Die stillen Halte des Odenwald-Express: Von Mosbach nach Mudau

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte des Odenwald-Express: Von Mosbach nach Mudau

Von 1905 bis 1973 fuhr eine meterspurige Schmalspurbahn von Mosbach nach Mudau. Heute führt die Wanderbahn über die Trasse, und einige Stationsgebäude stehen noch.

Das frühere Empfangsgebäude des Endbahnhofs Mudau im November 2006.
Das frühere Empfangsgebäude des Endbahnhofs Mudau im November 2006. Foto: Ssch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1905
Feierliche Eröffnung
1964
Nur noch ein Zugpaar
1973
Gesamtverkehr eingestellt
1980
Wanderbahn eröffnet

Lage: Neckar-Odenwald-Kreis, von Mosbach über Lohrbach, Fahrenbach und Limbach nach Mudau. Status: Meterspurige Schmalspurbahn, 27,51 Kilometer lang, am 3. Juni 1973 stillgelegt und abgebaut. Heute: Zwischen Hasbachtal und Mudau verläuft großteils der Wander- und Radweg Wanderbahn.

Die Bahnstrecke Mosbach–Mudau war eine meterspurige Schmalspurbahn im südöstlichen Odenwald.

Sie verband von 1905 bis 1973 Mosbach mit Mudau und war 27,51 Kilometer lang.

Auf der Strecke waren 305 Meter Höhenunterschied zu überwinden.

Im Volksmund hieß sie Odenwald-Express, Zügle, Bähnle, ’s Bembele oder Entenmörder.

Der letzte Name spielt auf die niedrige Geschwindigkeit an.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke durch, soweit etwas über sie belegt ist.

Alte Fotos unter freier Lizenz gibt es kaum, die Bilder zeigen vor allem den Zustand nach der Stilllegung.

Warum die Strecke entstand

Ab den 1890er Jahren gab es Bestrebungen, die Gegend um Mudau ans Eisenbahnnetz anzuschließen.

Der Teil Badens am Dreiländereck zu Hessen und Bayern war ohne Anbindung geblieben und litt unter Abwanderung.

Untersucht wurden zwei Varianten: eine von Mosbach nach Mudau und eine von Eberbach über Mudau nach Buchen.

Zu den treibenden Kräften der Variante nach Mosbach gehörte der Limbacher Lehrer Karl Trunzer.

1897 wurde ein Eisenbahnkomitee mit Vertretern aller Gemeinden an der Strecke gegründet.

Ein Gutachten vom März 1901 hielt die Strecke von Mosbach nach Mudau für die günstigere Variante.

Am 23. Juli 1902 erließ der badische Landtag das Gesetz zum Bau der Strecke.

Wegen der Kosten und der Landschaft wählte man die schmale Spur.

Die Badischen Staatseisenbahnen sollten Eigentümer sein, ließen die Bahn aber vom Berliner Unternehmen Vering & Waechter bauen und betreiben.

Der Vertrag kam am 21. Oktober 1902 zustande.

Für den Bau mussten 689 Grundstücke auf zwölf Gemarkungen erworben werden.

Allein in Fahrenbach waren 21 Zwangsenteignungsverfahren nötig.

Bau und Eröffnung

Die eigentlichen Bauarbeiten fanden 1904 statt.

Die größten Aufgaben waren 13 Brücken, die Bahnhofsanlagen in Mosbach und Mudau und Erdarbeiten.

Tunnel besaß die Strecke nicht.

Die größte Brücke war die Bieberklingenbrücke zwischen Hasbachtal und Lohrbach mit drei Pfeilern, sie existiert noch.

Im Winter kam es zu Hangrutschen, so dass die Bahndämme im Frühjahr 1905 nochmals überarbeitet werden mussten.

Am 31. Mai 1905 wurde die Strecke feierlich eröffnet, der reguläre Verkehr begann am 3. Juni 1905.

Mosbach: der Anfang auf dem Bahnhofsvorplatz

Die Strecke begann auf dem Vorplatz des alten Mosbacher Bahnhofs und teilte sich dort einen Bahnsteig mit dem Omnibusverkehr.

Die Schmalspurbahn hatte in Mosbach einen viergleisigen Güterbahnhof.

Auf Höhe des Bahnhofsvorplatzes lag ein Bahnsteig zum Umsteigen von der Strecke Neckarelz–Osterburken.

Der Lokschuppen und der Güterumschlag lagen wenige Meter weiter.

Nach etwa zwei Kilometern parallel zur Hauptbahn überbrückte die Schmalspurbahn diese.

Hasbachtal: der Haltepunkt für Ausflügler

Der Haltepunkt Hasbachtal war nach einem nahen Flusstal benannt und diente nur dem Freizeitverkehr.

Obwohl er kein Bahnhof war, besaß er anfangs ein Ausweichgleis.

Wegen geringer Nachfrage wurde er 1965 aufgegeben, acht Jahre vor der Stilllegung.

