Die stillen Halte der Altmühltalbahn: von Eichstätt nach Beilngries

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Altmühltalbahn: von Eichstätt nach Beilngries

Die Altmühltalbahn fuhr erst auf Meterspur, dann auf Normalspur durchs Altmühltal. Ihre Halte zwischen Eichstätt und Beilngries verloren 1955 und 1960 den Personenverkehr.

Das alte Bahnhofsgebäude von Kinding, aufgenommen 2006.
Das alte Bahnhofsgebäude von Kinding, aufgenommen 2006. Foto: S. Terfloth, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1898
Eröffnung bis Kinding
1930
Personenverkehr bis Beilngries
1955
Kipfenberg–Beilngries ohne Personen
1960
Eichstätt–Kipfenberg ohne Personen

Lage: Im Altmühltal zwischen Eichstätt und Beilngries. Status: Bis auf Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt stillgelegt und abgebaut. Heute: Abschnitte der Trasse sind Teil des Altmühltal-Radwegs.

Die Altmühltalbahn war eine eingleisige Nebenbahn in Oberbayern, die von Eichstätt durch das Altmühltal nach Beilngries führte.

Sie wurde auch Altmühlbahn genannt, weil sie bis auf den Schneckenbergtunnel vollständig im Tal der Altmühl verlief.

Betrieben wird heute nur noch der Abschnitt Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt, dieser Beitrag behandelt die stillgelegten Halte.

Der Personenverkehr endete abschnittsweise 1955 und 1960, der Güterverkehr zog sich bis 1973 hin.

Freie historische Fotos der kleinen Halte liegen nicht vor, abgebildet sind der alte Bahnhof Kinding und der Schneckenbergtunnel am noch betriebenen Abschnitt.

Entstehung: erst Meterspur, dann Normalspur

Die Strecke wurde zunächst schmalspurig in Meterspur mit 1.000 Millimetern Spurweite gebaut.

Sie entstand in mehreren Abschnitten.

Zuerst wurde am 15. September 1885 die Strecke von Eichstätt Bahnhof nach Eichstätt Stadt eröffnet.

Die Bauzeit der Erweiterung bis Kinding dauerte von Oktober 1897 bis Oktober 1898, die Eröffnung folgte am 7. November 1898.

Kinding blieb zunächst bis 1929 die Endstation.

Am 5. November 1929 wurde die von Anfang an in Normalspur mit 1.435 Millimetern errichtete Strecke zwischen Kinding und Beilngries für den Güterverkehr freigegeben.

Am 15. Mai 1930 wurde auch der Personenverkehr aufgenommen.

Für die Weiterführung war in Kinding eine Rechtskurve weiter östlich nötig, dafür entstand ein zusätzliches Bahnhofsgebäude.

Bis zum 6. Oktober 1934 wurde die Schmalspurbahn zwischen Eichstätt Bahnhof und Kinding auf Normalspur umgespurt.

Zwischen den beiden Eichstätter Bahnhöfen wurde sie neu trassiert.

Dabei entstand der 189 Meter lange Schneckenbergtunnel unmittelbar nach der Ausfahrt aus Eichstätt Bahnhof.

Die bis dahin vor dem Bahnhof Eichstätt Bahnhof endende Strecke wurde nun in den Normalspurbahnhof eingebunden.

Ein Zug der Bayerischen Regiobahn fährt in das Ostportal des Schneckenbergtunnels bei Wasserzell ein, aufgenommen 2012.
Ein Zug der Bayerischen Regiobahn fährt in das Ostportal des Schneckenbergtunnels bei Wasserzell ein, aufgenommen 2012. Foto: WaldiWuff, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Bummelbahn im Altmühltal

Zu Beginn erhielt die Bahn fünf dreiachsige Lokomotiven, die als Klasse LE geführt wurden.

1909 kam die vierachsige Gts 4/4 dazu, 1919 eine sechsachsige Malletlokomotive Gts 2×3/3.

Alle Lokomotiven wurden nach der Umspurung verschrottet.

Vorhanden waren außerdem 18 Personenwagen, vier kombinierte Post- und Packwagen, zehn gedeckte und vier offene Güterwagen sowie 32 Langholzwagen.

Für den Transport von Normalspurwagen waren bis zu 123 Rollböcke im Einsatz.

1918 dauerte die Fahrt von Eichstätt Bahnhof in die Stadt 18 Minuten.

Zunächst verkehrten zwei Züge täglich nach Kinding, später waren es sieben.

