Die Eifelquerbahn: stille Halte zwischen Kaisersesch und Gerolstein

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Eifelquerbahn: stille Halte zwischen Kaisersesch und Gerolstein

Auf dem Abschnitt Kaisersesch–Gerolstein der Eifelquerbahn hält seit 1991 kein Linienzug mehr, die Gleise liegen aber noch. Elf Halte zwischen Laubach und Pelm, ein Bahnhof in Uersfeld im Vorher-nachher-Bild und eine Brücke, die über die Zukunft entscheidet.

VORHER · 1991

Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im Jahr 1991.

Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im Jahr 1991. Foto: Reinout van Rees, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2024

Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im November 2024.

Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im November 2024. Foto: LigaDue, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1895
Mayen Ost–Gerolstein eröffnet
1991
Personenverkehr endet
2013
Strecke gesperrt
2021
Abschnitt stillgelegt

Lage: Landkreise Cochem-Zell und Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz. Status: Der Abschnitt Kaisersesch–Gerolstein ist stillgelegt, die Gleise liegen noch. Heute: Bahnhöfe teils erhalten, Reaktivierung wird untersucht, Sonderfahrten des Vereins Eifelquerbahn.

Die Eifelquerbahn, offiziell Bahnstrecke Andernach–Gerolstein, führt von Andernach über Mayen, Kaisersesch und Daun nach Gerolstein.

Auf dem Abschnitt Kaisersesch–Gerolstein wurde der Personenverkehr 1991 eingestellt.

Die Gleise liegen aber noch, und mehrere Bahnhofsgebäude stehen.

Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach ab: Laubach-Müllenbach, Uersfeld, Ulmen, Berenbach, Utzerath, Darscheid, Daun, Rengen, Dockweiler-Dreis, Hohenfels und Pelm.

Für Berenbach, Utzerath, Rengen und Hohenfels liegen auf Wikimedia Commons keine freien Bilder des Halts vor, dort bleibt es bei Text.

Die Strecke und ihre Geschichte

Die Eifelquerbahn wurde in mehreren Etappen eröffnet.

Am 1. April 1878 ging der Abschnitt Andernach–Niedermendig in Betrieb.

Am 29. Mai 1880 folgte Niedermendig–Mayen Ost.

Der dritte Abschnitt von Mayen Ost nach Gerolstein wurde am 15. Mai 1895 eröffnet.

Er gehört zu den Strecken, die die preußische Eisenbahnverwaltung ab etwa 1880 der Eisenbahndirektion Köln unterstellte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Abschnitt von Mayen Ost nach Gerolstein am 29. August 1946 wiedereröffnet.

Im Januar 1991 endete der Personenverkehr zwischen Gerolstein und Mayen West.

Der Güterverkehr wurde zuerst zwischen Ulmen und Kaisersesch eingestellt, am 1. Januar 1998 auch zwischen Gerolstein und Ulmen.

Seit dem 2. Juni 2001 fuhren in der Saison von Mai bis Oktober Touristenzüge zwischen Gerolstein und Ulmen.

Vom 18. Juli 2005 an fand im Sommer täglicher Touristenverkehr zwischen Gerolstein und Daun statt.

Am 26. April 2008 war die Strecke zwischen Kaisersesch und Gerolstein wieder durchgängig befahrbar.

Seit dem 1. Januar 2013 ist der Abschnitt gesperrt, weil regelmäßige Zugfahrten ohne einen Neubau der Kyllbrücke bei Pelm nicht möglich sind.

Der Sanierungsaufwand wurde zeitweise auf 24 Millionen Euro geschätzt, davon allein 6 Millionen Euro für den Brückenneubau.

Am 16. April 2019 gründete sich der Verein Eifelquerbahn, der die Gesamtstrecke erhalten will.

Mitte Februar 2021 wurde der Abschnitt Kaisersesch–Gerolstein stillgelegt, nachdem sich auf eine Ausschreibung hin kein Nachfolger gefunden hatte.

Das Land Rheinland-Pfalz kündigte zugleich einen Trassensicherungsvertrag mit der DB Netz an.

Der historische Rheingold-Zug wird nach dem Hochwasser im Januar 2022 über die Eifelquerbahn geborgen.
Der historische Rheingold-Zug wird nach dem Hochwasser im Januar 2022 über die Eifelquerbahn geborgen. Foto: EifelOnAir Media UG (haftungsbeschränkt), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Juli 2021 beschädigte ein Hochwasser die Eifelbahn bei Jünkerath und Kyllburg schwer.

Gerolstein war damit vom Schienenverkehr abgeschnitten, und mehr als 20 Fahrzeuge standen eingeschlossen im Bahnhof.

