Die Ruwertalbahn: Halt für Halt vom Ruwertal in den Hochwald
Die Ruwertalbahn, auch Hochwaldbahn genannt, führte von Trier-Ruwer nach Hermeskeil. Heute rollen Räder auf der Trasse, und aus manchen Bahnhöfen wurden Kulturzentrum, Museum und Wohnhaus.

Lage: Von Trier-Ruwer durch das Ruwertal nach Hermeskeil. Status: stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf der Trasse verläuft der Ruwer-Hochwald-Radweg, in Hermeskeil steht ein privates Dampflokmuseum.
Die Ruwertalbahn, auch Hochwaldbahn genannt, führte von Trier durch das Ruwertal nach Hermeskeil und weiter nach Türkismühle.
Der Abschnitt von Trier bis Hermeskeil wurde 1998 stillgelegt und anschließend abgebaut.
Dieser Beitrag begleitet die Halte von Ruwer bis Hermeskeil, und er stellt sie so vor, wie sie heute aussehen.
Auf der alten Trasse verläuft der Ruwer-Hochwald-Radweg, deshalb sind viele Halte frei zugänglich, die Gebäude selbst sind es oft nicht.
Fotos aus der Betriebszeit stehen kaum frei zur Verfügung, die Bilder zeigen vor allem die Zeit seit 1996.
Wie die Strecke entstand
Am 15. August 1889 wurde die Strecke von Trier nach Hermeskeil eröffnet.
Güter und Personen beförderte sie von und nach Ruwer, Waldrach, Pluwig, Zerf, Schillingen, Kell, Reinsfeld und Hermeskeil.
Nur Reisende nahmen die Haltepunkte Grünhaus, Casel, Sommerau und Lampaden auf.
Die Strecke folgte weitgehend der Ruwer und überquerte sie auf 28 meist steinernen Bogenbrücken.
Im Mai 1897 kam die Verbindung von Hermeskeil nach Türkismühle hinzu, im Dezember desselben Jahres die Strecke nach Wemmetsweiler.
Nach den Schäden des Zweiten Weltkriegs fuhren die Züge zwischen Trier und Hermeskeil erst am 12. Dezember 1949 wieder durchgehend.
Das Ende der Strecke
Zwischen Hermeskeil und Türkismühle endete der Personenverkehr am 1. Juni 1969, der Güterverkehr dort am 5. November 2000.
Zwischen Pluwig und Hermeskeil fuhr der letzte Reisezug am 31. Mai 1981, zwischen Trier-Ruwer und Pluwig am 2. Juni 1984.
Der Güterverkehr zog sich ebenfalls in Etappen zurück: Waldrach bis Hermeskeil bis zum 2. Juni 1991, Trier-Ruwer bis Waldrach bis zum 10. August 1998.
Seit dem 10. August 1998 ist die Strecke zwischen Trier und Hermeskeil stillgelegt, die Strecke zwischen Ruwer und Hermeskeil wurde abgebaut.
Ein Verein, der die Gleisanlage erhalten wollte, konnte den Abbau nicht verhindern.
Zwischen Hermeskeil und Türkismühle gab es noch bis 2012 Museumsfahrten mit Schienenbussen und historischen Lokomotiven der Hochwaldbahn e. V. Hermeskeil.
Der Ruwer-Hochwald-Radweg wurde ab 2004 gebaut und am 9. Mai 2009 offiziell eröffnet, er ist 48 Kilometer lang und überquert 20 Brücken.
Ruwer
Der Bahnhof Ruwer in Trier wurde 1889 eröffnet und lag an der Ruwerer Straße.
Beim Ende des Personenverkehrs gehen die Angaben auseinander, genannt werden 1981 und 1984.
Den Güterverkehr hielt die Bahn bis 1998 aufrecht.
Nördlich zur Mosel hin lag der Bahnhof Ruwer West der privaten Moselbahn, der von 1903 bis 1968 Personenverkehr hatte.
Zwischen beiden Bahnhöfen lagen zwei Übergabegleise für den Wagenaustausch, weil es in Trier keine Übergabemöglichkeit zwischen Staatsbahn und Moselbahn gab.
Seit 2006 ist der frühere Bahnhof Start oder Ziel des Ruwer-Hochwald-Radwegs, der hier Anschluss an den Mosel-Radweg hat.
2008 sanierte die RWE AG das Gleis zwischen Trier Nord und dem Bahnübergang Ruwerer Straße, um dort eine Trafo-Umladestation zu errichten.
Grünhaus-Mertesdorf
Zu Mertesdorf gehört der Eisenbahnhaltepunkt Grünhaus-Mertesdorf als Gemeindeteil.
Der Haltepunkt bediente von Anfang an nur Reisende, nicht den Güterverkehr.
Heute liegt auf der Trasse der Radweg.
Kasel
Casel, wie der Halt in der Eröffnungszeit hieß, war ein reiner Personenhalt.
Mehr ist über den Haltepunkt nicht belegt.
Waldrach
Waldrach war von 1889 an eine Station für Personen und Güter.
Der Güterverkehr zwischen Waldrach und Hermeskeil endete am 2. Juni 1991, der zwischen Trier-Ruwer und Waldrach am 10. August 1998.
Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs sind Reste der römischen Ruwerwasserleitung zu sehen, die einst die Römerstadt Trier mit Wasser versorgte.
Beim Bau des Radwegs 2005 stand der Bahnhof noch, und der Alte Bahnhof liegt heute am Radweg.



