Der Bahnhof Daun: ein großer Abzweigbahnhof in der Vulkaneifel ohne Züge
1895 eröffnet, 1991 ohne Linienverkehr, die Strecke seit 2013 gesperrt: So sah der Bahnhof Daun früher aus, und das ist heute von ihm übrig.

Lage: Östlicher Stadtrand von Daun, Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz. Status: Ohne Linienverkehr, die Strecke nach Gerolstein und Kaisersesch ist seit 2013 gesperrt und seit 2021 stillgelegt. Heute: Gleise und Empfangsgebäude stehen noch, Busse ersetzen den Zug, die Abzweigstrecke ist ein Radweg.
Daun in der Vulkaneifel hat einen Bahnhof, der für die Lage ungewöhnlich groß ist.
Das lag daran, dass sich hier zwei Strecken trafen: die Eifelquerbahn von Andernach nach Gerolstein und die Strecke nach Wittlich.
Heute fahren auf dem Gleisfeld keine Linienzüge mehr, und die Strecke ist seit Jahren gesperrt.
Die Gleise liegen noch, das Empfangsgebäude steht noch, und ein Verein kämpft für die Rückkehr der Züge.
Die Abzweigstrecke nach Süden ist längst ein Radweg und führt über ein steinernes Viadukt.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen auf Wikimedia Commons, die frühesten hier gezeigten Bilder stammen von 2003.
Wie die Bahn nach Daun kam
Die Eifelquerbahn wurde in Etappen eröffnet.
Am 1. April 1878 ging der Abschnitt von Andernach nach Niedermendig in Betrieb, am 29. Mai 1880 folgte Mayen Ost.
Der dritte Abschnitt von Mayen Ost nach Gerolstein wurde am 15. Mai 1895 eröffnet.
Damit bekam auch Daun Anschluss ans Eisenbahnnetz.
Eine andere, verworfene Planung hatte vorgesehen, die Stadt über Kelberg und die Ahrtalbahn mit Remagen zu verbinden.
Ab 1910 zweigte südlich des Bahnhofs eine zweite Strecke ab.
Sie führte nach Wengerohr, dem heutigen Wittlich Hauptbahnhof an der Moselstrecke.
Der Abschnitt Daun nach Gillenfeld eröffnete am 1. Dezember 1909, der nach Manderscheid-Pantenburg am 1. Mai 1910, der letzte Abschnitt nach Wittlich am 1. Juli 1910.
Der Name Mosel-Maare-Bahn kam erst um 1986 auf, in einer Broschüre von Eisenbahnfreunden, die die Strecke erhalten wollten.

Für die Strecke wurde zwischen 1907 und 1909 das Dauner Viadukt gebaut, ein Steinviadukt mit fünf Bögen.
Es ist 103 Meter lang und knapp 30 Meter hoch und überquert die Bundesstraße 257.
Die Baukosten betrugen 141.000 Mark, die Firma Hochtief führte die Arbeiten aus.
Es liegt unmittelbar hinter dem südlichen Ende des Bahnhofs.
So sah es vorher aus: ein Bahnhof mit zwei Bahnsteigen
Der Bahnhof lag am östlichen Stadtrand, an einer der tiefsten Stellen im Stadtgebiet.
Weil er ein Abzweigbahnhof war, fiel er für seine Lage ungewöhnlich groß aus.
Früher gab es zwei Bahnsteige, die man durch eine Unterführung erreichte.
Der wichtigere gehörte zur Eifelquerbahn und war überdacht.
Am östlichen Rand des Geländes stand ein Lokschuppen mit zwei Ständen und einer Drehscheibe, er ist seit vielen Jahren abgerissen.

Am westlichen Bahnhofskopf lagen zwei Gleisanschlüsse, einer für ein Raiffeisen-Lagerhaus und einer für eine Kohlensäurefabrik.
1934 fuhren fünf Zugpaare täglich von Daun Richtung Wengerohr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das auf zwei Zugpaare reduziert.
Das Empfangsgebäude mit Krüppelwalmdach stammt von 1895.