Die Deutsche Bahn ließ die Eifelquerbahn deshalb freischneiden und provisorisch wieder durchgängig befahrbar machen.

Mitte Januar 2022 überführte die Vulkan-Eifel-Bahn fünf historische Reisezugwagen des Rheingold nach Kaisersesch.

Laubach-Müllenbach

Laubach liegt fünf Kilometer westlich von Kaisersesch und gehört zur Verbandsgemeinde Kaisersesch.

Auf der Strecke fand bis 2012 touristischer Verkehr der Vulkan-Eifel-Bahn statt.

Ein Foto von 2023 zeigt die leicht zugewachsene Trasse in einer Kurve zwischen Laubach und Kaisersesch.

Zum Halt selbst sind keine weiteren Angaben belegt.

Die leicht zugewachsene Trasse der Eifelquerbahn zwischen Laubach und Kaisersesch im Sommer 2023.
Die leicht zugewachsene Trasse der Eifelquerbahn zwischen Laubach und Kaisersesch im Sommer 2023. Foto: Comrade Elmochan, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Uersfeld

Uersfeld liegt an der Eifelquerbahn, planmäßiger Personenverkehr findet dort nicht mehr statt.

Das Bahnhofsgebäude ist von zwei Seiten gut dokumentiert, 1991 und 2024.

Auf dem Foto von 1991 steht es noch am Gleis, auf den Aufnahmen vom November 2024 zeigt es sich in anderer Farbgebung.

Ob es genutzt wird, ist nicht belegt.

Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im November 2024, von der Seite.
Das Bahnhofsgebäude Uersfeld im November 2024, von der Seite. Foto: LigaDue, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ulmen: Bahnhof der Holzverladung

Am 16. August 1894 fuhr der erste Bauzug aus Richtung Laubach in den Bahnhof Ulmen ein.

Er bekam von Beginn an eine größere Gleisanlage als die Nachbarbahnhöfe, weil er neben dem Personenverkehr vor allem der Holzverladung diente.

Dazu gehören eine Verladerampe, ein Güterschuppen, eine Kopf- und Seitenrampe und ein Lagerplatz gegenüber der Ladestraße.

1903 wurde auf dem Hausbahnsteig am Giebelrisalit des Empfangsgebäudes ein rundum verglaster Stellwerksanbau aus Bruchstein errichtet.

Bis 1929 gab es eine Lorenbahn vom verlandeten Maar Jungfernweiher, wo brikettierter Torf verladen wurde, zum Bahnhof.

1965 bekam ein Fensterbauunternehmen einen Bahnanschluss, im Mai 1966 wurde er um ein Gleis erweitert.

Ein weiteres Gleis verband ein Lager für Flüssiggas, zur Bedienung erhielt der Bahnhof eine Kleinlokomotive.

1968 wurde der Fliegerhorst Büchel erweitert, Zement ging vom Bahnhof Ulmen zum Flugplatz.

Der Bahnhof Ulmen im Jahr 2006.
Der Bahnhof Ulmen im Jahr 2006. Foto: A.Savin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1982 wurde das Bahnpersonal vom Bahnhof abgezogen.

2008 fand ein Fest zur Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs und des Streckenabschnitts für touristische Züge statt, die 2012 wieder eingestellt wurden.

Die umfangreichen Gleisanlagen sind noch vorhanden.

Im September 2023 wurde ein Gutachten des SPNV Nord bekannt, nach dem der Nutzen einer Reaktivierung der Eifelquerbahn die Kosten überwiegt.

Berenbach

Zu Berenbach sind keine weiteren Angaben belegt.

Der Halt lag zwischen Ulmen und Utzerath an der Strecke, die seit 2013 gesperrt ist.

Utzerath

Zu Utzerath gehört ein Wohnplatz mit dem Namen Bahnhof Utzerath.

Der Ort liegt an der Eifelquerbahn, auf der derzeit kein Personennahverkehr angeboten wird.

Zuletzt fand dort nur touristischer Verkehr statt.

Darscheid

In Darscheid steht ein ehemaliger Bahnhof der stillgelegten Eifelquerbahn.

Das Bahnhofsgebäude stammt von 1906.

Zu seiner heutigen Nutzung sind keine Angaben belegt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Darscheid, 2014.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Darscheid, 2014. Foto: HKMKonz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Daun

Der Bahnhof Daun hat einen eigenen Beitrag, deshalb hier nur ein Verweis.

Er war ein Trennungsbahnhof, an dem bis 1981 die Strecke nach Wengerohr abzweigte, und ist seit 2021 stillgelegt.

Der Bahnhof Daun mit seinen Geschichten steht hier: Der Bahnhof Daun

Rengen

Rengen ist durch die Eifelquerbahn auch im Fernsehen zu sehen.

