Die stillen Halte der Katzbachbahn: Von Odenheim Ost bis Hilsbach
Hinter Odenheim endet die Stadtbahn, und ein Radweg folgt der alten Trasse. Ein dreibogiges Viadukt bei Eichelberg erinnert an die Verlängerung bis Hilsbach.

Lage: Kraichgau, zwischen Odenheim (Östringen) und Hilsbach (Sinsheim). Status: Tiefenbach–Hilsbach seit 1960, Odenheim Ost–Tiefenbach seit 1975 und Odenheim–Odenheim Ost seit 1986 stillgelegt. Heute: Auf der Trasse liegen Rad- und Wanderwege, das Viadukt bei Eichelberg ist erhalten.
Dieser Beitrag begleitet den stillgelegten Teil der Katzbachbahn zwischen Odenheim und Hilsbach.
Der Abschnitt Bruchsal–Odenheim ist dagegen in Betrieb, er wird von den Stadtbahnlinien S31 und S32 der Karlsruher Stadtbahn bedient und zählt deshalb nicht zu den stillen Bahnhöfen.
Dahinter lagen Odenheim Ost, Tiefenbach, Eichelberg, Elsenz und Hilsbach.
Freie Fotos aus der Betriebszeit dieses Abschnitts sind kaum vorhanden, die Bilder zeigen vor allem die Spuren von heute.
Wie die Strecke entstand
1888 ergriff die Stadt Bruchsal gemeinsam mit den Gemeinden im Kraich- und Katzbachtal die Initiative zu einer Nebenbahn.
Der nördliche Ast sollte über Odenheim bis nach Elsenz führen.
Wegen des hügeligen Geländes zwischen Odenheim und Elsenz wurde die Strecke vorerst nur bis Odenheim gebaut, dafür aber als Normalspurbahn.
Am 5. März 1896 wurde die Katzbachbahn von Bruchsal nach Odenheim eröffnet, zusammen mit der Kraichtalbahn.
Die Nachfrage war hoch, und deshalb wollten auch Tiefenbach, Eichelberg, Elsenz und Hilsbach angeschlossen werden.
Langfristig sollte die Bahn sogar bis Sinsheim verlängert werden.
Am 7. September 1899 lag die Genehmigung für die Verlängerung bis Hilsbach vor, und am 3. September 1900 wurde sie eröffnet.
Die Pläne einer Weiterführung nach Sinsheim wurden nicht mehr verwirklicht.
So sah es vorher aus: die Strecke im Betrieb
Die Bauarbeiten in dem deutlich hügeligeren Gelände gestalteten sich sehr schwierig.
Allein zwischen Tiefenbach und Elsenz liegt ein Höhenunterschied von rund siebzig Metern.
Zwischen Eichelberg und Elsenz musste deshalb ein dreibogiges Viadukt gebaut werden.
In Odenheim mussten für die Verlängerung einige Reihenhäuser abgebrochen werden.
In den Anfangsjahren fuhren drei- bis viermal täglich kleine Züge mit zweiachsiger Tenderlok, zwei bis drei Personenwagen und einem Güter- oder Postwagen.
Für die 21 Bahnkilometer benötigten sie rund 63 Minuten.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gehörten Katzbach- und Kraichtalbahn zu den beiden rentabelsten Strecken der B.L.E.A.G.

Niedergang und Ende
Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Strecke in eine Krise, weil der Betreibergesellschaft das Geld für die Instandhaltung fehlte.
1931 musste die B.L.E.A.G. Konkurs anmelden, am 1. Januar 1932 übernahm die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft die Strecke.
Am 2. April 1945 musste der Betrieb wegen Kampfhandlungen eingestellt werden, am 7. Juni 1945 fuhren wieder Züge bis Odenheim und zwei Wochen später auch bis Hilsbach.
Zwischen Tiefenbach und Hilsbach ging die Nachfrage in den Nachkriegsjahren im Personen- und Güterverkehr stark zurück.
Am 1. Oktober 1960 wurde der Abschnitt Tiefenbach–Hilsbach im Personenverkehr stillgelegt, zwölf Tage später nach einer Entgleisung auch im Güterverkehr.
Der schwache Oberbau ließ den weiteren Betrieb nicht mehr sinnvoll erscheinen, die Schienen wurden abgebaut.
Die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft übernahm die Strecke am 1. Mai 1963 und verkürzte die Fahrt von Bruchsal nach Tiefenbach von 48 auf 39 Minuten.
Am 31. Januar 1975 wurde der Abschnitt Odenheim Ost–Tiefenbach stillgelegt.
Am 1. Juni 1986 folgte als letzter Teil das Stück Odenheim–Odenheim Ost.
Odenheim Ost
Der Haltepunkt Odenheim Ost wurde 1968 im Osten von Odenheim eröffnet.
Bei der Eröffnung entstanden zwei Bahnsteige, die beidseitig einer Straßenkreuzung angelegt wurden.
Nach der Stilllegung der Strecke nach Tiefenbach 1975 wurde er zum neuen Endpunkt, der hintere Bahnsteig wurde aufgelassen und der verbliebene mit einem Prellbock versehen.
Am 1. Juni 1986 wurde auch dieses Stück stillgelegt, Odenheim Ost war damit nur noch ein Haltepunkt in der Geschichte der Katzbachbahn.

