Die Mainschleifenbahn: eine Museumsbahn mit stillen Halten rund um Volkach
Der Regelverkehr endete 1968, die Strecke wurde 1994 stillgelegt, doch seit 2003 fahren wieder Züge. Die Halte Vogelsburg, Untereisenheim und Volkach sind trotzdem verschwunden.

Lage: Volkacher Mainschleife, Unterfranken, von Seligenstadt bei Würzburg nach Volkach-Astheim. Status: Ausflugs- und Museumsbahn, kein Regelverkehr, Reaktivierung wird geplant. Heute: Die Strecke endet in Astheim, die Mainbrücke nach Volkach trägt kein Gleis mehr.
Die Mainschleifenbahn ist keine tote Strecke, sondern eine Ausflugs- und Museumsbahn.
Der regelmäßige Personenverkehr endete 1968, der Güterverkehr 1991, und am 28. Mai 1994 wurde die Strecke von der Deutschen Bahn stillgelegt.
Seit 2003 fährt auf ihr wieder ein Ausflugs- und Sonderverkehr.
Verschwunden sind trotzdem mehrere Halte, der Anschluss an das Hauptnetz und die Brücke über den Main.
Dieser Beitrag beschreibt die Halte und ihr Schicksal.
Fotos aus der Zeit des Regelverkehrs sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden, die Bilder stammen aus den Jahren ab 2005.
Wie die Bahn nach Volkach kam
Das Bayerische Gesetz vom 10. August 1904 genehmigte die Anbindung der Stadt Volkach an das Eisenbahnnetz.
Im Sommer 1907 wurde mit dem Bau begonnen.
Als Ausgangspunkt wurde der rund zehn Kilometer von Volkach entfernte Bahnhof Seligenstadt gewählt, an dem schon ein Anschluss zur 1854 fertiggestellten Ludwigs-West-Bahn bestand.
Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde die Strecke am 14. Februar 1909 als Lokalbahn der Bayerischen Staatsbahnen eröffnet.
Im Volksmund hieß sie „Säuferbähnle“, weil Ausflügler sie häufig nutzten, die an der Mainschleife zechten.
Bei der Eröffnung hatte die Strecke sieben Bahnhöfe und Haltepunkte.
Das waren Seligenstadt als Abzweigbahnhof, Prosselsheim, Untereisenheim, Escherndorf, Vogelsburg, Astheim und Volkach als Endbahnhof.
Untereisenheim hieß später Eisenheim.

So sah es vorher aus: Dampf, Diesel und Ausflügler
In den Anfangsjahren zogen Lokalbahnlokomotiven der Bauart PtL 2/2 die Züge.
Ab 1923 setzte sich die Baureihe 98.7 durch, ab 1934 folgten die Baureihen 98/7 und 64.
1966 wurde der Betrieb von Dampf auf Diesellokomotiven der Baureihe V 100 umgestellt.
Bis zum 28. September 1968 verkehrten auf der Strecke regelmäßig Personenzüge.
Auch danach fuhren noch Sonderzüge aus ganz Süddeutschland nach Volkach.
Der Güterverkehr diente zuletzt der Bundeswehr und Mineralöltransporten aus dem Öltanklager in Volkach.
Er wurde 1991 eingestellt.
Prosselsheim: ein Halt im Museumsverkehr
Der Bahnhof Prosselsheim gehört zu den ursprünglichen Halten der Strecke.
Sein Empfangsgebäude war ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.
Es wurde saniert und dient heute anderen Zwecken.
Im Bahnhof Prosselsheim ist der Betriebshof der Mainschleifenbahn untergebracht.
Prosselsheim ist damit kein stiller Halt, sondern Teil des Ausflugsverkehrs.

Untereisenheim und Eisenheim: der alte Bahnhof im Privatbesitz
Das Empfangsgebäude von Untereisenheim, später Eisenheim, war ebenfalls ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.
Es befindet sich seit 1969 in Privatbesitz.
Mitte April 2007 begannen die Bauarbeiten für den seit 2004 geplanten Haltepunkt Eisenheim.
Sie konnten nach nur vier Tagen beendet werden, und der Haltepunkt war zum Saisonbeginn am 1. Mai 2007 einsatzbereit.
Der neue Haltepunkt liegt einige Meter vom alten Bahnhofsgebäude entfernt.


