Öchsle: Die Halte der Schmalspurbahn zwischen Warthausen und Ochsenhausen
Die Öchsle-Bahn fuhr bis 1964 im Regelverkehr, heute ist sie eine Museumsbahn. Ein Rundgang durch ihre Halte, von denen manche ihren Zug verloren haben.


Lage: Landkreis Biberach, zwischen Warthausen, Maselheim und Ochsenhausen. Status: Museumsbahn auf dem erhaltenen Abschnitt, der Regelverkehr ist eingestellt. Heute: Parallel zur Strecke führt der Öchsle-Radweg.
Das Öchsle ist eine württembergische Schmalspurbahn mit 750 Millimetern Spurweite zwischen Biberach an der Riß und Ochsenhausen.
Der erhaltene Abschnitt von Warthausen nach Ochsenhausen ist seit 1985 eine Museumseisenbahn und damit nicht tot.
Stillgelegt ist der Regelverkehr, der Personenverkehr endete 1964 und der Güterverkehr 1983.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke einzeln durch und sagt bei jedem, was belegt ist.
Herrlishöfen und Barabein verloren schon 1959 ihre Halte, Sulmingen 1962.
Freie Bilder aus der Zeit des Regelbetriebs sind selten, die älteren Fotos stammen aus den Jahren 1981 und 1982.
Entstehung
Schon 1879 beschäftigten sich die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen mit einer Bahn von Biberach über Ochsenhausen nach Memmingen.
Nachdem sich diese Pläne zerschlagen hatten, gründete sich 1889 ein örtliches Eisenbahn-Komitee.
1893 ging eine erste Petition an den Landtag, für eine normalspurige Nebenbahn von Biberach nach Ochsenhausen.
Ins Gesetz vom 7. Juni 1897 wurde das Vorhaben nur als Schmalspurbahn aufgenommen.
Am 29. November 1899 wurde zuerst der Abschnitt Warthausen–Ochsenhausen eröffnet, am 1. März 1900 folgte die Strecke nach Biberach.
Die erste Ausstattung bestand aus zwei Mallet-Dampflokomotiven, acht zweiachsigen Personenwagen und zwei Gepäckwagen.
Dazu kamen Spezialwagen für Langholz und drei Rollschemelpaare, mit denen Normalspurwagen befördert wurden.
Anfangs fuhren täglich in jeder Richtung zwei Personenzüge und ein gemischter Zug.
Die gesamte Strecke von Biberach nach Ochsenhausen war 22,22 Kilometer lang.
Ihren Scheitelpunkt erreicht sie mit 598 Metern zwischen Wennedach und Reinstetten, die Steigung beträgt dort bis zu 1 zu 40.
Herrlishöfen und Barabein
Herrlishöfen lag bei Kilometer 4,49 hinter Warthausen auf 529 Metern Höhe.
Barabein folgte bei Kilometer 6,03 auf 539 Metern Höhe.
Beide waren Bedarfshalte.
1959 wurden die Haltepunkte Herrlishöfen und Barabein aufgehoben.
Mehr ist zu diesen beiden Halten nicht belegt.
Äpfingen
Der Bahnhof Äpfingen lag bei Kilometer 8,25 auf 532 Metern Höhe.
Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.
Vor 1964 wurde der Bahnhof zu einem unbesetzten Haltepunkt, private Anschlussgleise wurden weiter bedient.
Nach der Übernahme durch die Museumsbahn wurden die Gütergleise in Äpfingen entfernt und die freien Grundstücke verkauft.

Sulmingen
Der Haltepunkt Sulmingen lag bei Kilometer 9,01 auf 546 Metern Höhe.
Er war ein Bedarfshalt und wurde 1962 aufgehoben.
Am Ortsrand von Sulmingen liegt eine Haltestelle der Öchsle-Bahn.

Maselheim
Maselheim bekam 1899 durch die Öchsle-Bahn Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Der Bahnhof lag bei Kilometer 11,39 auf 555 Metern Höhe.
Das Bahnhofsgebäude wurde wie das in Äpfingen als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.
Auch Maselheim wurde vor 1964 zum unbesetzten Haltepunkt, private Anschlussgleise wurden weiter bedient.
Das Gebäude wird heute nicht mehr als Bahnhof genutzt, es besteht aber ein Haltepunkt der Museumsbahn.


