Die Fischbachtalbahn: stillgelegte Halte zwischen Neuhaus, Camphausen und Wemmetsweiler

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Fischbachtalbahn: stillgelegte Halte zwischen Neuhaus, Camphausen und Wemmetsweiler

Die Strecke durch das Fischbachtal fährt bis heute, doch mehrere ihrer Halte sind aufgegeben. Der alte Grubenbahnhof, Brefeld und Neuhaus erzählen von Kohle und Kurswechseln.

Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen in Fischbach-Camphausen, aufgenommen 2021.
Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen in Fischbach-Camphausen, aufgenommen 2021. Foto: AnRo0002, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Strecke eröffnet
1985
Neuhaus aufgegeben
2005
Brefeld aufgegeben
2006
Wemmetsweiler Rathaus ersetzt alten Bahnhof

Lage: Saarland, zwischen Saarbrücken und Wemmetsweiler. Status: Die Strecke ist in Betrieb, mehrere Halte sind aufgegeben. Heute: Fischbach-Camphausen hat einen neuen Haltepunkt weiter nördlich.

Die Fischbachtalbahn führt von Saarbrücken Hauptbahnhof nach Neunkirchen und verläuft überwiegend entlang des Fischbachs.

Die Strecke ist in Betrieb, doch einige ihrer Halte wurden aufgegeben.

Dieser Beitrag geht diese Halte durch: Neuhaus, Franziskaschacht, den alten Grubenbahnhof von Fischbach-Camphausen, Brefeld und den alten Bahnhof von Wemmetsweiler.

Zu Wemmetsweiler gibt es bereits einen Abschnitt im Beitrag über die Primstalbahn, hier steht er deshalb nur kurz.

Freie Fotos aus der Betriebszeit der aufgegebenen Halte sind nicht vorhanden, alle Bilder stammen aus den Jahren 2009 bis 2021.

Entstehung: Die Kohle im Fischbachtal

Anfang der 1870er Jahre begann der Aufschluss der Kohlegruben im Fischbachtal.

1871 entstand die Grube Camphausen, 1872 die Grube Brefeld und 1873 die Grube Maybach.

Schon in der Planung ging es darum, wie die Kohle abtransportiert werden sollte.

Zunächst sollten Stichbahnen vom Sulzbachtal aus die Gruben bedienen.

Dafür hätten Tunnel durch den Höhenrücken gebaut werden müssen, außerdem war die Strecke durch das Sulzbachtal bereits überlastet.

Deshalb fasste man bereits 1866 den Plan, eine Strecke von Neunkirchen durch das Fischbachtal nach Saarbrücken zu bauen.

1873 wurde die Genehmigung für den Bau erteilt.

Im Februar 1879 begann die Kohleverladung in der Grube Camphausen.

Am 15. Oktober 1879 wurde die Strecke über Brefeld und Wemmetsweiler nach Neunkirchen eröffnet.

Die Stichbahn zur Grube Maybach folgte am 6. April 1881.

Nachdem 1887 in Göttelborn die Kohlengrube abgeteuft worden war, entstand von Merchweiler aus die Stichbahn zur Grube Göttelborn, die am 1. Oktober 1891 eröffnet wurde.

1965 wurde die gesamte Strecke elektrifiziert.

So sah es vorher aus: Kohle, Fachwerk und Fahrtrichtungswechsel

Die Empfangsgebäude in Fischbach-Camphausen, Brefeld und Schiffweiler stimmen in ihrer Bauweise weitgehend überein.

Die Angaben der Deutschen Bahn zu ihrer Entstehungszeit weichen voneinander ab.

Die Ähnlichkeit ist so groß, dass ein gemeinsames Konzept und nah beieinander liegende Bauzeiten wahrscheinlich sind.

Alle drei zeigen Fachwerkbauweise, die im Historismus als Sichtfachwerk zurückkehrte.

Im Brefelder und im Schiffweiler Empfangsgebäude war Fachwerk sogar in Erd- und Obergeschoss zu sehen, das ist bei Gebäuden dieser Zeit eher die Ausnahme.

Der Personenverkehr war lange Zeit mehr auf Lebach als auf Neunkirchen ausgerichtet.

Deshalb mussten die Personenzüge im Bahnhof Wemmetsweiler jedes Mal die Fahrtrichtung wechseln.

Neuhaus (Saar)

Der Haltepunkt Neuhaus lag bei Kilometer 5,3 der Strecke zwischen Saarbrücken-Schleifmühle und Franziskaschacht.

Er wurde 1985 aufgegeben.

Den Namen Neuhaus trägt auch das Forsthaus Neuhaus bei Saarbrücken, eine denkmalgeschützte gutsähnliche Anlage.

Die Scheune Neuhaus ist ihr ältester Teil und wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut, Inschriften nennen die Jahre 1832 und 1849.

