Die stillen Halte der Walhallabahn: Das Bockerl von Stadtamhof nach Wörth
Die meterspurige Walhallabahn fuhr von 1889 bis 1968 von Regensburg-Stadtamhof über Donaustauf nach Wörth an der Donau. Ein Rundgang durch ihre Halte und das, was von ihnen blieb.

Lage: Von Regensburg-Stadtamhof über Tegernheim, Donaustauf und Wiesent nach Wörth an der Donau. Status: Meterspurige Schmalspurbahn, 23,4 Kilometer lang, 1968 stillgelegt. Heute: In Stadtamhof steht die Lokomotive 99 253 als Denkmal, in Wörth ist der Lokschuppen erhalten.
Die Walhallabahn, im Volksmund Walhallabockerl genannt, war eine meterspurige Schmalspurbahn von Regensburg-Stadtamhof nach Wörth an der Donau.
Sie war 23,4 Kilometer lang.
Ihren Namen verdankte sie der Walhalla bei Donaustauf, die König Ludwig I. von 1830 bis 1842 als Ruhmestempel der deutschen Kultur errichten ließ.
Wegen fehlender Verkehrsverbindungen wurde die Walhalla bis zur Eröffnung der Bahn nur wenig besucht.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke von Stadtamhof bis Wörth durch.
Freie historische Fotos gibt es von Stadtamhof und vom Lokalbahnhof Walhallastraße, von den übrigen Halten vor allem neuere Aufnahmen.
Bau und Betrieb
Die private Lokalbahn Aktien-Gesellschaft aus München erhielt am 23. September 1888 die bayerische Konzession für die 8,9 Kilometer lange Teilstrecke bis Donaustauf.
Sie wurde am 23. Juni 1889 für den Personenverkehr eröffnet.
Der Güterverkehr begann erst am 1. Mai 1892.
Die Konzession für die Weiterführung nach Wörth stammt vom 23. Dezember 1900.
Das 14,5 Kilometer lange Streckenstück ging am 1. Mai 1903 in Betrieb.
Auf dem ersten Teilstück überwogen die Besucher der Walhalla, nach der Verlängerung wurde auch der Güterverkehr wichtiger.
Stadtamhof: Anfang mitten im Ort
Stadtamhof war von 1889 bis 1933 der Ausgangspunkt der Strecke.
Zu den ersten Halten in Regensburg gehörten der Dultplatz bei Kilometer 0,4 und der Haltepunkt Steinweg bei Kilometer 0,7, der bis 1918 bestand.
In Stadtamhof, Steinweg und Reinhausen nutzte die Bahn die Straßen.
Der Lokomotivqualm war in den engen Straßen ein Problem.
Weil Zug und Straßenverkehr sich im Weg standen, gab es über Jahrzehnte Versuche, den Bahnbetrieb hier zu erschweren oder einzustellen.
Die Regensburger Straßenbahn hätte den Ersatzverkehr gern selbst übernommen.
Ein Mann, im Volksmund Fahnerlbua genannt, musste jedem Zug vorausgehen und mit einer roten Fahne den übrigen Verkehr warnen.
Die Züge durften ohnehin nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Nach einem langjährigen Gerichtsstreit musste die Bahn am 17. Juli 1933 ihren ersten Streckenkilometer aufgeben.
Ein neuer Endbahnhof entstand in Reinhausen an der Straßengabelung Donaustaufer Straße und Brennesstraße.
Dorthin wurde auch die Regensburger Straßenbahn verlängert.
In Stadtamhof steht heute die Lokomotive 99 253 als Denkmal.
Sie wurde 1908 von Krauss gebaut und 1960 ausgemustert.
Sie steht vor dem Europakanal.

Reinhausen: Halt und Endbahnhof
Der Haltepunkt Reinhausen lag bis 1933 bei Kilometer 1,0.
Ab Kilometer 1,27 erreichte die Bahn einen eigenen Gleiskörper entlang der Straße nach Donaustauf.
Ab 1933 war der Bahnhof Reinhausen bei Kilometer 1,4 der neue Endpunkt der Strecke.
Bei Kilometer 0,9 überquerte die Bahn den Regen.
Weitere Halte in Regensburg
Hinter Reinhausen folgten die Haltepunkte Weichs bei Kilometer 2,3, Kalkwerke bei Kilometer 3,5, Schwabelweis bei Kilometer 4,6 und Stauferfeld bei Kilometer 5,6.
Bei Kilometer 3,2 lag der Lokalbahnhof Walhallastraße, den es seit 1892 gab.
Dort kreuzte die Bahn die Staatsbahnstrecke.
Bis 1903 baute die Bahn dort eine große Umladeanlage mit zwei Portalkränen für die Holzumladung auf Normalspurwagen.
Hier lagen auch die Rollbockgruben für den Einsatz von Rollböcken, mit denen normalspurige Güterwagen transportiert wurden, ab dem 1. Mai 1911.

