Die stillen Halte der Horlofftalbahn: von Laubach bis Wölfersheim
Von der Strecke Friedberg bis Mücke fährt nur noch das erste Stück. Dahinter liegen Halte, die seit 1959 oder seit 2003 ohne Reisende sind, einer davon soll wieder an das Netz.

Lage: Wetterau und Vogelsberg, Hessen. Status: Friedberg bis Wölfersheim-Södel in Betrieb, der Rest ohne Reisezüge. Heute: Zwischen Wölfersheim und Hungen ist eine Reaktivierung geplant, bei Laubach liegt ein Radweg.
Die Horlofftalbahn ist heute nur noch zum Teil still.
Die Bahnstrecke Friedberg bis Mücke, in Abschnitten auch Seentalbahn oder Vogelsberger Westbahn genannt, wird zwischen Friedberg und Wölfersheim-Södel noch befahren.
Dahinter beginnen die stillen Abschnitte: Zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen fahren seit 2003 keine Reisezüge, zwischen Hungen und Laubach endete der Personenverkehr 1959, hinter Laubach nach Mücke 1958 oder 1959.
Dieser Beitrag geht die Halte Laubach, Villingen und die Orte zwischen Wölfersheim und Hungen durch.
Halte, an denen heute Züge verkehren, gelten hier nicht als stillgelegt.
Aus der Zeit der Reisezüge sind keine freien Fotos der einzelnen Halte vorhanden, die Bilder stammen aus den Jahren 2007 bis 2022.
Wie die Strecke entstand
Geplant und betrieben wurde die Strecke von den Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen, später ging sie in der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft auf.
Am 1. Juni 1890 wurde der Abschnitt Hungen bis Laubach eröffnet.
Am 1. Oktober 1897 folgte Friedberg bis Hungen.
Ab dem 1. November 1903 war die Strecke von Friedberg bis Mücke durchgehend befahrbar.
In Hungen kreuzte sie die Lahn-Kinzig-Bahn, der Bahnhof wurde dadurch zum Knoten.
Auf dem Bahnhof Hungen gab es in der größten Ausbauphase elf Gleise zwischen Empfangsgebäude und nördlicher Bahnhofsgrenze.
So sah es vorher aus: geplanter Ausbau zur Hauptbahn
Ab 1936 sollte die Strecke zweigleisig als Hauptbahn ausgebaut werden, die Kriegsereignisse verhinderten das.
Gebaut wurden trotzdem schon ein zweiter, 196 Meter langer Tunnel neben dem Freienseener Tunnel mit 146 Metern Länge und eine breitere gemauerte Bogenbrücke über die Usa nördlich des Bahnhofs Friedberg, die 1937 in Betrieb ging.
Auf dem Abschnitt Hungen bis Laubach fuhren die Züge der sogenannten Seentalbahn an einem eigenen Mittelbahnsteig des Bahnhofs Hungen ab.
Dieser Bahnsteig wurde überflüssig, als 1959 der Personenverkehr endete.
Laubach: Bahnhof mit zwei Gesichtern
Ursprünglich lagen die Gleise des Bahnhofs Laubach auf der Nordseite des Empfangsgebäudes, der späteren Straßenseite.
Beim Bau der Strecke nach Mücke wurden sie auf die Südseite verlegt, nur ein Ladegleis blieb nördlich erhalten.
Das Empfangsgebäude hat zwei Stockwerke und seitlich angebaute Güterschuppen.
Vor 2011 wurde im Gebäude ein Jugendzentrum eingerichtet.
Der Abschnitt von Laubach nach Mücke, die Seentalbahn, verlor 1958 oder 1959 den Verkehr und wurde später abgebaut.
Zwischen Hungen und Laubach endete der Personenverkehr am 31. Mai 1959, der Güterverkehr am 31. Dezember 1997, 1999 folgte die Stilllegung.
Um das Jahr 2007 wurden die Gleise abgerissen, im Frühjahr 2010 entstand auf der Hungener Gemarkung ein Radweg auf der Trasse.

Villingen: Abzweig zur Friedrichshütte
In Villingen zweigte die Bahnstrecke Villingen bis Friedrichshütte von der Horlofftalbahn ab.
Die 4,53 Kilometer lange Nebenbahn über Ruppertsburg zur Eisengießerei Friedrichshütte wurde am 1. Juni 1890 als meterspurige Pferdebahn eröffnet.
Sie diente vor allem dem Güterverkehr der Friedrichshütte, die Güter mussten im Bahnhof Villingen umgeladen werden.
Später wurde die Strecke auf Normalspur umgebaut.
Der 1,42 Kilometer lange Abschnitt Ruppertsburg bis Friedrichshütte blieb Privatanschlussgleis und wurde 1929 aufgelassen, nachdem die chemische Fabrik ihre Produktion eingestellt hatte.
Der Rest der Nebenbahn wurde 1959 eingestellt.
Villingen gehört seit dem 1. Januar 1977 als Stadtteil zu Hungen, die Bahnstrecke nach Laubach ist heute ein Bahntrassenradweg.
Wölfersheim-Södel: noch in Betrieb
Wölfersheim-Södel ist nicht stillgelegt, sondern der Endpunkt der heute befahrenen Strecke ab Friedberg.
Der Bahnhof wurde 2008 zum Haltepunkt zurückgebaut, die Formsignale in Wölfersheim waren bis zu diesem Umbau noch beleuchtet.
2018 entstand ein neuer, barrierefreier Bahnsteig von 140 Metern Länge und 55 Zentimetern Höhe.
Der Halt liegt am Anfang des Abschnitts, der wieder in Betrieb gehen soll.


