Ammerseebahn: Fünf Halte, die der Zug heute durchfährt

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Ammerseebahn: Fünf Halte, die der Zug heute durchfährt

Auf der Ammerseebahn fahren weiter Züge, aber fünf ihrer Halte sind aufgegeben: Wabern, Kaltenberg, Theresienbad, Greifenberg und Wielenbach. Was von ihnen übrig ist, reicht vom spurlos verschwundenen Haltepunkt bis zum leeren Bahnhofsgebäude.

VORHER · 1910

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Greifenberg auf einer Ansichtskarte von 1910.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Greifenberg auf einer Ansichtskarte von 1910. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2018

Das Empfangsgebäude des stillgelegten Bahnhofs von der Gleisseite im Jahr 2018.

Das Empfangsgebäude des stillgelegten Bahnhofs von der Gleisseite im Jahr 2018. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1898
Eröffnung der Ammerseebahn
1962
Haltepunkt Wabern aufgegeben
1964
Haltepunkt Theresienbad stillgelegt
1985
Bahnhof Kaltenberg stillgelegt

Lage: Ammerseebahn Mering–Weilheim, die fünf Halte liegen bei Geltendorf, Greifenberg und Wielenbach. Status: Die Strecke ist in Betrieb, die fünf Halte sind aufgegeben. Heute: Die Empfangsgebäude von Kaltenberg und Theresienbad sind in Privatbesitz, Greifenberg gehört seit 2009 der Gemeinde.

Die Ammerseebahn ist eine Bahn, die lebt: Auf der 55 Kilometer langen Strecke von Mering über Geltendorf nach Weilheim fahren weiter Züge.

Fünf ihrer Halte sind dagegen aufgegeben, und von ihnen handelt dieser Beitrag.

Es sind der Haltepunkt Wabern, der Bahnhof Kaltenberg, der Bahnhof Greifenberg, der Haltepunkt Theresienbad und der Bahnhof Wielenbach.

Wer mit dem Zug durch diese Orte fährt, durchfährt die Halte, ohne dass die Bahn dort noch Fahrgäste aufnimmt.

Die in Betrieb befindlichen Stationen der Strecke gehören nicht in diese Reihe, so etwa der Bahnhof Dießen, über den es einen eigenen Beitrag gibt.

Die Fotos der Betriebszeit sind selten, aus der Frühzeit liegt nur die Ansichtskarte von Greifenberg 1910 vor.

Entstehung: Ein Bahnbau am Wasser

Erste Planungen für eine Bahn von Augsburg an den Ammersee gab es schon in den 1870er Jahren.

1872 wurde in Dießen ein Eisenbahnbaukomitee gegründet, das sich für eine Verbindung von Weilheim nach Dießen einsetzte.

Erst am 17. Juni 1896 erließ Prinzregent Luitpold das Gesetz zum Bau der Lokalbahn von Mering nach Weilheim.

Im Herbst 1896 begann der Bau der Strecke, die über weite Strecken auf Dämmen geführt werden musste.

Am 30. Juni 1898 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen die beiden Teilabschnitte Augsburg–Schondorf und Dießen–Weilheim.

Den regulären Verkehr auf der Gesamtstrecke nahmen sie am 24. Dezember 1898 auf, die Lücke zwischen Schondorf und Dießen wurde am 23. Dezember 1898 offiziell eröffnet.

Weil mit eher geringem Verkehr gerechnet wurde, hatten die meisten Bahnhöfe zunächst einfache Wellblechhütten als Empfangsgebäude.

Wegen des hohen Verkehrsaufkommens betrieben die Staatsbahnen die Strecke ab 1913 hauptbahnmäßig.

Wabern: Der Haltepunkt ohne Spur

Der Haltepunkt Wabern (Paar) lag etwa einen Kilometer vom Geltendorfer Ortsteil Wabern an der Paar entfernt.

Er band außerdem Dünzelbach und den südlichen Teil von Egling an die Bahn an.

