Öchsle: Die Halte der Schmalspurbahn zwischen Warthausen und Ochsenhausen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Öchsle: Die Halte der Schmalspurbahn zwischen Warthausen und Ochsenhausen

Die Öchsle-Bahn fuhr bis 1964 im Regelverkehr, heute ist sie eine Museumsbahn. Ein Rundgang durch ihre Halte, von denen manche ihren Zug verloren haben.

VORHER · 1982

Der Bahnhof Ochsenhausen am 27. August 1982 mit einem Güterzug.

Der Bahnhof Ochsenhausen am 27. August 1982 mit einem Güterzug. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2019

Der Bahnhof Ochsenhausen als Bahnhof und Betriebswerk der Museumsbahn.

Der Bahnhof Ochsenhausen als Bahnhof und Betriebswerk der Museumsbahn. Foto: twue70, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1899
Eröffnung Warthausen–Ochsenhausen
750 mm
Spurweite
1964
Letzter Regel-Personenzug
1985
Museumsbahn

Lage: Landkreis Biberach, zwischen Warthausen, Maselheim und Ochsenhausen. Status: Museumsbahn auf dem erhaltenen Abschnitt, der Regelverkehr ist eingestellt. Heute: Parallel zur Strecke führt der Öchsle-Radweg.

Das Öchsle ist eine württembergische Schmalspurbahn mit 750 Millimetern Spurweite zwischen Biberach an der Riß und Ochsenhausen.

Der erhaltene Abschnitt von Warthausen nach Ochsenhausen ist seit 1985 eine Museumseisenbahn und damit nicht tot.

Stillgelegt ist der Regelverkehr, der Personenverkehr endete 1964 und der Güterverkehr 1983.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke einzeln durch und sagt bei jedem, was belegt ist.

Herrlishöfen und Barabein verloren schon 1959 ihre Halte, Sulmingen 1962.

Freie Bilder aus der Zeit des Regelbetriebs sind selten, die älteren Fotos stammen aus den Jahren 1981 und 1982.

Entstehung

Schon 1879 beschäftigten sich die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen mit einer Bahn von Biberach über Ochsenhausen nach Memmingen.

Nachdem sich diese Pläne zerschlagen hatten, gründete sich 1889 ein örtliches Eisenbahn-Komitee.

1893 ging eine erste Petition an den Landtag, für eine normalspurige Nebenbahn von Biberach nach Ochsenhausen.

Ins Gesetz vom 7. Juni 1897 wurde das Vorhaben nur als Schmalspurbahn aufgenommen.

Am 29. November 1899 wurde zuerst der Abschnitt Warthausen–Ochsenhausen eröffnet, am 1. März 1900 folgte die Strecke nach Biberach.

Die erste Ausstattung bestand aus zwei Mallet-Dampflokomotiven, acht zweiachsigen Personenwagen und zwei Gepäckwagen.

Dazu kamen Spezialwagen für Langholz und drei Rollschemelpaare, mit denen Normalspurwagen befördert wurden.

Anfangs fuhren täglich in jeder Richtung zwei Personenzüge und ein gemischter Zug.

Die gesamte Strecke von Biberach nach Ochsenhausen war 22,22 Kilometer lang.

Ihren Scheitelpunkt erreicht sie mit 598 Metern zwischen Wennedach und Reinstetten, die Steigung beträgt dort bis zu 1 zu 40.

Herrlishöfen und Barabein

Herrlishöfen lag bei Kilometer 4,49 hinter Warthausen auf 529 Metern Höhe.

Barabein folgte bei Kilometer 6,03 auf 539 Metern Höhe.

Beide waren Bedarfshalte.

1959 wurden die Haltepunkte Herrlishöfen und Barabein aufgehoben.

Mehr ist zu diesen beiden Halten nicht belegt.

Äpfingen

Der Bahnhof Äpfingen lag bei Kilometer 8,25 auf 532 Metern Höhe.

Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.

Vor 1964 wurde der Bahnhof zu einem unbesetzten Haltepunkt, private Anschlussgleise wurden weiter bedient.

Nach der Übernahme durch die Museumsbahn wurden die Gütergleise in Äpfingen entfernt und die freien Grundstücke verkauft.

Der Bahnhof Äpfingen der Öchsle-Bahn, aufgenommen 2008.
Der Bahnhof Äpfingen der Öchsle-Bahn, aufgenommen 2008. Foto: Kauk0r, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Sulmingen

Der Haltepunkt Sulmingen lag bei Kilometer 9,01 auf 546 Metern Höhe.

Er war ein Bedarfshalt und wurde 1962 aufgehoben.

Am Ortsrand von Sulmingen liegt eine Haltestelle der Öchsle-Bahn.

Die Öchsle-Haltestelle am Ortsrand von Sulmingen, aufgenommen 2008.
Die Öchsle-Haltestelle am Ortsrand von Sulmingen, aufgenommen 2008. Foto: Kauk0r, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Maselheim

Maselheim bekam 1899 durch die Öchsle-Bahn Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 11,39 auf 555 Metern Höhe.

Das Bahnhofsgebäude wurde wie das in Äpfingen als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.

Auch Maselheim wurde vor 1964 zum unbesetzten Haltepunkt, private Anschlussgleise wurden weiter bedient.

Das Gebäude wird heute nicht mehr als Bahnhof genutzt, es besteht aber ein Haltepunkt der Museumsbahn.

VORHER · 2008

Der Bahnhof Maselheim der Öchsle-Bahn im Jahr 2008.

