Die stillen Halte der Walhallabahn: Das Bockerl von Stadtamhof nach Wörth

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Walhallabahn: Das Bockerl von Stadtamhof nach Wörth

Die meterspurige Walhallabahn fuhr von 1889 bis 1968 von Regensburg-Stadtamhof über Donaustauf nach Wörth an der Donau. Ein Rundgang durch ihre Halte und das, was von ihnen blieb.

Stadtamhof mit Blick zur Steinernen Brücke, eine historische Aufnahme mit der Walhallabahn.
Stadtamhof mit Blick zur Steinernen Brücke, eine historische Aufnahme mit der Walhallabahn. Foto: Unknown Unknown, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1889
Eröffnung bis Donaustauf
1903
Verlängerung nach Wörth
1960
Ende des Personenverkehrs
1968
Letzter Güterzug

Lage: Von Regensburg-Stadtamhof über Tegernheim, Donaustauf und Wiesent nach Wörth an der Donau. Status: Meterspurige Schmalspurbahn, 23,4 Kilometer lang, 1968 stillgelegt. Heute: In Stadtamhof steht die Lokomotive 99 253 als Denkmal, in Wörth ist der Lokschuppen erhalten.

Die Walhallabahn, im Volksmund Walhallabockerl genannt, war eine meterspurige Schmalspurbahn von Regensburg-Stadtamhof nach Wörth an der Donau.

Sie war 23,4 Kilometer lang.

Ihren Namen verdankte sie der Walhalla bei Donaustauf, die König Ludwig I. von 1830 bis 1842 als Ruhmestempel der deutschen Kultur errichten ließ.

Wegen fehlender Verkehrsverbindungen wurde die Walhalla bis zur Eröffnung der Bahn nur wenig besucht.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke von Stadtamhof bis Wörth durch.

Freie historische Fotos gibt es von Stadtamhof und vom Lokalbahnhof Walhallastraße, von den übrigen Halten vor allem neuere Aufnahmen.

Bau und Betrieb

Die private Lokalbahn Aktien-Gesellschaft aus München erhielt am 23. September 1888 die bayerische Konzession für die 8,9 Kilometer lange Teilstrecke bis Donaustauf.

Sie wurde am 23. Juni 1889 für den Personenverkehr eröffnet.

Der Güterverkehr begann erst am 1. Mai 1892.

Die Konzession für die Weiterführung nach Wörth stammt vom 23. Dezember 1900.

Das 14,5 Kilometer lange Streckenstück ging am 1. Mai 1903 in Betrieb.

Auf dem ersten Teilstück überwogen die Besucher der Walhalla, nach der Verlängerung wurde auch der Güterverkehr wichtiger.

Stadtamhof: Anfang mitten im Ort

Stadtamhof war von 1889 bis 1933 der Ausgangspunkt der Strecke.

Zu den ersten Halten in Regensburg gehörten der Dultplatz bei Kilometer 0,4 und der Haltepunkt Steinweg bei Kilometer 0,7, der bis 1918 bestand.

In Stadtamhof, Steinweg und Reinhausen nutzte die Bahn die Straßen.

Der Lokomotivqualm war in den engen Straßen ein Problem.

Weil Zug und Straßenverkehr sich im Weg standen, gab es über Jahrzehnte Versuche, den Bahnbetrieb hier zu erschweren oder einzustellen.

Die Regensburger Straßenbahn hätte den Ersatzverkehr gern selbst übernommen.

Ein Mann, im Volksmund Fahnerlbua genannt, musste jedem Zug vorausgehen und mit einer roten Fahne den übrigen Verkehr warnen.

Die Züge durften ohnehin nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Stadtamhof mit Blick nach Norden, eine historische Aufnahme mit der Walhallabahn.
Stadtamhof mit Blick nach Norden, eine historische Aufnahme mit der Walhallabahn. Foto: Unknown Unknown, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Nach einem langjährigen Gerichtsstreit musste die Bahn am 17. Juli 1933 ihren ersten Streckenkilometer aufgeben.