Reinstetten
Reinstetten gehört zur Stadt Ochsenhausen, der Halt lag bei Kilometer 17,71 auf 560 Metern Höhe.
Wie Äpfingen und Maselheim wurde er vor 1964 zum unbesetzten Haltepunkt.
Private Anschlussgleise wurden dort weiter bedient.
Auch dort wurden die Gütergleise nach der Übernahme durch die Museumsbahn entfernt.
Heute ist Reinstetten nur noch ein Haltepunkt.


Ochsenhausen
Ochsenhausen ist der Endpunkt der Strecke bei Kilometer 22,22 auf 578 Metern Höhe.
Das Bahnhofsgebäude ist ein Württembergischer Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.
1920 ging in Ochsenhausen ein Güterbahnhof mit normal- und schmalspurigen Ladegleisen und zwei Rollschemelgruben in Betrieb.
In den letzten Kriegstagen wurde der Bahnhof bei Angriffen von Jagdbombern beschädigt.
Nach dem Krieg brachte vor allem das Kühltechnik-Werk von Liebherr in Ochsenhausen einen Aufschwung im Güterverkehr.
Eine erhöhte und überdachte Laderampe erleichterte das Beladen der aufgeschemelten Güterwagen.
Nach der Übernahme durch die Museumsbahn wurden die Gütergleise des Güterbahnhofs entfernt und die freien Grundstücke verkauft.
Heute sind der Bahnhof und das Betriebswerk Teil der Museumsbahn.


Niedergang und Ende
1954 begann die Deutsche Bundesbahn, den Betrieb durch ein ausgedünntes Fahrplanangebot und Bahnbusse zu rationalisieren.
Am 31. Mai 1964 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt.
Er war durch den Individualverkehr und eine Kraftpostlinie bedeutungslos geworden.
Der Abschnitt Biberach–Warthausen verlor damit seinen gesamten Verkehr und wurde kurz darauf abgebaut.
Ende 1964 lösten Dieselloks die Dampflokomotiven ab, 1969 endete der gelegentliche Dampfbetrieb.
Im Jahr 1981 leitete die Bundesbahn ein Stilllegungsverfahren ein.
Am 31. März 1983 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.
So sieht es jetzt aus: die Museumsbahn
Der Verein Öchsle Schmalspurbahn verhinderte den Abbau der Strecke.
Die Anliegergemeinden und der Landkreis Biberach erwarben sie.
Am 29. Juni 1985 nahm die Museumsbahn den Betrieb zwischen Warthausen und Ochsenhausen auf.
Ende 1991 stellte die erste Betriebsgesellschaft den Betrieb ein, nachdem die Eisenbahnaufsicht wegen Mängeln einen Weiterbetrieb untersagt hatte.
Am 25. Juni 1996 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, Ende 2000 sperrte ihn die Landeseisenbahnaufsicht wegen Oberbaumängeln erneut.
Am 1. Mai 2002 begann der Fahrbetrieb ein drittes Mal.
Seit 2006 beginnen und enden die Züge in Warthausen, wo ein neuer Lokschuppen entstand.
Die Zahl der Fahrgäste stieg in den letzten Jahren auf über 40.000 im Jahr.
2020 erhielt der Trägerverein den Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.
Die Geschichte in Daten
7. Juni 1897: Das Gesetz nimmt die Bahn als Schmalspurbahn auf.
29. November 1899: Eröffnung Warthausen–Ochsenhausen.
1. März 1900: Eröffnung Biberach–Warthausen.
1959: Die Haltepunkte Herrlishöfen und Barabein werden aufgehoben.
1962: Der Haltepunkt Sulmingen wird aufgehoben.
31. Mai 1964: Der Personenverkehr wird eingestellt.
31. März 1983: Der Gesamtverkehr wird eingestellt.
29. Juni 1985: Beginn des Museumsbetriebs.
1. Mai 2002: Der Fahrbetrieb beginnt zum dritten Mal.
2006: Neuer Lokschuppen in Warthausen.
Häufige Fragen
Ist das Öchsle stillgelegt?
Welche Spurweite hat das Öchsle?
Wann endete der Personenverkehr?
Wie lang ist die Strecke?
Was blieb vom Abschnitt nach Biberach?
Das Öchsle fährt heute als Museumsbahn weiter.
Seine Halte zeigen, wie nah Regelverkehr, Stilllegung und Museumsbetrieb beieinander liegen.
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