Die stillen Halte der Strecke Mühldorf–Freilassing: von Ehring bis Tittmoning
Die Strecke Mühldorf–Freilassing ist weiterhin in Betrieb, doch viele ihrer kleinen Halte und die Stichbahn nach Tittmoning sind stillgelegt. Hier stehen die aufgelassenen Stationen.


Lage: Zwischen Mühldorf am Inn und Freilassing in Oberbayern. Status: Die Hauptbahn ist in Betrieb, Ehring, Mauerberg, Tyrlaching, Lanzing, Surheim und die Stichbahn nach Tittmoning sind stillgelegt. Heute: Auf einem Stück der Stichbahn verläuft ein Radweg.
Die Bahnstrecke Mühldorf–Freilassing ist eine 65 Kilometer lange, nicht elektrifizierte Hauptbahn in Bayern.
Sie verläuft von Mühldorf am Inn nach Freilassing und ist weiterhin in Betrieb.
Mehrere kleinere Zwischenstationen wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgegeben.
Dieser Beitrag behandelt nur diese aufgelassenen Halte und die stillgelegte Stichbahn nach Tittmoning, nicht den heutigen Betrieb.
Vom Bahnhof Tittmoning gibt es auch ältere freie Fotos, von den übrigen Halten nicht.
Entstehung: die bayerische Tauernbahn
Bereits 1873 ließ die bayerische Staatsregierung den Bau einer Bahnstrecke von Mühldorf nach Freilassing untersuchen.
Aus militärischen Gründen wurde davon jedoch abgesehen.
Mit der Eröffnung der Stichstrecke von Freilassing erhielt Laufen am 14. Juni 1890 als erste der Städte an der Salzach einen Bahnanschluss.
Am 1. Mai 1894 wurde diese Lokalbahn nach Tittmoning verlängert.
Aus Richtung Mühldorf bekam Altötting am 1. Mai 1897 über Tüßling den Anschluss an das Bahnnetz.
Beide Lokalbahnen wurden bereits beim Bau als Hauptbahn trassiert.
Als 1902 die österreichische Staatsregierung die Fertigstellung der Tauernbahn für 1908 verkündete, nahm das Projekt einer durchgehenden Strecke wieder Fahrt auf.
Die Strecke war als direkte Verbindung aus Richtung Nord- und Mitteldeutschland zur Tauernbahn gedacht und wurde deshalb auch bayerische Tauernbahn genannt.
Am 5. Juni 1907 begannen die Bauarbeiten.
Die durchgängige Verbindung Mühldorf–Freilassing ging am 1. Dezember 1908 als eine der letztgebauten Strecken der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen in Betrieb.
Die Baukosten für die 65,544 Kilometer lange Strecke betrugen rund 12 Millionen Mark.
So sah es vorher aus: Stationen mit Stellwerk im Empfangsgebäude
Mit der Inbetriebnahme der durchgehenden Strecke gingen an mehreren Bahnhöfen mechanische Stellwerke der Bauart Krauss mit Kurbelwerk in Betrieb.
Das betraf unter anderem Mauerberg, Tyrlaching und Surheim.
In den kleineren Stationen war die gesamte Stellwerkstechnik in einem Befehlsstellwerk untergebracht, das sich im Empfangsgebäude befand.
Mit dem Rückbau der Bahnhöfe Mauerberg, Kirchweidach, Tyrlaching, Kirchanschöring und Surheim wurden auch deren Stellwerke außer Betrieb genommen.
Mauerberg, Tyrlaching und Surheim wurden 1908 als Bahnstationen der vierten Klasse gebaut.
Ehring, Lanzing, Törring und Gastag waren 1908 gebaute Haltepunkte.
Niedergang: kleine Stationen werden aufgegeben
Während die überregionale Bedeutung der Strecke stets relativ gering war, ist sie bis heute eine wesentliche lokale Verkehrsverbindung.
Mehrere kleinere Zwischenstationen wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgegeben.
Der Haltepunkt Kirchweidach wurde zum 29. Mai 1988 aufgegeben und am 2. Juni 1996 wiedereröffnet.
Der Haltepunkt Surheim wurde ab dem 29. Mai 1994 nicht mehr bedient.
Die Stichstrecke nach Tittmoning wurde ab dem 27. September 1969 nicht mehr im Personenverkehr befahren.
Zum 31. Juli 1981 endete dort auch der Güterverkehr.
Ehring: ein Haltepunkt vor Tüßling

