Die Rennsteigbahn: Halte an der steilsten Strecke Thüringens ohne Linienverkehr

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Rennsteigbahn: Halte an der steilsten Strecke Thüringens ohne Linienverkehr

Die Rennsteigbahn führte als Zahnradbahn über den Kamm des Thüringer Waldes. Seit 1998 gibt es auf großen Teilen keinen regulären Personenverkehr mehr, Museumsfahrten halten die Halte am Leben.

Der Bahnhof Rennsteig, aufgenommen 1991.
Der Bahnhof Rennsteig, aufgenommen 1991. Foto: Sludge G, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1904
Betrieb als Zahnradbahn
1927
Umstellung auf Reibungsbetrieb
1965
Kleinbahn Rennsteig–Frauenwald stillgelegt
1998
Ende des planmäßigen Verkehrs

Lage: Thüringer Wald zwischen Ilmenau, Rennsteig und Schleusingen, weiter nach Themar. Status: Museums- und Ausflugsverkehr, am Wochenende fährt das RennsteigShuttle bis zum Bahnhof Rennsteig, sonst keine Linienzüge. Heute: Der Bahnhof Rennsteig wird für Veranstaltungen und Nostalgiefahrten genutzt.

Die Rennsteigbahn von Ilmenau über Stützerbach und Schmiedefeld nach Schleusingen war die erste Zahnradbahn der Preußischen Staatseisenbahn.

Am 23. Mai 1998 endete auf ihr der planmäßige Personenverkehr, auf der Fortsetzung nach Themar am 16. Juni 1998.

Seitdem fahren Museumszüge, und am Wochenende pendelt das RennsteigShuttle bis zum Bahnhof Rennsteig.

Dieser Beitrag geht die Halte Stützerbach, Rennsteig, Frauenwald, Schmiedefeld, Schleusingen und Rappelsdorf durch.

Es sind Museums- und Ausflugsbahnhöfe, keine toten Stationen, aber ohne den Linienverkehr von früher.

Aus der Zeit vor 1998 gibt es nur wenige freie Fotos, der Großteil der Bilder stammt aus den Jahren 2006 bis 2026.

So entstand die Rennsteigbahn

Erste Pläne für eine Strecke von Ilmenau über Stützerbach nach Suhl gab es 1868, sie scheiterten an den aufwändigen Bauwerken und an der nötigen Zustimmung mehrerer Länder.

Schleusingen gehörte seit 1815 zu Preußen und war von Glas- und Porzellanmanufakturen umgeben.

Nachdem 1888 die Strecke von Schleusingen nach Themar gebaut worden war, warben Schleusinger Stadtverordnete bei der preußischen Regierung für eine Bahn nach Ilmenau.

1899 fiel die Entscheidung zum Bau, noch im selben Jahr begannen die Vermessungen.

1903 begann der Bau, der 15 Monate dauerte.

Die Kosten betrugen statt der geplanten 4,4 nur 3 Millionen Mark, unter anderem, weil viele Gastarbeiter beteiligt waren.

Der Betrieb wurde im August 1904 als Zahnradbahn aufgenommen.

So sah es vorher aus: Zahnstange und Urlauberzüge

Bis 1927 wurde die Strecke teilweise im Zahnstangenbetrieb nach dem System Abt befahren.

Die Zahnstangenabschnitte lagen zwischen Stützerbach und Rennsteig, zwischen Rennsteig und Schmiedefeld, hinter Schmiedefeld bis Thomasmühle und zwischen Schleusingen-Ost und Schleusingen.

Die Lokomotiven mussten dabei immer auf der Talseite stehen, deshalb wurden die Züge bergwärts geschoben.

Die maximale Neigung der Strecke beträgt 61,2 Promille.

Nach der Gründung der DDR erlebte der Tourismus im Thüringer Wald seine Blütezeit, weil viele weiter entfernte Reiseziele schwer oder gar nicht erreichbar waren.

So gab es durchgehende Urlaubszüge von Schmiedefeld bis Berlin, und das Kursbuch von 1990/91 nennt ein tägliches Zugpaar von Schmiedefeld nach Magdeburg.

