Die stillen Halte der Bockerlbahn zwischen Landau und Arnstorf
Die Bockerlbahn fuhr von 1903 bis 1964 mit Personen, bis 1993 mit Gütern. Heute liegt ein Radweg auf der Trasse, und fast alle Bahnhöfe sind verschwunden.


Lage: Landkreis Dingolfing-Landau, Niederbayern. Status: stillgelegt, Gleise 1998 abgebaut. Heute: Bockerlbahn-Radweg, die Bockerlbrücke bei Landau steht unter Denkmalschutz.
Die Bahnstrecke Landau–Arnstorf führte von Landau an der Isar nach Arnstorf in Niederbayern.
In der Region hieß sie Bockerlbahn.
Seit 1964 fährt hier kein Personenzug mehr, der Güterverkehr endete 1993.
Auf der Trasse verläuft seit 1999 ein Radweg.
Freie Fotos von den Bahnhöfen gibt es nicht, die meisten Gebäude sind längst abgerissen.
Gut dokumentiert ist die Bockerlbrücke über die Isar.
Vorbereitung und Bau
Ende des 19. Jahrhunderts war die Gegend um Arnstorf und Eichendorf von Bahnstrecken umschlossen, aber keine führte hinein.
Am 1. April 1894 trafen sich in Arnstorf Vertreter aus 24 Gemeinden und beschlossen, einen Bahnbau zu beantragen.
Offen blieb zunächst der Ausgangspunkt, die Wahl lag zwischen Landau und Eggenfelden.
Am 18. Januar 1896 legten die Bürgermeister von Arnstorf und Landau einen Vorschlag für die Linie Landau–Arnstorf vor.
Mit Gesetz vom 30. Juni 1900 wurde die Lokalbahn genehmigt.
Die Baukosten waren auf 2.114.000 Mark veranschlagt, die Interessenten sollten 157.500 Mark aufbringen.
Im Verkehrsgebiet lebten insgesamt 18.400 Menschen, in Arnstorf damals 1.400.
Als wichtigster Förderer erwies sich der Bezirksarzt und Landtagsabgeordnete Josef Hauber.
Beim Bau waren 300.000 Kubikmeter Erdreich zu bewegen.
Arnstorf musste seinen Anteil von 50.000 Mark über ein Darlehen aufbringen.
Zur Tilgung beschloss der Marktgemeinderat am 10. Mai 1901 einen Aufschlag auf versottenes Malz, der den Bierpreis von 20 auf 22 Pfennig je Liter erhöhte.
Die Bockerlbrücke in Landau
Die 1903 fertiggestellte Bockerlbrücke über die Isar war damals die längste selbsttragende Stahlbrücke Bayerns.
Sie wurde eigens für die Eisenbahnstrecke errichtet und steht heute unter Denkmalschutz.
Sie besteht aus einer Kastenbrücke aus Flussstahl auf Betonunterbau, zwei Stampfbetonbrücken und einer eisernen Ständerbogenbrücke.
Verbunden sind die Teile durch eine Streckenführung auf dem Damm.


Der Verlauf der Strecke
Am 29. Dezember 1903 wurde die Strecke eröffnet, am Silvestertag begann der Bahnbetrieb.
Sie verließ den Bahnhof Landau an dessen Ostseite und wandte sich in einem scharfen Bogen dem Isartal zu.
Auf rund 420 Metern Höhe erreichte sie die Wasserscheide zwischen Isar und Vils.
Die Vils überquerte sie bei Aufhausen auf einem hochwasserfreien Damm.
Südlich von Haunersdorf stieg sie auf ihren zweiten Scheitelpunkt in 445 Metern Höhe.
Parallel zur Distriktstraße erreichte sie dann den Bahnhof Arnstorf.

Landau Süd und Möding
Hinter dem Bahnhof Landau folgte der Halt Landau Süd.
Danach kam Möding.
Zu beiden Halten ist nichts weiter belegt.
Thalham
Ein Halt dieses Namens ist an der Strecke nicht belegt.
Wildthurn
Der Bahnhof Wildthurn wurde im Januar 1978 abgebrochen.
Vorher waren schon die Güterhalle in Arnstorf und der Bahnhof Haunersdorf abgerissen worden.
Mehr zu Wildthurn ist nicht belegt.
Aufhausen
Bei Aufhausen überquerte die Bockerlbahn die Vils auf einem Damm.
Hier zweigte eine zweite Strecke ab, die Bahnstrecke Aufhausen–Kröhstorf.
Ihr Bau wurde 1908 beschlossen, und am 9. November 1915 fuhr der erste Zug.
So bekam auch Eichendorf einen Eisenbahnanschluss.
Diese Stichbahn wurde nie rentabel.
Die Bundesbahn stellte dort am 1. Juli 1962 den Reisezugverkehr ein, die letzte Fahrt folgte am 22. Mai 1971.
Auf der Bockerlbahn fuhren Personenzüge noch bis 1964.
Die Gleise der Stichbahn wurden im März 1973 abgebaut.

