Die Hamm-Osterfelder Bahn: stille Halte an der Nordstrecke des Ruhrgebiets
Die Hamm-Osterfelder Bahn entstand 1905 als Güterumgehung am Nordrand des Ruhrgebiets. Seit 1983 hält an vielen ihrer Bahnhöfe kein Reisezug mehr, die Güterzüge rollen weiter.

Lage: Nordrand des Ruhrgebiets zwischen Recklinghausen und Hamm. Status: Die Strecke ist in Betrieb, dient aber im östlichen und mittleren Teil nur dem Güterverkehr. Heute: Die Bahnhöfe liegen an einer befahrenen Güterstrecke und sind nicht zugänglich, mehrere Gebäude sind in Privatbesitz.
Die Hamm-Osterfelder Bahn, auch Nordstrecke oder Hertener Bahn genannt, ist rund 77 Kilometer lang und verbindet Oberhausen-Osterfeld mit Hamm.
Sie wurde als Güterumgehung des Ruhrgebiets gebaut, und der Personenverkehr war immer schwach.
Am 29. Mai 1983 stellte die Bundesbahn ihn zwischen Gelsenkirchen-Buer Nord und Hamm ein.
Dieser Beitrag geht die Halte Recklinghausen-Suderwich, Datteln, Waltrop, Herten, Lünen Süd, Oberaden, Bergkamen und Pelkum durch.
Westerholt fehlt, weil dort seit Dezember 2025 wieder ein Haltepunkt mit S-Bahn-Verkehr besteht.
Freie Fotos gibt es nur von Datteln, Suderwich und Pelkum, deshalb zeigen die Bilder nur diese drei Orte.
So entstand die Strecke
Der Bau einer Eisenbahn von Osterfeld nach Hamm wurde am 25. Mai 1900 per Gesetz genehmigt.
Sie sollte das fast nicht mehr ausbaufähige Bahnnetz des Ruhrgebiets entlasten, vor allem im Güterverkehr.
Gebaut wurde sie von den Preußischen Staatseisenbahnen und am 1. Mai 1905 zunächst eingleisig eröffnet.
Das zweite Gleis kam 1912 hinzu.
Die Strecke verband die beiden großen Rangierbahnhöfe Hamm und Osterfeld Süd für lange Durchgangsgüterzüge.
Zugleich band sie neue Steinkohlezechen an das Netz an, jeder Bahnhof war Übergabebahnhof für eine oder mehrere von mehr als fünfzehn Zechen.
Die Bahnhöfe lagen wegen dieses Zwecks teilweise weit von den Ortskernen entfernt.
So sah es vorher aus: Zechenstrecke mit wenig Reisenden
Trotz mehrerer größerer Städte am Weg war der Personenverkehr immer schwach ausgelegt.
Planmäßigen Schienenpersonenfernverkehr gab es trotz Zweigleisigkeit und Hauptbahnstatus nie.
1967 wurde die gesamte Strecke elektrifiziert.
Der Personenverkehr zwischen Gelsenkirchen-Buer Nord und Hamm endete am 29. Mai 1983.
Seit dem 11. September 2020 fahren zwischen Gelsenkirchen-Buer Nord und der Abzweigstelle Blumenthal wieder Personenzüge der S-Bahn-Linie S9.
Der östliche und mittlere Teil dient bis heute nur dem Güterverkehr.
Recklinghausen-Suderwich: Gebäude für den Abriss angekündigt
In Suderwich liegt der 1983 stillgelegte Bahnhof Recklinghausen-Suderwich.
Der Abriss des Bahnhofsgebäudes war für das Jahr 2019 angekündigt.
Der Stadtteil ist heute nur noch mit Bussen im öffentlichen Nahverkehr erreichbar.
Die Querverbindung von Becklem zur Zeche König Ludwig ist außer Betrieb.

