Die Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle: stille Halte am Weg zur böhmischen Grenze

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle: stille Halte am Weg zur böhmischen Grenze

Von Waldkirchen führte die Zweigbahn über Jandelsbrunn und Frauenberg bis zur Grenze bei Haidmühle. Seit 1963 fahren dort keine Personenzüge mehr, auf der Trasse verläuft der Adalbert-Stifter-Radweg.

Der Adalbert-Stifter-Radweg unter einer Steinbogenbrücke, aufgenommen 2013.
Der Adalbert-Stifter-Radweg unter einer Steinbogenbrücke, aufgenommen 2013. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1910
Strecke eröffnet
1963
Personenverkehr eingestellt
1975
Güterverkehr bis Jandelsbrunn endet
1995
Letzter Abschnitt stillgelegt

Lage: Niederbayern, von Waldkirchen bis zur Grenze bei Haidmühle. Status: Die Strecke ist stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf der Trasse verläuft der Adalbert-Stifter-Radweg bis Haidmühle.

Die Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle war eine Nebenbahn in Bayern, die in Waldkirchen von der Ilztalbahn Passau–Freyung abzweigte.

Sie führte nach Haidmühle im Böhmerwald und hatte dort Anschluss an die böhmische Strecke Richtung Wallern.

Die Strecke ist stillgelegt und später komplett abgebaut worden.

Dieser Beitrag geht die stillen Halte durch: Erlauzwiesel, Wollaberg, Jandelsbrunn, Neureichenau, Frauenberg und Haidmühle.

Alte freie Fotos der Halte liegen nicht vor, darum zeigen die Bilder die Trasse als Radweg aus dem Jahr 2013.

Entstehung: der Weg nach Böhmen

1895 gründete sich das Eisenbahnkomitee Breitenberg, das eine Strecke über Waldkirchen, Neureichenau und Breitenberg bis nach Aigen-Schlägl in Oberösterreich anstrebte.

Auf böhmischer Seite wollte die Wallerner Bahnkommission die 1900 eröffnete Linie von Prachatitz nach Wallern mit den bayerischen Strecken verbinden.

Nach zähen Verhandlungen entschied man sich für die Verbindung nach Böhmen und ließ die nach Oberösterreich fallen.

Am 14. Juli 1903 fand die erste Versammlung der Gemeinden entlang der Strecke statt.

Am 10. August 1904 genehmigte die Bayerische Staatsregierung den Bau einer 26,9 Kilometer langen Zweigbahn von Waldkirchen bis zur böhmischen Grenze hinter Haidmühle und übernahm die Finanzierung.

Eine Rendite hatte man für die 3,6 Millionen Mark teure Strecke nicht errechnet, gebaut wurde sie wegen des Anschlusses an das böhmische Bahnnetz.

Der Staatsvertrag mit Österreich vom 22. November 1904 sicherte in Haidmühle den Anschluss an die böhmische Nebenbahn nach Schwarzes Kreuz.

Die Strecke wurde Anfang November 1910 fertiggestellt.

Nach einem Probezug am 8. November wurde sie am 15. November 1910 offiziell eröffnet.

Der Bahnhof Waldkirchen an der Ilztalbahn, von dem die Strecke abzweigte.
Der Bahnhof Waldkirchen an der Ilztalbahn, von dem die Strecke abzweigte. Foto: Peter Wolf, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Lokalbahn im Schneeloch

Die Strecke führte von Waldkirchen zunächst nach Osten bis Neureichenau und weiter nach Nordosten zur Grenzstation.

Zwischen Waldkirchen und dem höchsten Punkt in Frauenberg waren 330 Meter Höhenunterschied zu überwinden.

In den ersten Betriebsjahren und nach der Annexion des Sudetenlandes liefen durchgehende Züge von Passau nach Haidmühle.

Wegen der geringen zulässigen Achslast kamen bayerische Lokalbahnlokomotiven zum Einsatz, im Güterverkehr vor allem die BB II des Bahnbetriebswerks Passau.

Ab Anfang der 1930er-Jahre fuhren bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs auch zweiachsige Dieseltriebwagen der Baureihen VT 135 und VT 137 mit Beiwagen nach Haidmühle.

Die Gegend um den Dreisessel gilt als „Schneeloch“ mit besonders starken Schneefällen.

