Die Schippchenbahn: stille Halte zwischen Finsterwalde und Schipkau
Die Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn brachte ab 1887 Kohle und Reisende durch die Niederlausitz. Heute fährt nur noch ein kurzes Stück für Besucher, der Rest ist Radweg oder verschwunden.

Lage: Niederlausitz, Brandenburg, zwischen Finsterwalde und Schipkau. Status: bis auf einen Abschnitt stillgelegt, dort Sonderverkehr. Heute: Radwege, umgenutzte Bahnhöfe und eine Fahrt zum Besucherbergwerk F60.
Die Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn, im Volksmund Schippchenbahn, verband Finsterwalde mit den Kohle- und Tongruben um Schipkau in der Niederlausitz.
Bis 1938 hieß sie Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn.
Ihr Reisezugverkehr endete 1966 und 1967, der Güterverkehr 1993.
Auf dem ersten Stück ab Finsterwalde fahren heute Sonderzüge zum Besucherbergwerk F60 bei Lichterfeld, der übrige Verlauf ist weitgehend stillgelegt, abgebaut oder unbefahrbar.
Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch, der Bahnhof Finsterwalde hat einen eigenen Beitrag.
Aus der Zeit des Linienverkehrs sind keine freien Fotos der Halte vorhanden, die Bilder zeigen den Zustand ab 2015.
Wie die Strecke entstand
Die Gesellschaft wurde 1885 gegründet, um die Braunkohle- und Tongruben zwischen Finsterwalde und Senftenberg an das Eisenbahnnetz anzuschließen.
An ihr beteiligten sich die Provinz Brandenburg, die Kreise Luckau und Calau, die Stadt Finsterwalde und das Berliner Bauunternehmen Davy, Donath und Co., das die Strecke auch baute und zunächst betrieb.
Die Stadt Finsterwalde vertrat unter anderem der Tuchfabrikant und Grubenbesitzer Max Koswig.
Am 20. September 1887 wurde die 20 Kilometer lange Stammstrecke von Finsterwalde nach Zschipkau eröffnet.
In der Streckenmitte bei Sallgast zweigte 1896 eine Nebenstrecke nach Costebrau-Friedrichsthal ab, die später bis Lauchhammer verlängert wurde und 1902 Nebenbahn wurde.
Am 1. Oktober 1905 eröffnete die Preußische Staatsbahn die Strecke von Zschipkau nach Senftenberg, die zuvor als private Industriebahn bestanden hatte, die Gesellschaft führte dort den Personenverkehr.
Der starke Güterverkehr machte die Bahn so gewinnbringend, dass die Reichsbahn sie übernehmen wollte, was 1943 gelang.
So sah es vorher aus: Kohle, Ton und Reisende
Vorwiegend diente die Strecke dem Kohletransport, sie wurde aber auch im Personenverkehr genutzt.
Für die Bahn entstanden ab 1886 Gleisstrecken, Wassertürme und weitere Anlagen.
Neben Max Koswig setzten sich der Hamburger Kommerzienrat Heye und die Brüder Fielitz für den Bau ein.
Die Fielitz-Familie betrieb bei Klettwitz die Grube Felix und eine Brikettfabrik, die 1893 in Produktion ging.
Mit den fünfziger Jahren rückte der Tagebau Klettwitz an die Strecke heran, zwischen Sallgast und Kostebrau wurde eine neue Grube erschlossen.
Sallgast: Ruinen am Abzweig
Der Bahnhof Sallgast gehörte zu den Stationen, die am 20. September 1887 eröffnet wurden.
Von hier zweigte ab 1896 die Nebenbahn Richtung Kostebrau ab.
Mit dem Tagebau Klettwitz wurden die Streckenabschnitte nach und nach geschlossen und teils abgebaut, der Abschnitt Sallgast bis Kostebrau wurde abgebaggert.
Auf dem Bahnhofsgelände stehen zwei eingeschossige Ziegelbauten als Ruinen, ihre Dächer sind eingestürzt oder nicht mehr vorhanden.
Das nördliche Gebäude hat auf beiden Längsseiten Laderampen aus Stahl, daneben liegt noch ein Gleisbett mit einem Normalspurgleis.
Kostebrau und Lauchhammer: der abgebaggerte Ast
Der Zweig von Sallgast nach Costebrau-Friedrichsthal ging 1896 als Kleinbahn in Betrieb und wurde 1897 als Werksbahn bis Lauchhammer verlängert.
Zwischen Lauchhammer-Ost und Kostebrau endete der Personenverkehr am 30. September 1962.
Ein kurzer Abschnitt bei Kostebrau ist heute ein Radweg.
Klettwitz: Bahnhof am Tagebaurand
Der Bahnhof Klettwitz wurde ab 1886 errichtet, der erste Zug passierte ihn am 20. September 1887.
Der letzte Personenzug Richtung Senftenberg startete am 22. Mai 1966, Richtung Finsterwalde etwa ein Jahr später.
Bis 1993 wurden hier noch Güter, vor allem Braunkohle, in beide Richtungen befördert.
Das Gebäude ist in Form und Dachform erhalten.
Auf historischen Aufnahmen hat es eine Ziegelfassade und ein Satteldach, heute ist die Fassade verputzt und farbig gestaltet.
Westlich des Gebäudes ist der Bahndamm noch zu erahnen, dort steht noch ein Mast.
Der Zeitpunkt der Umnutzung ist nicht bekannt, vermutlich dient es Wohnzwecken.