Datteln: ein Bahnhof am Kraftwerk
Der Bahnhof Datteln wurde 1905 zusammen mit der Strecke eröffnet, das Stationsgebäude ging gleichzeitig in Betrieb.
Die Zeche Emscher-Lippe begann 1906 mit der Kohleförderung, deshalb entstand an der Strecke eine Betriebsstation.
1938 gehörte der Bahnhof zur Rangklasse II.
Im Mai 1983 endete der Personenverkehr.
Seit 2009 befindet sich das Stationsgebäude in Privatbesitz und wurde seitdem mehrmals saniert.
Es ist bis heute weitgehend erhalten geblieben.
Seit 2012 werden die Signale des Bahnhofs vom elektronischen Stellwerk in Oberhausen-Osterfeld aus gesteuert.
Das Kraftwerk Datteln ist über ein Anschlussgleis angeschlossen.
Die Straßen Am Bahnhof und Bahnhofstraße tragen den Namen des Bahnhofs.
Die Bushaltestelle Datteln Bahnhof wird von den Buslinien SB22 und 231 der Vestischen Straßenbahnen bedient.
Waltrop: der Bahnhof, der ein Wirtshaus wurde
Der Bahnhof Waltrop wurde 1905 mit der Strecke eröffnet, am 1. Mai 1905 begann der Personenverkehr.
Das Empfangsgebäude war ein einstöckiger Fachwerkbau mit Satteldach und einem Anbau für den Güterschuppen.
1938 gehörte der Bahnhof zur Rangklasse III, 1967 ging ein Relaisstellwerk in Betrieb.
Im Mai 1983 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr ein.
Nachdem schon vorher alle Weichen entfernt worden waren, wurde am 17. März 2007 das Stellwerk außer Betrieb genommen und durch Selbstblocksignale ersetzt.
Der Bahnhof ist vollständig stillgelegt.
Das Empfangsgebäude ging in Privatbesitz über und wurde nach der Stilllegung mehrmals saniert und verändert.
Heute beherbergt es eine Gaststätte.
Geblieben ist eine Bushaltestelle der Linie 285, und die örtliche Bahnhofstraße ist nach dem Bahnhof benannt.
Herten: der alte Bahnhof und der neue Haltepunkt
Der alte Bahnhof Herten wurde 1905 an der Strecke eröffnet.
1983 verlor er den Personenverkehr, bis 1993 wurde er noch im Güterverkehr bedient.
Dann wurde er in eine Ausweichanschlussstelle umgewandelt, später kamen auch die letzten Nebengleise und Weichen weg.
Das ehemalige Empfangsgebäude steht heute im Technologiepark Herten und wird privat genutzt.
Von 1983 bis 2022 war Herten mit über 60.000 Einwohnern die größte deutsche Stadt ohne Anbindung an den Schienenpersonenverkehr.
Am 11. Dezember 2022 wurde etwa 400 Meter östlich des alten Bahnhofs an der Feldstraße ein neuer Haltepunkt eröffnet.
Lünen Süd: Güterbahnhof mit stillem Ablaufberg
Im Bahnhof Lünen Süd liegen im noch genutzten Güterbahnhof ein stillgelegter Ablaufberg und ein Übergabebahnhof zu mehreren Industriebetrieben.
Außerdem führt eine eingleisige Verbindungsstrecke nach Lünen Hauptbahnhof.
Vom Abzweig Horstmar besteht eine eingleisige Verbindungskurve zum Bahnhof Lünen Preußen.
Zu den Reisezügen in Lünen Süd ist nichts Näheres belegt.
Oberaden: Bahnhof der Zechenstadt
Oberaden hatte bis 1983 einen Bahnhof an der damals hauptsächlich und heute ausschließlich dem Güterverkehr dienenden Strecke.
Er lag an der Lünener Straße (L 654).
Der Bahnhof besteht heute aus den beiden Hauptgleisen und vier Weichen zum Überleiten.
Der Steinkohlenbergbau in Oberaden begann erst am 28. September 1938 mit dem Abteufen der Schächte Haus Aden 1 und 2.
2001 wurde die Zeche Haus Aden geschlossen.
Zur Gartenschau IGA 2027 wurde berichtet, dass unweit des ehemaligen Bahnhofs vorübergehend ein Haltepunkt am Bahnübergang Jahnstraße geschaffen werden soll.
Der Bahnübergang wurde 2020 durch ein Brückenbauwerk ersetzt.
Bergkamen: die größte Stadt ohne Personenzug
Der Bergkamener Bahnhof lag zwischen den Stadtteilen Mitte und Rünthe im dünn besiedelten Gebiet nahe dem Naturschutzgebiet Beversee.
Ein zweiter Bahnhof lag in Oberaden.
Bergkamen ist seit 2022 die größte deutsche Stadt ohne Schienenpersonenverkehr.
Für einen neuen Anschluss wurden eine erneute Nutzung der Hamm-Osterfelder Bahn, die Reaktivierung stillgelegter Zechenbahntrassen und eine Regionalstadtbahn geprüft.
Problematisch ist die Lage der Strecke abseits des Bergkamener Stadtzentrums, nur für Oberaden, Pelkum und gegebenenfalls Overberge käme ein ortskernnaher Haltepunkt infrage.
Pelkum: ein Bahnhof, der schon 1966 verstummte
Der seit 1905 bestehende Bahnhof Pelkum liegt im gleichnamigen Stadtbezirk von Hamm.
Er wurde am 21. Mai 1966 um 24 Uhr für den Personenverkehr stillgelegt, 17 Jahre vor der übrigen Strecke.
Der Pelkumer Gemeinderat hatte sich noch im Februar vehement gegen die Schließung gewehrt, weil Pelkum damals seine Selbstständigkeit gegenüber Hamm bewahren wollte.


