Waldheim–Rochlitz: die Nebenbahn durch Hartha und Geringswalde

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Waldheim–Rochlitz: die Nebenbahn durch Hartha und Geringswalde

Die Strecke Waldheim–Rochlitz brauchte über 20 Jahre Petitionen bis zum Bau und wurde 1893 eröffnet. 1997 endete der Personenverkehr, 1998 folgte die Stilllegung.

Postkarte von 1913: Blick auf Geringswalde mit Eisenbahnbrücke und Güterzug.
Postkarte von 1913: Blick auf Geringswalde mit Eisenbahnbrücke und Güterzug. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1893
Eröffnung am 6. Dezember
1997
Personenverkehr eingestellt
1998
Stilllegung vollzogen
2012
Abbau der Gleise beginnt

Lage: Mittelsachsen, zwischen Waldheim und Rochlitz über Hartha und Geringswalde. Status: 1998 stillgelegt, Gleise ab 2012 abgebaut. Heute: Teile der Trasse sind Radwege oder dafür vorgesehen.

Die Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz war eine rund 21 Kilometer lange eingleisige Nebenbahn in Mittelsachsen.

Sie verlief von Waldheim über Hartha und Geringswalde nach Rochlitz und wurde 1893 eröffnet.

Der Personenverkehr endete am 1. Juni 1997, der Güterverkehr schon am 1. Januar 1996, die Stilllegung wurde am 15. August 1998 juristisch vollzogen.

Frei nutzbare Fotos aus der Betriebszeit sind selten, ältere Ansichten zeigen vor allem Geringswalde, die übrigen Bilder entstanden nach der Stilllegung.

Über 20 Jahre Petitionen

Schon in den 1870er-Jahren gab es Bestrebungen für einen Bahnbau zwischen Waldheim und Rochlitz.

1871 ging die erste Eingabe an den Sächsischen Landtag, die Erste Kammer lehnte das Vorhaben ab.

Besonders Geringswalde und Hartha erhofften sich von einer Bahn Vorteile für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Auch die 1872 gestellte Petition, die Geringswalde, Hartha, Rochlitz und Waldheim unterstützten, wurde abschlägig beschieden.

1882 genehmigte man immerhin erste Voruntersuchungen zur Rentabilität.

Am 16. April 1883 wurde das Bauvorhaben erneut abgelehnt.

Mit der Eingabe vom 12. November 1883 erklärten sich die anliegenden Ortschaften bereit, die benötigten Grundstücke auf eigene Kosten aufzukaufen.

Am 7. November 1887 beschwerten sich die vier Städte in einer Petition an die Zweite Kammer über die schleppende Entwicklung.

1888 und 1889 wurden erste Vorarbeiten für eine Sekundärbahn genehmigt, die noch 1889 begannen.

Den eigentlichen Bahnbau erlaubte die Zweite Kammer am 13. März 1890, die Erste Kammer stimmte kurz darauf zu.

Bei der Streckenführung war vor allem die Lage des Bahnhofs Hartha strittig.

Ein stadtnaher Bahnhof hätte die Strecke um rund einen Kilometer verlängert und zwei weitere Brücken erfordert.

Trotz des Wunsches der Nachbargemeinden, die Strecke nördlich der Stadt zu führen, setzte sich die südliche Variante durch.

Deshalb entstand auch der Geringswalder Bahnhof südlich der Stadt.

Für den Weg nach Rochlitz standen das Auenbachtal und das Aubachtal zur Wahl, den Ausschlag für das Aubachtal gaben die größere Zahl anzubindender Gemeinden und die zu erwartenden Neigungsverhältnisse.

Der Bau bis zur Eröffnung

Die Bauarbeiten begannen am 1. April 1891, in Waldheim und Rochlitz richtete man Baubüros ein.

Am 27. Oktober 1891 erfolgte der erste Spatenstich an der Brücke über die Zwickauer Mulde, dem größten Ingenieurbauwerk der Strecke.

Umfangreichere Arbeiten gab es erst ab Juni 1892.

In Döhlen musste ein Teil des Hausberges abgetragen werden, um Platz für Bahn und Straße zu schaffen, mit dem Gestein wurde das Gelände an der Haltestelle aufgefüllt.

In Geringswalde mussten zur Planierung des Bahnhofsgeländes 96.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden.