Unmittelbar hinter Odenheim beginnt nach der Straßenquerung auf der ehemaligen Strecke ein Bahntrassenradweg.
Nur wenige Meter danach steht noch ein Eisenbahnsignal, das den Abbau überdauert hat.
Auf Höhe der nächsten Straßenkreuzung befand sich Odenheim Ost.
Am östlichen Ortsrand fiel die Trasse auf rund dreihundert Metern der Neutrassierung der Landesstraße 552 zum Opfer.
In Odenheim erinnert zudem die Straße „Alte Bahntrasse“ an den stillgelegten Abschnitt.


Tiefenbach
Nach der Stilllegung hinter Tiefenbach 1960 war der Ort fast fünfzehn Jahre lang der Endpunkt der Strecke.
Wegen der Kreiszugehörigkeit zu Sinsheim blieb die Nachfrage auf dem hinteren Streckenteil eher gering, was letztlich zur Stilllegung führte.
Die ehemalige Bahntrasse in Tiefenbach wurde zu einem Radweg umgebaut.
Daneben dienen kleinere Brücken über Bäche inzwischen Wanderwegen.

Eichelberg
Eichelberg erhielt am 3. September 1900 den Anschluss an die Katzbachbahn.
Für ein Bahnhofsgebäude wie in Odenheim reichte das Geld offenbar nicht, es gab nur einen Haltepunkt rund 250 Meter vor dem Viadukt an der heutigen Parkstraße.
Dort stand bis zur Stilllegung ein kleines Wartehäuschen aus Backstein.
Fahrkarten erwarb man im Gasthaus Zur Krone, das heute noch existiert.
Von der einstigen Haltestelle ist heute nichts mehr zu erkennen, 2021 stellte die Gemeinde dort eine Gedenktafel auf.

Das Viadukt über das Katzbachtal ist ein Baudenkmal und rund 40 Meter lang mit drei Bögen.
Es wurde von vielen italienischen Arbeitern im Auftrag der Badischen Lokal-Eisenbahn AG in zweijähriger Bauzeit aus Schilf- und Buntsandstein errichtet.
Nach dem Abbau der Gleise 1963 wurde es 1988 von der Stadt Östringen für insgesamt 155.000 D-Mark renoviert.
Seither dient es als Rad- und Wanderweg.



Elsenz
Hinter dem Viadukt führte die Strecke nach Elsenz, das heute zu Eppingen gehört.
Das Empfangsgebäude von Elsenz wurde zum Wohnhaus umgebaut.
Ansonsten ist die Bahntrasse in Elsenz überbaut, nur einige Holzschwellen sind noch vorhanden.
Hilsbach
Hilsbach war von 1900 bis 1960 der Endpunkt der Strecke und ist heute ein Stadtteil von Sinsheim.
Zwischen Elsenz und Hilsbach ist die Trasse nahezu komplett in Wiesen und Feldern aufgegangen.
In Hilsbach sind noch kleinere Bahnbrücken über Bäche erhalten, die inzwischen Wanderwegen dienen.
Zum früheren Empfangsgebäude und seiner heutigen Nutzung liegen keine belegten Angaben vor.
Vorher und nachher: Odenheim
Der alte Bahnhof von Odenheim war 1990 noch das Bahnhofsgebäude der SWEG.
Für den Stadtbahnbetrieb ab dem 26. September 1998 wurde der Bahnhof komplett umgebaut, das Gebäude wurde abgerissen und eine Wagenhalle entstand.
Die Strecke endet seitdem in Odenheim, das stillgelegte Stück dahinter ist ein Radweg.
So sieht es jetzt aus
Die Katzbachbahn fährt seit 1998 als Linie S31 der Karlsruher Stadtbahn bis Odenheim.
Der stillgelegte Abschnitt dahinter lässt sich auf Rad- und Wanderwegen erkunden, das Viadukt bei Eichelberg gehört dazu.
1896: Die Katzbachbahn wird von Bruchsal nach Odenheim eröffnet (5. März).
1900: Die Verlängerung nach Hilsbach geht in Betrieb (3. September).
1931: Die B.L.E.A.G. meldet Konkurs an.
1960: Der Abschnitt Tiefenbach–Hilsbach wird stillgelegt (Personenverkehr am 1. Oktober).
1963: Die SWEG übernimmt die Strecke (1. Mai).
1968: Der Haltepunkt Odenheim Ost wird eröffnet.
1975: Odenheim Ost–Tiefenbach wird stillgelegt (31. Januar).
1986: Odenheim–Odenheim Ost wird stillgelegt (1. Juni).
1998: Die Stadtbahn nimmt den Betrieb bis Odenheim auf (26. September).
Wo fährt heute noch ein Zug?
Wann wurde der Abschnitt hinter Odenheim stillgelegt?
Gibt es noch Gleise?
Kann man das Viadukt bei Eichelberg besuchen?
Wie lang war die Fahrt von Bruchsal nach Tiefenbach?
Der flache Teil der Katzbachbahn befördert bis heute Fahrgäste, der hügelige Abschnitt ist stillgelegt.
Wikipedia: Bahnstrecke Bruchsal–Hilsbach · Wikipedia: Eichelberg (Östringen) · Wikipedia: Hilsbach · Wikipedia: Odenheim · Wikimedia Commons: Kategorie Katzbachbahn
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