Sommerau
Sommerau war wie Casel nur für Reisende eingerichtet.
Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.
Gusterath-Tal
In Gusterath-Tal lag neben der Bahnstation ein zweiter Industriestandort des Pluwiger Ländchens.
Von 1889 bis 1891 entstand dort eine Erzwäsche, in der Erz aufbereitet wurde.
Auf dem Foto steht die frühere Schuhfabrik Romika neben dem Radweg.

Pluwig
Pluwig war von 1889 an eine Station für Personen und Güter.
Der Ortsteil Pluwigerhammer trägt den ehemaligen Bahnhof Pluwig, und in seiner Nähe lag unmittelbar an der Bahnstation der erste Industriekomplex des Ortes.
Dort entstand eine Eisenschmelze mit Hammer-, Schneide- und Walzwerk.
Bis Pluwig fuhren Personenzüge ab Trier-Ruwer noch bis zum 2. Juni 1984.
Hinzenburg
Im Tal zwischen Hinzenburg und Ollmuth lag einst ein Haltepunkt der Hochwaldbahn.
Auf der Trasse verläuft heute der Ruwer-Hochwald-Radweg.
Lampaden
Der ehemalige Bahnhof Lampaden lag auf der Gemarkung von Schillingen in der Nähe der Burg Heid.
In der Eröffnungszeit wurden hier nur Reisende befördert.
Auf der Bahntrasse verläuft heute der Radweg.

Hentern
Hentern hatte einen Haltepunkt an der Hochwaldbahn.
Der Personenverkehr wurde dort am 31. Mai 1981 eingestellt, der Güterverkehr am 2. Juni 1991, und am 10. August 1998 wurde die Strecke stillgelegt und abgebaut.
Heute nutzt der Ruwer-Hochwald-Radweg die frühere Bahntrasse.
Zerf
Zerf war von 1889 an eine Station für Personen und Güter.
Der Wohnplatz Bahnhof Zerf gehört heute zur Gemeinde.
Zwischen Zerf und Hermeskeil ist der Radweg als Teil des Hunsrück-Radwegs ausgeschildert.
Schillingen
Der Bahnhof Schillingen lag nahe dem Bilsteinwerk in Niederkell.
Auf seiner Trasse entstand später der Ruwer-Hochwald-Radweg.
Weitere Angaben sind nicht belegt.
Kell am See