Ein neuer Endbahnhof entstand in Reinhausen an der Straßengabelung Donaustaufer Straße und Brennesstraße.

Dorthin wurde auch die Regensburger Straßenbahn verlängert.

In Stadtamhof steht heute die Lokomotive 99 253 als Denkmal.

Sie wurde 1908 von Krauss gebaut und 1960 ausgemustert.

Sie steht vor dem Europakanal.

Die Lokomotive 99 253 der Walhallabahn als Denkmal in Regensburg-Stadtamhof, aufgenommen 2011.
Die Lokomotive 99 253 der Walhallabahn als Denkmal in Regensburg-Stadtamhof, aufgenommen 2011. Foto: Gomera-b, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Reinhausen: Halt und Endbahnhof

Der Haltepunkt Reinhausen lag bis 1933 bei Kilometer 1,0.

Ab Kilometer 1,27 erreichte die Bahn einen eigenen Gleiskörper entlang der Straße nach Donaustauf.

Ab 1933 war der Bahnhof Reinhausen bei Kilometer 1,4 der neue Endpunkt der Strecke.

Bei Kilometer 0,9 überquerte die Bahn den Regen.

Weitere Halte in Regensburg

Hinter Reinhausen folgten die Haltepunkte Weichs bei Kilometer 2,3, Kalkwerke bei Kilometer 3,5, Schwabelweis bei Kilometer 4,6 und Stauferfeld bei Kilometer 5,6.

Bei Kilometer 3,2 lag der Lokalbahnhof Walhallastraße, den es seit 1892 gab.

Dort kreuzte die Bahn die Staatsbahnstrecke.

Bis 1903 baute die Bahn dort eine große Umladeanlage mit zwei Portalkränen für die Holzumladung auf Normalspurwagen.

Hier lagen auch die Rollbockgruben für den Einsatz von Rollböcken, mit denen normalspurige Güterwagen transportiert wurden, ab dem 1. Mai 1911.

Der Lokalbahnhof Walhallastraße in Regensburg, eine historische Aufnahme.
Der Lokalbahnhof Walhallastraße in Regensburg, eine historische Aufnahme. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

An der Donaustaufer Straße in Regensburg stand ein früheres Betriebsgebäude der Walhallabahn.

Es wurde wegen Befalls mit Schwarzem Schwamm inzwischen abgerissen.

Das frühere Betriebsgebäude der Walhallabahn an der Donaustaufer Straße in Regensburg, 2012.
Das frühere Betriebsgebäude der Walhallabahn an der Donaustaufer Straße in Regensburg, 2012. Foto: Johanning, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Dasselbe Gebäude von der anderen Seite, 2012.
Dasselbe Gebäude von der anderen Seite, 2012. Foto: Johanning, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Tegernheim: Haltepunkt an der Donau

Der Haltepunkt Tegernheim lag bei Kilometer 6,5.

Die Walhallabahn führte am Haltepunkt Tegernheim vorbei nach Donaustauf.

Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.

Donaustauf: Bahnhof mit Werkstatt

Der Bahnhof Donaustauf lag bei Kilometer 8,9 und war bis 1903 der Endpunkt der Strecke.

Er wurde in den Jahren 1888 und 1889 gebaut.

Um 1911 kam eine eigene Werkstatt in Donaustauf hinzu, die bis 1925 nochmals erweitert wurde.

Am 31. Dezember 1968 verließ der letzte Güterzug den Bahnhof.

Walhalla: der Haltepunkt für den Ruhmestempel

Der Haltepunkt Walhalla lag bei Kilometer 10,0 und bediente die Besucher des Ruhmestempels.

Bei Kilometer 10,8 zweigte ein Gleis zur Flussspat-Verladung ab.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Sulzbach: Bahnhof an der Donau

Der Bahnhof Sulzbach (Donau) lag bei Kilometer 11,4.

Dahinter folgten der Steinbruch Demling bei Kilometer 12,5 und der Haltepunkt Demling bei Kilometer 13,9.

Weitere Angaben zum Bahnhof Sulzbach sind nicht belegt.

