Die stillen Abschnitte der Strecke Britz–Fürstenberg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Abschnitte der Strecke Britz–Fürstenberg

Die Querbahn durch die Schorfheide und die Uckermark verlor ihre Züge in Etappen: 1996 zwischen Templin und Fürstenberg, 2006 und erneut 2022 zwischen Joachimsthal und Templin.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen von Südwesten, 2015.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen von Südwesten, 2015. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1898
Britz–Joachimsthal eröffnet
1899
Bis Fürstenberg
1996
Ende Templin–Fürstenberg
2022
Ende Joachimsthal–Templin

Lage: Schorfheide und südliche Uckermark, Brandenburg. Status: Personenverkehr zwischen Joachimsthal und Templin seit Dezember 2022 eingestellt, Templin–Fürstenberg seit 1996 stillgelegt. Heute: Die Teilstrecke bis Lychen ist abgebaut, Britz–Joachimsthal wird weiter betrieben.

Die Bahnstrecke Britz–Fürstenberg ist eine eingleisige Nebenbahn, die 1898 und 1899 eröffnet wurde und 73 Kilometer lang ist.

Sie führte von Britz bei Eberswalde über Templin nach Fürstenberg und war als Querverbindung zwischen den Strecken nach Stralsund und Stettin gedacht.

Zwischen Templin und Fürstenberg endete der Personenverkehr 1996.

Zwischen Joachimsthal und Templin wurde der Verkehr 2006 abbestellt, 2018 wieder aufgenommen und im Dezember 2022 erneut eingestellt.

Dieser Beitrag geht diese stillen Abschnitte Halt für Halt durch, wo Quellen etwas hergeben.

Alte freie Fotos der Halte stehen nicht zur Verfügung, deshalb zeigen die Bilder den Zustand aus neuerer Zeit.

Der Bahnhof Templin hat bereits einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Templin.

Bau und Eröffnung

Britz erhielt schon am 15. November 1842 einen Anschluss an die Berlin-Stettiner Eisenbahn.

Fürstenberg lag damals in Mecklenburg-Strelitz und bekam am 10. Juli 1877 mit der Berliner Nordbahn einen Bahnanschluss.

Am 1. Mai 1888 wurde die Strecke von Löwenberg nach Templin eröffnet.

1896 genehmigten die Behörden den Bau einer Querverbindung zwischen den Strecken nach Stralsund und Stettin.

Am 1. Juli 1898 wurde das erste Teilstück von Britz nach Joachimsthal eingeweiht.

Seit dem 15. Dezember 1898 fuhren die Züge bis zum Bahnhof Templin.

Der entwickelte sich zum Eisenbahnknoten, als am 24. März 1899 die Strecke von Löwenberg bis Prenzlau eröffnet wurde.

Der letzte Abschnitt bis Fürstenberg ging am 16. August 1899 in Betrieb.

Eine Besonderheit war ein durchgehender Personenzug von Frankfurt (Oder) über Eberswalde und Fürstenberg nach Güstrow und Schwerin.

Er hielt an fast allen Unterwegsbahnhöfen und fuhr schon wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1991.

Er führte durchgehende Wagen von Schwerin nach Moskau mit, die nur für sowjetische Militärangehörige nutzbar waren.

Britz bis Joachimsthal: der Teil, der bleibt

Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Britz bei Kilometer 50,0, der heute bis auf zwei Gleise abgebaut ist.

Britz ist nur noch ein Haltepunkt, alle Personenzüge fuhren und fahren von dort weiter nach Eberswalde.

Der Abschnitt von Britz bis Joachimsthal wird von der DB InfraGO betrieben und ist nicht stillgelegt.

In Joachimsthal liegt neben dem Bahnhof der Kaiserbahnhof, den Kaiser Wilhelm II. 1898 für die Erreichbarkeit des Jagdschlosses Hubertusstock eröffnete.

Er besteht aus drei Gebäuden in Fachwerkbauweise und wurde zwischen 2004 und 2007 saniert.

Das Empfangsgebäude des Kaiserbahnhofs Joachimsthal an dem noch befahrenen Abschnitt, 2024.
Das Empfangsgebäude des Kaiserbahnhofs Joachimsthal an dem noch befahrenen Abschnitt, 2024. Foto: UMO1, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Joachimsthal–Templin: Abbestellung und Neustart

Die Strecke von Joachimsthal nach Templin war erst 2004 grundlegend saniert worden.

Zum 9. Dezember 2006 bestellte das brandenburgische Infrastrukturministerium den Personenverkehr trotzdem ab, wegen gekürzter Regionalisierungsmittel.

Anfang Oktober 2016 schrieb DB Netz den Abschnitt zur Abgabe an andere Infrastrukturunternehmen aus, weil der Betrieb nicht kostendeckend sei.

Die Ausschreibung gewann die Hanseatische Infrastrukturgesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der Hanseatischen Eisenbahn und der RegioInfra mit Sitz in Putlitz.