Vogelsburg: der Halt, der nur bis 1922 bestand
Der Haltepunkt Vogelsburg wurde bereits 1922 stillgelegt.
Er wurde nur sehr schwach genutzt.
Seine Lage an einem steigungsreichen Abschnitt führte zudem teilweise zu Anfahrschwierigkeiten.
Zwischen Escherndorf und Astheim fällt die Trasse auf rund vier Kilometern um knapp 70 Höhenmeter.
Astheim: das Brückenhaus und der neue Endpunkt
Nach der Sprengung der Volkacher Mainbrücke am 7. April 1945 war Astheim zeitweise Endpunkt.
Vier Jahre später ersetzte ein Provisorium die Brücke.
Es sollte nur bis zum Bau eines neuen Brückenbauwerks dienen, das jahrzehntelang nicht kam.
Im Zuge des Mainausbaus wurde die Behelfsbrücke 1959 um 1,69 Meter angehoben.
Seit dem 5. September 2011 wurde die kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke durch eine neue, 199 Meter lange Brücke ersetzt und anschließend abgebrochen.
Auf der neuen Brücke ist kein Gleis mehr vorhanden.
Das alte Brückenhaus blieb auf Drängen der Interessengemeinschaft stehen und ist Teil der neuen Endstation Volkach-Astheim.
Mit Beginn der Saison 2014 wurde der Haltepunkt Astheim direkt an das denkmalgeschützte Brückenhaus verlegt.
Auf der ehemaligen Brückenzufahrt entstanden eine Wartehalle und ein gepflasterter, barrierefreier Bahnsteig mit Beleuchtung.
Auf dem Brückenkopf erinnert ein kurzes Seitenstück der 1949 eröffneten Roth-Waagner-Brücke an die einstige Mainquerung.
Im Brückenhaus ist seit 2014 ein privates Museum zur Geschichte der Mainschleifenbahn untergebracht.



Volkach: ein Bahnhof wird Busbahnhof
Volkach war der Endbahnhof der Strecke, bis die Brücke über den Main gesprengt wurde.
Das Empfangsgebäude war ein eingeschossiger Bau mit Holzverkleidung.
Es wurde saniert und dient heute anderen Zwecken.
Die Trasse zwischen der Mainbrücke und dem ehemaligen Bahnhof Volkach wurde auf Wunsch der Stadt mit Wirkung zum 31. Januar 2002 vom Eisenbahn-Bundesamt entwidmet.
Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs entstand im Juli 2005 ein Busbahnhof.
Die Musikschule der Volkacher Mainschleife ist in den alten Bahnhofsgebäuden untergebracht, und das Jugendhaus am alten Bahnhof ist in städtischer Hand.



Seligenstadt: die ausgebaute Weiche
Am 17. Oktober 1998 baute die Deutsche Bahn die Abzweigweiche der Mainschleifenbahn im Bahnhof Seligenstadt aus.
Die Interessengemeinschaft konnte dies nicht verhindern.
Die Strecke war seitdem vom Streckennetz der Deutschen Bahn getrennt und wurde ein Inselbetrieb.
Der Bahnhof Seligenstadt wurde zum Zwischenbahnhof zurückgebaut.
Der Haltepunkt Seligenstadt Mainschleifenbahn liegt etwa 300 Meter nördlich des Bahnhofs zwischen den beiden Strecken.
Er wurde angelegt, weil die Strecke nach Volkach nicht mehr in den Bahnhof führte.
Stilllegung und Rettung
Nach der Stilllegung am 28. Mai 1994 gründete sich im September 1994 in Volkach die Interessengemeinschaft Mainschleifenbahn.
Im Juli 1995 verhinderte sie als ersten Erfolg die vorgesehene Demontage der Gleise.
Im Juni 1996 fuhr der Prototyp des Dieseltriebwagens Talent zu Demonstrationszwecken auf der Strecke.
Eine mögliche Reaktivierung, die die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Frühjahr 1997 untersuchte, wurde nicht umgesetzt.
Im März 2001 wurde die Betriebsgesellschaft Mainschleifenbahn gegründet, und im Januar 2002 pachtete sie die Strecke für 25 Jahre von der Deutschen Bahn.
Die zugewachsene Trasse wurde freigeschnitten und umfangreich saniert, und am 9. Juli 2003 erhielt die Strecke die Betriebsgenehmigung.
Im September 2003 nahm der Förderverein Mainschleifenbahn einen Inselbetrieb für den Ausflugs- und Sonderverkehr auf.
Am 21. Oktober 2011 kaufte der Förderverein die Strecke von der Deutschen Bahn.
Im Jahr 2010 beförderte die Bahn 12.000 Fahrgäste.