Der Güterverkehr auf der Steilstrecke Stützerbach–Schleusingen wurde schon am 1. Januar 1970 eingestellt, auf der übrigen Strecke am 31. Dezember 1993.

Stützerbach: der letzte Halt vor dem Anstieg

Der Bahnhof liegt am Ortsanfang im Tal.

Hier trennt sich die Trasse von der Bundesstraße 4, die in Serpentinen zum Rennsteig hinaufführt.

Im Meyersgrund zwischen Manebach und Stützerbach lag bis 1920 ein weiterer Haltepunkt.

Hinter Stützerbach beginnt der erste Steilstreckenabschnitt, auf 4,4 Kilometern überwindet die Strecke 156 Höhenmeter.

Der Bahnhof Stützerbach im September 2006.
Der Bahnhof Stützerbach im September 2006. Foto: Michael Sander, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Wasserkran im Bahnhof Stützerbach, 2006.
Der Wasserkran im Bahnhof Stützerbach, 2006. Foto: Michael Sander, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Lok der Baureihe 118 der Deutschen Reichsbahn bei Stützerbach, 1994.
Eine Lok der Baureihe 118 der Deutschen Reichsbahn bei Stützerbach, 1994. Foto: Gunnar Möller, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Dampflokomotiven der Baureihe 94 hielten sich im Steilstreckenbereich bis 1971, danach übernahmen die Diesellokomotiven der Baureihe 118.

Seit der Wiederaufnahme des Wochenendverkehrs fährt das RennsteigShuttle auch über Stützerbach.

Rennsteig: der Scheitelbahnhof als Spitzkehre

Der Bahnhof Rennsteig liegt in rund 747 Metern Höhe und ist einer der höchstgelegenen Bahnhöfe in Thüringen.

Er wurde 1904 angelegt, das Empfangsgebäude stammt von 1906.

Er ist ein Kopfbahnhof, weil die Zahnradlokomotiven am talseitigen Zugende bleiben mussten und die Spitzkehre das Umsetzen ersparte.

Als 1927 auf Reibungsbetrieb umgestellt wurde, blieb der Bahnhof nötig, weil die Feuerbüchse einer Dampflok talwärts zeigen muss, damit das Kesselwasser nicht zu tief steht.

Das umbaute Bahnhofsgebäude Rennsteig im Februar 2008.
Das umbaute Bahnhofsgebäude Rennsteig im Februar 2008. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zwischen 1913 und 1965 begann hier die Kleinbahn nach Frauenwald.

Der planmäßige Reiseverkehr endete 1998.

Heute dient der Bahnhof Veranstaltungen und Nostalgiefahrten der Dampfbahnfreunde Mittlerer Rennsteig.

Seit dem 15. Juni 2014 wurde er zunächst im Probebetrieb wieder planmäßig bedient, seit dem Fahrplanwechsel 2017/2018 im Regelbetrieb.

An Wochenenden und Feiertagen fährt das RennsteigShuttle als Verlängerung der Linie RB 46 mit vier Zugpaaren bis hierher.

Für die Anschlüsse nach Oberhof, Masserberg, Vesser und Frauenwald wurden Buslinien eingerichtet.

Ein Schild am Bahnhof kennzeichnet die Wasserscheide, am Gleis nach Stützerbach steht Elbe, am Gleis nach Schmiedefeld Weser.

Im Herbst 2007 wurden die Säulen der Überdachung von Bahnsteig 8 des Erfurter Hauptbahnhofs hier als Dach über Bahnsteig 1 wieder aufgebaut.

Der Bahnhof Rennsteig mit dem RennsteigShuttle, 2017.
Der Bahnhof Rennsteig mit dem RennsteigShuttle, 2017. Foto: Simon-Martin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Frauenwald: die Kleinbahn auf dem Kamm

Frauenwald liegt in 760 Metern Höhe auf dem Kamm des Rennsteigs.

Die Gemeinde bemühte sich seit 1893 um einen Anschluss, weil das örtliche Gewerbe wegen der abseitigen Lage Schwierigkeiten hatte.