Hauptkunde des Bahnhofs war die Zeche Heinrich-Robert, von der täglich mindestens ein Kohlenzug mit 1.300 Tonnen nach Frankreich fuhr.
Bis 2010 diente der Bahnhof ausschließlich der Kohleabfuhr des Bergwerks Ost, dann schloss das Bergwerk.
Bis zum 31. März 1957 war Pelkum durch die Straßenbahn Hamm erschlossen, die Linie 3 war im Juni 1928 bis zum Pelkumer Amtshaus verlängert worden.
Danach übernahmen Busse unter derselben Liniennummer 3.

Das Empfangsgebäude blieb als Gaststätte erhalten, 1978 stand es leer und verfiel zunehmend.
1979 verkaufte die Bundesbahn es an einen Privatmann, 1988 wurde es saniert.
Heute beherbergt es ein Restaurant, ein Leuchten- und ein Sonnenstudio.



So sieht es jetzt aus
Die Strecke ist im Güterverkehr in ihrer gesamten Länge von Bedeutung, seit Ende 2012 wird sie bis Herringen von Oberhausen gesteuert.
Die Bahnhöfe Waltrop, Datteln und Recklinghausen-Suderwich sind für den Personenverkehr stillgelegt.
Ob die Strecke wieder Reisende bekommt, ist offen: Im Jahr 2023 war die Reaktivierung weder im Zielnetz 2040 des VRR noch im NRW-Zielnetz enthalten.
Vorher und nachher in Waltrop
Vorher hielten hier Personenzüge, es gab Weichen, ein Relaisstellwerk und ein Fachwerk-Empfangsgebäude.
Nachher sind die Weichen entfernt, das Stellwerk ist seit 2007 außer Betrieb, und im Gebäude ist eine Gaststätte.
Die Geschichte in Daten
25. Mai 1900: Gesetz zum Bau der Bahn von Osterfeld nach Hamm.
1. Mai 1905: Eröffnung der Strecke, zunächst eingleisig.
1912: Zweites Gleis.
1928: Straßenbahnlinie 3 bis zum Amtshaus Pelkum verlängert.
1938: Rangklassen: Datteln II, Waltrop III.
21. Mai 1966: Personenverkehr im Bahnhof Pelkum eingestellt.
1967: Elektrifizierung der Strecke.
29. Mai 1983: Personenverkehr zwischen Gelsenkirchen-Buer Nord und Hamm eingestellt.
1993: Bahnhof Herten wird Ausweichanschlussstelle.
17. März 2007: Stellwerk Waltrop außer Betrieb.
2010: Bergwerk Ost schließt, Kohleabfuhr in Pelkum endet.
11. Dezember 2022: Neuer Haltepunkt Herten eröffnet.
Häufige Fragen
Fahren auf der Hamm-Osterfelder Bahn noch Züge?
Wann endete der Personenverkehr?
Gibt es noch das Bahnhofsgebäude in Datteln?
Wofür wird das Waltroper Bahnhofsgebäude genutzt?
Wird die Strecke wieder für Reisende geöffnet?
Die Halte der Nordstrecke zeigen, wie ein Netz für Kohle und Güter gebaut wurde und die Reisenden nur am Rand vorkamen.
Bahnstrecke Oberhausen-Osterfeld–Hamm (Wikipedia) · Bahnhof Waltrop (Wikipedia) · Bahnhof Datteln (Wikipedia) · Bahnhof Herten (Westf) (Wikipedia) · Liste der Bahnhöfe und Haltepunkte in Hamm (Wikipedia) · Bergkamen (Wikipedia) · Oberaden (Wikipedia) · Recklinghausen-Suderwich (Wikipedia)
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