An der Donaustaufer Straße in Regensburg stand ein früheres Betriebsgebäude der Walhallabahn.
Es wurde wegen Befalls mit Schwarzem Schwamm inzwischen abgerissen.


Tegernheim: Haltepunkt an der Donau
Der Haltepunkt Tegernheim lag bei Kilometer 6,5.
Die Walhallabahn führte am Haltepunkt Tegernheim vorbei nach Donaustauf.
Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.
Donaustauf: Bahnhof mit Werkstatt
Der Bahnhof Donaustauf lag bei Kilometer 8,9 und war bis 1903 der Endpunkt der Strecke.
Er wurde in den Jahren 1888 und 1889 gebaut.
Um 1911 kam eine eigene Werkstatt in Donaustauf hinzu, die bis 1925 nochmals erweitert wurde.
Am 31. Dezember 1968 verließ der letzte Güterzug den Bahnhof.
Walhalla: der Haltepunkt für den Ruhmestempel
Der Haltepunkt Walhalla lag bei Kilometer 10,0 und bediente die Besucher des Ruhmestempels.
Bei Kilometer 10,8 zweigte ein Gleis zur Flussspat-Verladung ab.
Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.
Sulzbach: Bahnhof an der Donau
Der Bahnhof Sulzbach (Donau) lag bei Kilometer 11,4.
Dahinter folgten der Steinbruch Demling bei Kilometer 12,5 und der Haltepunkt Demling bei Kilometer 13,9.
Weitere Angaben zum Bahnhof Sulzbach sind nicht belegt.
Kruckenberg: Haltepunkt am Bahndamm
Der Haltepunkt Kruckenberg lag bei Kilometer 19,0.
Davor lagen der Bahnhof Bach bei Kilometer 16,3 und der Haltepunkt Frengkofen bei Kilometer 17,5.
Ein Stück des Bahndamms bei Kruckenberg ist erhalten.

Wiesent: der vorletzte Bahnhof
Der Bahnhof Wiesent lag bei Kilometer 22,0, anderthalb Kilometer vor dem Endpunkt Wörth.
Weitere Angaben zum Bahnhof Wiesent sind nicht belegt.
Wörth an der Donau: Endstation mit Lokschuppen
Wörth war vom 1. Mai 1903 bis 1968 die Endstation der Walhallabahn.
Das Bockerl hatte für Wörth große Bedeutung.
Bis zum 31. März 1966 konnte man in Wörth Stückgut, Expressgut und Postsendungen mit der Bahn nach Regensburg befördern.
Das Bahnhofsgebäude wurde 1978 abgebrochen, vom Bahnhof ist nur noch der Lokschuppen erhalten.
Auf dem früheren Bahnhofsgelände befinden sich heute das Betriebsgelände der BayWa und seit 2016 das Einzelhandelszentrum Alter Bahnhof.

Verstaatlichung und Ende
Mit der Verstaatlichung der Lokalbahn AG am 1. August 1938 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Walhallabahn.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Nutzung spürbar zurück.
Ab 1956 setzte die Bundesbahn zwei Diesellokomotiven der Baureihe V 29 ein, die von der Lokalbahn Ludwigshafen–Meckenheim kamen.
Am 31. Mai 1959 wurde der Abschnitt von Reinhausen bis zum Lokalbahnhof Walhallastraße stillgelegt.
Am 1. Oktober 1960 endete der Personenverkehr auf der gesamten Strecke.
Am 31. Dezember 1968 fuhr der letzte Güterzug von Wörth ab.
Die Geschichte in Daten
23. Juni 1889: Eröffnung des Personenverkehrs von Stadtamhof bis Donaustauf.
1. Mai 1892: Beginn des Güterverkehrs.
1. Mai 1903: Eröffnung des Streckenstücks nach Wörth.
1. Mai 1911: Einsatz von Rollböcken für normalspurige Güterwagen.
17. Juli 1933: Aufgabe des ersten Streckenkilometers, neuer Endbahnhof in Reinhausen.
1. August 1938: Verstaatlichung durch die Deutsche Reichsbahn.
1. Oktober 1960: Ende des Personenverkehrs.
31. Dezember 1968: Letzter Güterzug.
Häufige Fragen
Wie lang war die Walhallabahn?
Warum hieß sie Walhallabahn?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Was ist von der Bahn erhalten?
Wer baute die Bahn?
Die Walhallabahn endete 1968 mit dem letzten Güterzug.
Von ihr blieben ein Lokomotivdenkmal in Stadtamhof, ein Lokschuppen in Wörth und einzelne Dammstücke.
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