Die Strecke Ilmenau–Schleusingen sollte eigentlich näher an Frauenwald vorbeiführen, das scheiterte an der fehlenden Bereitschaft der Nachbargemeinde Allzunah, Grund zur Verfügung zu stellen.

1910 erteilte der Staat die Konzession, 1912 wurde die Kleinbahn-AG Rennsteig-Frauenwald gegründet.

Am 11. November 1913 wurde die nur 4,8 Kilometer lange normalspurige Strecke eröffnet.

Da sie auf dem Gebirgskamm verlief, waren keine nennenswerten Höhenunterschiede zu bewältigen.

In Frauenwald entstanden ein Empfangsgebäude und ein Lokomotivschuppen, in Rennsteig wurde das Gebäude der Staatsbahn mitbenutzt.

1944 verkehrten werktags drei und sonntags zwei Zugpaare, ab 1952 fuhren durchgehende Schnellzüge von Berlin in den Thüringer Wald.

Am 13. Februar 1965 wurde die Strecke wegen Schneeverwehungen gesperrt und der Verkehr durch Busse ersetzt.

Der Bahnbetrieb wurde nicht wieder aufgenommen, weil für die Sanierung kein Geld verfügbar war.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Frauenwald.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Frauenwald. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Lokschuppen wurde zur Buswerkstatt, der Oberbau wurde nach einigen Jahren demontiert.

Die Gleise im Bahnhof Frauenwald wurden nur zugeschüttet und liegen noch unter einer etwa 60 Zentimeter hohen Schicht aus Erde und Schotter.

Ende der 1980er Jahre gab es Pläne für eine Pioniereisenbahn auf der Trasse, die nach 1989 nicht weiterverfolgt wurden.

Schmiedefeld am Rennsteig: Urlaubsziel mit Bahnanschluss

Zwei Kilometer hinter dem Bahnhof Rennsteig erreicht die Strecke Schmiedefeld am Rennsteig.

Auf diesem Stück lag eine 1,2 Kilometer lange Zahnstange, hinter Schmiedefeld folgten zwei weitere Abschnitte mit gleichem Gefälle.

Zu DDR-Zeiten fuhren von hier Urlauberzüge bis Berlin und Magdeburg.

Der planmäßige Verkehr endete 1998, seitdem verkehren hier nur noch Sonderfahrten.

Der Bahnhof Schmiedefeld am Rennsteig, 2021.
Der Bahnhof Schmiedefeld am Rennsteig, 2021. Foto: Giorno2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Schmiedefeld am Rennsteig mit Blick auf Nebengebäude, 2021.
Der Bahnhof Schmiedefeld am Rennsteig mit Blick auf Nebengebäude, 2021. Foto: Giorno2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schleusingen: der Knoten im Süden

Der Bahnhof liegt in der Unterstadt von Schleusingen westlich des Zentrums.

Hier trafen die Rennsteigbahn von Ilmenau, die Friedbergbahn von Suhl und die Strecke von Themar zusammen.

Er besitzt drei Personengleise an zwei Bahnsteigen und einen dreitorigen Lokschuppen.

An Gleis 1 steht das dreigeschossige Empfangsgebäude mit einem Güterschuppen als Anbau.

Ein Personenzug in Schleusingen im Dezember 1994.
Ein Personenzug in Schleusingen im Dezember 1994. Foto: The original uploader was Gunnar1m at German Wikipedia ., CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Schleusingen, 2014.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Schleusingen, 2014. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1888 erhielt Schleusingen mit der Strecke nach Themar Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Bis 1904 war der Bahnhof Endpunkt aus Richtung Themar, dann kam die Rennsteigbahn nach Ilmenau hinzu.

1911 verband die Friedbergbahn Schleusingen mit Suhl.

Nach 1990 brach das Fahrgastaufkommen stark ein, die Friedbergbahn wurde am 31. Mai 1997 eingestellt.

Das Stellwerk im Bahnhof Schleusingen, das von 1970 bis 1998 in Betrieb war.
Das Stellwerk im Bahnhof Schleusingen, das von 1970 bis 1998 in Betrieb war. Foto: Besserwisser1791 at German Wikipedia, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Seit 1998 wird der Bahnhof nicht mehr im täglichen Personenverkehr bedient.