Oft wurden früher die Bevölkerung oder das Militär zum Freischaufeln der Strecke eingesetzt.

Im sogenannten Rekordwinter 1969/70 blieben mitunter Schneeschleudern liegen.

Nach der Streckensanierung übernahmen Lokomotiven der Baureihen 64 und 86, später vor allem Diesellokomotiven der Baureihen 211 und 212 den Zugbetrieb, im Personenverkehr fuhren Uerdinger Schienenbusse.

Erlauzwiesel

Erlauzwiesel hatte bei Streckenkilometer 3,6 einen eigenen Haltepunkt.

Der Name geht auf den Zusammenfluss mehrerer Bäche zurück, hier vereinigen sich Reichermühlbach, Ziegelstadelbach und Scheuerbach zum Saussbach.

Der Ort gehörte nach der Säkularisation zur Gemeinde Ratzing und kam am 1. Juli 1970 zur Stadt Waldkirchen.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Ein Abschnitt des Adalbert-Stifter-Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse.
Ein Abschnitt des Adalbert-Stifter-Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wollaberg

Wollaberg war ein Haltepunkt bei Kilometer 6,5.

Der Ort ist ein Gemeindeteil von Jandelsbrunn und ein Wallfahrtsort auf 762 Metern Höhe.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Jandelsbrunn

Der Bahnhof Jandelsbrunn lag bei Kilometer 8,42 und bestand von 1910 bis 1963 als Personenbahnhof.

Danach wurde er noch für den Gütertransport genutzt.

Der Wohnwagenhersteller Knaus Tabbert in Jandelsbrunn sorgte bis zuletzt für Güteraufkommen.

Zwischen Jandelsbrunn und Waldkirchen endete der Güterverkehr zum 1. Oktober 1995, andere Angaben nennen 1994.

Das Eisenbahn-Bundesamt entwidmete die Strecke von Waldkirchen bis Jandelsbrunn mit Bescheid vom 16. Mai 2001 zum 18. Mai 2001.

Die Gleise wurden abgebaut, die Trasse wurde zum Radweg.

Der Adalbert-Stifter-Radweg im Wald.
Der Adalbert-Stifter-Radweg im Wald. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Neureichenau

Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Neureichenau lagen zwei Stationen, Neureichenau bei Kilometer 14,8 und Altreichenau bei Kilometer 17,9.

Davor lag bei Kilometer 11,2 der Haltepunkt Spitzenberg.

1945 endete der grenzüberschreitende Verkehr.

Bis 1963 fuhren noch Personenzüge nach Waldkirchen.

Der Güterverkehr wurde 1975 oberhalb von Jandelsbrunn stillgelegt.

Die Strecke wurde abgebaut und in einen Radweg umgewandelt.

Der Adalbert-Stifter-Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse.
Der Adalbert-Stifter-Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Weiterer Abschnitt des Adalbert-Stifter-Radwegs.
Weiterer Abschnitt des Adalbert-Stifter-Radwegs. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Frauenberg

Der Bahnhof Frauenberg lag bei Kilometer 21,0 und war der höchste Punkt der Strecke.

Von Waldkirchen aus waren bis hierher 330 Meter Höhenunterschied zu überwinden, einschließlich verlorener Steigungen sogar 346 Meter.

Weitere Angaben zum Bahnhof sind nicht belegt.

Der Adalbert-Stifter-Radweg.
Der Adalbert-Stifter-Radweg. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Haidmühle

Der Bahnhof Haidmühle bei Kilometer 25,3 war der Grenzbahnhof.

Empfangsgebäude und Güterschuppen wurden von beiden Bahnverwaltungen und den Zollbehörden gemeinsam genutzt.

Ein Eisenhammerwerk von 1840 und die Eröffnung der Bahnlinie 1910 führten in Haidmühle zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Mit dem Bau der Grenzbefestigungen des Eisernen Vorhangs wurden auf tschechischer Seite 60 Meter Schiene entfernt.

Danach sank die Bedeutung des Streckenteils schnell, es fanden nur noch Pendelfahrten statt, und alle Züge aus Passau fuhren nach Freyung.

Mehrmals brachte man noch Güterwagen mit Industrieholz von Osten bis kurz vor die Grenze, wo Lastwagen die Ladung übernahmen.

Zwischen Haidmühle und Jandelsbrunn endete der Güterverkehr am 31. Dezember 1975.