Als Dienstgebäude diente zuerst eine Wellblechhütte, später kam ein Wagenkasten als Warteraum dazu.

1922 errichtete die Reichsbahn ein gemauertes Bahnwärterhaus.

Ende der 1930er Jahre ersetzte ein eingeschossiges Holzgebäude mit Flachdach die Hütte und den Wagenkasten.

Bis 1960 diente der Halt zur Verladung von Tieren, und weil es kein Ladegleis gab, nutzte man dafür eine fahrbare hölzerne Rampe.

Zum Sommerfahrplan 1962 gab die Bundesbahn den Haltepunkt wegen zu geringer Fahrgastzahlen auf und baute den Seitenbahnsteig ab.

Das Dienstgebäude verschwand wenige Jahre später, das Bahnwärterhaus Mitte der 1980er Jahre.

Heute sind keine Relikte des Haltepunkts mehr vorhanden.

Kaltenberg: Ein Bahnhof für das Schloss und das Dorf

Der Bahnhof Kaltenberg liegt im Südosten des Geltendorfer Ortsteils Kaltenberg.

Beim Bau entstand östlich der Strecke ein eingeschossiges gemauertes Empfangsgebäude im Lokalbahnstil, das mit Holz verkleidet war und eine Ladehalle enthielt.

1938 baute die Reichsbahn das Gebäude um und vergrößerte es, dabei entfielen die Holzverkleidung und die Überdachung der Laderampe.

Gleichzeitig wurde ein Ladegleis errichtet, das im Güterverkehr aus Richtung Geltendorf bedient wurde.

Ab 1961 zweigte zudem ein Anschlussgleis zu einem Sägewerk ab, das bis in die 1980er Jahre genutzt wurde.

Am 28. September 1985 legte die Bundesbahn den Bahnhof still, das Empfangsgebäude blieb noch einige Zeit besetzt.

In den Jahren 1987 und 1988 sowie von 2005 bis 2008 hielten Sonderzüge zu den Ritterfestspielen im Schloss Kaltenberg am Bahnhof.

Das Empfangsgebäude und der Hausbahnsteig sind erhalten und in Privatbesitz, das Ladegleis und der Gleisanschluss wurden abgebaut.

Empfangsgebäude und Hausbahnsteig des ehemaligen Bahnhofs Kaltenberg, 2013.
Empfangsgebäude und Hausbahnsteig des ehemaligen Bahnhofs Kaltenberg, 2013. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Greifenberg: Das Gebäude, das die Gemeinde kaufte

Der Bahnhof Greifenberg liegt im Ortsteil Neugreifenberg am Ufer der Windach.

In der Vorplanung der Jahre 1896 und 1897 war er wegen der Nähe zur Gemeinde Windach als Haltestelle Windach vorgesehen.

Das zweigeschossige Empfangsgebäude wurde als quadratischer unverputzter Klinkerbau mit Zeltdach errichtet.

1936 baute man es im Heimatstil erheblich um und verlängerte es nach Süden, dabei erhielt es ein Satteldach und ein Vordach auf Tuffsteinsäulen.

Zum Bahnhof gehörten ein Hausbahnsteig am durchgehenden Hauptgleis, ein Ladegleis für landwirtschaftliche Produkte und Geräte sowie ein Güterschuppen in verputzter Holzbauweise.

Nördlich steht bis heute ein länglicher verputzter Fachwerkbau aus der Anfangszeit der Bahn, der lange Bahnhofstoiletten und Magazine beherbergte.

Wegen zu weniger Reisender und zu hoher Personalkosten wurde der Verkehrshalt 1984 gestrichen, das Ladegleis und die letzten zwei Weichen wurden abgebaut.

Bis zum Sommerfahrplan 1985 bestand die Station als Betriebsbahnhof mit besetzter Fahrkartenausgabe und Fahrdienstleitung weiter, danach waren die Signalanlagen abgebaut.

