Die stillen Halte der Extertalbahn zwischen Barntrup und Rinteln
Die Extertalbahn war eine elektrische Kleinbahn, deren Personenverkehr 1966 und 1969 endete. Der Beitrag geht die Halte von Barntrup bis Rinteln Süd durch.

Lage: Kreis Lippe und Landkreis Schaumburg, durch das Extertal von Barntrup nach Rinteln. Status: Kein Personenverkehr seit 1969, das Teilstück Bösingfeld–Rinteln Süd wurde zum 1. November 2007 für den Eisenbahnbetrieb stillgelegt. Heute: Museumsverkehr der Landeseisenbahn Lippe, Fahrraddraisinen auf dem stillgelegten Abschnitt.
Die Extertalbahn verläuft durch das Tal der Exter zwischen Barntrup im Kreis Lippe und Rinteln im Landkreis Schaumburg.
Die privat betriebene Strecke ist normalspurig und elektrifiziert.
Der Personenverkehr endete 1966 zwischen Bösingfeld und Barntrup und 1969 zwischen Bösingfeld und Rinteln.
Das Teilstück Bösingfeld–Rinteln Süd wurde zum 1. November 2007 für den Eisenbahnbetrieb stillgelegt.
Auf dem übrigen Abschnitt fährt die Landeseisenbahn Lippe als Museumsbahn.
Dieser Beitrag geht die Halte Barntrup, Alverdissen, Bösingfeld, Almena, Bögerhof, Krankenhagen, Exten und Rinteln Süd einzeln durch.
Entstehung: Eine Bahn für den lippischen Nordosten
Das Fürstentum Lippe erhielt erst spät einen Anschluss an das Netz des preußischen Staates.
1872 wurde in Schieder an der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken der erste Bahnhof auf lippischem Boden eröffnet.
Die Strecke Löhne–Hameln umging 1875 den lippischen Norden.
Erst 1880 entstand die Staatsbahnstrecke von Herford bis Detmold, 1895 wurde sie bis Altenbeken verlängert.
Ein Jahr später folgte mit der Strecke Lage–Lemgo–Hameln die erste Ost-West-Verbindung durch Lippe.
Alle Strecken führten dennoch um den lippischen Nordosten herum.
Erste Planungen für eine Bahn durch den lippischen Nordosten reichen auf die Zeit um 1900 zurück.
1909 legte die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft einen Plan für zwei normalspurige Strecken vor, durch das Kalletal von Lemgo nach Rinteln und durch das Extertal von Barntrup nach Rinteln.
Man erdachte damals auch einen gewissen militärischen Nutzen, die damit verbundenen Anforderungen ließen die Kosten aber zu hoch ausfallen.
Der Erste Weltkrieg und die Inflation der frühen 1920er Jahre verzögerten den Bau weiter.
1923 suchte das Elektrizitätswerk Wesertal in Hameln Großabnehmer für seine Stromkapazitäten, wodurch die Planungen wieder Fahrt aufnahmen.
Angedacht war nun eine normalspurige, elektrisch betriebene Kleinbahn.
Am 8. September 1924 wurde die Extertalbahn AG von den anliegenden Gemeinden und dem Elektrizitätswerk Wesertal gegründet.
Im Dezember 1924 begannen die ersten Erdarbeiten, die Arbeiten an den elektrischen Anlagen wie der Oberleitung gingen an die AEG.
Am 8. Juli 1927 wurde der erste Abschnitt zwischen Barntrup und Bösingfeld eröffnet.
Am 15. Mai 1928 folgte der zweite Abschnitt von Bösingfeld über Almena bis zum Bahnhof Bögerhof.
Am 15. Juli 1929 ging der dritte und letzte Abschnitt über Krankenhagen und Exten bis nach Rinteln an der Weser in Betrieb.
Die Strecke wurde dort straßenbahnähnlich durch die Innenstadt und über eine neu errichtete Weserbrücke bis vor den Bahnhofsvorplatz verlegt.
So sah es vorher aus: Eine Überlandstraßenbahn
Die Bahn wurde als elektrische Kleinbahn mit Gleichstrom von 1.500 Volt eröffnet.
1926 bot die Firma Killing & Sohn der Extertalbahn AG drei zweiachsige Triebwagen und zwei Anhängewagen an.
Sie ähnelten den damals üblichen Straßenbahnwagen und gaben der Strecke als eine Art Überlandstraßenbahn einen eigenwilligen Charakter.
Die Fahrzeuge waren bereits 1927 zur Eröffnung des ersten Abschnitts fertig.
Der anfangs erhoffte starke Güterverkehr blieb in den ersten Jahren aus, der Personenverkehr stieg dagegen stark an.
1960 wurden 308.355 Personen und 48.779 Tonnen Güter befördert.
Erst Anfang der 1960er Jahre wendete sich das Verhältnis durch den wachsenden Individualverkehr.
Zum Ende des Personenverkehrs 1969 wurden die drei Neubautriebwagen nach Österreich an das Kleinbahnunternehmen Stern & Hafferl verkauft.

