Eistalbahn: der stillgelegte Abschnitt zwischen Eiswoog und Enkenbach

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Eistalbahn: der stillgelegte Abschnitt zwischen Eiswoog und Enkenbach

Östlich des Eiswoogs fahren wieder Züge, im Westen liegt seit 1988 alles still. Dort stehen ein 271 Meter langes Viadukt, ein Tunnel und die Reste von Stempelbrunnen und Alsenborn.

VORHER · Archivfoto

Der Eistalviadukt am Eiswoog, Archivaufnahme von Willy Pragher.

Der Eistalviadukt am Eiswoog, Archivaufnahme von Willy Pragher. Foto: Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2007

Der Eistalviadukt von Westen.

Der Eistalviadukt von Westen. Foto: PaulMuaddib, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1932
Lückenschluss bis Enkenbach
1976
Personenverkehr eingestellt
1988
Abschnitt stillgelegt
2001
Neuer Halt Eiswoog östlich des Viadukts

Lage: Stumpfwald zwischen Eiswoog und Enkenbach. Status: Der Abschnitt Eiswoog–Enkenbach ist stillgelegt, Grünstadt–Eiswoog ist reaktiviert. Heute: Viadukt, Tunnel und Brücke stehen noch, der Güterverkehr ist eingestellt.

Die Eistalbahn führt von Grünstadt durch das Eistal nach Enkenbach und ist nur zum Teil stillgelegt.

Der östliche Abschnitt von Grünstadt bis zum Haltepunkt Eiswoog ist reaktiviert und wird mit Regionalbahnen befahren.

Der westliche Abschnitt von Eiswoog bis Enkenbach ist seit dem 31. Dezember 1988 stillgelegt.

Um diesen Abschnitt geht es hier, genauer um die Orte Stempelbrunnen und Alsenborn, den alten Haltepunkt Eiswoog und die großen Bauwerke dazwischen.

Von Stempelbrunnen und Alsenborn liegen keine freien Fotos vor, nur ein Gleisplan von 1920 zeigt Stempelbrunn.

Entstehung: das lange Warten auf Enkenbach

Am 7. August 1864 gründete sich das Eistal-Komitee unter der Leitung des Industriellen Carl von Gienanth.

Es wollte eine Bahn von Grünstadt entlang des Eisbachs nach Eisenberg und von dort über Alsenborn nach Enkenbach.

Ein Gesuch ging am 14. November 1865 an das bayerische Handelsministerium und wurde zwei Wochen später abgelehnt.

Auch ein zweites Gesuch scheiterte, weil der Staat keine Zinsgarantie übernehmen wollte und dem Bau von Hauptbahnen Vorrang gab.

1869 fiel der Beschluss, die Linie vorerst in Eisenberg enden zu lassen, weil der Bau zwischen Grünstadt und Eisenberg deutlich einfacher war.

Am 24. Juni 1876 wurde die 9,7 Kilometer lange Strecke Grünstadt–Eisenberg eröffnet.

Karte der Eistalbahn.
Karte der Eistalbahn. Foto: Pechristener File:Germany location map.svg : NordNordWest , , CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Lückenschluss nach Enkenbach zog sich über Jahrzehnte hin.

1887 erschien eine Denkschrift zum Ausbau der Eistalbahn als Verbindung Worms–Grünstadt–Kaiserslautern, doch die bayerische Regierung lehnte solche Pläne ab.

Sie rechnete bei vielen parallelen Strecken mit Konkurrenz und Einnahmeverlusten.

Der Erste Weltkrieg verhinderte den Weiterbau, die Arbeiten begannen erst 1922 unter der Deutschen Reichsbahn und wurden wegen der französischen Besetzung der Pfalz unterbrochen.

Die Region, vor allem Alsenborn, steckte in einer wirtschaftlichen Krise, deshalb finanzierte die Reichsbahn die Durchbindung vor allem mit einem Sonderkredit.

Im Sommer 1931 öffnete der Abschnitt zwischen Eisenberg und Ramsen für den sonntäglichen Ausflugsverkehr.

Am 5. November 1932 folgte der Lückenschluss.

So sah es vorher aus: Züge durch den Stumpfwald

Nach der Eröffnung fuhren zwischen Grünstadt und Enkenbach drei bis vier Zugpaare.

Einige Züge wurden bis Kaiserslautern verlängert.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es einen Ausflugszug von Ludwigshafen nach Enkenbach.

Im Güterverkehr fuhren Nahgüterzüge vom Rangierbahnhof Einsiedlerhof ins Eistal, die Bahnhöfe zwischen Eisenberg und Enkenbach dienten vor allem der Holzverladung.

Ende der 1930er Jahre nahm der Verkehr im Zuge des Westwallbaus deutlich zu.

