Die stillen Bahnhöfe der Sulztalbahn: Von Greißelbach nach Beilngries
Die Sulztalbahn führte von Neumarkt über Greißelbach und Berching nach Beilngries und weiter nach Dietfurt. Der Personenverkehr endete 1987, nur ein Reststück dient noch einem Werk.

Lage: Von Neumarkt in der Oberpfalz entlang der Sulz und des Ludwigskanals nach Beilngries, weiter nach Dietfurt. Status: Stillgelegt und abgebaut, nur das Stück Neumarkt–Sengenthal ist als Anschlussbahn eines Industriebetriebs in Betrieb. Heute: Stellenweise verläuft ein Bahntrassenradweg auf der Trasse.
Die Sulztalbahn war eine Nebenbahn in Bayern, offiziell die Bahnstrecke Neumarkt–Dietfurt.
Sie verlief von Neumarkt in der Oberpfalz entlang der Sulz nach Beilngries, weitgehend parallel zum Ludwig-Donau-Main-Kanal, und von dort entlang der Altmühl nach Dietfurt.
In Betrieb ist heute nur noch ein kurzer Abschnitt, der als Anschlussbahn für einen Industriebetrieb in Sengenthal dient.
Dieser Beitrag behandelt die stillgelegte Strecke von Greißelbach über Berching nach Beilngries und Dietfurt.
Alte freie Fotos gibt es von Greißelbach und Dietfurt, von Berching und Beilngries nur neuere.
Planung und Bau
Als 1873 die Strecke Regensburg–Nürnberg fertig wurde, gab es bereits Pläne, die Gemeinden zwischen Neumarkt und Eichstätt anzuschließen.
Verschiedene Varianten, darunter Strecken nach Breitenbrunn und Kelheim, wurden bald verworfen.
1886 wurden die Pläne konkreter, und der Bau einer Strecke Neumarkt–Beilngries–Dietfurt begann.
In Greißelbach sollte eine Strecke nach Freystadt abzweigen, in Beilngries sollte die Strecke auf die Altmühltalbahn aus Richtung Eichstätt treffen.
Am 8. Oktober 1887 wurden die Abschnitte Neumarkt–Beilngries und die Zweigstrecke nach Freystadt vorläufig für den Personen- und Güterverkehr freigegeben.
Am 1. Juni 1888 wurden sie eröffnet, die Zweigstrecke Greißelbach–Freystadt hieß im Volksmund Lerzerbahn.
Die Verlängerung nach Dietfurt an der Altmühl folgte am 11. September 1909.
Die Bahn trat in direkte Konkurrenz zum Ludwigskanal und trug zu dessen wirtschaftlichem Niedergang bei.
Greißelbach: Bahnhof als Ausstellungsort
Hinter Neumarkt lag bei Sengenthal ein Haltepunkt, an dem noch ein Schüttbahnsteig vorhanden ist.
Das nahe Wirtshaus, in dem es einst auch einen Warteraum für Fahrgäste gab, wurde abgebrochen.
Am ehemaligen Haltepunkt Sengenthal steht seit einiger Zeit ein Nachbau der früheren Stationstafel.
Der Bahnhof Greißelbach hatte einst drei Gleise.
Von hier zweigte die Strecke nach Freystadt ab.
Das Bahnhofsgebäude und ein Nebengebäude sind restauriert.
Das frühere Bahnhofsgelände gehört der Firmengruppe Max Bögl und dient ihr als Innovationszentrum.
Dort werden Fahrwegprodukte gezeigt, darunter Systeme der Festen Fahrbahn, ein Transrapid-Fahrwegträger und ein Tübbing-Ring.
Ausgestellt sind außerdem ein Zugteil des Transrapid TR 07 und seit dem 29. Mai 2013 die Dampflok 98 507.
Die Lok 98 507 ist eine Leihgabe der Stadt Ingolstadt.
Sie war als letzte Dampflok der Baureihe 98.4 bis 98.5 bis 1960 im Personenzugverkehr zwischen Greißelbach und Freystadt eingesetzt und wird im Volksmund Freystädter Bockel genannt.




Zum 125-jährigen Jubiläum der Sulztalbahn gab es am 2. Juni 2013 Dampfpendelfahrten auf dem verbliebenen Gleisabschnitt und ein Bahnhofsfest am ehemaligen Bahnhof Greißelbach.
Zu diesem Anlass erhielt das Gleisfeld vor dem Werkstor den Namen Bahnhof Schlierferheide, eine Stationstafel erinnert an die früheren Tafeln der Sulztalbahn.
Berching: der Bahnhof an der Stadtmauer
Der Bahnhof lag am Ortseingang von Berching und hatte drei Gleise.
Im Bahnhof zweigte ein Gleisanschluss zur Flachsröste ab.
Die Strecke verlief ein Stück entlang der Stadtmauer und folgte weiter dem Ludwig-Donau-Main-Kanal.
Das Bahnhofsgebäude von Berching ist erhalten, wie auch die Gebäude in Greißelbach und Beilngries, soweit es massive Steinbauten waren.