Der für den 1. Juli 1893 geplante Fertigstellungstermin ließ sich nicht halten, Gleise wurden erst ab August 1893 verlegt.

Die erste Lokomotive traf am 6. Oktober 1893 in Hartha ein.

Mit sechsmonatiger Verzögerung wurde die Strecke am 6. Dezember 1893 mit einem Sonderzug feierlich eröffnet.

Zuvor wurde die Postkutschenverbindung zwischen Geringswalde und Rochlitz eingestellt.

Zeichnung der Muldenbrücke der Strecke Waldheim–Rochlitz bei Station 201+54,1, 1911.
Zeichnung der Muldenbrücke der Strecke Waldheim–Rochlitz bei Station 201+54,1, 1911. Foto: Königlich Sächsische Staatseisenbahnen, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: lokale Bahn für Fabriken und Pendler

Die Strecke diente vorwiegend lokalen Bedürfnissen.

Der erste Fahrplan sah vier Zugpaare täglich vor.

1914 verkehrten werktags acht Züge Richtung Waldheim und sechs Richtung Rochlitz, für die 21 Kilometer brauchten sie 60 bis 70 Minuten.

Hinzu kam ein weiterer Zug von Waldheim bis Geringswalde.

Kurzzeitig fuhren an einzelnen Wochentagen durchgehende Theaterzüge nach und von Döbeln.

Nach dem Ersten Weltkrieg sanken die Transportleistungen, zeitweilig fuhr sonntags kein Personenzug mehr.

Erst Ende der 1920er-Jahre stabilisierten sich die Verkehrsleistungen wieder.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Strecke unbeschädigt, Brückensprengungen wurden nicht durchgeführt.

Um 1980 fuhren montags bis freitags drei lokbespannte Zugpaare zwischen Waldheim und Rochlitz, die Fahrzeit betrug etwa 40 Minuten.

An Wochenenden verkehrten zwei lokbespannte Zugpaare und zwei von und nach Altenburg durchgebundene Triebwagenpaare.

Der morgendliche Personenzug von Waldheim nach Rochlitz lief werktags weiter bis Narsdorf.

Typische Triebfahrzeuge waren die Baureihen 110, 106 und 171/172 der Deutschen Reichsbahn, gelegentlich kam auch die sechsachsige Baureihe 118 zum Einsatz.

Niedergang und Stilllegung

Ab 1987 wurde der Abschnitt Waldheim–Döhlen für eine Achslast von 21 Tonnen ausgebaut, was die Erneuerung fast aller Brücken auf diesem Abschnitt erforderte.

Die Brücke über den Klosterbach in Geringswalde ersetzte man damals nur durch eine voll tragfähige Behelfsbrücke, die Muldenbrücke zwischen Döhlen und Rochlitz wurde nicht erneuert.

Hintergrund war der Bau eines zentralen Heizkraftwerks für Rochlitz in Döhlen, das mit Braunkohle aus der Lausitz versorgt werden sollte.

Im Sommer 1988 war die Strecke dafür mehrere Monate gesperrt, auch Eisenbahnpioniere und Bausoldaten der Nationalen Volksarmee waren beteiligt.

Das Heizkraftwerk wurde wegen der Wende 1989/90 nicht fertiggestellt.

Nach 1989 verlor die Strecke rasch ihre Bedeutung im Personen- und Güterverkehr.

Wegen zunehmenden Verschleißes stieg die Fahrzeit auf etwa eine Stunde.

Zum Tag der Sachsen 1995 in der Region Rochlitz fuhren noch Sonderzüge, die teils über Waldheim bis Riesa durchgebunden wurden.

Zeitweilig lief auch ein Durchlauf von Nahverkehrszügen von Chemnitz über Waldheim, Rochlitz und Narsdorf zurück nach Chemnitz.

Wegen der stark zurückgegangenen Nutzung stellte man den Reiseverkehr am 1. Juni 1997 ein, den Güterverkehr schon am 1. Januar 1996.

Am 2. Juni 1998 genehmigte das Eisenbahnbundesamt die Stilllegung, juristisch vollzogen wurde sie am 15. August 1998.

Ende 2011 erklärte sich die Deutsche Bahn bereit, die Strecke für einen Bahntrassenradweg zu verkaufen, die anliegenden Kommunen kauften die Abschnitte auf ihrem Gebiet.

Im Frühjahr 2012 begann der Abbau der Gleis- und Signalanlagen.