1944 wurde der Eistalviadukt durch Bombenabwürfe beschädigt und der Durchgangsverkehr kam zum Erliegen.

Am 20. Januar 1949 lief der durchgehende Verkehr nach der Sanierung des Viadukts wieder an.

Zum 2. November 1954 wurde die Strecke auf vereinfachten Nebenbahnbetrieb umgestellt.

Mitte der 1960er Jahre gab es acht Zugpaare, die vor allem westlich von Eisenberg schwach ausgelastet waren.

Niedergang: 1976 und 1988

Bereits in den 1960er Jahren wollte die Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Eisenberg und Enkenbach einstellen, doch das Bundesverkehrsministerium widersprach.

1973 beantragte sie die Einstellung des Personenverkehrs auf der gesamten Strecke.

Die Gemeinden wehrten sich vehement, dennoch wurde der Personenverkehr zum Fahrplanwechsel am 30. Mai 1976 eingestellt.

Am Samstag, dem 29. Mai 1976, fand noch eine Abschiedsfahrt mit geschmückten Triebwagen der Baureihe 515 statt.

Ab 1981 wurde zwischen Eisenberg und Enkenbach der reguläre Güterverkehr aufgegeben, nur noch Militärzüge nach Kaiserslautern mit Lademaßüberschreitung fuhren dort.

Die Gesamtstilllegung hatten zunächst Zuschüsse des Bundesverteidigungsministeriums und der NATO verhindert, die ein strategisches Interesse an der Strecke hatten.

Weil der Unterhalt des Abschnitts Eisenberg–Enkenbach sehr teuer war, endete dort 1988 der Güterverkehr.

Die Bundesbahn legte den Abschnitt zum 31. Dezember 1988 still.

Der letzte Zug überquerte an diesem Tag den Eistalviadukt bei einer Schienenbus-Sonderfahrt.

Stempelbrunnen: der Scheitelpunkt der Strecke

Bei Streckenkilometer 20,3 zeigt das Gelände auf etwa 500 Metern Länge eine deutlich verbreiterte Trasse.

Hier lag der Betriebsbahnhof Stempelbrunnen, manchmal Stempelbrunn genannt.

Er bildete den Scheitelpunkt der Strecke und lag in der Mitte zwischen Ramsen und Enkenbach.

Seine Hauptaufgabe waren Zugkreuzungen, daneben war er eine Holzverladestelle.

Von der Gleiswaage und dem Betriebsgebäude mit dem Stellwerk sind Fundamentreste vorhanden.

Wann die Gleise zurückgebaut wurden, ist nicht mehr feststellbar.

Bei der Einstellung des Personenverkehrs 1976 gab es dort keine Kreuzungs- oder Ladegleise mehr.

Gleisplan der Station Stempelbrunn an der Strecke Eisenberg–Enkenbach, 1920.
Gleisplan der Station Stempelbrunn an der Strecke Eisenberg–Enkenbach, 1920. Foto: Neubauinspektion Kaiserslautern, 1920, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Alsenborn: Holzverladung am Ortsrand

Der Bahnhof Alsenborn lag am nördlichen Ortsrand von Alsenborn.

Seine Anlagen waren auf den Holztransport ausgelegt, der im Güterverkehr seine Bedeutung ausmachte.

Die örtliche Bahnagentur wurde bereits um 1960 aufgegeben.

Das Empfangsgebäude gibt es bis heute und es dient inzwischen als Wohnhaus.

Die Gleisanlagen sind zugewuchert.

Der alte Haltepunkt Eiswoog

Der Haltepunkt Eiswoog lag unmittelbar westlich des Eistalviadukts unweit des gleichnamigen Sees.

Er wurde 1933 eröffnet, ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Abschnitts Eisenberg–Enkenbach.

Sein Wartehäuschen mit Wellblechdach ist bis heute vorhanden, ebenso die Bahnsteigkante und ein Schild, das auf den Halt hinweist.

Der neue Haltepunkt Eiswoog wurde am 12. August 2001 östlich des Eistalviadukts eröffnet.

Fischzuchtweiher unterhalb des Eiswoogs mit der Eistalbahnbrücke, Oktober 2006.
Fischzuchtweiher unterhalb des Eiswoogs mit der Eistalbahnbrücke, Oktober 2006. Foto: Hans Buch, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Viadukt, Brücke und Tunnel

Der Eistalviadukt wurde 1932 eröffnet und kostete 960.000 Reichsmark.

Seine Oberkante liegt 36 Meter über dem Eisbach, mit 271 Metern Länge ist er die längste Eisenbahnbrücke der Pfalz.

Er überspannt auch die Landesstraße 395 von Grünstadt nach Enkenbach-Alsenborn.