Sein Wartehäuschen dient heute als Wetterschutz für Wanderer.

Zwischen Hasbachtal und Sattelbach stieg die Strecke mit Steigungen von teilweise 1:40 deutlich an.

Lohrbach: Restaurant im Bahnhof

Lohrbach gehört seit dem 1. Dezember 1972 zu Mosbach.

Der Bahnhof besaß Anschluss- und Ladegleise.

Das frühere Empfangsgebäude beherbergt heute ein Restaurant.

Das frühere Empfangsgebäude von Lohrbach im November 2006.
Das frühere Empfangsgebäude von Lohrbach im November 2006. Foto: Ssch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Sattelbach: Honig und Wohnhaus

Der Bahnhof Sattelbach hatte Anschluss- und Ladegleise.

Auf seiner Höhe besaß die Honigfabrik Reimuth einen Gleisanschluss.

Das Stationsgebäude wurde in ein Wohnhaus umgewandelt.

Sattelbach ist neben Robern einer der Orte, an denen die Trasse nicht von Neubaugebieten umgeben wurde.

Der frühere Bahnhof Sattelbach im November 2006.
Der frühere Bahnhof Sattelbach im November 2006. Foto: Ssch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fahrenbach: ein Ort mit vielen Enteignungen

Fahrenbach liegt im Tal des Trienzbachs, dem die Strecke von Fahrenbach bis Krumbach folgte.

Die Grundbesitzer dort lehnten den Bahnbau oder die vorgeschlagene Entschädigung fast alle ab.

Deshalb mussten 21 Zwangsenteignungsverfahren eingeleitet werden.

Zu dem Stationsgebäude selbst ist wenig belegt.

Das frühere Bahnhofsgebäude Fahrenbach im November 2006.
Das frühere Bahnhofsgebäude Fahrenbach im November 2006. Foto: Ssch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Trienz: Haltepunkt mit Ladegleis

Trienz war ein Haltepunkt und besaß ein Ladegleis für den Güterverkehr.

Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.

Im Trienzbachtal liegt eine frühere Bahnbrücke der Strecke, die heute als Wanderweg dient.

Die Trienzbachbrücke, eine frühere Bahnbrücke der Strecke Mosbach–Mudau, heute Teil eines Wanderwegs. Aufnahme vom Dezember 2023.
Die Trienzbachbrücke, eine frühere Bahnbrücke der Strecke Mosbach–Mudau, heute Teil eines Wanderwegs. Aufnahme vom Dezember 2023. Foto: Granpar, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Robern: der Halt ohne Ort

Der Ort Robern lag etwa zwei Kilometer von seinem Haltepunkt entfernt.

Deshalb verzeichnete Robern im Personenverkehr nach Hasbachtal die geringste Nachfrage.

Es gab ein Ladegleis, doch der Gütertarifpunkt Robern wurde schon 1954 aufgehoben.

Krumbach: Grimmolith-Werk und Sportplatz

Der Bahnhof Krumbach bei Limbach besaß Anschluss- und Ladegleise.

In Krumbach hatte das Grimmolith-Werk der Firma Grimm einen Gleisanschluss.

Die Trasse wird dort heute durch einen Sportplatz unterbrochen.

Limbach: Lampenschirme als Hauptfracht

Limbach war ein Bahnhof mit besonders hohem Güteraufkommen.

Im Ort gab es insgesamt drei Lampenfabriken, deshalb waren Lampenschirme das wichtigste Transportgut.

Der Bahnhof besaß einen Güterschuppen und, wie Mosbach und Mudau, eine Rollwagengrube mit Dreischienengleis für Normalspurwagen.

Am Bahnhof steht ein Formsignal, das erst vor einigen Jahren symbolisch aufgestellt wurde, die Schmalspurbahn besaß nie solche Signale.

Der frühere Bahnhof Limbach mit dem später aufgestellten Formsignal, November 2006.
Der frühere Bahnhof Limbach mit dem später aufgestellten Formsignal, November 2006. Foto: Ssch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Laudenberg: Schirme und später Leuchten

Auch in Laudenberg wurden Lampenschirme und später Leuchten verladen.

Der Bahnhof besaß Anschluss- und Ladegleise.

Ab Laudenberg lag die Strecke vor der Gemeindereform von 1970 im Landkreis Buchen.

Langenelz: der letzte Halt vor Mudau

Ab Langenelz verlief die Strecke auf der Gemarkung von Mudau.

Weitere Angaben zu Langenelz sind nicht belegt.

Mudau: Betriebsmittelpunkt am Endpunkt

Mudau war der Endbahnhof und der Betriebsmittelpunkt der Strecke.

Dort standen ein Bahnhofs- und Verwaltungsgebäude, ein Lokomotiv- und ein Wagenschuppen und eine Werkstatt.

Der Bahnhof hatte zwei Anschlussgleise, ein weiteres führte zu einem Lagerhaus.

