Die Lohrer Bahn: Stille Halte und Tunnel zwischen Lohr und Wertheim
Die Nebenbahn am Main wurde 1881 eröffnet und galt schon 1885 als schwach genutzt. 1976 endete der Personenverkehr bis Wertheim, drei Tunnel und mehrere Halte blieben als Spuren zurück.

Strecke: Lohr Bahnhof–Wertheim, 37,1 Kilometer. Status: bis auf Lohr Bahnhof–Lohr Stadt stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf Lohr Stadt fahren noch Güterzüge, große Teile der Trasse nutzt der Maintalradweg.
Die Bahnstrecke Lohr–Wertheim ist auch als Ostspessartbahn bekannt.
Sie wurde 1881 eröffnet und in den 1980er und 1990er Jahren bis auf den Abschnitt Lohr Bahnhof–Lohr Stadt stillgelegt und abgebaut.
Dieser Beitrag geht die Halte von Lohr Stadt bis Kreuzwertheim der Reihe nach durch.
Lohr Stadt ist dabei nicht ganz tot, denn dort fahren noch Güterzüge.
Alte freie Fotos der Strecke liegen nicht vor, die Bilder zeigen den heutigen Zustand.
Entstehung: Eine Nebenbahn am Main
Der Betrieb auf der 37,1 Kilometer langen Strecke wurde am 1. Oktober 1881 aufgenommen.
Die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen betrieben sie.
1,6 Kilometer der Strecke lagen auf badischem Gebiet.
Sie verlief größtenteils entlang des Mains.
Sie begann in Lohr Bahnhof an der Strecke Würzburg–Aschaffenburg.
Sie endete in Wertheim, wo Anschluss an die Strecken nach Miltenberg und nach Lauda bestand.
Schon 1885 bezeichnete die bayerische Eisenbahnverwaltung die Verbindung als eine der am schlechtesten frequentierten Strecken ihres Netzes.
Daran änderte sich in den folgenden Jahrzehnten nicht viel.
So sah es vorher aus: Zugverkehr und Güter
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein großer Teil der Züge bereits in Gemünden.
Einige fuhren über Wertheim hinaus bis Miltenberg durch.
Ab 1959 nahm der Güterverkehr für etwa zehn Jahre einen Aufschwung.
Die Strecke versorgte die Baustellen der Bundesautobahn 3 und transportierte Material vom Kieswerk Faulbach zu den Baustellen der Bundesautobahn 7.
Bei Kilometer 30,4 bestand bei Bettingen während des Baus der Autobahn 3 ein sogenannter Deckenbaubahnhof.
Dort wurde Baumaterial in ganzen Zügen angefahren und in einen Tiefbunker am Anschlussgleis gekippt.
Lohr Stadt: Der Halt mit Güterverkehr
Lohr Stadt lag bei Kilometer 1,68, kurz hinter Lohr Bahnhof.
Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Lohr Bahnhof–Lohr Stadt endete am 22. Mai 1977.
Dort wird bis heute Güterverkehr bedient, vor allem zur Versorgung der Glashütte von Gerresheimer Lohr.
Der ehemalige Haltepunkt Lohr Stadt neben dem Parkdeck ist heute ein Gastronomiebetrieb.
Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Lohr Bahnhof und Lohr Stadt wird diskutiert.
Im Nahverkehrsplan des Landkreises ist die Maßnahme enthalten.
Ende Februar 2022 stellte die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Potenzialanalyse fest, nach der die Reaktivierung bis Lohr Stadt ein Fahrgastpotenzial von 1.560 Personenkilometern pro Kilometer Streckenlänge hat.
Damit ist das erste von vier Reaktivierungskriterien erfüllt.
Rodenbach und Neustadt am Main: Die Halte hinter Lohr
Der Bahnhof Rodenbach lag bei Kilometer 6,0.
Der Eisenbahndamm in Richtung Rodenbach ist noch erkennbar.
Neustadt am Main lag bei Kilometer 9,55.
Zu beiden Halten sind weitere Einzelheiten nicht belegt.
Rothenfels: Der Maindamm als Umgehungsstraße
Rothenfels liegt zwischen Lohr am Main und Marktheidenfeld.
Der Bahnhof lag bei Kilometer 15,23.
Die Stadt ist zwischen dem Fluss und einem Steilhang eingezwängt.
Sie besteht aus wenig mehr als einer Hauptstraße.
Seit 2006 wird der Maindamm als Umgehungsstraße genutzt.
Er ist Teil der alten, stillgelegten Bahnstrecke Lohr–Wertheim.
Hafenlohr: Bahnhof und Eisenbahnbrücke
Hafenlohr lag bei Kilometer 17,71.
Der Ort hatte einen Bahnhof an der Strecke.
Der Personenverkehr endete 1976, die Strecke ist inzwischen abgetragen.
Im Ort steht noch eine alte Eisenbahnbrücke.
Zum Gemeindegebiet gehört die Einöde Bahnbrückenmühle.


