Die stillen Halte der Gäubahn in Stuttgart: West, Heslach und Wildpark

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Die stillen Halte der Gäubahn in Stuttgart: West, Heslach und Wildpark

Auf der Gäubahn fahren in Stuttgart noch Züge, nur halten sie dort nicht mehr. Drei Halte in den Hang über dem Talkessel: ein Westbahnhof mit Stellwerken, ein Haltepunkt mit Brücken und ein Wildpark-Halt, den kaum jemand kennt.

Der Haltepunkt Heslach und der Hasenbergturm im Jahr 1930, im Vordergrund die Gäubahn.
Der Haltepunkt Heslach und der Hasenbergturm im Jahr 1930, im Vordergrund die Gäubahn. Foto: Karayaglobal, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Stuttgart–Horb eröffnet
1912
Haltepunkt Heslach eröffnet
1960
Haltepunkt Heslach aufgelassen
1985
Stuttgart West ohne Personenverkehr

Lage: Stuttgarter Westen und Süden, am Hang über dem Talkessel. Status: Die Strecke ist in Betrieb, die drei Halte haben keinen Personenverkehr mehr. Heute: Stellwerk als Eventlocation, Brücken in Heslach erhalten, Wildpark abgesperrt.

Die Bahnstrecke Stuttgart–Horb, die Gäubahn, wurde am 1. September 1879 vollendet.

In Stuttgart führt sie als Panoramabahn am Hang über dem Talkessel entlang und unterfährt den Hasenberg im gleichnamigen Tunnel.

Drei Halte an diesem Stück haben heute keinen Personenverkehr mehr: Stuttgart West, Stuttgart-Heslach und Wildpark.

Die Strecke selbst ist in Betrieb, zum Teil auch für Eil- und Schnellzüge, die an den drei Halten ohne Stopp vorbeifahren.

Von Wildpark und Heslach existieren freie historische Fotos, für Stuttgart West vor allem Archivbilder und ein Entwurf von 1890.

Stuttgart West: der Hasenberg-Bahnhof

Der Bahnhof Stuttgart West hieß bis zum 1. Mai 1895 Stuttgart Hasenberg.

Er wurde 1879 zusammen mit der Strecke eingerichtet, an der damaligen Rotenwaldstraße, die eigens als Zufahrtsstraße zur Station gebaut wurde.

Sein Zweck war, auf der zunächst eingleisigen Strecke Zugkreuzungen zu ermöglichen.

Die Station lag fast 80 Meter oberhalb der damaligen Residenzstadt Stuttgart.

1894 und 1895 übernahm sie weitere Aufgaben im Güterverkehr zur Entlastung des Hauptbahnhofs, am 7. Dezember 1899 hatten die Stuttgarter Straßenbahnen sie an ihr Netz angeschlossen.

Nicht realisierter Entwurf für den Hasenberg-Bahnhof, den späteren Westbahnhof, aus dem Jahr 1890.
Nicht realisierter Entwurf für den Hasenberg-Bahnhof, den späteren Westbahnhof, aus dem Jahr 1890. Foto: Georg von Morlok, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Am 29. September 1985 endete der Personenverkehr, als die S-Bahn durch den neu gebauten Hasenbergtunnel der Verbindungsbahn fuhr und die Nahverkehrszüge ablöste.

Für den Güterverkehr schloss der Bahnhof 1993.

Das Empfangsgebäude wurde Ende 1994 abgerissen, um einem Büro- und Geschäftskomplex Platz zu machen.

Die beiden mechanischen Stellwerke Swt und Swf sind erhalten, Swt wird als Tagungs- und Eventlocation vermietet.

Zur ganzen Geschichte des Bahnhofs gibt es einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Stuttgart West: Ein Halt ohne Zug an der Panoramabahn

Stuttgart-Heslach: ein Haltepunkt hoch über dem Ort

Der Haltepunkt Heslach lag am Rand des Stadtteils Heslach, weit oberhalb der eigentlichen Siedlung.

Er ging 1912 in Betrieb, 33 Jahre nach der Eröffnung der Strecke.

Am 29. Mai 1960 wurde er wieder aufgelassen.

Die nächsten Stationen waren Stuttgart West in rund 800 Metern Entfernung Richtung Hauptbahnhof und Wildpark in 1,7 Kilometern Richtung Horb.

Zwischen Heslach und West liegt der 258 Meter lange Hasenbergtunnel.

Weil Heslach und der Westbahnhof so dicht beieinander lagen, standen Signale des Westbahnhofs im Bereich des Haltepunkts.

Ein am Südende des Tunnels aufgestelltes Formsignal in Form eines blau-grauen „W“ zeigte das Ende der zulässigen Rangiertätigkeiten des Bahnhofs Stuttgart West an.

Rangiert wurde beim Umsetzen längerer Züge vom Westbahnhof durch den gesamten Hasenbergtunnel bis zum Haltepunkt.

Blick vom Bahnhof Heslach mit einer Dampflok der Baureihe P 8 auf einer alten Postkarte von etwa 1940.
Blick vom Bahnhof Heslach mit einer Dampflok der Baureihe P 8 auf einer alten Postkarte von etwa 1940. Foto: Unknown author Unknown author, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Aufnahmen von 1930 zeigen den Haltepunkt in seiner Blütezeit.

Es gab einen Kiosk unterhalb des überdachten Bahnsteigs Richtung Stuttgart und eine Unterführung neben dem gemauerten Kartenkiosk zum anderen Bahnsteig Richtung Vaihingen und Böblingen.

Die Bahnsteigkanten erstreckten sich bis zur zweiten Brücke in Richtung Wildpark.