Berstadt-Wohnbach: der Kreuzungsbahnhof von morgen
Der Bahnhof Berstadt-Wohnbach wurde gemeinsam für beide Orte genutzt.
Für die Reaktivierung ist hier ein Kreuzungsbahnhof vorgesehen.
Der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt umfasst nach den Unterlagen auch den Neubau dieses Kreuzungsbahnhofs.
Die Strecke ist auf diesem Abschnitt laut Beschreibung fast lückenlos vorhanden und noch in relativ gutem Zustand, soll aber komplett erneuert werden.

Obbornhofen-Bellersheim und Inheiden: Verlegung wegen der Braunkohle
1968 musste die Strecke zwischen Inheiden und Berstadt-Wohnbach wegen des Braunkohleabbaus auf eine neue Trasse verlegt werden.
Das betraf auch den Haltepunkt Obbornhofen-Bellersheim, der am 9. Juni 1968 verlegt wurde.
Die alte Trasse ist abgebaut, aus der Luft aber noch zu erkennen.
Inheiden hatte einen Bahnhof an der Strecke, die dortige Station wurde 2003 stillgelegt, auch dieser Abschnitt soll reaktiviert werden.

Hungen: Knotenbahnhof mit Zukunft
Hungen war früher ein Eisenbahnknoten, davon zeugen die Reste des großzügig angelegten Bahnhofs mit eigener Güterabfertigung.
Haus- und Mittelbahnsteig wurden im Oktober 2017 für 4,7 Millionen Euro modernisiert, die Güterhalle wurde 2015 abgerissen.
Der Hausbahnsteig soll künftig von den Zügen der Horlofftalbahn genutzt werden, dafür muss er noch verlängert werden.
So sieht es jetzt aus
Zwischen Friedberg und Wölfersheim-Södel fahren Züge der Hessischen Landesbahn im Rhein-Main-Verkehrsverbund.
Zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen liegen die Gleise nach der Stilllegung 2003 weiter.
Im März 2011 erwarben die Anliegergemeinden den Abschnitt Wölfersheim bis Hungen nach neunmonatigen Verhandlungen von der Deutschen Bahn.
Im Winter 2011 auf 2012 wurde der Bewuchs der seit 2003 unbepflegten Strecke weitgehend entfernt.
Zwischen Hungen und Laubach verläuft ein Radweg auf der früheren Trasse.

Reaktivierung zwischen Wölfersheim und Hungen
2018 waren die Planungen laut Streckenbeschreibung in ein konkretes Stadium eingetreten, die Kosten wurden mit 20,7 Millionen Euro veranschlagt.
Im November 2025 wurde der Planfeststellungsbeschluss erlassen.
Eine Inbetriebnahme wurde zunächst für den 12. Dezember 2027 erwartet.
Im Oktober 2026 nannte eine Übersicht des Landes Hessen über Reaktivierungsprojekte den Dezember 2028.
Als Gründe für Verzögerungen nannte ein Bericht vom September 2025 den ausstehenden Planfeststellungsbeschluss und einen Biberdamm, der den Bahndamm aufweicht.
Bis dahin bleibt der Abschnitt Wölfersheim bis Hungen ohne Reisezüge.
Vorher und nachher: Obbornhofen-Bellersheim
Bis 1968 lag der Haltepunkt Obbornhofen-Bellersheim an der alten Trasse, dann wurde er mit der Strecke verlegt.
Der Braunkohleabbau hatte diese Verlegung erzwungen.
Heute ist die alte Trasse abgebaut und nur noch aus der Luft erkennbar, der Haltepunkt an der neuen Strecke ist ohne Reisezüge.
Die Geschichte in Daten
1890: Hungen bis Laubach eröffnet, Abzweig nach Friedrichshütte.
1897: Friedberg bis Hungen eröffnet.
1903: Strecke bis Mücke durchgehend befahrbar.
1936: Zweigleisiger Ausbau geplant, durch Kriegsereignisse unterblieben.
1959: Personenverkehr Hungen bis Laubach endet, Abzweig Villingen eingestellt.
1968: Verlegung der Strecke bei Obbornhofen-Bellersheim wegen Braunkohle.
1999: Abschnitt Hungen bis Laubach stillgelegt.
2003: Züge bis Hungen enden.
2011: Gemeinden erwerben den Abschnitt Wölfersheim bis Hungen.
2025: Planfeststellungsbeschluss.
Häufige Fragen
Fährt auf der Horlofftalbahn noch ein Zug?
Wann endete der Verkehr nach Laubach?
Gibt es noch Gleise zwischen Hungen und Laubach?
Wird der Abschnitt Wölfersheim bis Hungen wieder befahren?
Was war die Nebenbahn in Villingen?
Die Halte der Horlofftalbahn zeigen drei Schicksale: Radweg bei Laubach, Rückbau bei Villingen und Wartestand zwischen Wölfersheim und Hungen.
Wie weit die Reaktivierung gelingt, entscheidet sich in den kommenden Jahren.
Wikipedia: Bahnstrecke Friedberg–Mücke · Wikipedia: Bahnhof Hungen · Wikipedia: Bahnstrecke Villingen–Friedrichshütte · Wikipedia: Villingen (Hungen) · Wikipedia: Inheiden · hessenschau: Reaktivierung von Bahnstrecken, wenn sich Ihr Zug ein paar Jahre verspätet
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