Die stillen Halte des Odenwald-Express: Von Mosbach nach Mudau
Von 1905 bis 1973 fuhr eine meterspurige Schmalspurbahn von Mosbach nach Mudau. Heute führt die Wanderbahn über die Trasse, und einige Stationsgebäude stehen noch.

Lage: Neckar-Odenwald-Kreis, von Mosbach über Lohrbach, Fahrenbach und Limbach nach Mudau. Status: Meterspurige Schmalspurbahn, 27,51 Kilometer lang, am 3. Juni 1973 stillgelegt und abgebaut. Heute: Zwischen Hasbachtal und Mudau verläuft großteils der Wander- und Radweg Wanderbahn.
Die Bahnstrecke Mosbach–Mudau war eine meterspurige Schmalspurbahn im südöstlichen Odenwald.
Sie verband von 1905 bis 1973 Mosbach mit Mudau und war 27,51 Kilometer lang.
Auf der Strecke waren 305 Meter Höhenunterschied zu überwinden.
Im Volksmund hieß sie Odenwald-Express, Zügle, Bähnle, ’s Bembele oder Entenmörder.
Der letzte Name spielt auf die niedrige Geschwindigkeit an.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke durch, soweit etwas über sie belegt ist.
Alte Fotos unter freier Lizenz gibt es kaum, die Bilder zeigen vor allem den Zustand nach der Stilllegung.
Warum die Strecke entstand
Ab den 1890er Jahren gab es Bestrebungen, die Gegend um Mudau ans Eisenbahnnetz anzuschließen.
Der Teil Badens am Dreiländereck zu Hessen und Bayern war ohne Anbindung geblieben und litt unter Abwanderung.
Untersucht wurden zwei Varianten: eine von Mosbach nach Mudau und eine von Eberbach über Mudau nach Buchen.
Zu den treibenden Kräften der Variante nach Mosbach gehörte der Limbacher Lehrer Karl Trunzer.
1897 wurde ein Eisenbahnkomitee mit Vertretern aller Gemeinden an der Strecke gegründet.
Ein Gutachten vom März 1901 hielt die Strecke von Mosbach nach Mudau für die günstigere Variante.
Am 23. Juli 1902 erließ der badische Landtag das Gesetz zum Bau der Strecke.
Wegen der Kosten und der Landschaft wählte man die schmale Spur.
Die Badischen Staatseisenbahnen sollten Eigentümer sein, ließen die Bahn aber vom Berliner Unternehmen Vering & Waechter bauen und betreiben.
Der Vertrag kam am 21. Oktober 1902 zustande.
Für den Bau mussten 689 Grundstücke auf zwölf Gemarkungen erworben werden.
Allein in Fahrenbach waren 21 Zwangsenteignungsverfahren nötig.
Bau und Eröffnung
Die eigentlichen Bauarbeiten fanden 1904 statt.
Die größten Aufgaben waren 13 Brücken, die Bahnhofsanlagen in Mosbach und Mudau und Erdarbeiten.
Tunnel besaß die Strecke nicht.
Die größte Brücke war die Bieberklingenbrücke zwischen Hasbachtal und Lohrbach mit drei Pfeilern, sie existiert noch.
Im Winter kam es zu Hangrutschen, so dass die Bahndämme im Frühjahr 1905 nochmals überarbeitet werden mussten.
Am 31. Mai 1905 wurde die Strecke feierlich eröffnet, der reguläre Verkehr begann am 3. Juni 1905.
Mosbach: der Anfang auf dem Bahnhofsvorplatz
Die Strecke begann auf dem Vorplatz des alten Mosbacher Bahnhofs und teilte sich dort einen Bahnsteig mit dem Omnibusverkehr.
Die Schmalspurbahn hatte in Mosbach einen viergleisigen Güterbahnhof.
Auf Höhe des Bahnhofsvorplatzes lag ein Bahnsteig zum Umsteigen von der Strecke Neckarelz–Osterburken.
Der Lokschuppen und der Güterumschlag lagen wenige Meter weiter.
Nach etwa zwei Kilometern parallel zur Hauptbahn überbrückte die Schmalspurbahn diese.
Hasbachtal: der Haltepunkt für Ausflügler
Der Haltepunkt Hasbachtal war nach einem nahen Flusstal benannt und diente nur dem Freizeitverkehr.
Obwohl er kein Bahnhof war, besaß er anfangs ein Ausweichgleis.
Wegen geringer Nachfrage wurde er 1965 aufgegeben, acht Jahre vor der Stilllegung.
Sein Wartehäuschen dient heute als Wetterschutz für Wanderer.
Zwischen Hasbachtal und Sattelbach stieg die Strecke mit Steigungen von teilweise 1:40 deutlich an.
Lohrbach: Restaurant im Bahnhof
Lohrbach gehört seit dem 1. Dezember 1972 zu Mosbach.
Der Bahnhof besaß Anschluss- und Ladegleise.
Das frühere Empfangsgebäude beherbergt heute ein Restaurant.