Waldheim: Start der Strecke

Der Bahnhof Waldheim wurde 1852 mit dem Abschnitt Limmritz–Chemnitz eröffnet, dem letzten Teilstück der Strecke Riesa–Chemnitz, und ist weiter in Betrieb.

Die Strecke nach Rochlitz fädelte im nördlichen Bahnhofskopf aus und verließ die Hauptstrecke in einer langen Kurve nach Nordwesten.

Nach Süden zweigte die ebenfalls stillgelegte Strecke Waldheim–Kriebethal ab, die 1896 eröffnet wurde.

Für die Züge Richtung Rochlitz gab es nur ein Gleis mit Umsetzmöglichkeit am Inselbahnsteig, gegenüber liegt das Bahnsteiggleis der Hauptbahn.

In Waldheim standen ein langer Güterschuppen und ein über eine Drehscheibe angebundenes Heizhaus, in dem Lokomotiven für den Rangierdienst und die Übergaben zu den Papierfabriken im Zschopautal stationiert waren.

Hartha: zweitwichtigster Zwischenbahnhof

Nach Geringswalde war Hartha der zweitwichtigste Zwischenbahnhof der Strecke.

Für den Personenverkehr standen zwei Bahnsteige zur Verfügung, da hier gelegentlich Züge kreuzten.

Mehr Bedeutung hatte der Güterverkehr: Zum Bahnhof gehörten vier Anschlüsse, von denen drei bis kurz vor der Betriebseinstellung bedient wurden.

Zu den wichtigsten Kunden zählte neben einem Anschluss zur BHG vor allem die Textilindustrie.

An Hochbauten gab es ein zweieinhalbgeschossiges Empfangsgebäude aus Ziegeln in einer sächsischen Typenbauweise, einen Güterschuppen, ein Wirtschaftsgebäude, eine Laderampe und ein Wohnhaus.

Für die umfangreichen Rangieraufgaben wurde 1936 eine fabrikneue Kö I der Firma Windhoff mit der Betriebsnummer 0236 vom Bahnbetriebswerk Riesa nach Hartha versetzt.

Der Bahnhof trug in seiner Betriebszeit vier Namen.

Bis zum 30. September 1904 hieß er Hartha bei Waldheim, bis zum 30. Juni 1911 Hartha (Stadt), bis zum 3. Oktober 1953 Hartha Stadt.

Seit dem 4. Oktober 1953 lautete der Name Hartha (Kr Döbeln).

Am 8. Mai 2023 erließ die Landesdirektion Sachsen einen Planfeststellungsbeschluss für einen knapp einen Kilometer langen Radweg zwischen Hartha und der Fröhne, der auf einem stillgelegten Bahndamm verläuft.

Der Bahnhof Hartha (Kr Döbeln), Aufnahme von 2016.
Der Bahnhof Hartha (Kr Döbeln), Aufnahme von 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Gleisseite des Bahnhofs Hartha (Kr Döbeln), 2016.
Die Gleisseite des Bahnhofs Hartha (Kr Döbeln), 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Geringswalde: der wichtigste Zwischenbahnhof

Der Bahnhof Geringswalde hatte einen Inselbahnsteig, an dem Züge kreuzen konnten und der durch einen Tunnel aus dem Empfangsgebäude zugänglich war.

Am Zugang des Tunnels befand sich eine seit den 1970er-Jahren nicht mehr benutzte Bahnsteigsperre.

Das Empfangsgebäude entsprach dem in Hartha, wurde aber um eine geräumige Wartehalle erweitert, deren östliche Innenwand ein Wandgemälde mit Eisenbahnmotiven schmückte.

Der erste Güterschuppen auf der Südseite erwies sich als zu klein, deshalb entstand auf der Nordseite ein zweiter, größerer.

In den 1930er-Jahren wurde zu Rangierzwecken eine Kleinlokomotive hier stationiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei Gleise zu Reparationszwecken demontiert.

Der Güterverkehr diente der örtlichen Industrie und dem Landhandel, der Landhandel hatte ein eigenes Anschlussgleis.

Ein Zweigbetrieb der Vereinigten Werkzeugfabriken besaß ebenfalls einen Anschluss, der über eine Segmentdrehscheibe auch das Kraftfuttermischwerk ans Netz anband.

