Die Mainschleifenbahn: eine Museumsbahn mit stillen Halten rund um Volkach

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Mainschleifenbahn: eine Museumsbahn mit stillen Halten rund um Volkach

Der Regelverkehr endete 1968, die Strecke wurde 1994 stillgelegt, doch seit 2003 fahren wieder Züge. Die Halte Vogelsburg, Untereisenheim und Volkach sind trotzdem verschwunden.

Der Haltepunkt Astheim mit einem Schienenbus, Aufnahme von 2014.
Der Haltepunkt Astheim mit einem Schienenbus, Aufnahme von 2014. Foto: Mainschleifenbahner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1909
Eröffnung der Lokalbahn
1968
Ende des Personenverkehrs
1994
Stilllegung durch die Bahn
2003
Ausflugsverkehr beginnt

Lage: Volkacher Mainschleife, Unterfranken, von Seligenstadt bei Würzburg nach Volkach-Astheim. Status: Ausflugs- und Museumsbahn, kein Regelverkehr, Reaktivierung wird geplant. Heute: Die Strecke endet in Astheim, die Mainbrücke nach Volkach trägt kein Gleis mehr.

Die Mainschleifenbahn ist keine tote Strecke, sondern eine Ausflugs- und Museumsbahn.

Der regelmäßige Personenverkehr endete 1968, der Güterverkehr 1991, und am 28. Mai 1994 wurde die Strecke von der Deutschen Bahn stillgelegt.

Seit 2003 fährt auf ihr wieder ein Ausflugs- und Sonderverkehr.

Verschwunden sind trotzdem mehrere Halte, der Anschluss an das Hauptnetz und die Brücke über den Main.

Dieser Beitrag beschreibt die Halte und ihr Schicksal.

Fotos aus der Zeit des Regelverkehrs sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden, die Bilder stammen aus den Jahren ab 2005.

Wie die Bahn nach Volkach kam

Das Bayerische Gesetz vom 10. August 1904 genehmigte die Anbindung der Stadt Volkach an das Eisenbahnnetz.

Im Sommer 1907 wurde mit dem Bau begonnen.

Als Ausgangspunkt wurde der rund zehn Kilometer von Volkach entfernte Bahnhof Seligenstadt gewählt, an dem schon ein Anschluss zur 1854 fertiggestellten Ludwigs-West-Bahn bestand.

Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde die Strecke am 14. Februar 1909 als Lokalbahn der Bayerischen Staatsbahnen eröffnet.

Im Volksmund hieß sie „Säuferbähnle“, weil Ausflügler sie häufig nutzten, die an der Mainschleife zechten.

Bei der Eröffnung hatte die Strecke sieben Bahnhöfe und Haltepunkte.

Das waren Seligenstadt als Abzweigbahnhof, Prosselsheim, Untereisenheim, Escherndorf, Vogelsburg, Astheim und Volkach als Endbahnhof.

Untereisenheim hieß später Eisenheim.

Ein Schienenbus der Mainschleifenbahn.
Ein Schienenbus der Mainschleifenbahn. Foto: Derzno, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Dampf, Diesel und Ausflügler

In den Anfangsjahren zogen Lokalbahnlokomotiven der Bauart PtL 2/2 die Züge.

Ab 1923 setzte sich die Baureihe 98.7 durch, ab 1934 folgten die Baureihen 98/7 und 64.

1966 wurde der Betrieb von Dampf auf Diesellokomotiven der Baureihe V 100 umgestellt.

Bis zum 28. September 1968 verkehrten auf der Strecke regelmäßig Personenzüge.

Auch danach fuhren noch Sonderzüge aus ganz Süddeutschland nach Volkach.

Der Güterverkehr diente zuletzt der Bundeswehr und Mineralöltransporten aus dem Öltanklager in Volkach.

Er wurde 1991 eingestellt.

