Die Brehmbachtalbahn: eine Stichbahn, die nie ankam

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Brehmbachtalbahn: eine Stichbahn, die nie ankam

Von Tauberbischofsheim führte 1914 bis 1968 eine Stichbahn nach Königheim, gedacht als Teil einer Verbindung zum Odenwald. Der Anschluss kam nie zustande, von der Strecke blieben Radwege, ein Bahnhofsgelände und ein paar Gleise.

Der Bahnhof Dittwar 1984, außer Betrieb, mit dem überdachten Außenbereich des Wartesaals und der früheren Stückgutlagerhalle.
Der Bahnhof Dittwar 1984, außer Betrieb, mit dem überdachten Außenbereich des Wartesaals und der früheren Stückgutlagerhalle. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1914
Eröffnung am 1. Dezember
1968
Personenverkehr endet am 26. Mai
1968
Güterverkehr endet am 31. Dezember
2019
Abriss in Königheim

Lage: Brehmbachtal zwischen Tauberbischofsheim und Königheim, 6,4 Kilometer. Status: stillgelegt, Gleise zum großen Teil abgebaut. Heute: Das Bahnhofsgebäude Dittwar ist seit 1981 in Privatbesitz, in Königheim stehen eine Mehrzweckhalle und ein Sportzentrum.

Die Brehmbachtalbahn war eine 6,4 Kilometer lange eingleisige Nebenbahn, die etwa einen halben Kilometer hinter dem Bahnhof Tauberbischofsheim von der Strecke Lauda–Wertheim abzweigte.

Sie führte durch das Tal des Brehmbachs nach Königheim und sollte ursprünglich bis zur Strecke Walldürn–Hardheim weitergehen, doch dieser Anschluss wurde nie fertig.

Dieser Beitrag beschreibt die beiden Halte Dittwar und Königheim und die Strecke dazwischen.

Freie historische Fotos gibt es vor allem von Dittwar aus dem Jahr 1984, von Königheim nur ein Bild aus dem Jahr 2007.

Wie die Bahn ins Tal kam

Seit den 1870er Jahren baten die Gemeinden zwischen dem hinteren Odenwald und dem Taubertal um eine Bahn von Walldürn nach Tauberbischofsheim.

Ein Gutachten der Badischen Staatseisenbahnen bescheinigte einer solchen Verbindung im Dezember 1903 eine vollkommen ungenügende Wirtschaftlichkeit.

Ein 1905 in Tauberbischofsheim gegründetes Eisenbahnkomitee erreichte im September 1906 eine weitere Untersuchung mit einer gestreckteren Trasse.

Das Ende 1907 vorgelegte Ergebnis fiel vernichtend aus, denn statt der zuvor berechneten 4,7 Millionen Mark wären 5,2 Millionen Mark fällig geworden.

Die Baukosten je Kilometer wären die höchsten für eine Bahn in Baden überhaupt gewesen, und das für eine reine Lokalbahn.

Gleichzeitig bescheinigte das Gutachten einer Stichbahn bis Königheim die Bauwürdigkeit.

Die badische Regierung verwarf die Durchgangsstrecke endgültig und beschloss am 2. September 1908 per Gesetz den Bau der Stichbahn als Staatsbahn.

Die Bauarbeiten begannen 1910.

Am 1. Dezember 1914 eröffneten die Badischen Staatseisenbahnen den Betrieb ohne große Feierlichkeiten, weil der Erste Weltkrieg bereits ausgebrochen war.

Es war die letzte von ihnen eröffnete Bahnstrecke.

So sah es vorher aus: Verlauf und Betrieb

Hinter dem Abzweig in Tauberbischofsheim überquerte die Trasse mit zwei Brücken zunächst den Brehmbach und die Bundesstraße 27.

Danach folgte sie dem Brehmbachtal bachaufwärts, parallel zur B 27.

Beim Wohn- und Industriegebiet Bahnhof Dittwar kreuzte sie den heutigen Muckbachtalradweg, bevor ein Bahndamm über das Muckbachtal führte, kurz vor dessen Mündung in den Brehmbach.

Gleich nach dem Damm überquerte die Trasse die L 578 vor dem Bahnhof Dittwar.

Von dort ging es an der linken Hangseite des Tals bis zum Bahnhof Königheim.