Plankstetten und Gösselthal
Hinter Berching führte die Strecke durch Plankstetten, wo sich eine weitere Haltestelle befand.
Südlich davon folgte wieder ein Bahnübergang, die Strecke verlief nun neben Bundesstraße und Kanal.
In Gösselthal lag die Anschlussstelle Ginter.
Weitere Angaben zu diesen Halten sind nicht belegt.
Beilngries: der Bahnhof im Weg des Kanals
In Beilngries gab es zwei Bahnhöfe.
Der Personenbahnhof stammte aus dem Jahr 1929 und war Abzweigbahnhof der Nebenbahn nach Eichstätt.
Etwas weiter lag der Güterbahnhof von 1888.
Von ihm existiert noch das frühere Empfangsgebäude in der Nähe des Rhein-Main-Donau-Kanals.
Alle anderen Bahngebäude, auch der Lokschuppen, wurden beim Kanalbau abgebrochen.

Der Bau des neuen Main-Donau-Kanals zwischen Bamberg und Kelheim besiegelte das Ende der Strecke.
Sie war dem Großprojekt vor allem mit dem Bahnhof Beilngries im Weg.
Kottingwörth, Töging und Dietfurt
Hinter Beilngries mündete die Strecke ins Altmühltal und folgte dem Tal am Fuß des nördlichen Hangs.
Am nördlichen Ortsrand von Kottingwörth lag ein Haltepunkt, ebenso in Töging.
Die Strecke querte ein zweites Mal den Ludwig-Donau-Main-Kanal und führte ins Stadtgebiet von Dietfurt, wo der Endbahnhof lag.
Der Abschnitt Dietfurt–Beilngries verlor schon früh seine Reisenden: Am 31. Juli 1966 endete der Personenverkehr, am 26. Mai 1967 wurde er stillgelegt und 1968 abgebaut.

Das Ende bis Neumarkt
Am 25. September 1987 verkehrte der letzte Personenzug zwischen Neumarkt und Beilngries.
Güterzüge fuhren zwischen Greißelbach und Beilngries noch bis zum 29. Juli 1989.
Der Bundesverkehrsminister hatte die Betriebseinstellung mit Erlass vom 29. November 1988 genehmigt.
Zwischen dem 28. August und 30. November 1989 wurde die Strecke bis südlich des Bahnhofs Greißelbach abgebaut.
Das Stück Neumarkt–Greißelbach blieb vorübergehend als Nebenbahn in Betrieb.
Mit Ablauf des 31. Oktober 1991 wurde auch dieser Rest stillgelegt und die Gleise bis etwa Betriebskilometer 5,5 zurückgebaut.
Das verbliebene Gleis wurde zum Bahnhofsnebengleis herabgestuft und als Gleisanschluss zur Firma Max Bögl genutzt.
Am 1. Januar 2005 übernahm die Firma das Anschlussgleis, der Anschluss wird täglich bedient.
Seit 2011 beliefert er auch das Tchibo-Zentrallager in Neumarkt mit Containern.
Im Juli 2020 schlug der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vor, die Verbindung Neumarkt–Beilngries–Kinding zu reaktivieren.
Von der abgebauten Strecke lässt sich der Verlauf in weiten Teilen noch im Gelände erkennen.
Vielerorts wurde das Gleisbett zum Bahntrassenradweg umgebaut.
Die Geschichte in Daten
1. Juni 1888: Eröffnung von Neumarkt bis Beilngries und der Zweigstrecke nach Freystadt.
11. September 1909: Eröffnung der Verlängerung nach Dietfurt.
31. Juli 1966: Ende des Personenverkehrs zwischen Beilngries und Dietfurt.
25. September 1987: Letzter Personenzug zwischen Neumarkt und Beilngries.
29. Juli 1989: Ende des Güterverkehrs zwischen Greißelbach und Beilngries.
31. Oktober 1991: Stilllegung des Restes Neumarkt–Greißelbach.
2. Juni 2013: Jubiläumsfest 125 Jahre Sulztalbahn in Greißelbach.
Häufige Fragen
Wann wurde die Sulztalbahn eröffnet?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Warum wurde die Strecke stillgelegt?
Ist noch ein Teil der Strecke in Betrieb?
Gibt es Pläne zur Reaktivierung?
Die Sulztalbahn ist bis auf das Stück zum Werk in Sengenthal abgebaut.
In Greißelbach, Berching und Beilngries stehen noch Bahnhofsgebäude aus Stein.
Wikipedia: Bahnstrecke Neumarkt–Dietfurt
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