Auf einem Teil der Trasse zwischen Haidmühle und Nové Údolí steht heute das Klärwerk von Haidmühle.

Der Adalbert-Stifter-Radweg.
Der Adalbert-Stifter-Radweg. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Strecke

Am 1. Juni 1958 kam es zu ersten Einschränkungen im Personenverkehr.

Am 26. Mai 1963 wurde er ganz eingestellt, zuletzt fuhr nur noch ein Schienenbuspaar je Werktag.

Das Eisenbahn-Bundesamt stimmte am 5. Juli 1995 der Stilllegung der Strecke zu.

Sie wurde am 1. Oktober 1995 vollzogen.

Später wurden die Gleise abgebaut, auf der Trasse entstand der nach Adalbert Stifter benannte Radweg bis Haidmühle.

Der Bahnhof Waldkirchen am Beginn des Adalbert-Stifter-Radwegs.
Der Bahnhof Waldkirchen am Beginn des Adalbert-Stifter-Radwegs. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke ist stillgelegt und abgebaut, Waldkirchen ist weiter Bahnhof der Ilztalbahn.

Während der Fahrzeiten der Ilztalbahn schließt eine Buslinie parallel zur früheren Strecke die Lücke zwischen Waldkirchen und Nové Údolí.

Sie stellt den Anschluss zwischen Zügen der Ilztalbahn und der Tschechischen Bahn her.

Überlegungen, die Strecke von tschechischer Seite bis nach Haidmühle wieder in Betrieb zu nehmen, wurden bisher nicht umgesetzt.

In Nové Údolí besteht ein Eisenbahnmuseum, das in drei alten Güterwagen untergebracht ist und die Streckengeschichte erzählt.

Vorher und nachher

1910 verband die Strecke Waldkirchen mit dem böhmischen Bahnnetz.

1963 endete der Personenverkehr, 1975 der Güterverkehr bis Jandelsbrunn.

1995 wurde der Rest stillgelegt, danach folgten Abbau und Radweg.

Heute verläuft auf der Trasse ein Radweg, in Haidmühle steht auf einem Teil des Bahndamms ein Klärwerk.

1895: Das Eisenbahnkomitee Breitenberg gründet sich.

14. Juli 1903: Die erste Versammlung der Gemeinden entlang der Strecke findet statt.

10. August 1904: Die Staatsregierung genehmigt den Bau der Zweigbahn.

22. November 1904: Staatsvertrag mit Österreich zum Anschluss in Haidmühle.

15. November 1910: Die Strecke Waldkirchen–Haidmühle wird eröffnet.

1. Juni 1958: Erste Einschränkungen im Personenverkehr.

26. Mai 1963: Der Personenverkehr wird eingestellt.

31. Dezember 1975: Der Güterverkehr zwischen Haidmühle und Jandelsbrunn endet.

1. Oktober 1995: Die Stilllegung wird vollzogen, der Güterverkehr zwischen Jandelsbrunn und Waldkirchen endet.

18. Mai 2001: Die Strecke Waldkirchen–Jandelsbrunn wird entwidmet.

Fährt auf der Strecke Waldkirchen–Haidmühle noch ein Zug?
Nein, die Strecke ist stillgelegt und abgebaut, nur der Bahnhof Waldkirchen liegt weiter an der Ilztalbahn.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Personenverkehr wurde am 26. Mai 1963 eingestellt, zuletzt fuhr nur noch ein Schienenbuspaar je Werktag.
Was ist aus der Trasse geworden?
Auf ihr verläuft der nach Adalbert Stifter benannte Radweg bis Haidmühle.
Wo war der höchste Punkt der Strecke?
In Frauenberg, zwischen Waldkirchen und Frauenberg waren 330 Meter Höhenunterschied zu überwinden.
Was steht heute auf der Trasse bei Haidmühle?
Auf einem Teil der Bahntrasse zwischen Haidmühle und Nové Údolí steht das Klärwerk von Haidmühle.

Aus der Zweigbahn zur Grenze wurde ein Radweg.

Zu Wollaberg, Erlauzwiesel und Frauenberg ist wenig mehr als die Lage an der Strecke belegt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle · Wikipedia: Jandelsbrunn · Wikipedia: Neureichenau · Wikipedia: Haidmühle · Wikipedia: Erlauzwiesel · Wikipedia: Wollaberg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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