Übersee–Marquartstein: Die stillen Halte im Achental

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Übersee–Marquartstein: Die stillen Halte im Achental

Die Nebenbahn durch das Tal der Tiroler Ache fuhr von 1885 bis 1992. Mietenkam, Staudach-Grassau und der Endbahnhof Marquartstein sind heute Geschichte, am Torfbahnhof Rottau steht ein Museum.

Eine Kleinlok der Baureihe 333 mit einem Übergabe-Güterzug vor dem Bahnhofsgebäude Marquartstein im August 1975.
Eine Kleinlok der Baureihe 333 mit einem Übergabe-Güterzug vor dem Bahnhofsgebäude Marquartstein im August 1975. Foto: Fritz-F, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1885
Eröffnung
1968
Personenverkehr endet
1992
Betrieb eingestellt
1920
Torfbahnhof gebaut

Lage: Chiemgau, Tal der Tiroler Ache, von Übersee nach Marquartstein (8,0 Kilometer). Status: Die Strecke ist stillgelegt, der Torfbahnhof Rottau ist heute ein Museum. Heute: Die Empfangsgebäude in Staudach-Grassau und Marquartstein sind abgerissen, der Lokschuppen in Marquartstein ist erhalten.

Von Übersee nach Marquartstein führte bis 1992 eine Nebenbahn durch das Tal der Tiroler Ache.

Sie war 8,0 Kilometer lang und hatte unterwegs zwei Halte, Mietenkam und Staudach-Grassau.

Am Ende lag der Bahnhof Marquartstein.

Dieser Beitrag geht die drei Halte einzeln durch.

Dazu kommt der Torfbahnhof Rottau, der nicht an dieser Strecke, sondern an der Hauptstrecke Rosenheim–Salzburg liegt und heute ein Museum ist.

Die Strecke: Holz, Zement und Sommerfrischler

Die Idee für eine Bahn im Tal der Tiroler Ache reicht bis 1877 zurück.

Das bayerische Lokalbahngesetz vom 21. April 1884 schuf die Grundlage.

Am 10. August 1885 wurde die Strecke vom Bahnhof Übersee nach Marquartstein eröffnet.

Von Beginn an lag der Schwerpunkt im Güterverkehr, vor allem beim Holz.

Transportiert wurden außerdem Kies, Steine, Zement und Schotter.

1898 war die Strecke durch ihre Einnahmen aus dem Güterverkehr die rentabelste Nebenbahn Bayerns.

Eine 1878 ausgearbeitete Führung bis Unterwössen erwies sich als zu kostspielig und wurde nicht gebaut.

Mit dem Tourismus der Sommerfrischler entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg ein reger Personenverkehr.

In den 1930er Jahren fuhren Sonderzüge nach Marquartstein.

Den Zugverkehr besorgten zunächst zwei bayerische Lokomotiven der Gattung D VI mit den Namen Marquartstein und Staudach.

Später kamen die Gattungen PtL 2/2 und Pt 2/3 hinzu.

In den 1950er Jahren lösten Schienenbusse der Baureihe VT 95 die Dampfloks ab.

In der Schienenbuszeit fuhren täglich bis zu 11 Züge je Richtung, im letzten Jahr 12.

Durch den zunehmenden Individualverkehr und ein erweitertes Busnetz wurde der Personenverkehr in den 1960er Jahren unwirtschaftlicher.

Der Verwaltungsrat der Bahn beschloss am 11. November 1967 die Einstellung.

Im Mai 1968 endete der Personenverkehr, danach fuhr ein Bahnbus.

Danach diente die Strecke dem Güterverkehr.

Von 1983 bis 1988 gab es jährlich Sonderreisezüge unter dem Motto Das Achental geht auf Reisen.

Im Juli 1984 wurden Schienen und Schwellen zwischen Staudach und Marquartstein vollständig erneuert.

Am 1. Mai 1970 endete der Stückgutverkehr.

1986 wurden die Gleisanlagen im Endbahnhof deutlich vereinfacht.

Der Antrag auf dauernde Betriebseinstellung ist auf den 30. November 1988 datiert.

Das bayerische Verkehrsministerium genehmigte ihn am 30. September 1991.

Der letzte Güterzug fuhr am 27. März 1992, am 1. April 1992 wurde der Güterverkehr endgültig eingestellt.