Prosselsheim: ein Halt im Museumsverkehr

Der Bahnhof Prosselsheim gehört zu den ursprünglichen Halten der Strecke.

Sein Empfangsgebäude war ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.

Es wurde saniert und dient heute anderen Zwecken.

Im Bahnhof Prosselsheim ist der Betriebshof der Mainschleifenbahn untergebracht.

Prosselsheim ist damit kein stiller Halt, sondern Teil des Ausflugsverkehrs.

Blick aus dem Schienenbus beim Halt am Bahnhof Prosselsheim, Aufnahme von 2020.
Blick aus dem Schienenbus beim Halt am Bahnhof Prosselsheim, Aufnahme von 2020. Foto: Jan, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Untereisenheim und Eisenheim: der alte Bahnhof im Privatbesitz

Das Empfangsgebäude von Untereisenheim, später Eisenheim, war ebenfalls ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.

Es befindet sich seit 1969 in Privatbesitz.

Mitte April 2007 begannen die Bauarbeiten für den seit 2004 geplanten Haltepunkt Eisenheim.

Sie konnten nach nur vier Tagen beendet werden, und der Haltepunkt war zum Saisonbeginn am 1. Mai 2007 einsatzbereit.

Der neue Haltepunkt liegt einige Meter vom alten Bahnhofsgebäude entfernt.

Der Haltepunkt Eisenheim, Aufnahme von 2017.
Der Haltepunkt Eisenheim, Aufnahme von 2017. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Ein weiterer Blick auf den Haltepunkt Eisenheim, 2017.
Ein weiterer Blick auf den Haltepunkt Eisenheim, 2017. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Vogelsburg: der Halt, der nur bis 1922 bestand

Der Haltepunkt Vogelsburg wurde bereits 1922 stillgelegt.

Er wurde nur sehr schwach genutzt.

Seine Lage an einem steigungsreichen Abschnitt führte zudem teilweise zu Anfahrschwierigkeiten.

Zwischen Escherndorf und Astheim fällt die Trasse auf rund vier Kilometern um knapp 70 Höhenmeter.

Astheim: das Brückenhaus und der neue Endpunkt

Nach der Sprengung der Volkacher Mainbrücke am 7. April 1945 war Astheim zeitweise Endpunkt.

Vier Jahre später ersetzte ein Provisorium die Brücke.

Es sollte nur bis zum Bau eines neuen Brückenbauwerks dienen, das jahrzehntelang nicht kam.

Im Zuge des Mainausbaus wurde die Behelfsbrücke 1959 um 1,69 Meter angehoben.

Seit dem 5. September 2011 wurde die kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke durch eine neue, 199 Meter lange Brücke ersetzt und anschließend abgebrochen.

Auf der neuen Brücke ist kein Gleis mehr vorhanden.

Das alte Brückenhaus blieb auf Drängen der Interessengemeinschaft stehen und ist Teil der neuen Endstation Volkach-Astheim.

Mit Beginn der Saison 2014 wurde der Haltepunkt Astheim direkt an das denkmalgeschützte Brückenhaus verlegt.

Auf der ehemaligen Brückenzufahrt entstanden eine Wartehalle und ein gepflasterter, barrierefreier Bahnsteig mit Beleuchtung.

Auf dem Brückenkopf erinnert ein kurzes Seitenstück der 1949 eröffneten Roth-Waagner-Brücke an die einstige Mainquerung.

Im Brückenhaus ist seit 2014 ein privates Museum zur Geschichte der Mainschleifenbahn untergebracht.

Der Haltepunkt Volkach-Astheim im Jahr 2005.
Der Haltepunkt Volkach-Astheim im Jahr 2005. Foto: Sülzi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Mainbrücke Volkach, Aufnahme von 2009.
Die Mainbrücke Volkach, Aufnahme von 2009. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Ende der Mainschleifenbahn bei Volkach-Astheim, Aufnahme von 2022.
Das Ende der Mainschleifenbahn bei Volkach-Astheim, Aufnahme von 2022. Foto: Phil Richards from London, UK, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Volkach: ein Bahnhof wird Busbahnhof

Volkach war der Endbahnhof der Strecke, bis die Brücke über den Main gesprengt wurde.