Marktheidenfeld: Der größte Bahnhof der Strecke
Der Bahnhof Marktheidenfeld lag bei Kilometer 20,45.
Er war der größte zwischen Start- und Endbahnhof.
Die Strecke war eingleisig, doch der Bahnhof hatte einen großzügigen Güterbahnhof mit Verladerampen.
Dort verliefen bis zu sieben Gleise parallel.
Die Strecke führte auf der anderen Mainseite an Marktheidenfeld vorbei.
Auf der Trasse verläuft heute großteils der Maintalradweg.
Lengfurt-Trennfeld: Der Halt vor der Landesgrenze
Lengfurt-Trennfeld lag bei Kilometer 26,57.
Der Güterverkehr zwischen Lengfurt-Trennfeld und Wertheim wurde am 26. Mai 1979 eingestellt.
Zwischen Lohr Stadt und Lengfurt-Trennfeld endete er am 31. Dezember 1992.
Die Strecke wurde dort 1993 abgebaut.
Kreuzwertheim und der Bettingbergtunnel
Hinter Lengfurt-Trennfeld folgte bei Kilometer 32,2 der Halt Bettingberg.
Gleich dahinter beginnt bei Kilometer 32,3 der Bettingbergtunnel mit 730 Metern Länge.
Der Bau begann 1879 und war im Oktober 1881 vollendet.
Der Tunnel steht unter Denkmalschutz.
Über beiden Portalen ist ein steinerner Löwenkopf angebracht.
Er kürzte die südöstliche Mainschleife ab.
Von einer Quelle im Tunnel wurde bis 1882 eine Leitung zur Wasserversorgung der Stadt Wertheim gebaut.
Nach der Stilllegung nutzte Daimler-Benz den Tunnel eine Zeit lang für Versuche mit dem Spurbus.
Heute ist er ein Überwinterungsort für Mopsfledermäuse und deshalb vom 1. Oktober bis 30. April nicht zugänglich.



Kreuzwertheim lag bei Kilometer 34,5.
Der Kaffelsteintunnel ist 231 Meter lang und der kürzeste der drei Tunnel der Strecke.
Er beginnt 400 Meter vor dem ehemaligen Bahnhof.
Der Bau begann 1880 und war im Oktober 1881 abgeschlossen.
1983 wurde das Westportal vermauert und die Einfahrtschneise verfüllt.
1990 wurde die Schneise mit Häusern bebaut.
Das erhaltene Ostportal ist durch ein Gitter versperrt und nicht öffentlich zugänglich.
Der steinerne Löwenkopf steht heute als Denkmal vor dem Museum Prassek-Scheune in Kreuzwertheim.
Das bayerische Wappen aus Sandstein vom Westportal gehört der Gemeinde Kreuzwertheim.

Mainbrücke und Wertheim: Das Ende der Strecke
Die Eisenbahnbrücke über den Main von Kreuzwertheim nach Wertheim war 178 Meter lang.
Sie wurde 1984 demontiert.
Man baute sie 175 Kilometer weiter mainaufwärts bei Schweinfurt an der Strecke Kitzingen–Schweinfurt wieder auf.
Hinter der Brücke folgt der Schlossbergtunnel mit 626 Metern Länge.
Er führt durch den Schlossberg, auf dem die Burg Wertheim steht.
Der Tunnel wurde 1881 gemeinsam mit der Strecke eröffnet.
Beide Portale sind heute verschlossen.
Gelegentlich wird er für Veranstaltungen geöffnet.
Die Eisenbahnbrücke über die Tauber in Wertheim wurde stillgelegt.




Niedergang: Stilllegung und Rückbau
Der Personenverkehr zwischen Lohr Stadt und Wertheim wurde am 30. Mai 1976 eingestellt.
Der Abschnitt Lohr Bahnhof–Lohr Stadt folgte am 22. Mai 1977.
Der Güterverkehr zwischen Lengfurt-Trennfeld und Wertheim endete am 26. Mai 1979.
Zwischen Lohr Stadt und Lengfurt-Trennfeld endete er am 31. Dezember 1992.
Die Strecke wurde dort 1980/81 beziehungsweise 1993 abgebaut.
Die drei Tunnel der Strecke wurden 1980/81 verschlossen.
Zu den drei Tunneln gehören der Bettingbergtunnel, der Kaffelsteintunnel und der Schlossbergtunnel Wertheim.
Die Geschichte in Daten
1879: Baubeginn des Bettingbergtunnels.
1. Oktober 1881: Betriebsaufnahme der Strecke Lohr–Wertheim.
1885: Die Strecke gilt als eine der am schlechtesten frequentierten Bayerns.
1959: Aufschwung des Güterverkehrs für Autobahnbaustellen.
30. Mai 1976: Ende des Personenverkehrs zwischen Lohr Stadt und Wertheim.
22. Mai 1977: Ende des Personenverkehrs zwischen Lohr Bahnhof und Lohr Stadt.
26. Mai 1979: Ende des Güterverkehrs zwischen Lengfurt-Trennfeld und Wertheim.
1980/81: Die drei Tunnel werden verschlossen.
1984: Demontage der Mainbrücke bei Kreuzwertheim.
31. Dezember 1992: Ende des Güterverkehrs zwischen Lohr Stadt und Lengfurt-Trennfeld.
1993: Abbau der Strecke zwischen Lohr Stadt und Lengfurt-Trennfeld.
2006: Der Maindamm bei Rothenfels wird Umgehungsstraße.
Februar 2022: Potenzialanalyse zur Reaktivierung bis Lohr Stadt.
Häufige Fragen
Ist die Strecke Lohr–Wertheim ganz stillgelegt?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Welche Tunnel gibt es an der Strecke?
Wo verlief die Mainbrücke?
Was ist aus der Trasse geworden?
Die Lohrer Bahn wurde schon früh als schwach ausgelastet bezeichnet.
Geblieben sind der Güterverkehr bei Lohr, drei Tunnel und der Verlauf am Main.
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