Sattelbach: Honig und Wohnhaus
Der Bahnhof Sattelbach hatte Anschluss- und Ladegleise.
Auf seiner Höhe besaß die Honigfabrik Reimuth einen Gleisanschluss.
Das Stationsgebäude wurde in ein Wohnhaus umgewandelt.
Sattelbach ist neben Robern einer der Orte, an denen die Trasse nicht von Neubaugebieten umgeben wurde.

Fahrenbach: ein Ort mit vielen Enteignungen
Fahrenbach liegt im Tal des Trienzbachs, dem die Strecke von Fahrenbach bis Krumbach folgte.
Die Grundbesitzer dort lehnten den Bahnbau oder die vorgeschlagene Entschädigung fast alle ab.
Deshalb mussten 21 Zwangsenteignungsverfahren eingeleitet werden.
Zu dem Stationsgebäude selbst ist wenig belegt.

Trienz: Haltepunkt mit Ladegleis
Trienz war ein Haltepunkt und besaß ein Ladegleis für den Güterverkehr.
Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.
Im Trienzbachtal liegt eine frühere Bahnbrücke der Strecke, die heute als Wanderweg dient.

Robern: der Halt ohne Ort
Der Ort Robern lag etwa zwei Kilometer von seinem Haltepunkt entfernt.
Deshalb verzeichnete Robern im Personenverkehr nach Hasbachtal die geringste Nachfrage.
Es gab ein Ladegleis, doch der Gütertarifpunkt Robern wurde schon 1954 aufgehoben.
Krumbach: Grimmolith-Werk und Sportplatz
Der Bahnhof Krumbach bei Limbach besaß Anschluss- und Ladegleise.
In Krumbach hatte das Grimmolith-Werk der Firma Grimm einen Gleisanschluss.
Die Trasse wird dort heute durch einen Sportplatz unterbrochen.
Limbach: Lampenschirme als Hauptfracht
Limbach war ein Bahnhof mit besonders hohem Güteraufkommen.
Im Ort gab es insgesamt drei Lampenfabriken, deshalb waren Lampenschirme das wichtigste Transportgut.
Der Bahnhof besaß einen Güterschuppen und, wie Mosbach und Mudau, eine Rollwagengrube mit Dreischienengleis für Normalspurwagen.
Am Bahnhof steht ein Formsignal, das erst vor einigen Jahren symbolisch aufgestellt wurde, die Schmalspurbahn besaß nie solche Signale.