Das Empfangsgebäude war ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.

Es wurde saniert und dient heute anderen Zwecken.

Die Trasse zwischen der Mainbrücke und dem ehemaligen Bahnhof Volkach wurde auf Wunsch der Stadt mit Wirkung zum 31. Januar 2002 vom Eisenbahn-Bundesamt entwidmet.

Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs entstand im Juli 2005 ein Busbahnhof.

Die Musikschule der Volkacher Mainschleife ist in den alten Bahnhofsgebäuden untergebracht, und das Jugendhaus am alten Bahnhof ist in städtischer Hand.

Das Bahnhofsareal in Volkach, Aufnahme von 2005.
Das Bahnhofsareal in Volkach, Aufnahme von 2005. Foto: Sülzi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Volkach, 2018.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Volkach, 2018. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein weiteres Gebäude des ehemaligen Bahnhofs Volkach, 2018.
Ein weiteres Gebäude des ehemaligen Bahnhofs Volkach, 2018. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Seligenstadt: die ausgebaute Weiche

Am 17. Oktober 1998 baute die Deutsche Bahn die Abzweigweiche der Mainschleifenbahn im Bahnhof Seligenstadt aus.

Die Interessengemeinschaft konnte dies nicht verhindern.

Die Strecke war seitdem vom Streckennetz der Deutschen Bahn getrennt und wurde ein Inselbetrieb.

Der Bahnhof Seligenstadt wurde zum Zwischenbahnhof zurückgebaut.

Der Haltepunkt Seligenstadt Mainschleifenbahn liegt etwa 300 Meter nördlich des Bahnhofs zwischen den beiden Strecken.

Er wurde angelegt, weil die Strecke nach Volkach nicht mehr in den Bahnhof führte.

Stilllegung und Rettung

Nach der Stilllegung am 28. Mai 1994 gründete sich im September 1994 in Volkach die Interessengemeinschaft Mainschleifenbahn.

Im Juli 1995 verhinderte sie als ersten Erfolg die vorgesehene Demontage der Gleise.

Im Juni 1996 fuhr der Prototyp des Dieseltriebwagens Talent zu Demonstrationszwecken auf der Strecke.

Eine mögliche Reaktivierung, die die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Frühjahr 1997 untersuchte, wurde nicht umgesetzt.

Im März 2001 wurde die Betriebsgesellschaft Mainschleifenbahn gegründet, und im Januar 2002 pachtete sie die Strecke für 25 Jahre von der Deutschen Bahn.

Die zugewachsene Trasse wurde freigeschnitten und umfangreich saniert, und am 9. Juli 2003 erhielt die Strecke die Betriebsgenehmigung.

Im September 2003 nahm der Förderverein Mainschleifenbahn einen Inselbetrieb für den Ausflugs- und Sonderverkehr auf.

Am 21. Oktober 2011 kaufte der Förderverein die Strecke von der Deutschen Bahn.

Im Jahr 2010 beförderte die Bahn 12.000 Fahrgäste.

Der Triebwagen VT 796 702 im Haltepunkt Volkach-Astheim, Aufnahme von 2020.
Der Triebwagen VT 796 702 im Haltepunkt Volkach-Astheim, Aufnahme von 2020. Foto: Jan, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert.

Sie endet in Astheim, denn die Überquerung des Mains in Volkach wird nicht mehr angestrebt.

Von den 16 Bahnübergängen entlang der Strecke sind nur vier technisch gesichert.

2019 wurde eine Wiederinbetriebnahme für den regulären Verkehr diskutiert.