Kruckenberg: Haltepunkt am Bahndamm

Der Haltepunkt Kruckenberg lag bei Kilometer 19,0.

Davor lagen der Bahnhof Bach bei Kilometer 16,3 und der Haltepunkt Frengkofen bei Kilometer 17,5.

Ein Stück des Bahndamms bei Kruckenberg ist erhalten.

Der frühere Bahndamm bei Kruckenberg, aufgenommen 2014.
Der frühere Bahndamm bei Kruckenberg, aufgenommen 2014. Foto: Blechmodelle, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Wiesent: der vorletzte Bahnhof

Der Bahnhof Wiesent lag bei Kilometer 22,0, anderthalb Kilometer vor dem Endpunkt Wörth.

Weitere Angaben zum Bahnhof Wiesent sind nicht belegt.

Wörth an der Donau: Endstation mit Lokschuppen

Wörth war vom 1. Mai 1903 bis 1968 die Endstation der Walhallabahn.

Das Bockerl hatte für Wörth große Bedeutung.

Bis zum 31. März 1966 konnte man in Wörth Stückgut, Expressgut und Postsendungen mit der Bahn nach Regensburg befördern.

Das Bahnhofsgebäude wurde 1978 abgebrochen, vom Bahnhof ist nur noch der Lokschuppen erhalten.

Auf dem früheren Bahnhofsgelände befinden sich heute das Betriebsgelände der BayWa und seit 2016 das Einzelhandelszentrum Alter Bahnhof.

Der frühere Lokschuppen in Wörth an der Donau, aufgenommen 2014.
Der frühere Lokschuppen in Wörth an der Donau, aufgenommen 2014. Foto: Blechmodelle, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Verstaatlichung und Ende

Mit der Verstaatlichung der Lokalbahn AG am 1. August 1938 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Walhallabahn.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Nutzung spürbar zurück.

Ab 1956 setzte die Bundesbahn zwei Diesellokomotiven der Baureihe V 29 ein, die von der Lokalbahn Ludwigshafen–Meckenheim kamen.

Am 31. Mai 1959 wurde der Abschnitt von Reinhausen bis zum Lokalbahnhof Walhallastraße stillgelegt.

Am 1. Oktober 1960 endete der Personenverkehr auf der gesamten Strecke.

Am 31. Dezember 1968 fuhr der letzte Güterzug von Wörth ab.

Die Geschichte in Daten

23. Juni 1889: Eröffnung des Personenverkehrs von Stadtamhof bis Donaustauf.

1. Mai 1892: Beginn des Güterverkehrs.

1. Mai 1903: Eröffnung des Streckenstücks nach Wörth.

1. Mai 1911: Einsatz von Rollböcken für normalspurige Güterwagen.

17. Juli 1933: Aufgabe des ersten Streckenkilometers, neuer Endbahnhof in Reinhausen.

1. August 1938: Verstaatlichung durch die Deutsche Reichsbahn.

1. Oktober 1960: Ende des Personenverkehrs.

31. Dezember 1968: Letzter Güterzug.

Häufige Fragen

Wie lang war die Walhallabahn?
Sie war 23,4 Kilometer lang und meterspurig.
Warum hieß sie Walhallabahn?
Sie verdankte Namen und Entstehung der Walhalla bei Donaustauf, die an der Strecke lag.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Personenverkehr endete am 1. Oktober 1960.
Was ist von der Bahn erhalten?
In Stadtamhof steht die Lokomotive 99 253 als Denkmal, in Wörth der Lokschuppen. Bei Kruckenberg ist ein Stück Bahndamm erhalten.
Wer baute die Bahn?
Die private Lokalbahn Aktien-Gesellschaft aus München baute und betrieb sie, bis sie 1938 verstaatlicht wurde.

Die Walhallabahn endete 1968 mit dem letzten Güterzug.

Von ihr blieben ein Lokomotivdenkmal in Stadtamhof, ein Lokschuppen in Wörth und einzelne Dammstücke.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Walhallabahn · Wikipedia: Wörth an der Donau · Wikipedia: Tegernheim · Wikipedia: Donaustauf · Wikipedia: Stadtamhof

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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