Die Strecke Bremervörde–Walsrode: Halte ohne Züge zwischen Zeven und Cordingen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Strecke Bremervörde–Walsrode: Halte ohne Züge zwischen Zeven und Cordingen

Die Strecke sollte einmal Hannover mit der Küste verbinden. Heute ist ein Teil abgebaut, ein Teil trägt nur noch Güterzüge, und der Bahnhof Zeven beherbergt ein Jugendzentrum.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Zeven.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Zeven. Foto: Stadt Zeven, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1890
Walsrode–Visselhövede eröffnet
1906
Bahnhof Zeven geht in Betrieb
1958
Personenverkehr Rotenburg–Visselhövede endet
1968
Personenverkehr Bremervörde–Rotenburg endet

Lage: Niedersachsen, zwischen Bremervörde, Zeven, Rotenburg (Wümme), Visselhövede und Walsrode. Status: Bremervörde–Rotenburg nur Güterverkehr, die übrigen Abschnitte stillgelegt. Heute: Der Bahnhof Zeven ist Jugendzentrum, auf Teilen der Trasse verlaufen Radwege.

Die Bahnstrecke Bremervörde–Walsrode verband Bremervörde über Zeven, Rotenburg (Wümme) und Visselhövede mit Walsrode.

Zwischen Bremervörde und Rotenburg fahren bis heute Güterzüge, die übrigen Abschnitte sind stillgelegt oder abgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte ohne Personenverkehr der Reihe nach durch.

Freie Fotos gibt es fast nur aus Zeven, von den übrigen Halten sind keine freien Bilder vorhanden.

Wie die Strecke entstand

Ursprünglich war die Verbindung als Teil einer durchgehenden Fernbahn von Hannover nach Geestemünde gedacht.

Fernverkehr fand auf ihr nie statt, um 1953 gab es aber durchgehende Eilzüge zwischen Bremervörde und Hannover.

Der erste Abschnitt zwischen Walsrode und Visselhövede ging am 1. Juli 1890 für den Güterverkehr und am 25. August 1890 für den Personenverkehr in Betrieb.

Er entstand vor allem wegen Garantien der Firma Wolff & Co. in Bomlitz, die über den Bahnhof Cordingen eine Anbindung an die Nordseehäfen brauchte.

Ab 1906 wurde die Strecke schrittweise verlängert, am 11. Juli 1906 bis Rotenburg, im Oktober 1906 bis Zeven und im Mai 1908 bis Bremervörde.

Eine Fortsetzung über Bederkesa nach Cuxhaven wurde in den 1920er Jahren diskutiert, aber nie gebaut.

So sah es vorher aus: eine Strecke für Land und Schüler

Die Strecke erschloss die Region, sie beförderte landwirtschaftliche Güter, Schüler und Ausflügler.

Auf der Verbindung von Rotenburg nach Visselhövede fuhr bis zum Einsatz von Schienenbussen eine Zuggarnitur mit sogenannten Donnerbüchsen, die in den Dörfern Fidi genannt wurde.

Zwischen Bremervörde und Rotenburg verkehrte lange die in den Dörfern legendäre Dampflokomotive Heini.

Bis zur Einstellung 1958 bestand auch eine durchgehende Verbindung von Stade über Rotenburg nach Walsrode.

Im Nationalsozialismus war der Südteil zwischen Cordingen und Walsrode wegen der Bomlitzer Rüstungsindustrie Teil eines Einbahn-Ringverkehrs über die Werkbahn Wolff und die Heidebahn.

Im April 1945 fuhren auf der Strecke Räumungstransporte mit Häftlingen des KZ Neuengamme aus Außenlagern in Bremen und Wilhelmshaven nach Bergen-Belsen und in das Auffanglager Stalag X B Sandbostel.

Zeven: vom Bahnhof zum Jugendzentrum

Zeven erhielt erst spät Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Der ortsbildprägende Bahnhof wurde zusammen mit dem Abschnitt Rotenburg–Zeven im Oktober 1906 eingeweiht.

Die Weiterführung nach Bremervörde folgte im Mai 1908.

Der Verkehr belebte den Handel, schon nach wenigen Monaten musste ein regelmäßiger Güterzug eingesetzt werden.

Zwischen Rotenburg und Bremervörde pendelten täglich sechs Personenzüge.

Im Bahnhof gab es eine Gaststätte, und neben dem Gebäude standen Häuser, in denen Bahnbedienstete wohnten, sie sind inzwischen abgerissen.

1917 zog im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal eine Lok Güterwagen über die Kleinbahn der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn.

Nach dem Ende der Bahnstrecken in den 1960er Jahren wurde die Verbindung Bremervörde–Zeven als Abstellgleis benutzt, am 29. September 1968 endete der Personenverkehr.