Die Gebäude waren bis 1991 Sitz der Forstverwaltung.

Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.

Franziskaschacht

Der Haltepunkt Franziskaschacht lag bei Kilometer 6,8 zwischen Neuhaus und dem alten Bahnhof Fischbach.

Er ist als ehemaliger Haltepunkt der Strecke verzeichnet.

Weitere Angaben zu seiner Eröffnung, seiner Schließung und seinen Anlagen sind nicht belegt.

Fischbach-Camphausen: der alte Grubenbahnhof

Der Grubenbahnhof von Fischbach-Camphausen wurde 1879 erbaut und ist inzwischen aufgelassen.

Er lag eher außerhalb der Ortsbebauung hangaufwärts im Süden des recht engen Fischbachtals.

Die Bahnsteige und Stationsschilder sind noch vorhanden.

Anstelle des Bahnhofs wurde ein Haltepunkt weiter nördlich gebaut, der zentraler im Ortsteil Fischbach liegt.

Dort halten die Züge zwischen Saarbrücken und Lebach-Jabach.

Der Gebäudekomplex des alten Bahnhofs ist langgestreckt, mit einem zweigeschossigen Kernbau, einer Gaststätte im Norden und den Betriebsräumen im Süden.

Der ursprüngliche Kernbau hatte keine Wartehalle, den Hausbahnsteig erreichten die Fahrgäste über einen Durchgang an der Fahrkartenausgabe vorbei.

An die Fahrkartenausgabe wurde ein Stellwerk angebaut.

Das Empfangsgebäude ist noch im Besitz der Deutschen Bahn AG.

Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen, 2021.
Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen, 2021. Foto: AnRo0002, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen aus einer anderen Richtung, 2021.
Der alte Bahnhof an der Grube Camphausen aus einer anderen Richtung, 2021. Foto: AnRo0002, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Blick durch Gestrüpp über die Bahngleise zum Grubenbahnhof Fischbach-Camphausen, 2021.
Blick durch Gestrüpp über die Bahngleise zum Grubenbahnhof Fischbach-Camphausen, 2021. Foto: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Grube Camphausen war eng mit der Strecke verbunden: Die Kohleverladung dort begann im Februar 1879, wenige Monate vor der Streckeneröffnung.

Die Halde nördlich der Fischbachtalbahn wurde bis in die 1950er Jahre aktiv genutzt.

Bis zur Schließung der Grube im Jahr 1990 diente danach ein neuer Tafelberg südlich des Bergwerks als Halde.

Brefeld

Der Haltepunkt Brefeld lag bei Kilometer 11,2 und wurde 2005 aufgegeben.

Er lag wie Fischbach-Camphausen eher außerhalb der Ortsbebauung hangaufwärts im Süden des engen Fischbachtals.

Die Bahnsteige und Stationsschilder sind noch vorhanden.

Brefeld ist der kleinste Stadtteil von Sulzbach.

1872 wurden dort die Kreuzgrabenschächte angehauen, 1898 erhielten die Grube und der Ortsteil den Namen Brefeld nach dem preußischen Minister für Handel und Gewerbe Ludwig Brefeld.

Die Grube Brefeld wurde in den 1960er Jahren stillgelegt.

Das Entstehungsjahr des Empfangsgebäudes ist nicht mehr zu ermitteln.

Der Grundriss zeigt einen rechteckigen Bau mit einem eingezogenen, vermutlich neueren Anbau im Süden.

In der Mitte lag die Durchgangshalle mit dem Fahrkartenschalter, die man durch ein Doppelportal betrat und gegenüber wieder verließ.

Im Süden befanden sich die Dienst- und Betriebsräume mit eigenem Eingang, im Norden der Warteraum mit Schankraum, Toiletten und Küche.

Das Holzgesims zwischen den beiden Geschossen ist mit dem in Fischbach-Camphausen identisch.

Heute fehlen der gesamte nördliche Teil und das Stellwerk.

Das Fachwerk ist fast überall verputzt oder verkleidet und nur noch im Erdgeschoss der Straßenseite zu sehen.

Das ehemalige Empfangsgebäude wird nicht mehr als solches genutzt.

Der Abriss des dritten Gebäudes dieser Bauart in Schiffweiler begann am 8. Dezember 2009, auf der Fläche entstand 2011 eine Bushaltestelle.

Wemmetsweiler: der alte Bahnhof

Der Bahnhof Wemmetsweiler war der Ort, an dem die Personenzüge die Fahrtrichtung wechseln mussten.

Um das zu vermeiden, wurde schon in den 1990er Jahren eine Verbindungskurve geplant, die Wemmetsweiler Kurve.

2003 wurde sie gebaut, der Eisenbahnknoten wurde nach Illingen verlegt.

Der alte Bahnhof wurde im Personenverkehr aufgegeben und 2006 durch den neuen Bahnhof Wemmetsweiler Rathaus näher am Ortskern ersetzt.