An beiden Enden des Bahnhofs lag ein Bahnübergang, der östliche war seit Mitte der 1970er-Jahre für Straßenfahrzeuge ständig geschlossen und nur für Fußgänger passierbar.

Bei der Ertüchtigung der Strecke in den 1980er-Jahren war in Geringswalde ein Bauzug stationiert.

Der Bahnhof Geringswalde von der Straßenseite, 2016.
Der Bahnhof Geringswalde von der Straßenseite, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Gleisseite des Bahnhofs Geringswalde, 2016.
Die Gleisseite des Bahnhofs Geringswalde, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Geringswalde, 2018, ein Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen.
Der Bahnhof Geringswalde, 2018, ein Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Postkarte von 1914: Geringswalde, Am Bahnhof.
Postkarte von 1914: Geringswalde, Am Bahnhof. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Arras: ein Haltepunkt im Aubachtal

Hinter Geringswalde verlief die Strecke bis Arras nach Süden und schwenkte dann nach Südwesten.

Am Haltepunkt Arras gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein privates Anschlussgleis.

Die Wartehalle hatte ein Holzpflaster und ist nicht mehr vorhanden.

Am 26. September 1940 wurde die Brücke über die Straße von Arras nach Milkau mit Hilfe eines Eisenbahndrehkrans ausgetauscht.

Die Bahnbrücke bei Arras, 2016.
Die Bahnbrücke bei Arras, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Obstmühle: Wartehalle und Wagenkasten

Die ehemalige Haltestelle Obstmühle wurde nach dem Abbau des Ladegleises zum Haltepunkt.

Neben der Wartehalle stand der Wagenkasten eines gedeckten Güterwagens der Bauart Stettin, der als Lagerraum genutzt wurde.

Ab Obstmühle verläuft die Strecke in westlicher Richtung bis Rochlitz.

Das Gebäude mit dem Stationsschild ist noch vorhanden.

Der ehemalige Haltepunkt Obstmühle, 2023.
Der ehemalige Haltepunkt Obstmühle, 2023. Foto: Michael Wolf ( Webseite ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Brücke der stillgelegten Strecke über den Crossener Bach, 2023.
Die Brücke der stillgelegten Strecke über den Crossener Bach, 2023. Foto: Michael Wolf ( Webseite ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Döhlen: Haltestelle fürs Hydraulikwerk

Die Haltestelle Döhlen lag westlich des Ortes und bestand bis zur Betriebseinstellung.

Im Güterverkehr diente sie dem nahegelegenen Werk des VEB Orsta-Hydraulik Rochlitz und der Verladung landwirtschaftlicher Güter.

Das Wartehaus aus DDR-Zeiten am Rand des Areals blieb bis in die Gegenwart erhalten.

Die Station trug drei Namen: bis zum 30. Juni 1911 Döhlen bei Rochlitz, bis zum 21. Dezember 1933 Döhlen b Rochlitz (Sa), seit dem 22. Dezember 1933 Döhlen (b Rochlitz/Sachs).

An der Einfahrt lag der Bahnübergang der heutigen Bundesstraße 175, der durch Halbschranken gesichert war.

Der ehemalige Bahnübergang der Strecke in Döhlen, Aufnahme von 2011.
Der ehemalige Bahnübergang der Strecke in Döhlen, Aufnahme von 2011. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Eisenbahntrasse in Döhlen, 2019.
Die ehemalige Eisenbahntrasse in Döhlen, 2019. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rochlitz: der Knoten am Ende der Strecke

Hinter Döhlen überquerte die Strecke die Zwickauer Mulde und erreichte den Bahnhof Rochlitz.

Der Bahnhof wurde am 8. April 1872 zusammen mit der Strecke Rochlitz–Narsdorf–Penig eröffnet.

1875 folgte der Abschnitt Rochlitz–Großbothen der Muldentalbahn, die 1876 bis Penig verlängert wurde, 1877 war die Gesamtstrecke bis Glauchau befahrbar.

Damit wurde Rochlitz zum Eisenbahnknoten, aus den Lokbehandlungsanlagen entwickelte sich das Bahnbetriebswerk Rochlitz.

Neben den Zügen aus Waldheim endeten hier auch die der 1902 eröffneten Chemnitztalbahn von Wechselburg nach Küchwald.

Am Güterverkehr hatten neben dem Sandabbau im Muldental die Papier- und Textilindustrie großen Anteil, im Personenverkehr war vor allem der Berufsverkehr wichtig.