Haunersdorf
Der erste Zug fuhr 1903 durch Haunersdorf.
Durch den politischen Einfluss der Familie Mittermeier verlegte die Eisenbahngesellschaft die Linie nicht über Eichendorf, sondern über Haunersdorf nach Arnstorf.
Die Mittermeiervilla, das heutige Jugendtagungshaus, entstand noch vor dem Ersten Weltkrieg.
Der Bahnhof Haunersdorf wurde abgerissen.
Im April bis Juni 1998 baute man die Gleisanlagen ab, um einen Radweg zu errichten.
Der Güterverkehr endete nach einer Angabe schon 1992, nach einer anderen am 30. November 1993.
Simbach
Simbach hatte einen eigenen Bahnhof an der Strecke.
Der Ort zählte zur Bauzeit über 700 Einwohner.
Im Bahnhof Simbach fiel die Zahl der verkauften Fahrkarten von 11.086 im Jahr 1952 über 8.063 im Jahr 1958 auf 681 im Jahr 1963.
Die versandten Wagenladungen stiegen zwischenzeitlich von 643 auf 1.625 Tonnen und fielen dann auf 544 Tonnen.
Die empfangenen Wagenladungen wuchsen von 2.573 Tonnen im Jahr 1952 auf 5.014 Tonnen im Jahr 1963.
Haunersdorf wurde zum 1. Juli 1972 dem Markt Simbach zugeteilt.
Ruppertskirchen
Zwischen Simbach und Arnstorf lag ein Halt Ruppertskirchen.
Weitere Angaben dazu sind nicht belegt.
Arnstorf
Der Bahnhof Arnstorf war ein wuchtiges dreigeschossiges Gebäude an der Nordwestseite des Marktes.
Die Güterhalle wurde abgerissen.
Ob das Bahnhofsgebäude erhalten ist, ist nicht belegt.
Die Zahl der in Arnstorf verkauften Fahrkarten sank von 13.624 im Jahr 1952 über 9.417 im Jahr 1958 auf 836 im Jahr 1963.
Die versandten Wagenladungen gingen von 6.235 Tonnen im Jahr 1952 auf 1.415 Tonnen im Jahr 1963 zurück.
Die empfangenen Mengen lagen 1963 mit 8.688 Tonnen dagegen höher als in den Jahren davor.
Das Ende der Bockerlbahn
Am 30. Dezember 1953 feierte die Bahn ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumssonderzug.
Eine festlich geschmückte Lokomotive der Baureihe 64 zog ihn von Landau nach Arnstorf.
Uerdinger Schienenbusse hatten die Dampfzüge schon abgelöst.
Vom Sommerfahrplan 1961 an wurde die Zugzahl vermindert, stattdessen fuhren Bahnbusse.
Am 27. September 1964 endete der Personenverkehr.
Kleinlokomotiven übernahmen den Güterverkehr, nur zur Zuckerrübenernte im Herbst herrschte noch lebhafter Betrieb.
Am 10. Juli 1982 fuhr noch ein Sonderzug für einen Betriebsausflug.
Am 30. November 1993 wurde der Güterverkehr endgültig eingestellt, die Stilllegung folgte zum 28. Mai 1994.
1998 wurden die Gleise abgebaut.
So sieht es jetzt aus
Im August 1999 wurde auf der Trasse der Bockerlbahn-Radweg von Landau an der Isar nach Arnstorf eröffnet.
Die Bockerlbrücke ist Teil dieses Radwegs.


1894: Versammlung in Arnstorf am 1. April mit Vertretern aus 24 Gemeinden.
1900: Gesetz zur Lokalbahn Landau–Arnstorf am 30. Juni.
1903: Eröffnung am 29. Dezember, Betriebsbeginn am 31. Dezember.
1915: Eröffnung der Stichbahn Aufhausen–Kröhstorf, erster Zug am 9. November.
1964: Personenverkehr endet am 27. September.
1978: Der Bahnhof Wildthurn wird im Januar abgebrochen.
1993: Güterverkehr wird am 30. November eingestellt.
1994: Stilllegung zum 28. Mai.
1998: Abbau der Gleise.
1999: Eröffnung des Bockerlbahn-Radwegs im August.
Woher kommt der Name Bockerlbahn?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Kann man die Strecke heute fahren?
Was ist die Bockerlbrücke?
Gibt es noch Bahnhöfe?
Von der Bockerlbahn blieben vor allem die Brücke und die Trasse.
Beide lassen sich heute auf dem Rad erkunden.
Bahnstrecke Landau–Arnstorf (Wikipedia) · Bahnstrecke Aufhausen–Kröhstorf (Wikipedia) · Haunersdorf (Wikipedia) · Aufhausen (Eichendorf) (Wikipedia) · Simbach (bei Landau) (Wikipedia) · Landau–Arnstorf railway (Wikipedia, englisch)
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