Barntrup: Der Beginn der Strecke
In Barntrup beginnt die Extertalbahn, der Bahnhof ist Anschlusspunkt an die Bahnstrecke Bielefeld–Hameln.
Der Abschnitt Lemgo–Barntrup dieser Strecke ist in den Besitz der Verkehrsbetriebe Extertal übergegangen, um den Anschluss der Extertalbahn an das Netz der Deutschen Bahn zu sichern.
Seit Januar 2021 steht die Strecke bis Barntrup unter Denkmalschutz.


Alverdissen: Ausgangspunkt der Draisinen
Seit April 2001 wird auf der Strecke ein Betrieb mit Fahrraddraisinen angeboten.
Im ersten Jahr starteten sie im Bahnhof Alverdissen.
Ab der zweiten Saison wurde der Ausgangspunkt in den Bahnhof Rinteln Süd verlegt, weil viele Draisinenfahrer an der starken Steigung der Rückfahrt nach Alverdissen scheiterten.
Seit den Nikolausfahrten 2006 fährt die historische Elektrobahn wieder bis Alverdissen, nachdem die Oberleitungsanlage zwischen Bösingfeld und Alverdissen im November 2006 instand gesetzt worden war.




Bösingfeld: Der Betriebsmittelpunkt
Der Bahnhof Bösingfeld war von Anfang an als Betriebsmittelpunkt vorgesehen.
Er erhielt neben einer größeren Wagenhalle mit Ausbesserungswerkstatt ein Umformerwerk, das den Strom in die Oberleitung speiste.