Ein Gutachten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ergab ein Fahrgastpotenzial von 1.400 Personen pro Tag, gefordert sind 1.000.

Am 17. Mai 2021 wurde die Mainschleifenbahn-Infrastruktur-GmbH gegründet, deren Hauptgesellschafter die Landkreise Würzburg und Kitzingen sind.

Die Kreistage beider Landkreise beschlossen am 28. Oktober 2024 einstimmig die Finanzierung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung.

Vorgesehen sind Stationen in Prosselsheim, Eisenheim und Astheim und die Wiedereinbindung in den Bahnhof Seligenstadt.

Vorher und nachher: die Mainbrücke bei Volkach

Bis 1945 führte die Mainschleifenbahn über eine Kombibrücke, auf der sich Straße und Schienen befanden, bis nach Volkach.

Seit 2011 trägt die neue Brücke kein Gleis mehr.

Das alte Brückenhaus steht noch, und in ihm ist ein Museum untergebracht.

Die Geschichte in Daten

10. August 1904: Ein bayerisches Gesetz genehmigt die Bahn nach Volkach.

14. Februar 1909: Die Lokalbahn Seligenstadt–Volkach wird eröffnet.

1922: Der Haltepunkt Vogelsburg wird stillgelegt.

7. April 1945: Die Volkacher Mainbrücke wird gesprengt.

1949: Ein Provisorium ersetzt die Mainbrücke.

1959: Die Behelfsbrücke wird um 1,69 Meter angehoben.

28. September 1968: Der letzte regelmäßige Personenzug fährt.

1969: Das Empfangsgebäude Eisenheim geht in Privatbesitz.

1991: Der Güterverkehr wird eingestellt.

28. Mai 1994: Die Deutsche Bahn legt die Strecke still.

17. Oktober 1998: Die Abzweigweiche in Seligenstadt wird ausgebaut.

31. Januar 2002: Die Trasse zwischen Mainbrücke und Bahnhof Volkach wird entwidmet.

September 2003: Der Ausflugsverkehr beginnt.

Juli 2005: In Volkach entsteht ein Busbahnhof.

1. Mai 2007: Der Haltepunkt Eisenheim ist einsatzbereit.

5. September 2011: Der Ersatz der Mainbrücke beginnt, die alte Brücke wird abgebrochen.

2014: Der Haltepunkt Astheim wird an das Brückenhaus verlegt.

28. Oktober 2024: Die Kreistage beschließen die Finanzierung der Planung.

Häufige Fragen

Ist die Mainschleifenbahn stillgelegt?
Der Regelverkehr endete 1968, die Strecke wurde 1994 stillgelegt. Seit 2003 fährt aber ein Ausflugs- und Sonderverkehr.
Warum hieß sie Säuferbähnle?
Sie wurde häufig von Ausflüglern genutzt, die an der Mainschleife zechten.
Warum endet die Strecke in Astheim?
Die Mainbrücke bei Volkach wurde 1945 gesprengt, und die neue Brücke von 2011 trägt kein Gleis mehr.
Welche Halte sind verschwunden?
Der Haltepunkt Vogelsburg wurde 1922 stillgelegt, der Bahnhof Volkach ist Busbahnhof, und das alte Empfangsgebäude Eisenheim ist in Privatbesitz.
Wird die Strecke reaktiviert?
Die Landkreise Würzburg und Kitzingen betreiben die Planung, und ein Gutachten ermittelte ein Fahrgastpotenzial von über 1.000 Personen pro Tag.

Die Mainschleifenbahn lebt, weil Menschen ihre Gleise gerettet haben, auch wenn mehrere Halte und die Brücke nach Volkach verloren sind.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Seligenstadt–Volkach (Wikipedia) · Bahnhof Seligenstadt (bei Würzburg) (Wikipedia) · Prosselsheim (Wikipedia) · Eisenheim (Wikipedia) · Volkach (Wikipedia) · Astheim (Volkach) (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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