Die stillen Halte der Windbergbahn von Kleinnaundorf bis Possendorf
Die Windbergbahn gilt als erste Gebirgsbahn auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Der Beitrag beschreibt den abgebauten oberen Abschnitt mit den Halten Kleinnaundorf, Cunnersdorf, Bannewitz, Hänichen und Possendorf.

Lage: Von Freital Ost bei Dresden über Gittersee und Kleinnaundorf nach Possendorf. Status: Der Abschnitt Kleinnaundorf–Possendorf wurde 1951 stillgelegt, der Abschnitt bis Dresden-Gittersee wird als Museumsbahn genutzt. Heute: Auf der Trasse des oberen Abschnitts verläuft ein Radweg, die Strecke steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.
Die Windbergbahn führt von Freital Ost bei Dresden auf das Windbergplateau und ist als erste Gebirgsbahn auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands bekannt.
Erbaut wurde sie 1856 als Hänichener Kohlezweigbahn für die Albertsbahn AG, später hieß sie auch Sächsische Semmeringbahn.
Der obere Abschnitt von Kleinnaundorf bis Possendorf wurde am 20. April 1951 stillgelegt und binnen einer Woche abgebaut.
Das letzte Stück des Gleises zwischen Dresden-Gittersee und Kleinnaundorf baute man von 1972 bis 1974 ab.
Der untere Abschnitt von Freital Ost bis Dresden-Gittersee ist dagegen nicht stillgelegt, der Windbergbahn e. V. nutzt ihn als Museumsbahn.
Dieser Beitrag geht die stillgelegten Halte Kleinnaundorf, Cunnersdorf, Bannewitz, Hänichen-Goldene Höhe und Possendorf einzeln durch und nennt die Museumsbahn am Ende.
Entstehung: Eine Kohlebahn mit Kehren am Hang
Steinkohle wurde im Döhlener Becken seit 1542 gefördert, im 19. Jahrhundert wuchs der Abbau bei Hänichen und am Windberg stark an.
Der Hänichener Steinkohlenbauverein forderte 1852 eine Eisenbahnverbindung zu seinen Schächten, die erste Konzession dafür wurde verweigert.
Am 31. Mai 1855 schloss die Albertsbahn AG mit dem Verein einen Vertrag über eine Zweigbahn nach Hänichen.
Der Ingenieur Guido Brescius entwarf eine reine Adhäsionsbahn, die in Kehren den Birkigter Hang hinaufführt.
Dadurch kam die Strecke ohne Brücken und tiefe Einschnitte aus.
Der engste Radius liegt im Geiersgraben und beträgt 85 Meter.
Am 21. Oktober 1856 prüfte ein Gremium von Sachverständigen die fertige Strecke.

Am 1. April 1857 fuhr der erste Leerzug vom Dresdner Kohlenhafen nach Hänichen und kam beladen mit Kohle zurück.
Am 15. April 1857 unternahm König Johann eine Inspektionsfahrt und nannte die Strecke eine Sächsische Semmeringbahn.
Der Name blieb der Strecke erhalten.
So sah es vorher aus: Kohlehunte, Ausflugszüge und Aussichtswagen
Schon ab dem 10. März 1857 bot die Albertsbahn an Sonntagen Ausflugsfahrten für die Öffentlichkeit an.
Dafür erhielten die Kohlehunte Bänke.
Damit begann der Ruf der Windbergbahn als Ausflugsbahn.
Am 1. Juli 1868 ging die Albertsbahn AG für 2.862.800 Taler in das Eigentum des sächsischen Staates über.
Die Kohlevorkommen bei Hänichen waren um 1900 erschöpft, der Berglustschacht schloss 1905.
Daraufhin wurde die Strecke zu einer öffentlichen Linie ausgebaut und bis Possendorf verlängert.

Am 21. Dezember 1907 eröffnete die Strecke mit einem Festzug für den öffentlichen Verkehr bis Hänichen-Goldene Höhe.
Der über einen Kilometer lange Neubauabschnitt bis Possendorf wurde am 30. September 1908 eröffnet, der planmäßige Zugbetrieb von Dresden nach Possendorf begann am 1. Oktober 1908.
Die Bahn entwickelte sich schnell zu einer der wichtigsten Ausflugsbahnen Sachsens.

Ab 1910 liefen zwei offene Aussichtswagen, die aus alten Abteilwagen umgebaut worden waren.
1911 kamen vier neue Aussichtswagen mit breiten Fenstern und verglasten Plattformen hinzu, gebaut von der Waggon- und Maschinenfabrik in Bautzen.
Einer dieser Wagen ist erhalten und gehört dem Windbergbahn e. V.
Kleinnaundorf: Haltepunkt mit Schachtanschluss
Der Haltepunkt Kleinnaundorf lag am stillgelegten Abschnitt.
Direkt am Haltepunkt begann die Anschlussbahn des Glückauf-Schachtes, die 1875 in Betrieb ging und 1967 gekündigt wurde.
Außerdem hatte der Halt Bedeutung für den Reiseverkehr.
Um 1972 wurden die Gleisanlagen der Betriebsstelle abgebaut.
Das Gelände des Haltepunkts ist mit einer Garagenanlage überbaut.
Der Windbergbahn e. V. richtete das kleine Dienstgebäude in den 1980er Jahren originalgetreu wieder her.
Das Dienstgebäude und das Toilettengebäude stehen unter Denkmalschutz.
Am 25. Oktober 2012 übergab der Verein die Nutzung des gesamten Areals an den Verein G-Haus Kleinnaundorf.