Die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser entstanden 1981, am 29. Mai 1989 übernahmen sie die Expressgutabfertigung und am 30. Juni die Dienste der Bundesbahn in Zeven.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Zeven, heute Jugendzentrum Alter Bahnhof.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude Zeven, heute Jugendzentrum Alter Bahnhof. Foto: Stadt Zeven, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Gebäude beherbergte später das Unternehmen Hansa-Landhandel.

Als dieses seinen Sitz an den Nord-West-Ring verlegte, wurde es möglich, die Immobilie als Jugendzentrum zu nutzen.

Sie liegt in der Nachbarschaft der Berufsbildenden Schulen Zeven und des St. Viti-Gymnasiums.

Die städtische Jugendeinrichtung war zuvor seit dem 25. März 1982 in Kellerräumen einer Grundschule untergebracht.

Seit dem 24. November 2000 beherbergt das frühere Bahnhofsgebäude das Jugendzentrum Alter Bahnhof.

Der Bahnhof Zeven Süd, in dem die evb ihre Hauptverwaltung hat, aufgenommen 2009.
Der Bahnhof Zeven Süd, in dem die evb ihre Hauptverwaltung hat, aufgenommen 2009. Foto: Pimvantend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Direkt südlich des Bahnhofs Zeven liegt eine Verbindungsweiche zum Bahnhof Zeven Süd an der früheren Kleinbahn.

Sie gehört wie die Strecke Bremervörde–Rotenburg der evb.

Rotenburg Harburger Straße und Hemsbünde

In Rotenburg bestand an der Harburger Straße in den 1950er Jahren kurze Zeit ein Haltepunkt.

Bis in die 1990er Jahre gab es dort einen Güterbahnhof einer landwirtschaftlichen Genossenschaft.

Heute steht an der Stelle ein Warenhaus.

Vor dem Bahnübergang der Bundesstraße 71 lag auf dem Weg nach Südosten der Haltepunkt Hemsbünde.

Mehr ist über ihn nicht belegt.

Brockel: der lange Endpunkt

Zwischen den Orten Bothel und Brockel lag der Bahnhof Brockel in einer Kurve der Strecke.

Er war nach dem Abbau der weiterführenden Gleise lange der Endpunkt.

Dort befanden sich das alte Empfangsgebäude, mehrere Ladegleise einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, ein Holzspielzeughersteller und ein ehemaliges Bahnhofslokal.

Die Gleise endeten vor einer ehemaligen Brücke über den Bach Wiedau.

Zuletzt wurden dort nur noch Kartoffeln abgefahren, der Verkehr zwischen Rotenburg und Brockel endete zum 31. Dezember 2002.

Nach der Entgleisung eines Güterzugs in Rotenburg wurde die Anschlussweiche ausgebaut, im Juli 2008 wurden die Gleise abgebaut.

Bretel: Bahnsteigkante mit Picknickplatz

Auf der alten Trasse südlich von Bothel verläuft ein Fahrradweg.

Im Bereich des Dorfes Bretel steht ein altes Bahnwärterhaus an einem ehemaligen Bahnübergang.

Eine alte Bahnsteigkante, heute mit Picknickplatz, erinnert an den Haltepunkt Bretel.

Wittorf: Haltepunkt und Bahnhof

Der Fahrradweg endet in Wittorf am ehemaligen Bedarfshaltepunkt Wittorf Ost.

Etwa einen Kilometer weiter folgt der Wittorfer Bahnhof, der heute ein Wohnhaus ist.

Dort lagen bis 1979 noch Ladegleise, ähnlich wie in Brockel.

Der Abschnitt Brockel–Wittorf wurde nach der endgültigen Stilllegung 1963 demontiert, das Stück Wittorf–Visselhövede wurde 1979 abgebaut.

Südlich des Bahnhofs ist die alte Trasse inzwischen überbaut.

Nindorf: ein Halt auf dem Damm

Westlich der Ortschaft Nindorf verlief die Strecke auf einem für die Gegend vergleichsweise hohen Damm.

Dort wurde kurzzeitig ein Haltepunkt betrieben.

Mehr ist darüber nicht belegt.

Jarlingen: abseits des Dorfes

Der Bahnhof der kleinen Ortschaft Jarlingen lag abseits des Dorfes.

Dort gab es einen Bahnübergang an einem Feldweg.

Heute ist die Trasse an dieser Stelle bebaut.

Cordingen: der Bahnhof für Bomlitz

Der Bahnhof Cordingen war der Grund für den Bau des ersten Abschnitts, weil die Firma Wolff & Co. in Bomlitz über ihn den Weg zu den Nordseehäfen suchte.