Ein dunkles Kapitel liegt im Jahr 1944.
Am 19. Juli 1944 flog die Luftflotte der United States Army Air Forces einen schweren Angriff aus großer Höhe, der die Bahnlinien treffen sollte.
Er traf aber die Stadt selbst und zerstörte sie großflächig.
65 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen 26 Kinder unter 14 Jahren.
Der Niedergang der Strecken
Schon in den 1960er Jahren wurde über eine Stilllegung der Eifelquerbahn gesprochen, und der Bahnhof war davon betroffen.
1975 schloss die Stückgutabfertigung.
1981 wurde der Personenverkehr nach Wittlich eingestellt, am 1. November.
Am 22. Mai 1982 endete der Verkehr zwischen Schalkenmehren und Gillenfeld, am 29. Mai 1988 auf den übrigen Abschnitten zwischen Daun und Wittlich.
Die Gleise wurden zwischen Mai 1989 und Anfang März 1990 abgebaut.
Auf der Trasse wurde ein Radweg angelegt, der im August 2000 eröffnete.
1985 baute man einige Gleise und den nördlichen, überdachten Bahnsteig zurück.
In den 1980er Jahren war ein Stilllegungsgutachten erstellt worden.
Anfang Januar 1991 fuhr der letzte planmäßige Personenzug von Mayen nach Gerolstein über Daun.
Der Güterverkehr endete abschnittsweise: zwischen Ulmen und Kaisersesch zunächst, am 1. Januar 1998 zwischen Gerolstein und Ulmen, und am 28. Mai 2000 zwischen Mayen und Kaisersesch.

Ausflugszüge mit dem Schienenbus
Um die Jahrtausendwende kam die Hoffnung auf neuen Verkehr.
Am 28. Mai 2000 übernahm trans regio den Betrieb zwischen Andernach und Mayen, und ab dem 6. August 2000 fuhren die Züge im Probebetrieb bis Kaisersesch.
Auf dem Reststück Kaisersesch bis Gerolstein übernahm die Vulkaneifelbahn zum 1. August 2001 die Bedienung.
Seit 2001 fuhren dort in der Saison von Mai bis Oktober Ausflugszüge, zunächst nur an Sonn- und Feiertagen, später auch samstags.

Wegen des schlechten Streckenzustands endeten die Fahrten anfangs in Ulmen.
Ab dem 18. Juli 2005 gab es im Sommer täglich Touristenverkehr von Gerolstein nach Daun.
Nach der Wiederherstellung des Abschnitts zwischen Ulmen und Kaisersesch war die Eifelquerbahn seit dem 26. April 2008 wieder durchgängig befahrbar.
Die Schienenbusse fuhren im Zweistundentakt, und in den Sommerferien kam mittwochs ein historischer Zug mit einer Dampflokomotive der Baureihe 52 hinzu.
Zum Jahresende 2012 endeten diese Fahrten, auch der Güterverkehr in Daun endete mit der Aufgabe des Betriebs durch die Vulkaneifelbahn.


Warum die Strecke gesperrt ist
Ende 2012 lehnten die politischen Gremien die nötigen Investitionen ab.
Der Dauner Kreistag sprach sich im Dezember 2012 mehrheitlich gegen eine Reaktivierung aus, nachdem die Kosten auf 40 Millionen Euro korrigiert worden waren.
Seit dem 1. Januar 2013 ist der Abschnitt gesperrt, weil ohne einen Neubau der Kyllbrücke bei Pelm keine regelmäßigen Fahrten möglich sind.
Auch die Dampfzüge aus Gerolstein entfielen damit.
Für eine Sanierung wurden später 24 Millionen Euro genannt, davon allein 6 Millionen für die Pelmer Brücke.
Im Januar 2019 schrieb die Vulkan-Eifel-Bahn die Strecke zwischen Kaisersesch und Gerolstein zur Abgabe aus.
Es fand sich kein Nachfolger, und Mitte Februar 2021 wurde der Abschnitt stillgelegt.
Das Land kündigte zugleich an, mit dem Eigentümer DB Netz einen Vertrag zur Sicherung der Trasse zu schließen, damit eine Reaktivierung offen bleibt.
Der Eifelquerbahn e. V. gründete sich am 16. April 2019 mit dem Ziel, die Gesamtstrecke zu erhalten und mittelfristig den Abschnitt Kaisersesch bis Daun befahrbar zu machen.
Im Juli 2021 beschädigte das Hochwasser die Eifelbahn schwer, Gerolstein war vom Schienenverkehr abgeschnitten.
Darum ließ die Bahn die Eifelquerbahn freischneiden und vorübergehend befahrbar machen.
Im Januar 2022 wurden auf diesem Weg historische Wagen und defekte Fahrzeuge von Gerolstein über Daun herausgeholt.
So sieht es jetzt aus
Der Bahnhof Daun ist nicht für den Regelverkehr reaktiviert.
Stattdessen verbinden die Buslinien der RegioLinie 700 die Orte an der Strecke.
Die Gleise liegen noch, und das Empfangsgebäude von 1895 steht.
Zu seiner heutigen Nutzung gehen die Angaben auseinander, darum bleibt sie hier offen.