Die Strecke zwischen Eichstätt und Kinding war rund 30 Kilometer lang.

Die Bahn fuhr insgesamt 75 Jahre durch das mittlere Altmühltal.

Das Südportal des Schneckenbergtunnels bei Wasserzell, aufgenommen 2012.
Das Südportal des Schneckenbergtunnels bei Wasserzell, aufgenommen 2012. Foto: WaldiWuff, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Niedergang und Stilllegung

In den 1950er Jahren nahm der motorisierte Individualverkehr merklich zu.

Der Personenverkehr wurde am 2. Oktober 1955 auf dem Streckenteil zwischen Kipfenberg und Beilngries eingestellt.

Am 29. Mai 1960 folgte der Abschnitt zwischen Eichstätt Stadt und Kipfenberg.

Auch der Güterverkehr wurde reduziert.

Am 29. Mai 1960 wurde der Abschnitt Kinding–Beilngries stillgelegt, am 1. Oktober desselben Jahres auch der Abschnitt Kipfenberg–Kinding.

Zum 2. Juni 1973 wurde der Güterverkehr auf dem Abschnitt talabwärts von Eichstätt Stadt ganz aufgegeben.

Der Einstellung folgte jeweils die Demontage der Bahnanlagen.

1996 wurde auch der Güterverkehr auf der Reststrecke von Eichstätt Bahnhof bis Eichstätt Stadt eingestellt.

Zu den Daten gibt es abweichende Angaben, etwa nennt eine Darstellung 1956 für die Stilllegung zwischen Kinding und Beilngries und eine andere den 3. Juni 1970.

Die Strecke wurde bis etwa zur Haltestelle Pietenfeld vollständig zurückgebaut.

Die Halte im Überblick

Ab Eichstätt Bahnhof lagen an der Strecke Wasserzell, Rebdorf, Hofmühl, Schlagbrücke und Eichstätt Stadt.

Es folgten Pietenfeld, Landershofen, Pfünz, Inching, Walting, Pfalzpaint, Gungolding, Arnsberg, Böhming, Kipfenberg, Ilbling und Kinding.

Zwischen Kinding und Beilngries lagen unter anderem Unteremmendorf, Pfraundorf und Badanhausen.

Nachfolgend stehen die Halte, zu denen Angaben vorliegen.

Pietenfeld

Pietenfeld liegt bei Adelschlag und war der erste Halt hinter Eichstätt Stadt.

Bis etwa zur Haltestelle Pietenfeld wurde die Strecke vollständig zurückgebaut.

Der Radweg nutzt auf rund 7,3 Kilometern zwischen Eichstätt und Pfünz Teile der ehemaligen Bahntrasse.

Pfünz

Pfünz liegt an der Strecke zwischen Landershofen und Inching.

Ab Pfünz beginnt ein Abschnitt des Bahntrassenwegs.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Walting, Gungolding und Arnsberg

Walting, Gungolding und Arnsberg waren Halte im mittleren Altmühltal zwischen Inching und Böhming.

Zu Gebäuden und Resten dieser Halte liegen keine belegten Angaben vor.

Kipfenberg: Brücke und Endpunkt zweier Abschnitte

In Kipfenberg trafen die 1955 und 1960 eingestellten Abschnitte aufeinander.

Hier endete der Personenverkehr ab Eichstätt Stadt 1960, ab Beilngries 1955.

Die alte Bahnbrücke ist erhalten und ausgebaut.

Die folgenden 400 Meter sind befahrbar, gehören aber nicht zum Radwanderweg.

Bei Ilbling, dem nächsten Halt Richtung Kinding, ist ein Stück der alten Trasse als Feldweg erhalten.

Eine Geländekante zeigt den Verlauf, Teile werden als Holzlagerplatz genutzt.

Kinding: der alte Bahnhof

Das historische Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Kinding liegt in unmittelbarer Nähe unterhalb der heutigen Station.

Das alte Bahnhofsgebäude wird noch von einem örtlichen Tennisverein genutzt und instand gehalten.

Der alte Bahnhof liegt nur wenige Meter vom neuen Bahnhof an der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt.

Der neue Bahnhof Kinding wurde am 6. Dezember 2006 mit einem Festakt eröffnet und wird seit dem 10. Dezember 2006 von Personenzügen bedient.

An dem alten Gebäude vorbei führt der Altmühltalradweg.

Pfraundorf

Pfraundorf lag zwischen Kinding und Beilngries an dem Abschnitt, auf dem der Personenverkehr 1955 endete.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Beilngries: Anschluss an die Sulztalbahn

Mit der Eröffnung der Strecke Richtung Eichstätt 1930 wurde der Beilngrieser Bahnhof verlegt.