Die Straßenbrücke der Landesstraße L 128 wurde im Zuge der städtischen Umgestaltung durch einen 54 Meter langen Tunnel ersetzt.

Mehr zum alten Bahnhof steht im Beitrag über die Primstalbahn.

Der ehemalige Bahnhof von Wemmetsweiler in der Gemeinde Merchweiler, 2016.
Der ehemalige Bahnhof von Wemmetsweiler in der Gemeinde Merchweiler, 2016. Foto: atreyu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahnhof Wemmetsweiler, aufgenommen im April 2013.
Bahnhof Wemmetsweiler, aufgenommen im April 2013. Foto: atreyu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Wemmetsweiler im Jahr 2014.
Der Bahnhof Wemmetsweiler im Jahr 2014. Foto: Dguendel, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnsteig des neuen Bahnhofs Wemmetsweiler Rathaus, 2009.
Der Bahnsteig des neuen Bahnhofs Wemmetsweiler Rathaus, 2009. Foto: Powerhauer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Halte werden aufgegeben

Der Haltepunkt Neuhaus wurde 1985 aufgegeben, Brefeld 2005 und der alte Bahnhof Wemmetsweiler im Personenverkehr 2006.

Für Fischbach-Camphausen ersetzte ein neuer Haltepunkt den alten Grubenbahnhof, ein Jahr dazu ist nicht belegt.

Nach der Stilllegung der Grube Göttelborn wird die Stichbahn zwischen Merchweiler und Göttelborn noch zur Bedienung des Kraftwerks Weiher genutzt.

So sieht es jetzt aus

Die Fischbachtalbahn ist in Betrieb.

Auf ihr halten Züge unter anderem in Fischbach-Camphausen, Quierschied, Merchweiler, Wemmetsweiler Rathaus und Schiffweiler.

Von den hier beschriebenen Halten sind Neuhaus, Franziskaschacht, Brefeld und der alte Grubenbahnhof Fischbach-Camphausen aufgegeben.

In Brefeld und Fischbach-Camphausen sind Bahnsteige und Stationsschilder erhalten.

Das Empfangsgebäude in Fischbach-Camphausen gehört weiterhin der Deutschen Bahn AG.

Vorher und nachher: der Grubenbahnhof

Der Grubenbahnhof in Fischbach-Camphausen entstand 1879 als Bahnhof an der neuen Kohlenstrecke.

Heute halten die Züge in einem Haltepunkt weiter nördlich, der zentraler im Ortsteil Fischbach liegt.

Das alte Empfangsgebäude steht mit seinem Kernbau, der Gaststätte im Norden und den Betriebsräumen im Süden noch an der Strecke.

Die Geschichte in Daten

1866: Plan einer Strecke von Neunkirchen durch das Fischbachtal nach Saarbrücken.

1871: Die Grube Camphausen entsteht.

1872: Die Grube Brefeld entsteht.

1873: Die Genehmigung zum Bau der Strecke wird erteilt, die Grube Maybach entsteht.

Februar 1879: Kohleverladung in der Grube Camphausen beginnt.

15. Oktober 1879: Die Strecke über Brefeld und Wemmetsweiler nach Neunkirchen wird eröffnet.

6. April 1881: Die Stichbahn zur Grube Maybach wird eröffnet.

1. Oktober 1891: Die Stichbahn zur Grube Göttelborn wird eröffnet.

1965: Die gesamte Strecke wird elektrifiziert.

1985: Der Haltepunkt Neuhaus wird aufgegeben.

2003: Die Wemmetsweiler Kurve wird gebaut.

2005: Der Haltepunkt Brefeld wird aufgegeben.

2006: Der Bahnhof Wemmetsweiler Rathaus ersetzt den alten Bahnhof Wemmetsweiler.

Häufige Fragen

Fährt auf der Fischbachtalbahn noch ein Zug?
Ja, die Strecke ist in Betrieb. Aufgegeben sind einzelne Halte, etwa Neuhaus und Brefeld.
Wann wurde der Haltepunkt Neuhaus aufgegeben?
Im Jahr 1985.
Wann wurde Brefeld aufgegeben?
Im Jahr 2005. Bahnsteige und Stationsschilder sind noch vorhanden.
Wo halten die Züge heute in Fischbach-Camphausen?
In einem Haltepunkt weiter nördlich, der zentraler im Ortsteil Fischbach liegt.
Wo steht mehr zum alten Bahnhof Wemmetsweiler?
Im Beitrag über die Primstalbahn.
Quellen und Bildrechte

Fischbachtalbahn (Wikipedia) · Fischbach Valley Railway (Wikipedia, englisch) · Fischbach-Camphausen (Wikipedia) · Brefeld (Sulzbach/Saar) (Wikipedia) · Forsthaus Neuhaus (Wikipedia) · Wemmetsweiler (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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