Am Abzweig Kleinnaundorf Posten 77 begann die Windberg-Zweigbahn zu den Schächten auf dem Windbergplateau.
Ihre Trasse ist zur Gänze erhalten und wird teilweise als Fahrweg oder Wanderweg genutzt.
Das einstige Postenhaus des Abzweigs ist erhalten und dient Wohnzwecken.
Cunnersdorf: Halt für den Marienschacht
Petitionen der Gemeindevertreter von Neubannewitz, Boderitz und Cunnersdorf führten erst 1908 zur Einrichtung des Haltepunkts Cunnersdorf bei Freital, der zunächst Boderitz-Cunnersdorf hieß.
Er diente vor allem dem Berufsverkehr des nahen Marienschachtes.
An Sonn- und Feiertagen kam ein reger Ausflugsverkehr hinzu, denn in der Nähe lag das Tanz- und Ausflugslokal Zur Prinzenhöhe.
Das kleine hölzerne Stationsgebäude wurde 1923 vom alten Haltepunkt Dresden-Plauen der Bahnstrecke Dresden–Werdau hierher umgesetzt.
2010 gelang die denkmalgerechte Instandsetzung mit finanzieller Hilfe eines Sponsors.
Der Marienschacht der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke ging 1893 in Betrieb, ein Anschlussgleis bestand seit 1898.
Der Schacht förderte bis zum 11. April 1930.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten ihn der VEB Steinkohlenwerk Freital und die SDAG Wismut weiter.
Das Schachtgebäude mit dem Malakoff-Förderturm steht unter Denkmalschutz.

Bannewitz: Mittelpunkt der Bahn vor dem Zweiten Weltkrieg
Der Bahnhof Bannewitz war vor dem Zweiten Weltkrieg der betriebliche und verkehrliche Mittelpunkt der Windbergbahn.
Nach der Stilllegung 1951 übernahm der VEB Kompressorenbau Bannewitz das Gelände.
Er ließ nach und nach sämtliche Hochbauten abreißen.
Zuletzt verschwand 1993 der denkmalgeschützte Güterboden.

Hänichen-Goldene Höhe: Station der Ausflügler
Der Bahnhof Hänichen-Goldene Höhe war früher die wichtigste Station im Ausflugsverkehr.
Mit der Goldenen Höhe lag ein damals bedeutendes Ausflugsziel mit Gaststätte in der Nähe.
Außerdem herrschte hier reger Stückgutverkehr.
Hier lag die ursprüngliche Endstation der Kohlebahn am Berglustschacht bei Kilometer 12,478.
Der Hänichener Steinkohlenbauverein war aus dem Gewerberegister am 18. Mai 1906 gestrichen worden.
Das Stationsgebäude diente nach der Stilllegung unter anderem als Kindergarten und als Stützpunkt der Straßenmeisterei.
Das gesamte Areal wurde 2010 von der Gemeinde Bannewitz saniert.


Possendorf: Endpunkt seit 1908
Der Bahnhof Possendorf entstand erst 1908 mit der Verlängerung der Strecke.
Neben dem Ausflugsverkehr gab es hier regen Güterverkehr, umgeschlagen wurden landwirtschaftliche Produkte der Region, Kohle, Düngemittel und Baumaterialien.
Der zweiständige Lokschuppen wurde 1972 abgerissen.
Nach der Stilllegung zog die Possendorfer Kindertagesstätte in das Empfangsgebäude ein.
Die ehemaligen Güterverkehrsanlagen übernahm ein Agrochemisches Zentrum, dessen Nachfolgefirmen das Gelände noch nutzen.
Seit Dezember 2010 steht ein Personenwagen auf einem Gleisstück als Werbeträger für das technische Denkmal Windbergbahn.