Im Herbst desselben Jahres begann der Rückbau, 1993 waren Gleise und Oberbau abgebaut.

Mietenkam: Der Halt bei Kilometer 3,4

Der Haltepunkt Mietenkam lag bei Streckenkilometer 3,4.

Er lag am östlichen Rand von Mietenkam, neben der Staatsstraße und nahe der Tiroler Ache.

Zunächst gab es einen einfachen Bahnsteig parallel zum Gleis.

Der Zweck war weniger der Personenverkehr als der Güterverkehr.

Ein beidseitig angeschlossenes Ladegleis diente dem Zement- und Torfhandel.

Der Zement wurde in Mietenkam verladen.

1891 entstanden eine Verladehalle und ein Kohlenlager.

Eine Materialseilbahn von rund 1,6 Kilometern Länge brachte den Zement über die Tiroler Ache zur Verladestelle.

Auf einer Postkarte von 1900 ist eine Bahnhofsrestauration dokumentiert.

Die Zementproduktion in Egerndach endete in den späten 1950er Jahren, damit endete auch die Rolle als Verladestelle.

Das Verladegebäude besteht noch und dient heute als Wohnhaus.

Staudach-Grassau: Der Zementbahnhof

Staudach-Grassau war der Unterwegsbahnhof bei Streckenkilometer 5,4.

Hier wurde Zement gewonnen, und Schnittholz wurde von hier verschickt.

Um den Bahnhof entstanden Gasthäuser.

Die Zementproduktion in Staudach endete 1929.

Das Bahnhofsgebäude wurde 1995 abgerissen.

An der Stelle des früheren Bahnhofs erinnert eine Bildtafel an die Strecke und an den Bahnhof.

Marquartstein: Der Endbahnhof

Der Endbahnhof Marquartstein lag bei Streckenkilometer 8,0 in 545 Metern Höhe.

Er lag im damaligen Grassauer Ortsteil Loitshausen.

Die politische Gemeinde Marquartstein entstand erst 1938.

Der Lokschuppen bot zwei Dampflokomotiven Platz.

Der Lokschuppen in Marquartstein im August 1975.
Der Lokschuppen in Marquartstein im August 1975. Foto: Fritz-F, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nach der Eröffnung der Bahn kamen Sommerfrische und Tourismus auf.

Mit dem Tourismus entstanden Villen.

Marquartstein wurde zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Achentals.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Marquartstein im August 1996, es wurde 2000 abgebrochen.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Marquartstein im August 1996, es wurde 2000 abgebrochen. Foto: Fritz-F, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Bahnhofsgebäude wurde im Jahr 2000 für den Bau des neuen Rathauses abgerissen.

Erhalten ist der ehemalige Lokschuppen.

Am Rathausvorplatz weist ein ins Pflaster eingelassenes Gleisstück mit Prellbock zusammen mit einer Informationstafel auf die Strecke hin.

Torfbahnhof Rottau: Ein Museumsbahnhof

Der Torfbahnhof Rottau liegt nicht an der Strecke nach Marquartstein.

Er liegt am Rand der Kendlmühlfilzen südlich des Chiemsees, die Gebäude stehen in den Gemeindegebieten von Übersee und Grassau.

Die Anfahrt erfolgt über Rottau.

Die Landestorfwerke errichteten dort die Bahnverladung an der Strecke Rosenheim–Salzburg.

Der Torfbahnhof Rottau, Aufnahme vom 31. Juli 2008.
Der Torfbahnhof Rottau, Aufnahme vom 31. Juli 2008. Foto: Rottaler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Torfabbau begann schon 1910 unter der Saline Rosenheim.

Der Torfbahnhof wurde 1920 von der Bayerischen Landestorfwerke GmbH als Verarbeitungs- und Verladestation erbaut.

Ab Mai 1940 betrieb die Justizanstalt Bernau das Torfwerk mit Strafgefangenen.

1966 wurde das Torfwerk vorläufig geschlossen, 1976 nahm die Firma Samen Maier den Betrieb wieder auf.

Die Angaben zum Ende gehen auseinander, genannt werden 1989 und 1990.

Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Das Bayerische Moor- und Torfmuseum in Rottau, Aufnahme vom 26. August 2012.
Das Bayerische Moor- und Torfmuseum in Rottau, Aufnahme vom 26. August 2012. Foto: Pixelteufel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Namensgebend ist der Torfbahnhof, in dem die einzige heute noch vollständig erhaltene Torfballenpresse ausgestellt ist.