Das Empfangsgebäude des stillgelegten Bahnhofs Greifenberg von der Straßenseite, 2018.
Das Empfangsgebäude des stillgelegten Bahnhofs Greifenberg von der Straßenseite, 2018. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Dezember 1996 wurde der Hausbahnsteig abgebaut und das östliche Holzvordach abgesägt, weil dort für überbreite Ladungen eine Engstelle bestand.

Das Hauptgebäude stand von etwa 1986 bis 2004 mit kurzen Ausnahmen leer.

Im Sommer 2009 erwarb die Gemeinde Greifenberg nach Verhandlungen das gesamte Bahnhofsareal von der Deutschen Bahn.

Die Gemeinde bemühte sich mehrmals erfolglos um die Reaktivierung des Bahnhofs.

Das Nebengebäude mit den früheren Bahnhofstoiletten in Greifenberg, 2013.
Das Nebengebäude mit den früheren Bahnhofstoiletten in Greifenberg, 2013. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Theresienbad: Der Halt am Heilbad

Der Haltepunkt Theresienbad lag etwa 400 Meter südlich der Gemeinde Greifenberg.

Er bestand aus einem hölzernen eingeschossigen Dienstgebäude mit Walmdach und einem Hausbahnsteig am durchgehenden Hauptgleis.

Er diente hauptsächlich der Anbindung des 1836 eröffneten Greifenberger Theresien-Heilbades.

Später entstand gegenüber dem Empfangsgebäude ein zweigeschossiges Wohnhaus für das Bahnpersonal, das bis heute erhalten ist.

1939 renovierte die Reichsbahn das Betriebsgebäude.

Wegen geringer Fahrgastzahlen fuhren ab dem 1. Oktober 1961 die meisten Züge in Theresienbad durch.

1964 wurde der Haltepunkt stillgelegt.

Das Empfangsgebäude befindet sich heute in Privatbesitz und steht leer.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Haltepunkts Theresienbad, 2013.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Haltepunkts Theresienbad, 2013. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Haus des Bahnvorstehers am Haltepunkt Theresienbad, 2014.
Das ehemalige Haus des Bahnvorstehers am Haltepunkt Theresienbad, 2014. Foto: Ordercrazy, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Wielenbach: Der Bahnhof, der zur Blockstelle wurde

Der Bahnhof Wielenbach liegt westlich der Gemeinde Wielenbach.

Das 1898 errichtete Empfangsgebäude war ein einstöckiger gemauerter Bau im Lokalbahnstil, mit Holz verkleidet, und enthielt Schalter, Dienstraum und eine Güterhalle mit überdachter Laderampe.

1938 baute die Reichsbahn es geringfügig um und entfernte die Holzverkleidung.

Neben dem Hauptgleis am Hausbahnsteig gab es ein Ladegleis, an dem hauptsächlich landwirtschaftliche Güter und Kleintiere verladen wurden.

Vom Bahnhof aus wurden drei Schranken bedient.

1970 stellte die Bundesbahn die Stückgutabfertigung ein.

Zuletzt fuhren die meisten Züge ohne Halt durch oder bedienten Wielenbach nur noch als Bedarfshalt.

1983 wurde der Bahnhof stillgelegt und nur noch als Blockstelle betrieben.

Die Bahn baute das Ladegleis zurück und verkaufte 1988 das Empfangsgebäude.

Das Gebäude ist in erheblich umgebauter Form erhalten, ebenso der nicht mehr genutzte Hausbahnsteig.

Am 18. März 2021 beschloss der Gemeinderat von Wielenbach, sich für die Wiedereinrichtung des Bahnhalts einzusetzen.

Das zum Wohnhaus umgebaute Empfangsgebäude des Bahnhofs Wielenbach, 2013.
Das zum Wohnhaus umgebaute Empfangsgebäude des Bahnhofs Wielenbach, 2013. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wielenbach war auch einmal als Übergang geplant: Ab 1915 gab es Vorschläge, die Bahn Pasing–Herrsching von Herrsching an der Ammer entlang nach Wielenbach zu führen und dort in die Ammerseebahn einzufädeln.