Der Maare-Mosel-Radweg beginnt in Daun und führt auf der alten Bahntrasse über das Dauner Viadukt.
Der Weg ist durchgehend asphaltiert, und die Steigung beträgt höchstens drei Prozent.
Die Strecke bis Gillenfeld ist elf Kilometer lang und führt durch den 560 Meter langen, beleuchteten Tunnel „Großes Schlitzohr“.
Für Fledermäuse wurde im 1908 erbauten Tunnel eigens eine Zwischendecke eingezogen.
Die Zukunft der Eifelquerbahn ist offen.
Der Zweckverband SPNV Nord ließ 2022 eine Nutzen-Kosten-Untersuchung erstellen, deren Ergebnisse im September 2023 vorgestellt wurden.
Sie erreichte einen Wert über 1,0 und damit Förderfähigkeit, allerdings nur mit dem günstigeren Infrastrukturstandard.
Die Kosten der Reaktivierung wurden mit 170 Millionen Euro angesetzt.
Ob und wann gebaut wird, ist nach den hier verwendeten Quellen noch nicht entschieden.
Vorher und nachher
Auf den Fotos von 2003 bis 2009 fahren noch Triebwagen und Schienenbusse durch den Bahnhof.
Heute dienen Busse als Ersatz, und die Strecke nach Wengerohr ist ein Radweg.
Das Gleisfeld wurde groß angelegt, weil der Bahnhof ein Abzweigbahnhof war.
Es bleibt als Zeugnis einer Zeit, in der Daun an zwei Bahnstrecken lag.
Besuch und Betreten
Die Strecke gehört der DB Netz, und das Gleisgelände darf nicht betreten werden.
Die Gleise sind zwar außer Betrieb, gehören aber weiterhin zur Bahnanlage.
Wer den Ort kennenlernen will, kann das Gebäude von der Straße aus ansehen und auf dem Maare-Mosel-Radweg über das Viadukt radeln.
1895: Die Eifelquerbahn erreicht Daun.
1909: Das Dauner Viadukt wird fertig, die Strecke nach Gillenfeld eröffnet am 1. Dezember.
1910: Die Strecke nach Wittlich geht in Betrieb.
1975: Die Stückgutabfertigung schließt.
1981: Das Ende der Reisezüge nach Wittlich am 1. November.
1988: Der Verkehr zwischen Daun und Wittlich endet am 29. Mai.
1991: Letzter planmäßiger Personenzug Anfang Januar.
2001: Die Vulkaneifelbahn fährt Ausflugszüge.
2013: Die Strecke Kaisersesch bis Gerolstein wird am 1. Januar gesperrt.
2021: Der Abschnitt wird stillgelegt.
Fährt in Daun noch ein Zug?
Wann fuhr der letzte Linienzug?
Was ist die Mosel-Maare-Bahn?
Wie hoch ist das Dauner Viadukt?
Soll die Strecke wieder eröffnet werden?
Darf ich auf die Gleise?
Der Bahnhof Daun erinnert daran, wie wichtig die Eisenbahn für die Eifel einmal war.
Er fiel groß aus, weil zwei Strecken ihn brauchten.
Ob die Züge zurückkehren, entscheidet sich an Geld und politischem Willen.
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