Erst mit den wirtschaftlichen Folgen der Wende brach das Transportaufkommen zusammen, bis 2001 wurden alle Schienenverkehrsverbindungen um Rochlitz eingestellt.

Die Brücken der Strecke

Die Teile für die originalen Brücken lieferte das Lauchhammerwerk.

Die Brücke über die Zwickauer Mulde wurde im Oktober 1891 begonnen und im März 1893 beendet.

Sie liegt in einer Kurve, ist 111 Meter lang und 11 Meter hoch, wiegt 250 Tonnen und besteht aus Fachwerkträgern, die zwei gemauerte Pfeiler zwischen den Widerlagern stützen.

Eine Erneuerung war zwischen 1991 und 1995 geplant, unterblieb aber, obwohl der Zustand die Achslast auf 16 Tonnen und die Höchstgeschwindigkeit auf 10 Kilometer pro Stunde begrenzte.

Die Fachwerkträgerbrücke über den Klosterbach zwischen Geringswalde und Klostergeringswalde war 96 Meter lang und 9 Meter hoch und damit das zweitgrößte Ingenieurbauwerk der Strecke.

1988 wurde sie durch eine Behelfsbrücke ersetzt, ein Ersatz durch eine neue Trägerkonstruktion war zwischen 1991 und 1995 geplant und unterblieb.

Die Eisenbahnbrücke der ehemaligen Strecke Rochlitz–Waldheim über die Zwickauer Mulde in Rochlitz, 2014.
Die Eisenbahnbrücke der ehemaligen Strecke Rochlitz–Waldheim über die Zwickauer Mulde in Rochlitz, 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Geringswalde

Früher kreuzten in Geringswalde Züge am Inselbahnsteig, den ein Tunnel mit dem Empfangsgebäude verband, und zwei Güterschuppen sowie mehrere Anschlussgleise bedienten Industrie und Landhandel.

Zum Gebäude gehörte eine geräumige Wartehalle mit einem Wandgemälde mit Eisenbahnmotiven.

Seit 1998 ist die Strecke stillgelegt, die Gleise wurden ab 2012 abgebaut.

1871: Erste Eingabe an den Sächsischen Landtag, abgelehnt von der Ersten Kammer.

1883: Das Bauvorhaben wird am 16. April erneut abgelehnt.

1890: Die Zweite Kammer erlaubt am 13. März den Bahnbau.

1891: Baubeginn am 1. April, erster Spatenstich an der Muldenbrücke am 27. Oktober.

1893: Feierliche Eröffnung am 6. Dezember.

1914: Werktags acht Züge Richtung Waldheim und sechs Richtung Rochlitz.

1936: Eine Kö I wird für den Rangierdienst in Hartha stationiert.

1987: Ausbau des Abschnitts Waldheim–Döhlen für 21 Tonnen Achslast beginnt.

1996: Der Güterverkehr wird am 1. Januar eingestellt.

1997: Der Personenverkehr endet am 1. Juni.

1998: Stilllegung genehmigt am 2. Juni, vollzogen am 15. August.

2012: Im Frühjahr beginnt der Abbau der Gleis- und Signalanlagen.

2023: Planfeststellungsbeschluss für einen Radweg bei Hartha am 8. Mai.

Wann wurde die Strecke Waldheim–Rochlitz eröffnet?
Am 6. Dezember 1893 mit einem Sonderzug.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Reiseverkehr wurde am 1. Juni 1997 eingestellt.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Das Eisenbahnbundesamt genehmigte die Stilllegung am 2. Juni 1998, juristisch vollzogen wurde sie am 15. August 1998.
Wie lang war die Strecke?
Sie war rund 21 Kilometer lang.
Was geschah mit den Gleisen?
Ende 2011 erklärte sich die Deutsche Bahn zum Verkauf bereit, im Frühjahr 2012 begann der Abbau der Gleis- und Signalanlagen.

Die Strecke Waldheim–Rochlitz bediente über 100 Jahre lang Fabriken, Handel und Pendler zwischen Zschopau- und Muldental.

Wer ihrer Trasse folgt, bewegt sich auf der Spur eines Betriebs, der 1893 mit einem Sonderzug begann.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz · Medienservice Sachsen: Radweg Hartha–Fröhne (24. Mai 2023) · Wikimedia Commons: Fotos und historische Ansichten

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Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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