Das Bayerische Moor- und Torfmuseum zeigt die Nieder- und Hochmoore Bayerns und die ehemalige Torfwirtschaft.

Das Museumsgebäude ist die frühere Zimmerei der Justizvollzugsanstalt Bernau.

Zu den Exponaten gehören eine Nachbildung der Moorleiche Rosalinde und Teile eines keltischen Bohlenwegs von ungefähr 600 vor Christus.

Ehrenamtliche Bürger betreiben das Museum.

Aufnahme aus dem Bayerischen Moor- und Torfmuseum in Rottau, 26. August 2012.
Aufnahme aus dem Bayerischen Moor- und Torfmuseum in Rottau, 26. August 2012. Foto: Pixelteufel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Sammlung wird durch eine Feldbahn ergänzt.

Die ursprüngliche Spurweite der Torfbahn betrug 880 Millimeter.

Für diese Spurweite gibt es keine gebrauchten Fahrzeuge mehr.

Am Ostrand des Geländes wurden deshalb 600-Millimeter-Gleise verlegt, auf denen die Lok Gmeinder 4761 von 1954 steht.

Der Naturschutz schränkt den Wiederaufbau der alten Torfbahn ein, weil das Gelände am Rand des Naturschutzgebiets Kendlmühlfilzen liegt.

Feldbahnloren im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012.
Feldbahnloren im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012. Foto: Pixelteufel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Feldbahnlok im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012.
Eine Feldbahnlok im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012. Foto: Pixelteufel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Gleise der Feldbahn im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012.
Gleise der Feldbahn im Bayerischen Moor- und Torfmuseum, 26. August 2012. Foto: Pixelteufel, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Auf der Strecke fährt keine Bahn mehr.

Teile des Bahnkörpers wurden durch Straßenverbreiterungen überbaut.

Eine Nutzung als Radweg unterblieb.

Den Verkehr übernehmen die Buslinien 9505 und 9509 des Regionalverkehrs Oberbayern.

Die Geschichte in Daten

1877: Die Idee einer Bahn im Tal der Tiroler Ache kommt auf.

21. April 1884: Das bayerische Lokalbahngesetz wird erlassen.

10. August 1885: Die Strecke Übersee–Marquartstein wird eröffnet.

1910: Der Torfabbau am späteren Torfbahnhof beginnt.

1920: Der Torfbahnhof Rottau wird erbaut.

11. November 1967: Der Verwaltungsrat der Bahn beschließt die Einstellung des Personenverkehrs.

Mai 1968: Der Personenverkehr endet.

1. Mai 1970: Der Stückgutverkehr endet.

27. März 1992: Der letzte Güterzug fährt.

1. April 1992: Der Güterverkehr wird endgültig eingestellt.

1995: Das Empfangsgebäude Staudach-Grassau wird abgerissen.

2000: Das Bahnhofsgebäude Marquartstein wird abgerissen.

Häufige Fragen

Wann wurde die Bahn Übersee–Marquartstein eröffnet?
Am 10. August 1885.
Wann endete der Personenverkehr?
Im Mai 1968. Danach fuhr ein Bahnbus.
Wann fuhr der letzte Güterzug?
Am 27. März 1992. Am 1. April 1992 wurde der Güterverkehr endgültig eingestellt.
Gibt es noch Gebäude der Strecke?
Der Lokschuppen in Marquartstein ist erhalten und das Verladegebäude in Mietenkam dient als Wohnhaus. Die Empfangsgebäude in Staudach-Grassau und Marquartstein wurden abgerissen.
Liegt der Torfbahnhof Rottau an dieser Strecke?
Nein, er liegt an der Strecke Rosenheim–Salzburg und ist heute ein Museum.

Von der Strecke blieben unter anderem ein Lokschuppen, ein Prellbock mit Gleisstück und zwei Tafeln.

Der Torfbahnhof Rottau zeigt als Museum, wie die Torfwirtschaft arbeitete.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Übersee–Marquartstein, Wikipedia · Museum Torfbahnhof, Wikipedia · Die Eisenbahn in Übersee, Chiemgau Blätter 2024 · Der Mietenkamer Halt, Chiemgau Blätter 2018 · Geschichte, Gemeinde Marquartstein · Torfbahnhof Rottau, entlang-der-gleise.de

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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