Seit Dezember 2018 fuhr die Regionalbahn in Kooperation mit der Hanseatischen Eisenbahn zunächst für drei Jahre wieder bis Templin, wofür sich die Stadt eingesetzt hatte.

Das Land Brandenburg bezuschusste den Betrieb mit 1,9 Millionen Euro.

Damit die Strecke auch nach dem Probebetrieb bedient würde, waren wochentags 300 und an Wochenenden 200 Fahrgäste notwendig.

Die Linie wurde als Schorfheide-Bahn vermarktet.

Wegen der Einschränkungen durch COVID-19 brachen die Fahrgastzahlen 2020 und 2021 ein, deshalb wurde der Probebetrieb bis Dezember 2022 verlängert.

Zum 11. Dezember 2022 ging die Betriebsführung des Abschnitts an die Regio Infra Nord-Ost über.

Der Probebetrieb der Linie RB 63 wurde zum Dezember 2022 beendet, weil die geforderten Fahrgastzahlen nicht erreicht wurden.

Zudem wurden massive Mängel am Oberbau festgestellt, und die Strecke wurde kurz nach dem Ende des Testbetriebs vollständig gesperrt.

Ein mehrmonatiger Ersatzverkehr mit Bussen wurde im Sommer 2023 durch den PlusBus-Ring Uckermark/Barnim abgelöst.

Seit dem 6. Januar 2023 ist die Sperrung wieder aufgehoben, Fahrzeuge der Streckenklasse A dürfen mit höchstens 10 Kilometern pro Stunde über die Strecke fahren.

Milmersdorf

Nach mehreren kleinen Haltepunkten und Bahnhöfen erreicht die Strecke Milmersdorf.

Über den Bahnübergang im Bahnhofsbereich führt die Landesstraße 100, bis 2005 verlief hier die Bundesstraße 109.

Bis Dezember 2017 gab es bis Milmersdorf einen bescheidenen Güterverkehr mit einem Kesselwagen, der wöchentlich fuhr.

Der Personenverkehr zwischen Joachimsthal und Templin war von 2006 bis 2018 eingestellt und wurde von Dezember 2018 bis Dezember 2022 durchgehend von Eberswalde bis Templin bedient.

Templin Stadt

Templin Stadt ist ein Haltepunkt am Rand der Stadt.

Im Auftrag der Stadt Templin wurde sein Bahnsteig für den Probebetrieb ab 2018 ertüchtigt.

Er war der Endpunkt im Reiseverkehr.

Wegen der Bahnübergangseinschaltstrecken fuhren alle Züge bis zum Bahnhof Templin weiter, ein Fahrgastwechsel war dort aber nicht möglich.

Der Bahnsteig im Bahnhof Templin, 2017.
Der Bahnsteig im Bahnhof Templin, 2017. Foto: Michael Richmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bahnhof Templin

In Templin trafen die Strecken aus Löwenberg, Britz, Prenzlau und Fürstenberg zusammen.

Eine fünfte Strecke von Templin nach Fürstenwerder eröffnete im Sommer 1913, wurde aber 1945 wieder abgebaut.

Der Bahnhof besaß bis Ende der 1990er Jahre umfangreiche Gleisanlagen mit fünf Bahnsteiggleisen, einem Güterbahnhof, einem Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe, Lokschuppen und Wasserturm.

Diese Anlagen sind noch vorhanden, aber gleislos.

Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Der Wasserturm am Bahnhof Templin, 2020.
Der Wasserturm am Bahnhof Templin, 2020. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Wasserstation am Ringlokschuppen in Templin, 2020.
Die Wasserstation am Ringlokschuppen in Templin, 2020. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Lychen

Hinter Templin führt die Strecke über einen Kanal zwischen Röddelinsee und Templiner Stadtsee und an den Heilanstalten Hohenlychen am Platkowsee vorbei.

Der Bahnhof Lychen war der einzige größere Unterwegshalt zwischen Templin und Fürstenberg.

Er steht heute unter Denkmalschutz.

Zum Ensemble gehören das Empfangsgebäude, ein Güterschuppen, ein Nebengebäude und Eisenbahnerwohnhäuser.

Den Verkehr nach Lychen und Fürstenberg übernimmt die Buslinie 517.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen, Straßenseite, 2015.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen, Straßenseite, 2015. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen mit Güterschuppen, 2015.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lychen mit Güterschuppen, 2015. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Eisenbahnerwohnhäuser am Bahnhof Lychen, 2015.
Die Eisenbahnerwohnhäuser am Bahnhof Lychen, 2015. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Nebengebäude am Bahnhof Lychen, 2015.
Das Nebengebäude am Bahnhof Lychen, 2015. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Templin–Fürstenberg: erst Draisinen, dann Abbau

Nach dem Mauerfall brachen die Verkehrsleistungen ein.