Annahütte: fünf Gebäude und ein Tonstudio
Der Bahnhof Annahütte liegt im nordwestlichen Abschnitt der Strecke und ist ein Zeugnis des bergbaubedingten Ausbaus der Lausitz.
Die Strecke wurde 1967 stillgelegt, fünf Gebäude des Bahnhofs sind erhalten: das Empfangsgebäude, ein Wohnhaus, ein früheres Toilettenhaus, ein Werkstattgebäude und ein weiteres, stark überformtes Wohnhaus.
Die zweigeschossigen Ziegelbauten werden zum Wohnen und als Tonstudio genutzt.
An den Fassaden sind Schriftzüge erhalten, die den Bahnhofsnamen und Bereiche wie die Fahrkartenausgabe nennen.
Auch die Gleisanlage vor dem Empfangsgebäude ist erhalten.
Der Güterverkehr zwischen Finsterwalde und Annahütte endete am 22. Mai 1993, weil die Glashütte Annahütte schloss und die sowjetischen Luftstreitkräfte aus Schacksdorf abzogen.

Schipkau: Endpunkt der Stammstrecke
In Schipkau, früher Zschipkau, endete die 1887 eröffnete Stammstrecke.
Der Abschnitt von Schipkau bis Annahütte ist heute ein Radweg.
Ein weiterer Abschnitt der Bahnlinie wurde ebenfalls zu einem Radweg umgebaut.
Schacksdorf: ein neuer Bahnsteig an alter Strecke
Der Bahnhof Schacksdorf war der zweite Halt Richtung Schipkau und Senftenberg.
Wenige Meter davor ermöglichte eine Weiche die Fahrt zum Flugplatz und zu einem Verladebahnhof.
Der Haltepunkt Schacksdorf wurde 2019 mit Bundesmitteln für die touristische Nutzung der Strecke neu gebaut, dabei entstand ein kleiner Bahnsteig von 550 Millimetern Höhe.

Lichterfeld: Endpunkt der Fahrten zur F60
Zwischen Finsterwalde und der Grube Hellda bei Lichterfeld fährt in den Sommermonaten eine historische Bahn, die Besucher zum Besucherbergwerk F60 bringt.
Der Haltepunkt Lichterfeld liegt unmittelbar vor dem Tor des Ziegelwerks Lichterfeld und ist der Endpunkt dieser Fahrten.

Das Ende des Linienverkehrs
Zwischen Lauchhammer-Ost und Kostebrau endete der Personenverkehr am 30. September 1962.
Am 22. Mai 1966 folgte die Einstellung zwischen Senftenberg und Klettwitz.
Auf dem Rest von Annahütte nach Finsterwalde endete der Personenverkehr am 28. Mai 1967.
Der Abschnitt Senftenberg bis Schipkau diente mehr und mehr als Anschlussgleis der neuen Tagebaue Klettwitz und Meuro.
Zahlreiche Grubenbahnen entstanden parallel zur Strecke und kreuzten sie.
Als letztes Teilstück verlor der Abschnitt Finsterwalde bis Annahütte am 22. Mai 1993 den Güterverkehr.
So sieht es jetzt aus
2009 kauften die Gemeinden die Strecke von der DB Netz AG und verkauften sie an einen privaten Bahnbetreiber.
2010 begann dieser mit dem Freischnitt, im April 2010 fanden erste Sonderfahrten mit einer V 60 statt.
Vom 1. Juni bis zum 31. Oktober 2014 verkehrte sonntags ein Pendelverkehr mit einem historischen Triebwagen zum neuen Bahnsteig am Besucherbergwerk F60, der 2015 und 2016 wiederholt und ausgeweitet wurde.
Wegen hoher Trassenpreise wurden die Zugpaare ab Doberlug-Kirchhain und Falkenberg wieder gestrichen, die Fahrten beginnen seither in Finsterwalde.
2017 wurde die Modernisierung des Bahnhofs Finsterwalde abgeschlossen, das Empfangsgebäude und das frühere Stellwerk gehören dem Infrastrukturbetreiber und werden als Ensemble erhalten.
Das Stellwerk ist an Wochenenden als Museumscafé geöffnet.


Vorher und nachher: Bahnhof Klettwitz
1887 hielt hier der erste Zug, bis 1966 fuhren Reisende nach Senftenberg und etwa ein Jahr länger nach Finsterwalde.
Bis 1993 rollte noch Kohle durch den Bahnhof.
Heute steht das Gebäude verputzt und farbig an einem Radweg, ein Mast und der Bahndamm westlich davon erinnern an die Bahn.
Die Geschichte in Daten
1885: Gesellschaft gegründet.
1887: Strecke Finsterwalde bis Zschipkau eröffnet.
1896: Nebenstrecke ab Sallgast Richtung Costebrau eröffnet.
1905: Zschipkau bis Senftenberg eröffnet.
1943: Übernahme durch die Reichsbahn.
1962: Personenverkehr Lauchhammer-Ost bis Kostebrau endet.
1966: Personenverkehr Senftenberg bis Klettwitz endet.
1967: Personenverkehr Annahütte bis Finsterwalde endet.
1993: Güterverkehr endet.
2009: Gemeinden kaufen die Strecke.
2019: Haltepunkt Schacksdorf neu gebaut.
Häufige Fragen
Fährt auf der Schippchenbahn noch ein Zug?
Wann endete der Personenverkehr?
Wann endete der Güterverkehr?
Warum endete die Bahn?
Was ist aus den Bahnhöfen geworden?
Die Schippchenbahn hat sich von der Kohlebahn zur Besucherstrecke gewandelt.
Wer die Halte besucht, findet Radwege, Wohnhäuser und einen Bahnsteig für Sonderzüge.
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