So sieht es jetzt aus
Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert.
Sie endet in Astheim, denn die Überquerung des Mains in Volkach wird nicht mehr angestrebt.
Von den 16 Bahnübergängen entlang der Strecke sind nur vier technisch gesichert.
2019 wurde eine Wiederinbetriebnahme für den regulären Verkehr diskutiert.
Ein Gutachten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ergab ein Fahrgastpotenzial von 1.400 Personen pro Tag, gefordert sind 1.000.
Am 17. Mai 2021 wurde die Mainschleifenbahn-Infrastruktur-GmbH gegründet, deren Hauptgesellschafter die Landkreise Würzburg und Kitzingen sind.
Die Kreistage beider Landkreise beschlossen am 28. Oktober 2024 einstimmig die Finanzierung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung.
Vorgesehen sind Stationen in Prosselsheim, Eisenheim und Astheim und die Wiedereinbindung in den Bahnhof Seligenstadt.
Vorher und nachher: die Mainbrücke bei Volkach
Bis 1945 führte die Mainschleifenbahn über eine Kombibrücke, auf der sich Straße und Schienen befanden, bis nach Volkach.
Seit 2011 trägt die neue Brücke kein Gleis mehr.
Das alte Brückenhaus steht noch, und in ihm ist ein Museum untergebracht.
Die Geschichte in Daten
10. August 1904: Ein bayerisches Gesetz genehmigt die Bahn nach Volkach.
14. Februar 1909: Die Lokalbahn Seligenstadt–Volkach wird eröffnet.
1922: Der Haltepunkt Vogelsburg wird stillgelegt.
7. April 1945: Die Volkacher Mainbrücke wird gesprengt.
1949: Ein Provisorium ersetzt die Mainbrücke.
1959: Die Behelfsbrücke wird um 1,69 Meter angehoben.
28. September 1968: Der letzte regelmäßige Personenzug fährt.
1969: Das Empfangsgebäude Eisenheim geht in Privatbesitz.
1991: Der Güterverkehr wird eingestellt.
28. Mai 1994: Die Deutsche Bahn legt die Strecke still.
17. Oktober 1998: Die Abzweigweiche in Seligenstadt wird ausgebaut.
31. Januar 2002: Die Trasse zwischen Mainbrücke und Bahnhof Volkach wird entwidmet.
September 2003: Der Ausflugsverkehr beginnt.
Juli 2005: In Volkach entsteht ein Busbahnhof.
1. Mai 2007: Der Haltepunkt Eisenheim ist einsatzbereit.
5. September 2011: Der Ersatz der Mainbrücke beginnt, die alte Brücke wird abgebrochen.
2014: Der Haltepunkt Astheim wird an das Brückenhaus verlegt.
28. Oktober 2024: Die Kreistage beschließen die Finanzierung der Planung.
Häufige Fragen
Ist die Mainschleifenbahn stillgelegt?
Warum hieß sie Säuferbähnle?
Warum endet die Strecke in Astheim?
Welche Halte sind verschwunden?
Wird die Strecke reaktiviert?
Die Mainschleifenbahn lebt, weil Menschen ihre Gleise gerettet haben, auch wenn mehrere Halte und die Brücke nach Volkach verloren sind.
Bahnstrecke Seligenstadt–Volkach (Wikipedia) · Bahnhof Seligenstadt (bei Würzburg) (Wikipedia) · Prosselsheim (Wikipedia) · Eisenheim (Wikipedia) · Volkach (Wikipedia) · Astheim (Volkach) (Wikipedia)
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