Almena: Der Bahnhof abseits des Dorfes
Die Gemeinde Almena erhielt ihren Bahnhof in größerer Entfernung zum Dorf.
Er lag am zweiten Abschnitt, der am 15. Mai 1928 eröffnet wurde.
Bögerhof: Nahe der Landesgrenze
Der Bahnhof Bögerhof lag noch auf dem Gebiet des Freistaats Lippe, aber nur unweit der preußischen Staatsgrenze.
Er war bis zum 15. Juli 1929 der Endpunkt des zweiten Abschnitts.
Krankenhagen: Nichts weiter bekannt
Krankenhagen lag am dritten Abschnitt zwischen Bögerhof und Exten, der am 15. Juli 1929 eröffnet wurde.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Exten und Rinteln Süd: Das neue Streckenende
Da der Güterverkehr zwischen Exten und Rinteln Nord seit 1969 in der Rintelner Altstadt als Belastung galt, baute man 1970 die Trasse durch die Stadt ab.
Im Bahnhof Exten wurde das Streckenende errichtet.
Im September 1972 wurde der Bahnhof Exten in Rinteln Süd umbenannt und durch ein 1,45 Kilometer langes Industriestammgleis erweitert.
1981 wurde es um weitere 470 Meter verlängert, danach war der Endausbau erreicht.
Der Bahnhof Rinteln Süd wurde von Oktober 2007 bis März 2008 bis auf das Gleis zum Draisinenschuppen komplett abgerissen.
Der Fruchtsafthersteller riha WeserGold Getränke überbaute das Gelände großflächig mit einem modernen Lagergebäude.
Niedergang: Vom Zug zum Museum
Die Verkehrsbetriebe Extertal-Extertalbahn GmbH entstanden am 4. Dezember 1967 aus der Extertalbahn AG.
Der Personenverkehr wurde 1966 zwischen Bösingfeld und Barntrup und 1969 zwischen Bösingfeld und Rinteln eingestellt.
Bis 2001 gab es sporadischen Gütertransport auf der Gesamtstrecke.
Danach fand nur noch touristischer Museumsverkehr statt, den die Landeseisenbahn Lippe mit Sonderzügen in den Sommermonaten und in der Vorweihnachtszeit durchführt.
Das Teilstück Bösingfeld–Rinteln Süd wurde zum 1. November 2007 stillgelegt.
So sieht es jetzt aus: Denkmal und Museumsbahn
Die beiden Original-Gütertriebwagen E 21 und E 22 stehen seit 1986 unter Denkmalschutz.
Der Triebwagen E 22 wurde von der Landeseisenbahn Lippe aufgearbeitet und fährt seit Mai 2013 wieder zwischen Bösingfeld und Alverdissen.
Beide Gütertriebwagen beförderten bis 2001 Güterzüge und waren damit die ältesten elektrischen Triebfahrzeuge, die in Deutschland ununterbrochen im Einsatz standen.
Seit August 2008 steht die Strecke im Bereich der Gemeinde Extertal unter Denkmalschutz.
Die Landeseisenbahn Lippe wurde am 23. Januar 1985 als Freundeskreis der Extertalbahn gegründet und trägt seit dem 11. März 1992 ihren heutigen Namen.
Sie betreibt auch auf der Begatalbahn Museumsverkehr und führt seit dem Ende der Trassenunterhaltung durch die Verkehrsbetriebe Extertal die Streckenarbeiten selbst aus.
Anfang 2021 erhielt der Verein vom Land Nordrhein-Westfalen rund 80.000 Euro, mit denen der Großteil der Oberleitung von Alverdissen bis nach Barntrup wieder aufgebaut werden kann.
Auf dem stillgelegten Abschnitt Rinteln–Bösingfeld sind Fahrraddraisinen die einzigen Fahrzeuge.


Die Geschichte in Daten
1872: In Schieder wird der erste Bahnhof auf lippischem Boden eröffnet.
8. September 1924: Gründung der Extertalbahn AG.
8. Juli 1927: Barntrup–Bösingfeld eröffnet.
15. Mai 1928: Bösingfeld–Bögerhof eröffnet.
15. Juli 1929: Bögerhof–Rinteln eröffnet.
1960: 308.355 Fahrgäste und 48.779 Tonnen Güter.
1966: Personenverkehr Bösingfeld–Barntrup endet.
1969: Personenverkehr Bösingfeld–Rinteln endet.
1970: Die Trasse durch die Rintelner Altstadt wird abgebaut.
September 1972: Exten heißt nun Rinteln Süd.
23. Januar 1985: Gründung des Freundeskreises der Extertalbahn.
April 2001: Draisinenbetrieb beginnt.
1. November 2007: Bösingfeld–Rinteln Süd wird stillgelegt.
Mai 2013: Triebwagen E 22 fährt wieder.
Januar 2021: Die Strecke bis Barntrup steht unter Denkmalschutz.
Häufige Fragen
Wann endete der Personenverkehr?
Welcher Abschnitt ist stillgelegt?
Fährt noch ein Zug?
Gibt es Draisinen?
Wie wird die Strecke betrieben?
Die Extertalbahn ist heute ein Denkmal der Technik, auf dem der Museumsbetrieb weiterläuft.
Wikipedia: Extertalbahn · Wikipedia: Bahnstrecke Bielefeld–Hameln · Wikimedia Commons: Bilder zur Extertalbahn
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