Niedergang und Ende: Stilllegung, Uranerz und Güterverkehr
Die letzten beiden aktiven Schächte im Windberggebiet stellten 1930 die Förderung ein.
Im Berufsverkehr verlor die Bahn Reisende an den 1919 eingerichteten Linienbusverkehr.
Ab 1943 entfielen die sonntäglichen Ausflugszüge, am 14. Mai 1945 wurde der Verkehr nach Kriegsende wieder aufgenommen.
Der schwach ausgelastete Abschnitt zwischen Kleinnaundorf und Possendorf wurde am 20. April 1951 stillgelegt.
Er fiel Maßnahmen zur Gewinnung von Oberbaustoffen für den Berliner Außenring zum Opfer.
Die ausgebauten Schienen wurden für den Umbau der Bahnstrecke Frose–Quedlinburg verwendet.
1952 errichtete das Bergbauunternehmen Wismut in Coschütz eine Erzaufbereitungsanlage, die Erzzüge aus dem Westerzgebirge fuhren über die Windbergbahn bergwärts.
Am 9. November 1957 fuhren die letzten Reisezüge zwischen Dresden und Kleinnaundorf.
Die Erzwäsche schloss 1965, der verbliebene Güterverkehr bis Kleinnaundorf endete 1967.
Studenten bauten das Gleis zwischen Dresden-Gittersee und Kleinnaundorf von 1972 bis 1974 im Rahmen von Studentensommern ab.
Am 10. April 1980 nahm die Kreisdenkmalliste die Gesamtstrecke bis Possendorf auf.
Der Güterverkehr zu den Betrieben im Gewerbegebiet Coschütz und Gittersee endete am 30. Dezember 1993.
Der Museumsabschnitt: Freital-Birkigt und Dresden-Gittersee
Der untere Abschnitt der Windbergbahn ist nicht stillgelegt, sondern Museumsbahn.
Seit 2008 gehören die Bahnanlagen bis Dresden-Gittersee dem Sächsischen Museumsbahn Verein Windbergbahn e. V.
Am 22. Dezember 2008 schloss der Verein mit der DB Netz AG einen Pachtvertrag für die Strecke Freital Ost bis Dresden-Gittersee mit 20 Jahren Laufzeit.
Der 1907 eingerichtete Haltepunkt Freital-Birkigt lag vor allem im Berufsverkehr zu den umliegenden Fabriken.
Bis auf das durchgehende Streckengleis sind die Anlagen dort zurückgebaut.

Der Bahnhof Dresden-Gittersee war zuletzt die wichtigste Betriebsstelle der Windbergbahn.
Gleise und Hochbauten sind im ursprünglichen Zustand erhalten, im Dienstgebäude zeigt seit 1988 ein Museum die Geschichte der Strecke.
Der Bahnhof wurde am 13. Juni 2000 als Kulturdenkmal eingestuft.

Am 31. August 2019 fanden nach längerer Pause wieder öffentliche Fahrten statt, befahren wurden etwa 1,5 Kilometer ab Dresden-Gittersee.
Am 26. Mai 2021 folgte die erste Fahrt zum neu gestalteten Haltepunkt Leisnitz bei Kilometer 3,0.
Seit 1. Mai 2025 ist auch der Abschnitt zwischen dem Haltepunkt Schloss Burgk und dem Geyersgraben wieder befahrbar.

So sieht es jetzt aus: Radweg auf der Trasse
Dank des 1980 ausgesprochenen Denkmalschutzes ist die ehemalige Trasse zwischen Kleinnaundorf und Possendorf bis auf wenige kurze Abschnitte durchgängig unverbaut geblieben.
Dazu zählen unter anderem der Haltepunkt Kleinnaundorf bis zum Schulberg, ein Stück im Bahnhof Bannewitz, die Ecke Bahnhofstraße und Pulverweg in Hänichen sowie der Bahnhof Possendorf.
Seit den 1990er Jahren verläuft auf dem Bahnkörper ein Radweg.
2019 erhielt er im Bereich von Kleinnaundorf den Namen Guido-Brescius-Weg.
Die Geschichte in Daten
31. Mai 1855: Vertrag zwischen der Albertsbahn AG und dem Steinkohlenbauverein über eine Zweigbahn.
21. Oktober 1856: Die Strecke wird von Sachverständigen geprüft.
1. April 1857: Der erste Leerzug fährt vom Kohlenhafen nach Hänichen.
1. Juli 1868: Die Albertsbahn AG geht in Staatsbesitz über.
21. Dezember 1907: Eröffnung für den öffentlichen Verkehr bis Hänichen-Goldene Höhe.
1. Oktober 1908: Planmäßiger Betrieb bis Possendorf.
20. April 1951: Stilllegung von Kleinnaundorf bis Possendorf.
9. November 1957: Letzte Reisezüge zwischen Dresden und Kleinnaundorf.
1972 bis 1974: Abbau des Gleises von Dresden-Gittersee nach Kleinnaundorf.
10. April 1980: Aufnahme der Strecke in die Kreisdenkmalliste.
30. Dezember 1993: Ende des Güterverkehrs.
22. Dezember 2008: Pachtvertrag zwischen DB Netz AG und Windbergbahn e. V.
1. Mai 2025: Der Abschnitt bis zum Geyersgraben ist wieder befahrbar.
Häufige Fragen
Was ist an der Windbergbahn stillgelegt?
Fährt auf der Windbergbahn noch etwas?
Warum heißt sie Sächsische Semmeringbahn?
Wann fuhren die letzten Reisezüge?
Steht die Strecke unter Denkmalschutz?
Die Windbergbahn begann als Kohlebahn und wurde zur beliebten Ausflugsbahn.
Der obere Abschnitt ist abgebaut, die Trasse ist als Radweg erhalten, der untere Abschnitt fährt als Museumsbahn.
Wikipedia: Bahnstrecke Freital Ost–Possendorf · Sächsischer Museumseisenbahn Verein Windbergbahn e. V.
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