Am 24. November 1926 beschloss eine Interessengemeinschaft die Aufnahme der Planungen.

Die Reichsbahn kaufte daraufhin das Grundstück für ein zweites Gleis am Bahnhof Wielenbach, das bis heute im Bahnbesitz ist.

Die Planungen wurden wegen Unwirtschaftlichkeit zurückgestellt, das Projekt kam nicht zustande.

Ein Triebwagen der Ammerseebahn am stillgelegten Bahnhof Wielenbach, 2013.
Ein Triebwagen der Ammerseebahn am stillgelegten Bahnhof Wielenbach, 2013. Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Von den fünf Halten ist nur Wabern ganz verschwunden.

Kaltenberg, Theresienbad und Wielenbach stehen als Gebäude noch, jedes in anderer Hand und anderer Verfassung.

Greifenberg gehört der Gemeinde, die ihren Bahnhof zurückhaben möchte.

Auf der Strecke selbst fahren weiter Züge, und der Bahnhof Geltendorf ist seit 1972 Endpunkt der S-Bahn München.

Der Bahnhof Greifenberg im Jahr 2009.
Der Bahnhof Greifenberg im Jahr 2009. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher

Das Paar am Anfang zeigt das Empfangsgebäude von Greifenberg 1910 auf der Ansichtskarte und 2018 als stillgelegten Bahnhof.

Dazwischen liegen der Umbau von 1936, das Ende des Halts 1984 und der Abbau des Hausbahnsteigs im Dezember 1996.

Die Geschichte in Daten

1896: Gesetz zum Bau der Lokalbahn Mering–Weilheim am 17. Juni.

1898: Eröffnung der Teilabschnitte am 30. Juni, durchgehender Betrieb ab 24. Dezember.

1962: Der Haltepunkt Wabern wird zum Sommerfahrplan aufgegeben.

1964: Der Haltepunkt Theresienbad wird stillgelegt.

1983: Der Bahnhof Wielenbach wird stillgelegt.

1984: In Greifenberg wird der Verkehrshalt gestrichen.

1985: Am 28. September wird der Bahnhof Kaltenberg stillgelegt.

2009: Die Gemeinde Greifenberg erwirbt das Bahnhofsareal.

2021: Der Gemeinderat Wielenbach setzt sich am 18. März für einen neuen Bahnhalt ein.

Häufige Fragen

Ist die Ammerseebahn stillgelegt?
Nein. Die Strecke Mering–Weilheim ist in Betrieb, aufgegeben sind nur einzelne Halte.
Welche Halte der Ammerseebahn sind aufgegeben?
In diesem Beitrag Wabern, Kaltenberg, Greifenberg, Theresienbad und Wielenbach.
Wann wurde der Bahnhof Kaltenberg stillgelegt?
Am 28. September 1985.
Wem gehört der Bahnhof Greifenberg?
Die Gemeinde Greifenberg erwarb das Bahnhofsareal im Sommer 2009 von der Deutschen Bahn.
Hielten in Kaltenberg später noch einmal Züge?
Ja, Sonderzüge zu den Ritterfestspielen im Schloss Kaltenberg hielten dort 1987, 1988 und von 2005 bis 2008.
Soll Wielenbach wieder einen Halt bekommen?
Der Gemeinderat beschloss am 18. März 2021, sich dafür einzusetzen.

Die Ammerseebahn zeigt, dass eine Strecke lebt, auch wenn Halt für Halt die Bahnsteige verschwinden.

Von der Wellblechhütte bis zum Heimatstil-Bahnhof erzählt jeder der fünf Orte ein Stück dieser Geschichte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Mering–Weilheim (Ammerseebahn) · Wikipedia: Geltendorf · Wikipedia: Wielenbach

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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