Laudenberg: Schirme und später Leuchten
Auch in Laudenberg wurden Lampenschirme und später Leuchten verladen.
Der Bahnhof besaß Anschluss- und Ladegleise.
Ab Laudenberg lag die Strecke vor der Gemeindereform von 1970 im Landkreis Buchen.
Langenelz: der letzte Halt vor Mudau
Ab Langenelz verlief die Strecke auf der Gemarkung von Mudau.
Weitere Angaben zu Langenelz sind nicht belegt.
Mudau: Betriebsmittelpunkt am Endpunkt
Mudau war der Endbahnhof und der Betriebsmittelpunkt der Strecke.
Dort standen ein Bahnhofs- und Verwaltungsgebäude, ein Lokomotiv- und ein Wagenschuppen und eine Werkstatt.
Der Bahnhof hatte zwei Anschlussgleise, ein weiteres führte zu einem Lagerhaus.
Das Gebäude ist erhalten, die nach dem Bahnhof benannte Straße führt in Mudau auf das Empfangsgebäude zu.




Die Dampflok 99 7202, eine der vier ursprünglichen Lokomotiven der Strecke, ist am Endbahnhof Mudau als Denkmal aufgestellt.
Alle vier ursprünglichen Dampflokomotiven blieben erhalten, die anderen drei stehen an anderen Orten.
Der Niedergang
Zum 1. April 1917 übernahm die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft den Betrieb, am 1. April 1926 begann der Rollwagenverkehr mit Normalspurwagen.
Seit dem 1. Mai 1931 führte die Reichsbahn den Betrieb selbst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entzog der Straßenverkehr der Bahn Fahrgäste, ebenso Omnibuslinien, die parallel fuhren.
Die Bundesbahn führte die meisten Fahrten per Bahnbus durch, so dass ab 1964 nur noch ein Zugpaar übrig blieb.
Im selben Jahr finanzierte das Land Baden-Württemberg zwei neue Diesellokomotiven der Baureihe V 52 und neue vierachsige Personenwagen.
Die Einnahmen blieben trotzdem zu gering.
Den Ausschlag gab die Elektrifizierung der Hauptbahn Neckarelz–Osterburken.
Die Schmalspurbahn kreuzte sie kurz vor dem Haltepunkt Hasbachtal auf einer Brücke, die für die neue Fahrleitung zu niedrig war.
Entweder die Nebenbahn hätte höher oder die Hauptbahn tiefer gelegt werden müssen.
Mit Wirkung zum 3. Juni 1973 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.
Bestrebungen, zwischen Lohrbach und Mudau eine Museumsbahn einzurichten, setzten sich nicht durch, die Strecke wurde abgebaut.
Die Wanderbahn heute
Seit dem 8. Juni 1980 dient die frühere Strecke zwischen Hasbachtal und Mudau großteils als Wander- und Bahntrassenradweg, der als Wanderbahn ausgeschildert ist.
Er führt über rund 27 Kilometer von Mosbach nach Mudau und überwindet etwa 300 Höhenmeter.
Während des Bahnbetriebs verlief die Trasse überall am Ortsrand, inzwischen ist sie an vielen Orten von Neubaugebieten umgeben.
Die Geschichte in Daten
23. Juli 1902: Der badische Landtag beschließt das Gesetz zum Bau der Strecke.
31. Mai 1905: Feierliche Eröffnung, regulärer Verkehr ab dem 3. Juni.
1. April 1917: Die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft übernimmt den Betrieb.
1. Mai 1931: Die Reichsbahn führt den Betrieb selbst.
1964: Nur noch ein Zugpaar, neue Diesellokomotiven der Baureihe V 52.
1965: Der Haltepunkt Hasbachtal wird aufgegeben.
3. Juni 1973: Der Gesamtverkehr wird eingestellt.
8. Juni 1980: Eröffnung der Wanderbahn.
Häufige Fragen
Wie lang war die Strecke Mosbach–Mudau?
Warum wurde die Bahn stillgelegt?
Fuhr die Bahn ohne Tunnel?
Kann man heute noch auf der Trasse gehen?
Gibt es eine erhaltene Lokomotive?
Der Odenwald-Express verschwand 1973 von den Gleisen, doch seine Trasse und mehrere Stationsgebäude geben der Region bis heute ihre Spuren zurück.
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