Von 1915 bis 1917 und von ungefähr 1930 bis Ende der 1940er Jahre bediente ein Kittel-Dampftriebwagen den Personenverkehr.

Ab 1952 bis zur Einstellung fuhren Uerdinger Schienenbusse der Baureihe VT 95.

Noch bis 1968 herrschte Hochbetrieb bei der Güterabfertigung der Bahnhöfe Dittwar und Königheim.

Alle ansässigen Firmen wickelten ihren gesamten Warenumschlag über die beiden Bahnhöfe ab.

Zwei Eisenbahnbrücken über die B 27 in Tauberbischofsheim, vorn die der früheren Strecke nach Königheim, dahinter die der Taubertalbahn.
Zwei Eisenbahnbrücken über die B 27 in Tauberbischofsheim, vorn die der früheren Strecke nach Königheim, dahinter die der Taubertalbahn. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dittwar: ein Bahnhof, um den ein Industriegebiet wuchs

Beim früheren Bahnhof Dittwar entstand ein gleichnamiges Wohn- und Industriegebiet.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist seit 1981 in Privatbesitz.

Nach dem Dittwarer Bahnhof in Richtung Königheim bestand noch ein Gleisanschluss an einen Gewerbebetrieb.

Dittwar hat einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Dittwar.

Der Stationsname Dittwar aus gegossenen Einzelbuchstaben, Zustand 1984.
Der Stationsname Dittwar aus gegossenen Einzelbuchstaben, Zustand 1984. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Betrieb mit Gleisanschluss im Gewerbegebiet Dittwar, 1984.
Ein Betrieb mit Gleisanschluss im Gewerbegebiet Dittwar, 1984. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Königheim: Endstelle mit vier Gleisen

Der Bahnhof Königheim verfügte über vier Gleise und war Endstelle der Strecke.

Neben dem Empfangs- und dem Abortgebäude gab es einen Lokschuppen mit Schlafraum.

1970 übernahm die Gemeinde das fünf Hektar große Bahngelände mit den Gebäuden, um eine Mehrzweckhalle und ein Sportzentrum zu bauen.

Das frühere Empfangsgebäude wurde in diese Anlage integriert, alle anderen Gebäude wurden abgerissen.

Der Lokschuppen dient als Lagerhalle von Vereinen.

Das Gebäude, das zwischenzeitlich von Königheimer Vereinen genutzt wurde, ist 2019 abgerissen worden.

Das Bahnhofsgebäude des früheren Bahnhofs Königheim, aufgenommen 2007.
Das Bahnhofsgebäude des früheren Bahnhofs Königheim, aufgenommen 2007. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende: Stilllegung 1968

1966 leitete die Deutsche Bundesbahn ein Stilllegungsverfahren ein.

Nach der Genehmigung am 5. Februar 1968 endete der Personenverkehr am 26. Mai 1968 und der Güterverkehr am 31. Dezember 1968.

Bereits im Mai 1969 wurden die Gleise zwischen dem Dittwarer Industriegebiet und Königheim zurückgebaut.

Gleisreststück in Richtung Königheim im Dittwarer Gewerbegebiet, Sommer 1984.
Gleisreststück in Richtung Königheim im Dittwarer Gewerbegebiet, Sommer 1984. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bei der Fronleichnamsflut 1984 wurden Teile der Bahnstrecke im Bereich des Bahndamms im Muckbachtal zerstört und anschließend wieder aufgebaut.

Das Stück von Tauberbischofsheim bis zum Dittwarer Bahnhof blieb bis in die 1990er Jahre als Anschlussgleis für ansässige Unternehmen erhalten.

Die regelmäßige Bedienung übernahm die in Tauberbischofsheim stationierte Köf.

Die Kleinlok DB 323 760-9 rangiert 1984 in Tauberbischofsheim, sie bediente bis in die 1990er Jahre das Gewerbegebiet am früheren Bahnhof Dittwar.
Die Kleinlok DB 323 760-9 rangiert 1984 in Tauberbischofsheim, sie bediente bis in die 1990er Jahre das Gewerbegebiet am früheren Bahnhof Dittwar. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahndamm am Muckbachdurchlass wird im Sommer 1984 nach dem Hochwasser wieder aufgeschüttet, Blick Richtung Tauberbischofsheim.
Der Bahndamm am Muckbachdurchlass wird im Sommer 1984 nach dem Hochwasser wieder aufgeschüttet, Blick Richtung Tauberbischofsheim. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Heute liegen noch rund zwei Kilometer Schiene von der Brücke über den Brehmbach nach der Anschlussstelle Tauberbischofsheim bis an den Rand des Industriegebiets Dittwarer Bahnhof.

