
Die Geschichte in Daten
März 1881: Der Bau beginnt.
8. März 1884: Die Strecke von Kall nach Hellenthal wird eröffnet.
1945: Bahnhöfe, Brücken und der Gemünder Tunnel werden stark beschädigt.
1948: Die Strecke wird wieder in Betrieb genommen.
1949 bis 1951: Kall, Gemünd, Schleiden und Blumenthal erhalten neue Empfangsgebäude.
1953: Anstois, Mauel und Nierfeld werden Bedarfshaltepunkte.
30. Mai 1981: Der regelmäßige Personenverkehr endet.
28. Mai 1994: Der regelmäßige Güterverkehr bis Hellenthal endet.
1997: Der Abschnitt Schleiden-Hellenthal wird stillgelegt.
2010: Der Abschnitt nach Hellenthal wird reaktiviert.
2011: Die Oleftalbahn wird als Baudenkmal geschützt.
15. Juli 2021: Die Überschwemmungen machen die Strecke unbefahrbar.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Oleftalbahn?
Wann endete der Personenverkehr?
Was ist mit dem Bahnhof Blumenthal?
Warum ist die Strecke unbefahrbar?
Steht die Strecke unter Denkmalschutz?
Die Oleftalbahn ist ohne Regelverkehr für Reisende, ihre Halte sind Wohnhaus, Busbahnhof, Getränkehandel und Restaurant geworden.
Wikipedia: Oleftalbahn · Rheinische Industriekultur: Oleftalbahn
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