Der Bahnhof Eschwege West: Großer Knoten, leerer Ringlokschuppen
Als Niederhone 1875 eröffnet, war Eschwege West der Anschluss der Stadt an den Fernverkehr und ein Bahnbetriebswerk mit Ringlokschuppen. Seit 2009 hält hier kein Reisezug mehr, das Empfangsgebäude ist abgerissen, der Schuppen steht leer.

Lage: Eschwege (Werra-Meißner-Kreis, Hessen), etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum, an der Strecke Bebra–Göttingen. Status: seit 2009 nur noch Betriebsbahnhof ohne Reisezüge, der Ringlokschuppen ist Kulturdenkmal. Heute: Das Gelände ist nicht zugänglich, der Schuppen verfällt und ist gefährlich.
Eschwege West war einmal der Bahnhof, an dem die Stadt Eschwege an die große Nord-Süd-Strecke angeschlossen war.
Er lag allerdings rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, und auch deshalb endete seine Zeit als Reisebahnhof am 12. Dezember 2009.
Vom Empfangsgebäude ist nichts mehr da, es wurde im November 2015 abgerissen.
Geblieben ist ein riesiger Ringlokschuppen aus Sandstein, der als Kulturdenkmal gilt und seit Jahren leer steht.
Freie historische Fotos des Bahnhofs im Betrieb gibt es nicht, der Beitrag zeigt deshalb den Ringlokschuppen von heute und eine Fahrplantafel von 1914.
Der Bahnhof ist ein Betriebsbahnhof mit Gleisen, auf denen Züge fahren, und das Gelände ist nicht zugänglich.
Der Schuppen verfällt.
Ein Bahnhof namens Niederhone
Am 31. Oktober 1875 wurde der Bahnhof als Niederhone eröffnet, benannt nach dem Ort am Rand von Eschwege.
Mit ihm gingen der Abschnitt Bebra–Eschwege der Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen und eine Stichstrecke zur Stadt Eschwege in Betrieb.
Ein Jahr später verlängerte man die Strecke von Bebra bis Friedland, wo es bereits Anschluss nach Göttingen gab.
Am 15. Mai 1879 folgte der Abschnitt der Kanonenbahn von Niederhone nach Treysa, wodurch der Bahnhof zum Kreuzungsbahnhof wurde.
Die Strecke von Eschwege nach Osten bis Silberhausen eröffnete am 15. Mai 1880.
Seinen späteren Namen Eschwege West bekam der Bahnhof erst 1936.
Eine Fahrplantafel vom 1. Mai 1914 führt Niederhone noch als Ausgangspunkt der Verbindung nach Eisenach.

So sah es vorher aus
Der Bahnhof war ein Keilbahnhof.
Westlich des Empfangsgebäudes lag die Strecke Frankfurt–Göttingen mit vier Bahnsteiggleisen an zwei Inselbahnsteigen.
Östlich davon lagen zwei Bahnsteiggleise der Kanonenbahn Richtung Leinefelde und Treysa.
Nördlich des Empfangsgebäudes gab es keine Gleisverbindung zwischen beiden Strecken.
Auf der Ostseite standen Rangiergleise mit Ablaufberg, die Ortsgüteranlage mit dem Güterschuppen lag auf der Westseite.
Das alte Empfangsgebäude wurde 1969 durch einen eingeschossigen Zweckbau ersetzt und 1970 abgerissen.
Es gab einst vier Stellwerke, sie wurden abgerissen, und 1972 kam ein Fahrdienstleiterstellwerk hinzu.
Für die Stadt Eschwege war der Bahnhof vor allem wichtig, weil hier der Fernverkehr auf der Nord-Süd-Strecke hielt.
Zwischen dem Bahnhof Eschwege und Eschwege West verkehrten teils Pendelzüge, damit die Anschlüsse klappten.
Im Güterverkehr hatte Eschwege West nur geringe Bedeutung.
Der Ringlokschuppen und das Bahnbetriebswerk
Südlich des Bahnhofs stand seit 1875 ein Bahnbetriebswerk, in dem die Lokomotiven gewartet wurden.
Der halbkreisförmige Ringlokschuppen hatte 16 Stände und eine Drehscheibe von 16 Metern.
Je nach Quelle stammt er von 1875 oder von 1880, die Denkmalpflege nennt 1880.
Die Fassade besteht aus Sandsteinquadern, gegliedert durch Lisenen und schlanke Segmentbogenfenster mit Sprossen.
Teile der Einfahrtstore wurden später zugemauert.
Im Jahr 1942 kam eine größere Drehscheibe mit 23 Metern und eine Viertelkreis-Lokhalle dazu, weil die alte für größere Lokomotiven zu klein geworden war.
Dazu gehörte ein fünfständiger Schuppen mit 23-Meter-Drehscheibe aus den Jahren 1943 und 1944, der im Februar 2016 abgerissen wurde.
Das Bahnbetriebswerk wurde 1965 geschlossen.
Um 1990 wurden beide Drehscheiben entfernt.