Die teilweise überwachsenen Gleise enden beim Muckbachtalradweg am ehemaligen Bahndamm.

Die Strecke kann nicht mehr befahren werden.

Streckenende der Bahnstrecke Tauberbischofsheim–Königheim am Bahnhof Dittwar, 2007.
Streckenende der Bahnstrecke Tauberbischofsheim–Königheim am Bahnhof Dittwar, 2007. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Muckbachtalradweg quert am Bahnhof Dittwar die Gleise der ehemaligen Strecke, 2017.
Der Muckbachtalradweg quert am Bahnhof Dittwar die Gleise der ehemaligen Strecke, 2017. Foto: Triplec85, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Brehmbachtalradweg am Bahnhof Dittwar, links der Brehmbach, rechts die B 27.
Der Brehmbachtalradweg am Bahnhof Dittwar, links der Brehmbach, rechts die B 27. Foto: Triplec85, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

2014 erinnerte der Heimatverein Brehmbachtal im Pfarrsaal Königheim mit einer Ausstellung an die hundertjährige Geschichte der Bahn.

Ein maßstabsgetreuer Nachbau des früheren Bahnareals von Burkard Gassenbauer und ein bebildertes Begleitheft zeichneten die Geschichte nach.

Vorher und nachher in Kürze

Vorher: Schienenbusse und Güterzüge zwischen zwei Bahnhöfen im Brehmbachtal, mit Hochbetrieb in der Güterabfertigung bis zum Schluss.

Nachher: Radwege an der Trasse, ein Industriegebiet mit dem Namen des Bahnhofs, ein Bahnhofsgebäude in Dittwar in Privatbesitz und eine Mehrzweckhalle auf dem früheren Bahngelände in Königheim.

Die Geschichte in Daten

1903: Gutachten bescheinigt der Durchgangsstrecke Walldürn–Tauberbischofsheim ungenügende Wirtschaftlichkeit, im Dezember.

1908: Gesetz zum Bau der Stichbahn bis Königheim am 2. September.

1910: Baubeginn.

1914: Eröffnung am 1. Dezember.

1952: Uerdinger Schienenbusse übernehmen den Personenverkehr.

1968: Personenverkehr endet am 26. Mai, Güterverkehr am 31. Dezember.

1969: Rückbau der Gleise zwischen Dittwar und Königheim im Mai.

1970: Die Gemeinde Königheim übernimmt das Bahngelände.

1981: Das Bahnhofsgebäude Dittwar kommt in Privatbesitz.

1984: Fronleichnamsflut zerstört Teile des Bahndamms.

2014: Ausstellung des Heimatvereins zur hundertjährigen Bahngeschichte.

2019: Das Gebäude in Königheim wird abgerissen.

Häufige Fragen

Wie lang war die Brehmbachtalbahn?
Die Strecke war 6,4 Kilometer lang und eingleisig.
Wann wurde sie eröffnet und wann stillgelegt?
Die Eröffnung war am 1. Dezember 1914, der Personenverkehr endete am 26. Mai 1968, der Güterverkehr am 31. Dezember 1968.
Wohin sollte die Bahn ursprünglich führen?
Geplant war ein Anschluss bis zur Bahnstrecke Walldürn–Hardheim, der nie fertiggestellt wurde.
Kann man die Strecke noch befahren?
Nein, rund zwei Kilometer Schiene liegen noch zwischen Tauberbischofsheim und dem Rand des Industriegebiets Dittwarer Bahnhof, befahren werden kann die Strecke nicht mehr.
Wem gehört das Bahnhofsgebäude in Dittwar?
Es ist seit 1981 in Privatbesitz.
Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Tauberbischofsheim–Königheim (Wikipedia) · Dittwar (Wikipedia) · Königheim (Wikipedia) · Bahnstrecke Walldürn–Hardheim (Wikipedia) · Fotos: Wikimedia Commons

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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