Er wurde zeitweise auch im Personenverkehr der Bahnstrecke Bomlitz–Walsrode bedient.

Die Ausfahrt Richtung Visselhövede ist noch vorhanden, die Gleise enden dort nach 100 Metern stumpf.

Personenzüge fuhren von Walsrode über Cordingen nach Bomlitz noch bis 31. Mai 1991.

Niedergang: Abschnitt für Abschnitt

Der Personenverkehr zwischen Rotenburg und Visselhövede wurde am 1. Juni 1958 eingestellt.

Zuletzt fuhr nur noch ein Zugpaar am Tag, es bestand aus einem Schienenbus.

Die endgültige Stilllegung folgte 1963.

Auf dem südlichen Abschnitt Visselhövede–Cordingen endete der Personenverkehr am 1. Juni 1980.

Im Güterverkehr gab man diesen Abschnitt am 28. September 1984 auf, die Gleise sind inzwischen entfernt.

Zwischen Bremervörde und Rotenburg wurde der Personenverkehr am 29. September 1968 eingestellt.

Dort herrscht bis heute reger Güterverkehr, die Strecke ging 1991 von der Bundesbahn an die evb über.

So sieht es jetzt aus

Auf dem Abschnitt Brockel–Wittorf liegt heute ein Fahrradweg.

Auf dem abgebauten Stück Rotenburg–Brockel wurde der Radschnellweg Fidi-Boon-Wech gebaut, die Eröffnung fand im August 2024 statt.

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) bat im Nahverkehrsplan 2013–2017, die Strecke Bremervörde–Zeven–Rotenburg für den Nahverkehr zu reaktivieren, gab der Maßnahme aber nur geringe Priorität.

Im März 2021 gab das Bundesverkehrsministerium bekannt, dass der Abschnitt Rotenburg–Bremervörde im Programm Elektrische Güterbahn elektrifiziert werden soll.

Der Bahnhof Zeven, links oben eine historische Aufnahme, darunter eine neuere.
Der Bahnhof Zeven, links oben eine historische Aufnahme, darunter eine neuere. Foto: Stadt Zeven, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Zeven 2009 und 2014

VORHER · 2009

Der Bahnhof Zeven (Hannover), nun Jugendzentrum.

Der Bahnhof Zeven (Hannover), nun Jugendzentrum. Foto: Pimvantend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2014

Der Bahnhof Zeven (Hannover), heute Jugendzentrum.

Der Bahnhof Zeven (Hannover), heute Jugendzentrum. Foto: Pimvantend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1890: Walsrode–Visselhövede wird eröffnet.

1906: Die Strecke erreicht Rotenburg und Zeven.

1908: Die Strecke erreicht Bremervörde.

1958: Der Personenverkehr Rotenburg–Visselhövede endet.

1963: Die Strecke Rotenburg–Visselhövede wird endgültig stillgelegt.

1968: Der Personenverkehr Bremervörde–Rotenburg endet.

1980: Der Personenverkehr Visselhövede–Cordingen endet.

1991: Die Bundesbahn übergibt die Strecke an die evb.

2000: Das Zevener Bahnhofsgebäude wird Jugendzentrum.

2008: Die Gleise Rotenburg–Brockel werden abgebaut.

2024: Der Radschnellweg Fidi-Boon-Wech wird eröffnet.

Häufige Fragen

Fährt auf der Strecke Bremervörde–Rotenburg noch ein Zug?
Ja, aber nur im Güterverkehr, der Personenverkehr wurde am 29. September 1968 eingestellt.
Wann war Schluss zwischen Rotenburg und Visselhövede?
Der Personenverkehr endete am 1. Juni 1958, die endgültige Stilllegung folgte 1963.
Was ist im Bahnhof Zeven heute?
Das frühere Empfangsgebäude beherbergt seit dem 24. November 2000 das Jugendzentrum Alter Bahnhof.
Was ist der Fidi-Boon-Wech?
Ein Radschnellweg auf dem abgebauten Abschnitt Rotenburg–Brockel, der im August 2024 eröffnet wurde.
Wurde die Strecke bis Cuxhaven verlängert?
Nein, eine Fortsetzung über Bederkesa nach Cuxhaven wurde in den 1920er Jahren diskutiert, aber nie verwirklicht.

Die Strecke blieb eine Nebenbahn mit regionaler Bedeutung.

Die Halte zwischen Zeven und Cordingen zeigen, wie ein Abschnitt nach dem anderen aus dem Personenverkehr fiel.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Bremervörde–Walsrode · Wikipedia: Bahnhof Zeven (Hannover)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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