Der Bahnhof Maselheim der Öchsle-Bahn im Jahr 2008. Foto: Kauk0r, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2019

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Maselheim 2019.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Maselheim 2019. Foto: twue70, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Reinstetten

Reinstetten gehört zur Stadt Ochsenhausen, der Halt lag bei Kilometer 17,71 auf 560 Metern Höhe.

Wie Äpfingen und Maselheim wurde er vor 1964 zum unbesetzten Haltepunkt.

Private Anschlussgleise wurden dort weiter bedient.

Auch dort wurden die Gütergleise nach der Übernahme durch die Museumsbahn entfernt.

Heute ist Reinstetten nur noch ein Haltepunkt.

Ein Güterzug mit der Lok 251 903 bei der Einfahrt in Reinstetten am 25. September 1981.
Ein Güterzug mit der Lok 251 903 bei der Einfahrt in Reinstetten am 25. September 1981. Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Haltepunkt Reinstetten im Mai 2012.
Der Haltepunkt Reinstetten im Mai 2012. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ochsenhausen

Ochsenhausen ist der Endpunkt der Strecke bei Kilometer 22,22 auf 578 Metern Höhe.

Das Bahnhofsgebäude ist ein Württembergischer Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.

1920 ging in Ochsenhausen ein Güterbahnhof mit normal- und schmalspurigen Ladegleisen und zwei Rollschemelgruben in Betrieb.

In den letzten Kriegstagen wurde der Bahnhof bei Angriffen von Jagdbombern beschädigt.

Nach dem Krieg brachte vor allem das Kühltechnik-Werk von Liebherr in Ochsenhausen einen Aufschwung im Güterverkehr.

Eine erhöhte und überdachte Laderampe erleichterte das Beladen der aufgeschemelten Güterwagen.

Nach der Übernahme durch die Museumsbahn wurden die Gütergleise des Güterbahnhofs entfernt und die freien Grundstücke verkauft.

Heute sind der Bahnhof und das Betriebswerk Teil der Museumsbahn.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ochsenhausen von der Straßenseite, 2015.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ochsenhausen von der Straßenseite, 2015. Foto: Wald-Burger8, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Lokschuppen in Ochsenhausen am 6. Juli 1985.
Der Lokschuppen in Ochsenhausen am 6. Juli 1985. Foto: Wolfgang Gschnitzer, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

1954 begann die Deutsche Bundesbahn, den Betrieb durch ein ausgedünntes Fahrplanangebot und Bahnbusse zu rationalisieren.

Am 31. Mai 1964 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt.

Er war durch den Individualverkehr und eine Kraftpostlinie bedeutungslos geworden.

Der Abschnitt Biberach–Warthausen verlor damit seinen gesamten Verkehr und wurde kurz darauf abgebaut.

Ende 1964 lösten Dieselloks die Dampflokomotiven ab, 1969 endete der gelegentliche Dampfbetrieb.

Im Jahr 1981 leitete die Bundesbahn ein Stilllegungsverfahren ein.

Am 31. März 1983 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.

So sieht es jetzt aus: die Museumsbahn

Der Verein Öchsle Schmalspurbahn verhinderte den Abbau der Strecke.

Die Anliegergemeinden und der Landkreis Biberach erwarben sie.

Am 29. Juni 1985 nahm die Museumsbahn den Betrieb zwischen Warthausen und Ochsenhausen auf.

Ende 1991 stellte die erste Betriebsgesellschaft den Betrieb ein, nachdem die Eisenbahnaufsicht wegen Mängeln einen Weiterbetrieb untersagt hatte.

Am 25. Juni 1996 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, Ende 2000 sperrte ihn die Landeseisenbahnaufsicht wegen Oberbaumängeln erneut.

Am 1. Mai 2002 begann der Fahrbetrieb ein drittes Mal.

Seit 2006 beginnen und enden die Züge in Warthausen, wo ein neuer Lokschuppen entstand.

Die Zahl der Fahrgäste stieg in den letzten Jahren auf über 40.000 im Jahr.

2020 erhielt der Trägerverein den Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

Die Geschichte in Daten

7. Juni 1897: Das Gesetz nimmt die Bahn als Schmalspurbahn auf.

29. November 1899: Eröffnung Warthausen–Ochsenhausen.

1. März 1900: Eröffnung Biberach–Warthausen.

1959: Die Haltepunkte Herrlishöfen und Barabein werden aufgehoben.

1962: Der Haltepunkt Sulmingen wird aufgehoben.

31. Mai 1964: Der Personenverkehr wird eingestellt.

31. März 1983: Der Gesamtverkehr wird eingestellt.

29. Juni 1985: Beginn des Museumsbetriebs.

1. Mai 2002: Der Fahrbetrieb beginnt zum dritten Mal.

2006: Neuer Lokschuppen in Warthausen.

Häufige Fragen

Ist das Öchsle stillgelegt?
Der Regelverkehr ist eingestellt, der Abschnitt Warthausen–Ochsenhausen wird seit 1985 als Museumsbahn betrieben.
Welche Spurweite hat das Öchsle?
750 Millimeter.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 31. Mai 1964.
Wie lang ist die Strecke?
Biberach–Ochsenhausen waren 22,22 Kilometer.
Was blieb vom Abschnitt nach Biberach?
Der Abschnitt Biberach–Warthausen wurde nach 1964 kurz darauf abgebaut.

Das Öchsle fährt heute als Museumsbahn weiter.

Seine Halte zeigen, wie nah Regelverkehr, Stilllegung und Museumsbetrieb beieinander liegen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Öchsle (Bahn) · Wikipedia: Maselheim · Wikipedia: Äpfingen · Wikipedia: Warthausen · Wikipedia: Ochsenhausen · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen zum Öchsle

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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