Die 1889 eröffnete Hochwaldbahn hatte in Kell einen Bahnhof.
Das Bahnhofsgebäude entstand 1891 als eingeschossiger Typenbau aus rotem Sandstein.
Es wurde zum Kulturzentrum umgestaltet.
Auf der früheren Trasse verläuft heute der Radweg.
Reinsfeld
1889 verband der Bau der Hochwaldbahn Reinsfeld mit Trier und Hermeskeil.
Nach der Verlängerung nach Türkismühle 1897 konnten Männer, die in den Gruben und Hütten des Saargebietes arbeiteten, wöchentlich nach Hause fahren.
1896 gründete Alexander von Hammerstein ein Zweigwerk für Holzverarbeitung, das ab 1911 allmählich auf Eisenbahnschwellen umstellte.
Der Bau der Hochwaldbahn brachte dem Ort nach dieser Darstellung einen wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung.
Am Radweg liegt der ehemalige Bahnhof, bei Reinsfeld erreicht der Weg mit 527 Metern über dem Meeresspiegel seinen höchsten Punkt.

Hermeskeil
Der Bahnhof Hermeskeil wurde am 15. August 1889 mit der Strecke von Trier eröffnet.
Von Beginn an waren Verlängerungen nach Türkismühle und eine Verbindung nach Simmern geplant, die 1897 und 1903 folgten.
1933 erhielt der Bahnhof einen Mittelbahnsteig und eine Unterführung, der Bahnsteig wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wiederaufgebaut.
Die Unterführung wurde beim Bau des Radwegs 2008 zugeschüttet.
Seit dem 31. August 2012 finden keine Museumsfahrten mehr statt.
Im März 2019 begann der Rückbau der Strecke zur Landesgrenze, und auch die Gleisanlagen im Bahnhof wurden großteils zurückgebaut.
Gegenüber dem Empfangsgebäude liegt das frühere Bahnbetriebswerk von 1888, das heute das private Dampflok-Museum beherbergt.
Dort stehen über 50 Original-Lokomotiven der Baujahre 1913 bis 1976, der Gründer Bernd Falz hat das Gelände 1986 von der Deutschen Bundesbahn erworben.
Der Ruwer-Hochwald-Radweg endet am ehemaligen Bahnhof auf 489 Metern über dem Meeresspiegel.




Vorher und nachher
Wo früher Züge nach Trier fuhren, führt nun ein Radweg von Ruwer bis Hermeskeil, der Höhenunterschied beträgt rund 400 Meter.
Die Gebäude haben sehr unterschiedliche Wege genommen: Kell am See hat ein Kulturzentrum, Hermeskeil ein Museum, andere Halte sind nur noch eine Stelle am Weg.
15. August 1889: Trier bis Hermeskeil eröffnet.
1891: Bahnhofsgebäude von Kell am See errichtet.
Mai 1897: Hermeskeil bis Türkismühle fertiggestellt.
12. Dezember 1949: Durchgehender Verkehr nach Kriegsschäden wieder aufgenommen.
1. Juni 1969: Personenverkehr Hermeskeil bis Türkismühle endet.
31. Mai 1981: Personenverkehr Pluwig bis Hermeskeil endet.
2. Juni 1984: Personenverkehr Trier-Ruwer bis Pluwig endet.
2. Juni 1991: Güterverkehr Waldrach bis Hermeskeil endet.
10. August 1998: Strecke stillgelegt, Güterverkehr Ruwer bis Waldrach endet.
9. Mai 2009: Ruwer-Hochwald-Radweg eröffnet.
31. August 2012: Letzte Museumsfahrten in Hermeskeil.
Kann man die Ruwertalbahn befahren?
Wie lang ist der Radweg?
Kann man die Bahnhofsgebäude betreten?
Was gibt es in Hermeskeil zu sehen?
Was bedeuten die Namen Ruwertalbahn und Hochwaldbahn?
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