Nach der Auflassung blieben die spärlichen Anlagen noch bis Mitte der 1970er Jahre erhalten.

Es waren im Wesentlichen zwei Außenbahnsteige mit je einem einfachen Holzunterstand.

Als Zugänge dienten eine heute zugeschüttete Unterführung und die bis heute vorhandene Fußgängerbrücke aus Beton, eine Bogenbrücke mit schmiedeeisernen Geländern.

Die zweite Brücke aus Beton ist ebenfalls noch da und dient als Zufahrt zum Gebiet Heslacher Wand.

Der alte Haltepunkt Heslach an der Gäubahn im Mai 1973.
Der alte Haltepunkt Heslach an der Gäubahn im Mai 1973. Foto: Karayaglobal, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick aus dem Hasenbergtunnel auf die Einfahrt in den Haltepunkt Heslach im April 1975.
Blick aus dem Hasenbergtunnel auf die Einfahrt in den Haltepunkt Heslach im April 1975. Foto: Karayaglobal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Elektrolok fährt im April 1975 aus dem Hasenbergtunnel am aufgelassenen Haltepunkt Heslach aus.
Eine Elektrolok fährt im April 1975 aus dem Hasenbergtunnel am aufgelassenen Haltepunkt Heslach aus. Foto: Karayaglobal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Elektrolok am Signal Halt des aufgelassenen Haltepunkts Heslach, Sommer 1975.
Eine Elektrolok am Signal Halt des aufgelassenen Haltepunkts Heslach, Sommer 1975. Foto: Karayaglobal, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wildpark: ein Halt ohne Zugang

Der Haltepunkt Wildpark liegt nach Angaben aus einem Zeitungsbericht zwischen Südheim und Schattenring.

Die Station gilt als seit etwa 60 Jahren stillgelegt, ein Jahr nennt der Bericht nicht.

Eine Ansichtskarte von etwa 1900 zeigt die Wildpark-Station an der Gäubahn mit einem Personenzug.

Die Wildpark-Station an der Gäubahn mit einem Personenzug auf einer Ansichtskarte von etwa 1900.
Die Wildpark-Station an der Gäubahn mit einem Personenzug auf einer Ansichtskarte von etwa 1900. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Eine Zehnerkarte von 1941 belegt, dass der Haltepunkt im Zweiten Weltkrieg noch bedient wurde.

Erhalten sind laut dem Bericht ein alter Kartenschalter und ein früherer Personaleingang.

Das Gelände ist abgesperrt, die Treppen zum Halt sind gesichert, das Betreten ist nicht erlaubt.

Eine Zehnerkarte für den Haltepunkt Wildpark von 1941.
Eine Zehnerkarte für den Haltepunkt Wildpark von 1941. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher an der Panoramabahn

Vorher hielten hier Personenzüge: in Wildpark um 1900 und noch 1941, in Heslach von 1912 bis 1960 und in Stuttgart West bis 1985.

Nachher fahren S-Bahn und Fernzüge am Westbahnhof vorbei, und von Heslach stehen nur noch die Brücken.

Das Stellwerk Swt in Stuttgart West wird als Eventlocation genutzt, und die Bahnsteigkante des Hausbahnsteigs ist noch zu erkennen.

Im Rahmen der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 soll die Panoramabahn einschließlich des Bahnhofs West außer Betrieb genommen werden, ein Termin ist derzeit offen.

Die Geschichte in Daten

1. September 1879: Die Strecke Stuttgart–Horb wird vollendet, die Station Hasenberg (später Stuttgart West) eingerichtet.

1. Mai 1895: Hasenberg heißt jetzt Stuttgart West.

1912: Der Haltepunkt Heslach geht in Betrieb.

1941: Eine Zehnerkarte belegt den Betrieb am Haltepunkt Wildpark.

29. Mai 1960: Der Haltepunkt Heslach wird aufgelassen.

26. Mai 1963: Elektrifizierung der Strecke Stuttgart–Böblingen.

29. September 1985: Stuttgart West verliert den Personenverkehr.

1993: Stuttgart West schließt auch für den Güterverkehr.

Ende 1994: Das Empfangsgebäude Stuttgart West wird abgerissen.

Häufige Fragen

Ist die Gäubahn in Stuttgart stillgelegt?
Nein, die Strecke ist in Betrieb. Nur die drei Halte West, Heslach und Wildpark haben keinen Personenverkehr mehr.
Wann wurde der Haltepunkt Heslach aufgelassen?
Am 29. Mai 1960.
Was ist vom Haltepunkt Heslach erhalten?
Die Fußgängerbrücke aus Beton mit schmiedeeisernem Geländer und eine zweite Betonbrücke, die zur Heslacher Wand führt.
Kann man den Haltepunkt Wildpark besuchen?
Nein, das Gelände ist abgesperrt. Man kann ihn nur von der Strecke oder aus der Ferne sehen, betreten sollte man ihn nicht.
Wie lang ist der Hasenbergtunnel?
258 Meter, er liegt südlich von Stuttgart West und führt nach Heslach.

Die drei Halte erzählen von einer Zeit, in der der Stuttgarter Westen noch am Rand der Stadt lag.

Heute bleibt von ihnen ein Stellwerk, zwei Brücken und ein Zaun.

Quellen und Bildrechte

Bahnhof Stuttgart West (Wikipedia) · Haltepunkt Stuttgart-Heslach (Wikipedia) · Bahnstrecke Stuttgart–Horb (Wikipedia) · Lost Place in Stuttgart: ein Haltepunkt, an dem kein Zug mehr hält (Stuttgarter Zeitung) · Wildpark (komoot)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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