Am 31. Dezember 1994 wurde der Güterverkehr zwischen Templin und Fürstenberg eingestellt.

Am 19. Mai 1996 entfiel der Personenverkehr, am 1. Juni 1996 wurde die Strecke stillgelegt.

Seit dem 15. Juli 1996 bot ein Tochterunternehmen der Verkehrsgesellschaft Bayern Express & P. Kühn Fahrten mit Eisenbahndraisinen an.

Die Infrastruktur gehörte zunächst der TourismusServiceTemplin.

Zum 1. Januar 2010 wurde die Strecke an die Erlebnisbahn mit Sitz in Zossen verkauft.

Zum Ende der Saison 2021 wurde der Draisinenbetrieb dauerhaft eingestellt.

Der neue Käufer, ein Schrotthändler, wollte die Strecke im März 2022 vollständig abbauen lassen.

Der Abbau war bis zum 2. Januar 2023 von Fürstenberg bis südöstlich von Lychen fortgeschritten, bis zum Bahnübergang der Straße zwischen Tangersdorf und Wuppgarten.

Eine Eisenbahndraisine auf der Strecke zwischen Templin und Fürstenberg, 2004.
Eine Eisenbahndraisine auf der Strecke zwischen Templin und Fürstenberg, 2004. Foto: User Oktaeder on de.Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Vorher und nachher: Templin–Fürstenberg

Bis 1996 fuhren auf dem Abschnitt Züge mit Reisenden.

Danach folgten 25 Jahre mit Draisinen.

Seit dem Ende der Saison 2021 sind auch sie eingestellt, und der Abbau begann.

So sieht es jetzt aus

Zwischen Joachimsthal und Templin dürfen Fahrzeuge der Streckenklasse A seit dem 6. Januar 2023 mit höchstens 10 Kilometern pro Stunde fahren.

Zwischen Templin und Fürstenberg ist ein Teil der Strecke abgebaut.

Das Empfangsgebäude in Lychen steht unter Denkmalschutz, ebenso das Ensemble des Bahnhofs Templin.

1898: Am 1. Juli wird Britz–Joachimsthal eingeweiht, ab dem 15. Dezember fahren Züge bis Templin.

1899: Am 16. August geht der letzte Abschnitt bis Fürstenberg in Betrieb.

1991: Der durchgehende Zug Frankfurt (Oder) – Fürstenberg – Schwerin fährt zum letzten Mal.

1994: Am 31. Dezember endet der Güterverkehr zwischen Templin und Fürstenberg.

1996: Am 19. Mai endet der Personenverkehr zwischen Templin und Fürstenberg, am 15. Juli beginnen Draisinenfahrten.

2006: Am 9. Dezember wird der Verkehr zwischen Joachimsthal und Templin abbestellt.

2017: Im Dezember endet der wöchentliche Güterverkehr nach Milmersdorf.

2018: Im Dezember beginnt der Probebetrieb bis Templin.

2021: Zum Ende der Saison wird der Draisinenbetrieb eingestellt.

2022: Zum 11. Dezember endet der Probebetrieb der Linie RB 63.

2023: Am 6. Januar wird die Streckensperrung aufgehoben.

Wann wurde die Strecke Britz–Fürstenberg eröffnet?
Zwischen 1898 und 1899, am 1. Juli 1898 bis Joachimsthal, am 15. Dezember 1898 bis Templin und am 16. August 1899 bis Fürstenberg.
Fährt zwischen Joachimsthal und Templin noch ein Zug?
Der Personenverkehr endete im Dezember 2022 nach vier Jahren Probebetrieb. Fahrzeuge der Streckenklasse A dürfen die Strecke seit dem 6. Januar 2023 mit höchstens 10 Kilometern pro Stunde befahren.
Warum wurde der Probebetrieb beendet?
Die geforderten Fahrgastzahlen wurden nicht erreicht, zudem wurden massive Mängel am Oberbau festgestellt.
Was geschah mit der Strecke zwischen Templin und Fürstenberg?
Sie wurde 1996 stillgelegt, bis Ende der Saison 2021 fuhren Draisinen, und der Abbau reichte bis zum 2. Januar 2023 von Fürstenberg bis südöstlich von Lychen.
Ist der Kaiserbahnhof in Joachimsthal stillgelegt?
Nein, er liegt an dem Abschnitt Britz–Joachimsthal, der weiter betrieben wird.

Von der Strecke Britz–Fürstenberg bleiben der betriebene Abschnitt bis Joachimsthal, die denkmalgeschützten Bahnhöfe in Lychen und Templin und eine Strecke, über die der Verkehr nur noch im Schritttempo fahren darf.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Britz–Fürstenberg · Wikipedia: Bahnhof Templin · Wikipedia: Joachimsthal Kaiserbahnhof · Wikipedia: Milmersdorf · Wikimedia Commons: Bilder zu den Bahnhöfen

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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