2003 pachtete die Rennsteigbahn GmbH die Strecken nach Ilmenau und Themar.

Etwa zweimal wöchentlich wird Holz über Themar nach Schweinfurt gefahren, dazu kommen Sonderfahrten der Dampfbahnfreunde.

Rappelsdorf: ein kleiner Halt an der Strecke nach Themar

Rappelsdorf gehört seit dem 1. Januar 1996 zur Stadt Schleusingen.

1888 erhielt der Ort mit einem Haltepunkt an der Strecke Schleusingen–Themar Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Der planmäßige Verkehr auf der Strecke endete am 16. Juni 1998.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Der Triebwagen 771 041 am 23. Mai 1998 in Rappelsdorf.
Der Triebwagen 771 041 am 23. Mai 1998 in Rappelsdorf. Foto: LVT771, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Rennsteigbahn GmbH unterhält die Strecke seit 2003 und führt Museumsfahrten durch, meist mit Dampflokomotiven der Baureihe 94.5-17.

Im Juni 2018 übergab das Land Thüringen einen Zuwendungsbescheid über knapp 2,4 Millionen Euro für die Sanierung.

Sonderfahrten im Herbst 2024 zwischen Ilmenau und Schleusingen wurden wegen des schlechten Oberbaus kurzfristig abgesagt.

Vorher und nachher in Frauenwald

Vorher fuhren hier bis 1965 Züge der Kleinbahn, und 1952 kamen Schnellzüge aus Berlin bis Rennsteig.

Nachher wurde das Gleis zugeschüttet, die Trasse wird noch gut erkannt, und das ehemalige Bahnhofsgebäude steht noch.

Die Geschichte in Daten

1868: Erste Pläne für eine Bahn von Ilmenau nach Suhl.

1888: Strecke Schleusingen–Themar eröffnet.

August 1904: Betrieb der Rennsteigbahn als Zahnradbahn.

1913: Kleinbahn Rennsteig–Frauenwald eröffnet.

1927: Umstellung auf Reibungsbetrieb.

13. Februar 1965: Kleinbahn Rennsteig–Frauenwald wegen Schnee gesperrt.

1. Januar 1970: Güterverkehr auf der Steilstrecke eingestellt.

31. Dezember 1993: Güterverkehr auf der übrigen Strecke eingestellt.

23. Mai 1998: Planmäßiger Personenverkehr Ilmenau–Schleusingen endet.

16. Juni 1998: Planmäßiger Verkehr Schleusingen–Themar endet.

2003: Rennsteigbahn GmbH übernimmt die Strecke.

15. Juni 2014: RennsteigShuttle bis zum Bahnhof Rennsteig.

Häufige Fragen

Fährt auf der Rennsteigbahn noch ein Zug?
Ja, an Wochenenden und Feiertagen fährt das RennsteigShuttle bis zum Bahnhof Rennsteig, dazu gibt es Museumsfahrten.
Wann endete der Linienverkehr?
Der planmäßige Personenverkehr zwischen Ilmenau und Schleusingen endete am 23. Mai 1998.
Was ist das Besondere am Bahnhof Rennsteig?
Er liegt in rund 747 Metern Höhe als Spitzkehre am Scheitelpunkt der Strecke.
Fuhr eine Bahn nach Frauenwald?
Ja, zwischen 1913 und 1965 verkehrte eine 4,8 Kilometer lange Kleinbahn von Rennsteig nach Frauenwald.
Was war die Zahnstange?
Bis 1927 wurde die Strecke teilweise im Zahnstangenbetrieb nach dem System Abt befahren.

Die Halte zwischen Stützerbach und Rappelsdorf zeigen eine Strecke, die ihren Linienverkehr verloren hat und trotzdem befahren wird.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Plaue–Themar (Wikipedia) · Bahnhof Rennsteig (Wikipedia) · Bahnstrecke Rennsteig–Frauenwald (Wikipedia) · Bahnhof Schleusingen (Wikipedia) · Rappelsdorf (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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