Das Gebäude ist erhalten, die nach dem Bahnhof benannte Straße führt in Mudau auf das Empfangsgebäude zu.

VORHER · 2007

Der alte Bahnhof Mudau im Januar 2007.

Der alte Bahnhof Mudau im Januar 2007. Foto: Immanuel Giel, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2020

Der alte Bahnhof Mudau am 1. Januar 2020.

Der alte Bahnhof Mudau am 1. Januar 2020. Foto: NearEMPTiness, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die nach dem früheren Bahnhof benannte Straße Bahnhofsallee in Mudau, aufgenommen 2022.
Die nach dem früheren Bahnhof benannte Straße Bahnhofsallee in Mudau, aufgenommen 2022. Foto: Granpar, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Dampflokomotive 99 7202 am Bahnhof Mudau, aufgenommen 2005.
Die Dampflokomotive 99 7202 am Bahnhof Mudau, aufgenommen 2005. Foto: Schwing, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Dampflok 99 7202, eine der vier ursprünglichen Lokomotiven der Strecke, ist am Endbahnhof Mudau als Denkmal aufgestellt.

Alle vier ursprünglichen Dampflokomotiven blieben erhalten, die anderen drei stehen an anderen Orten.

Der Niedergang

Zum 1. April 1917 übernahm die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft den Betrieb, am 1. April 1926 begann der Rollwagenverkehr mit Normalspurwagen.

Seit dem 1. Mai 1931 führte die Reichsbahn den Betrieb selbst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entzog der Straßenverkehr der Bahn Fahrgäste, ebenso Omnibuslinien, die parallel fuhren.

Die Bundesbahn führte die meisten Fahrten per Bahnbus durch, so dass ab 1964 nur noch ein Zugpaar übrig blieb.

Im selben Jahr finanzierte das Land Baden-Württemberg zwei neue Diesellokomotiven der Baureihe V 52 und neue vierachsige Personenwagen.

Die Einnahmen blieben trotzdem zu gering.

Den Ausschlag gab die Elektrifizierung der Hauptbahn Neckarelz–Osterburken.

Die Schmalspurbahn kreuzte sie kurz vor dem Haltepunkt Hasbachtal auf einer Brücke, die für die neue Fahrleitung zu niedrig war.

Entweder die Nebenbahn hätte höher oder die Hauptbahn tiefer gelegt werden müssen.

Mit Wirkung zum 3. Juni 1973 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.

Bestrebungen, zwischen Lohrbach und Mudau eine Museumsbahn einzurichten, setzten sich nicht durch, die Strecke wurde abgebaut.

Die Wanderbahn heute

Seit dem 8. Juni 1980 dient die frühere Strecke zwischen Hasbachtal und Mudau großteils als Wander- und Bahntrassenradweg, der als Wanderbahn ausgeschildert ist.

Er führt über rund 27 Kilometer von Mosbach nach Mudau und überwindet etwa 300 Höhenmeter.

Während des Bahnbetriebs verlief die Trasse überall am Ortsrand, inzwischen ist sie an vielen Orten von Neubaugebieten umgeben.

Die Geschichte in Daten

23. Juli 1902: Der badische Landtag beschließt das Gesetz zum Bau der Strecke.

31. Mai 1905: Feierliche Eröffnung, regulärer Verkehr ab dem 3. Juni.

1. April 1917: Die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft übernimmt den Betrieb.

1. Mai 1931: Die Reichsbahn führt den Betrieb selbst.

1964: Nur noch ein Zugpaar, neue Diesellokomotiven der Baureihe V 52.

1965: Der Haltepunkt Hasbachtal wird aufgegeben.

3. Juni 1973: Der Gesamtverkehr wird eingestellt.

8. Juni 1980: Eröffnung der Wanderbahn.

Häufige Fragen

Wie lang war die Strecke Mosbach–Mudau?
Sie war 27,51 Kilometer lang und meterspurig.
Warum wurde die Bahn stillgelegt?
Die Fahrgäste blieben aus, und die Elektrifizierung der Hauptbahn Neckarelz–Osterburken machte die Brücke der Schmalspurbahn zu niedrig.
Fuhr die Bahn ohne Tunnel?
Ja. Die Strecke hatte 13 Brücken, aber keine Tunnel.
Kann man heute noch auf der Trasse gehen?
Ja. Zwischen Hasbachtal und Mudau verläuft großteils der Wander- und Radweg Wanderbahn.
Gibt es eine erhaltene Lokomotive?
Ja. Die Dampflok 99 7202 steht als Denkmal in Mudau, die drei anderen Dampfloks der Strecke blieben ebenfalls erhalten.

Der Odenwald-Express verschwand 1973 von den Gleisen, doch seine Trasse und mehrere Stationsgebäude geben der Region bis heute ihre Spuren zurück.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Mosbach–Mudau · Wikipedia: Mudau · Wikipedia: Limbach (Baden) · Wikipedia: Fahrenbach · Wikipedia: Lohrbach

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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