Der neue Bahnhof lag nördlich des alten und war ein Trennungsbahnhof mit drei Gleisen.

Er ermöglichte den durchgehenden Zugbetrieb von Neumarkt nach Eichstätt und von Neumarkt nach Dietfurt.

1935 war die Strecke von Neumarkt über Beilngries, Kinding und Kipfenberg nach Eichstätt Bahnhof zum ersten Mal durchgängig befahrbar.

Die Trasse Richtung Eichstätt ist mittlerweile durch Wohnbebauung nicht mehr erkennbar.

Mehr zum Bahnhof und zur Sulztalbahn steht im Beitrag Die stillen Bahnhöfe der Sulztalbahn.

Im Juli 2020 nahm der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen die Verbindung Neumarkt–Beilngries–Kinding in ein Positionspapier zu reaktivierenden Strecken auf.

Vorher und nachher: Trasse und Radweg

Vorher verband die Bahn Eichstätt über Kinding mit Beilngries und Neumarkt.

Nachher blieb von der Trasse nur ein Teil erhalten.

Ein Teil der Strecke wird für den Altmühltalradweg genutzt.

Andernorts ist sie durch den Bau des Main-Donau-Kanals und der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt vollständig verschwunden.

Eine Reaktivierung zwischen Eichstätt und Kinding ist deshalb praktisch nicht möglich.

So sieht es jetzt aus

Der Altmühltal-Radweg ist etwa 32,8 Kilometer lang, davon liegen etwa 8,7 Kilometer auf der ehemaligen Bahntrasse.

Die Bahntrassenabschnitte sind 7,3 Kilometer zwischen Eichstätt und Pfünz, 1,4 Kilometer nördlich von Gräsdorf und Ilbling und 1,0 Kilometer bei Tüging.

Der Abschnitt bei Tüging und das erste Teilstück in Eichstätt sind asphaltiert, die übrigen Abschnitte wassergebunden.

Bei Kinding überquert der Weg die Schwarzach und unterquert die A 9.

Erhalten sind das alte Empfangsgebäude in Kinding, die Bahnbrücke bei Kipfenberg und der Feldweg bei Ilbling.

15. September 1885: Eröffnung der Meterspurstrecke Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt.

7. November 1898: Die Erweiterung bis Kinding wird eröffnet.

5. November 1929: Die Normalspurstrecke Kinding–Beilngries wird für den Güterverkehr freigegeben.

15. Mai 1930: Der Personenverkehr Kinding–Beilngries beginnt.

6. Oktober 1934: Die Umspurung auf Normalspur ist abgeschlossen.

2. Oktober 1955: Der Personenverkehr Kipfenberg–Beilngries endet.

29. Mai 1960: Der Personenverkehr Eichstätt Stadt–Kipfenberg endet.

2. Juni 1973: Der Güterverkehr talabwärts von Eichstätt Stadt wird aufgegeben.

1996: Der Güterverkehr Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt endet.

6. Dezember 2006: Der neue Bahnhof Kinding an der Schnellfahrstrecke wird eröffnet.

Wie lang war die Strecke?
Zwischen Eichstätt und Kinding war sie rund 30 Kilometer lang, bis Beilngries etwa 46 Kilometer.
Warum heißt sie Altmühltalbahn?
Sie verlief mit Ausnahme des Schneckenbergtunnels vollständig im Tal der Altmühl.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 2. Oktober 1955 zwischen Kipfenberg und Beilngries, am 29. Mai 1960 zwischen Eichstätt Stadt und Kipfenberg.
Was ist noch in Betrieb?
Der Abschnitt Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt.
Was ist vom alten Bahnhof Kinding erhalten?
Das Empfangsgebäude steht noch und wird von einem Tennisverein genutzt.
Kann man der Trasse folgen?
Teilweise: Rund 8,7 Kilometer des Altmühltal-Radwegs liegen auf der ehemaligen Bahntrasse.

Von der Altmühltalbahn blieben ein Streckenstück, ein alter Bahnhof und Abschnitte der Trasse, die heute als Radweg genutzt werden.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Eichstätt–Beilngries · Wikipedia: Bahnhof Kinding (Altmühltal) · Wikipedia: Bahnhof Beilngries · Bahntrassenradeln BY 6.02: Altmühltal-Radweg · Regionalreporter: Ein Schwelgen in Eisenbahnromantik

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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