Unter der Brücke steht ein Lokschuppen als westlicher Endpunkt der Stumpfwaldbahn, einer 600-Millimeter-Museumsstrecke für Feldbahnen, die seit 1996 betrieben wird.

Die Zufahrt zum Eistalviadukt von Westen.
Die Zufahrt zum Eistalviadukt von Westen. Foto: PaulMuaddib, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Dreibrunnertalbrücke ist 28 Meter hoch und 176 Meter lang und trägt heute einen Fußweg.

Der Stempelkopf-Tunnel ist 483 Meter lang und der einzige Tunnel der Strecke.

Das Ostportal des Stempelkopf-Tunnels.
Das Ostportal des Stempelkopf-Tunnels. Foto: PaulMuaddib, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Gleis auf dem Eistalviadukt.
Das Gleis auf dem Eistalviadukt. Foto: PaulMuaddib, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Gleise und Viadukt sind vorhanden, der Haltepunkt Eiswoog westlich der Brücke ist wie die Strecke in Richtung Enkenbach-Alsenborn erhalten.

Die Planung, die Züge wieder über das Viadukt zu führen, scheiterte an hohen Sanierungskosten.

Die stillgelegte Strecke der Eistalbahn nahe dem Eistalviadukt im März 2015.
Die stillgelegte Strecke der Eistalbahn nahe dem Eistalviadukt im März 2015. Foto: Stefan Oemisch, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Über die Reaktivierung von Eiswoog bis Enkenbach wurde 1993 ein Wirtschaftlichkeitsgutachten erstellt.

Es scheiterte an den hohen Kosten für die Sanierung des Eisbachtal-Viadukts, des Dreibrunnertal-Viadukts und des Stempelkopf-Tunnels.

Die Gemeinde Enkenbach-Alsenborn will einen Teil der Trasse verkaufen.

Als Nutzung sind ein Radwanderweg oder ein Draisinenverkehr nach dem Vorbild der Glantalbahn genannt.

Eine Machbarkeitsstudie von 2003 brachte kein positives Ergebnis.

Eine neue Studie ab Oktober 2020 kam 2024 auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,5, eine Reaktivierung ist damit weiterhin ausgeschlossen.

Blick auf den Eistalviadukt von West nach Ost im März 2015.
Blick auf den Eistalviadukt von West nach Ost im März 2015. Foto: Stefan Oemisch, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

7. August 1864: Das Eistal-Komitee gründet sich unter Carl von Gienanth.

14. November 1865: Erstes Gesuch an das bayerische Handelsministerium.

24. Juni 1876: Die Strecke Grünstadt–Eisenberg wird eröffnet.

1922: Die Bauarbeiten Richtung Enkenbach beginnen unter der Reichsbahn.

Sommer 1931: Eisenberg–Ramsen öffnet für den Ausflugsverkehr.

5. November 1932: Der Lückenschluss bis Enkenbach ist vollzogen.

1933: Der Haltepunkt Eiswoog wird eröffnet.

1944: Der Eistalviadukt wird durch Bomben beschädigt.

20. Januar 1949: Der durchgehende Verkehr läuft nach der Sanierung wieder an.

Um 1960: Die Bahnagentur Alsenborn wird aufgegeben.

30. Mai 1976: Der Personenverkehr wird eingestellt.

31. Dezember 1988: Der Abschnitt Eiswoog–Enkenbach wird stillgelegt.

12. August 2001: Der neue Haltepunkt Eiswoog östlich des Viadukts geht in Betrieb.

2024: Eine Studie ergibt ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,5.

Häufige Fragen

Ist die ganze Eistalbahn stillgelegt?
Nein, nur der Abschnitt von Eiswoog bis Enkenbach, Grünstadt–Eiswoog ist reaktiviert.
Wann wurde der Abschnitt stillgelegt?
Die Bundesbahn legte ihn zum 31. Dezember 1988 still, der Personenverkehr war schon 1976 eingestellt worden.
Wie lang ist der Eistalviadukt?
Er ist 271 Meter lang und damit die längste Eisenbahnbrücke der Pfalz.
Was war Stempelbrunnen?
Ein Betriebsbahnhof am Scheitelpunkt der Strecke für Zugkreuzungen und Holzverladung.
Was ist aus dem Bahnhof Alsenborn geworden?
Das Empfangsgebäude gibt es noch und dient als Wohnhaus.
Soll der Abschnitt wiederbelebt werden?
Eine Studie ergab 2024 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,5, eine Reaktivierung ist ausgeschlossen.

Der Abschnitt Eiswoog–Enkenbach wurde 1932 eröffnet und 1988 stillgelegt.

Seit 1988 liegen Gleise, Viadukt und Tunnel ohne Zugverkehr im Stumpfwald.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Eistalbahn · Wikipedia: Eistalviadukt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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