Für den Fernsehfilm „Lasko – Im Auftrag des Vatikans“ von 2005 entstanden zwischen Gerolstein, Daun und Kaisersesch mehrere Actionszenen mit dem Zug.

Dazu gehört ein Zusammenstoß mit einem Hubschrauber am Bahnübergang in Rengen, der gestellt war.

Zum Halt selbst sind keine weiteren Angaben belegt.

Dockweiler-Dreis

Der Haltepunkt Dockweiler-Dreis liegt in der Dauner Straße.

Auch dort findet derzeit kein Bahnverkehr statt.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Hohenfels

Zu Hohenfels sind keine Angaben zur Station belegt.

Der Halt lag auf dem Abschnitt Daun–Pelm, der seit 2013 gesperrt ist.

Pelm

Der Haltepunkt Pelm lag an der Eifelquerbahn und an der Strecke Hillesheim–Gerolstein.

Die Eifelquerbahn folgt von Gerolstein bis Pelm unmittelbar der Eifelstrecke und zweigt dort nach Nordosten ab.

Seit der Sperrung 2013 ist die Kyllbrücke bei Pelm das Hindernis für jede Wiederaufnahme des Verkehrs.

Lediglich Sonderfahrten des Vereins Eifelquerbahn fanden zuletzt statt.

Gleise bei Pelm, 2009.
Gleise bei Pelm, 2009. Foto: Colin Smith on geo.hlipp.de, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pelm ist auch ein Ort des Gedenkens.

Am 18. Mai 1897 starben beim Eisenbahnunfall von Pelm auf der Eifelstrecke zehn Menschen, 40 wurden verletzt.

Es handelte sich überwiegend um Soldaten auf dem Weg zur Garnison nach Metz.

Ein Denkmal erinnert an das Unglück.

Vorher und nachher: Uersfeld

Vorher stand das Bahnhofsgebäude Uersfeld 1991 noch im Betrieb, als der Personenverkehr gerade endete.

Nachher zeigt es sich 2024 in neuer Farbgebung, und die Strecke davor ist gesperrt.

Zwischen beiden Aufnahmen liegen 33 Jahre, in denen Touristenzüge fuhren und wieder verschwanden.

Die Geschichte in Daten

1. April 1878: Andernach–Niedermendig wird eröffnet.

15. Mai 1895: Mayen Ost–Gerolstein wird eröffnet.

29. August 1946: Mayen Ost–Gerolstein wird nach dem Krieg wiedereröffnet.

Januar 1991: Der Personenverkehr Gerolstein–Mayen West endet.

1. Januar 1998: Der Güterverkehr Gerolstein–Ulmen endet.

2. Juni 2001: Touristenverkehr Gerolstein–Ulmen beginnt.

26. April 2008: Die Strecke ist wieder durchgängig befahrbar.

1. Januar 2013: Der Abschnitt wird gesperrt.

16. April 2019: Der Verein Eifelquerbahn gründet sich.

Februar 2021: Kaisersesch–Gerolstein wird stillgelegt.

Januar 2022: Rheingold-Wagen werden über die Strecke geborgen.

Häufige Fragen

Fährt auf der Eifelquerbahn zwischen Kaisersesch und Gerolstein noch ein Zug?
Nein, der Abschnitt ist seit dem 1. Januar 2013 gesperrt und seit Februar 2021 stillgelegt. Nur Sonderfahrten des Vereins Eifelquerbahn fanden zuletzt statt.
Warum ist die Strecke gesperrt?
Regelmäßige Zugfahrten sind ohne Neubau der Kyllbrücke bei Pelm nicht möglich.
Wird die Eifelquerbahn reaktiviert?
Ein Gutachten von 2023 ergab einen Nutzen über 1,0, aber nur mit dem kostengünstigeren NE-Standard. Ob die Strecke reaktiviert wird, ist offen.
Wann endete der Personenverkehr?
Im Januar 1991 zwischen Gerolstein und Mayen West.
Kann man die Bahnhöfe besichtigen?
Von außen ja, aber ob sie genutzt werden oder zugänglich sind, ist nicht belegt. Betreten sollte man sie nicht.

Die Eifelquerbahn ist ein Beispiel für eine Strecke, deren Zukunft an einer einzigen Brücke hängt.

Bis dort entschieden wird, bleiben die Halte stille Zeugen.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Andernach–Gerolstein (Wikipedia) · Bahnhof Ulmen (Wikipedia) · Bahnhof Daun (Wikipedia) · Pelm (Wikipedia) · Eisenbahnunfall von Pelm (Wikipedia) · Darscheid (Wikipedia) · Utzerath (Wikipedia) · Dockweiler (Wikipedia) · Laubach (Eifel) (Wikipedia) · Uersfeld (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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