Denkmal, Siedlung und Wasserturm
Einige Gebäude am Bahnhof stehen unter Denkmalschutz.
Dazu gehören neben dem Ringlokschuppen eine Eisenbahnersiedlung aus dem Jahr 1880 und ein Wasserturm von 1885.
Die Denkmalpflege nennt den Schuppen ein Kulturdenkmal aus technischen und geschichtlichen Gründen und ein Zeugnis des wirtschaftlichen Aufschwungs um die Jahrhundertwende.
Im Sommer 2017 wurden die Bahnmeisterei, das Gebäude der Fahrleitungskolonne und der Lokschuppen verkauft.
Der Wasserturm ist noch vorhanden.



Das Ende der Reisezüge
Am 31. Mai 1985 fuhr von Eschwege West der letzte Personenzug über Waldkappel Richtung Kassel.
Am 1. Juni 1985 folgte der letzte Personenzug zwischen Eschwege West und Eschwege.
Danach blieb Eschwege West der einzige Bahnanschluss, der der Stadt im Personenverkehr noch geblieben war.
Der Bahnhof lag aber etwa vier Kilometer vom Zentrum entfernt und war damit für viele wenig attraktiv, in einer Zeit, in der die meisten ein eigenes Auto hatten.
Bis zum 31. Dezember 1991 war auf der Kanonenbahn zwischen Eschwege West und Waldkappel noch Güterverkehr möglich.
Der Güterverkehr zwischen Eschwege und Eschwege West endete am 15. Dezember 2002.
Die Strecke nach Eschwege wird neu gebaut
Die HLB Basis AG kaufte der DB Netz die Infrastruktur zwischen Eschwege West und dem Bahnhof Eschwege ab.
Sie baute die Strecke wieder auf und elektrifizierte sie.
Dazu errichtete sie eine neue Verbindungskurve in Richtung Norden, die Fahrten nach Göttingen ohne erneuten Fahrtrichtungswechsel erlaubt.
Am 12. Dezember 2009 ging die Strecke in Betrieb.
Eschwege West wurde damit als Personenhalt aufgegeben und durch zwei neue Stationen ersetzt, Eschwege-Niederhone und Eschwege.
Heute fahren die Züge der Linie RB87 Bebra–Göttingen über Eschwege-Niederhone nach Eschwege und wechseln dort die Fahrtrichtung.
An der Station Eschwege entstand zudem gegenüber dem alten Empfangsgebäude ein modernes Gebäude mit Parkhaus.

So sieht es jetzt aus
Eschwege West ist seit 2009 ein reiner Betriebsbahnhof.
Die nördliche Einfahrtskurve berührt ihn nicht mehr.
Durch den Bahnhof führt nur noch die südliche Kurve, und von den Anlagen ist ein elektrifiziertes Durchfahrtsgleis ohne Bahnsteigkante übrig.
Der 16-ständige Ringlokschuppen ist ungenutzt, seine Tore sind vermauert.
Auf Fotos von 2025 sieht man große Löcher im Dach, Pfützen auf dem Boden und teilweise eingestürzte Dachteile.




Vorher und nachher
Auf dem Foto von 2007 steht noch das Empfangsgebäude, das 1969 gebaut wurde, mit dem Bahnhofsschild und einer Haltestelle davor.
Es wurde im November 2015 abgerissen, und von den vier Bahnsteiggleisen bleibt nur ein Durchfahrtsgleis.
Der Schuppen dagegen steht noch und bekommt heute Natur zurück.
Die Geschichte in Daten
31.10.1875: Eröffnung als Bahnhof Niederhone mit Bebra–Eschwege und der Stichstrecke nach Eschwege.
1876: Verlängerung der Strecke von Bebra bis Friedland.
15.5.1879: Der Abschnitt der Kanonenbahn von Niederhone nach Treysa geht in Betrieb.
15.5.1880: Eröffnung des Abschnitts von Eschwege bis Silberhausen.
1936: Der Bahnhof heißt nun Eschwege West.
1965: Das Bahnbetriebswerk wird geschlossen.
1969: Ein eingeschossiger Zweckbau ersetzt das Empfangsgebäude.
1.6.1985: Der Personenverkehr zwischen Eschwege West und Eschwege endet.
15.12.2002: Der Güterverkehr nach Eschwege endet.
12.12.2009: Die neue Strecke nach Eschwege geht in Betrieb, Eschwege West verliert den Personenhalt.
11.2015: Das Empfangsgebäude wird abgerissen.
2017: Bahnmeisterei, Fahrleitungskolonne und Lokschuppen werden verkauft.
Häufige Fragen
Fährt in Eschwege West noch ein Zug?
Warum hieß der Bahnhof früher Niederhone?
Darf man den Ringlokschuppen betreten?
Was ersetzt Eschwege West heute?
Wo kann man mehr über den Bahnhof lesen?
Ein Stück Kanonenbahn steht im Beitrag über den Bahnhof Lengenfeld unterm Stein.
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