Der ehemalige Haltepunkt Mühldorf-Ehring lag bei Kilometer 3,7 der Strecke und wurde 1908 erbaut.
Beim Bau der Strecke wird Ehring im Zusammenhang mit Tüßling genannt.
Ursprünglich war geplant, den Abzweig der Strecke nach Burghausen in Ehring zu errichten.
Dann hätte Tüßling pro Strecke einen eigenen Bahnhof bekommen, was das Umsteigen deutlich erschwert hätte.
Deshalb wurden der Bahnhof Tüßling und der Haltepunkt Heiligenstatt verlegt und der alte Abschnitt aufgelassen.
Die Strecke zwischen Mühldorf und Tüßling wurde am 22. Mai 2017 zweigleisig in Betrieb genommen.
Weitere Angaben zum Haltepunkt Ehring sind nicht belegt.
Mauerberg: die einzige Station im Mörnbachtal
Mauerberg lag bei Kilometer 11,0 der Strecke vier Kilometer südlich von Tüßling im Mörnbachtal.
Die Betriebsstelle war die einzige Zwischenstation zwischen Tüßling und Garching.
Der Haltepunkt lag bei Kilometer 11,15 rechts vom Bahnübergang Schloßmühle, der Ort Mauerberg liegt ein gutes Stück davon entfernt.
Die Strecke verlässt am ehemaligen Bahnhof Mauerberg das Mörnbachtal.
Die Station wurde in den frühen 1980er Jahren aufgelassen.
Mit dem Rückbau wurde auch das Stellwerk im Empfangsgebäude außer Betrieb genommen.
Zu erhaltenen Gebäuden liegen keine belegten Angaben vor.
Tyrlaching: der Bahnhof weit vor dem Ort
Der ehemalige Bahnhof Tyrlaching liegt bei Kilometer 28,4 der Strecke, einige Kilometer vom namensgebenden Ort entfernt.
Er wurde 1908 als Bahnstation der vierten Klasse gebaut.
Kurz hinter Kirchweidach erreicht die Strecke ihren höchsten Punkt mit etwa 510 Metern über Normalnull und fällt dann bis Fridolfing ab, vorher wird noch der ehemalige Bahnhof Tyrlaching erreicht.
Im Oktober 2023 wurde die Entwurfsplanung für den Abschnitt Feichten–Kirchweidach–Tyrlaching veröffentlicht.
Sie sieht neben dem zweigleisigen Ausbau und der Elektrifizierung einen dreigleisigen Überholbahnhof in Tyrlaching vor.
Zu Gebäuden und Stilllegung des früheren Bahnhofs sind keine belegten Angaben vorhanden.
Lanzing: Haltepunkt im Wald
Hinter Tyrlaching schwenkt die Strecke im Waldgebiet im weiten Bogen in südliche Richtung und erreicht den ehemaligen Haltepunkt Lanzing.
Der Haltepunkt lag bei Kilometer 31,7 und wurde 1908 erbaut.
Weitere Angaben sind nicht belegt.
Törring: nur als Haltepunkt belegt
Törring ist in der Liste der 1908 erbauten Haltepunkte der Strecke genannt.
Weitere Angaben zu Lage, Gebäude oder Auflassung sind nicht belegt.
Gastag: Haltepunkt bei einer gewölbten Unterführung
Gastag lag bei Kilometer 57,9 der Strecke als Haltepunkt, der 1908 erbaut wurde.
In der Nähe liegt eine gewölbte Straßenunterführung mit 12,7 Metern und zweimal 5,0 Metern Lichtweite.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Surheim: Bahnhof mit Güterdienst bis 1994
Der ehemalige Bahnhof Surheim lag bei Kilometer 60,5 der Strecke und wurde 1908 gebaut.
Er hatte ein mechanisches Stellwerk der Bauart Krauss im Empfangsgebäude.
In der Nähe überquerte die Bahn die Sur auf einer Brücke mit 14,88 und 9,00 Metern Lichtweite.
Ab dem 29. Mai 1994 wurde der Haltepunkt Surheim nicht mehr bedient.
Zum heutigen Zustand liegen keine belegten Angaben vor.
Stichbahn nach Tittmoning: Kirchheim und Endbahnhof

Die Strecke Wiesmühl–Tittmoning war ursprünglich Teil der Lokalbahn Freilassing–Tittmoning und ging am 1. Mai 1894 mit dem Abschnitt Laufen–Tittmoning vollständig in Betrieb.
Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen bauten die Lokalbahn bis 1908 zur Hauptbahn aus und erweiterten sie ab Wiesmühl in Richtung Mühldorf.
Die restliche Strecke Wiesmühl–Tittmoning blieb als Zweigstrecke in Betrieb.
Sie war etwa sechs Kilometer lang, Kirchheim lag bei Kilometer 3,9, Tittmoning bei Kilometer 6,0.
Der Sommerfahrplan 1939 verzeichnete werktags sieben Personenzugpaare, sonntags ein weiteres.
Die Fahrzeit betrug 14 Minuten Richtung Tittmoning und 16 Minuten in der Gegenrichtung.

Anfangs setzten die Staatseisenbahnen vor allem Lokalbahn-Tenderlokomotiven der Gattungen D VII und BB II ein, die im Bahnbetriebswerk Freilassing beheimatet waren.
Später kamen Schienenbusse der Baureihen VT 95 und VT 98 dazu, die wegen des geringen Fahrgastaufkommens meist ohne Beiwagen fuhren.
Sie dienten zeitweise auch als Schlepptriebwagen für den spärlicher werdenden Güterverkehr mit 50 Tonnen zugelassener Anhängelast.
Die Güterzüge der letzten Betriebsjahre wurden mit Diesellokomotiven der Baureihe 260 befördert.

Am 27. September 1969 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Am 28. Mai 1978 wurde die Strecke stillgelegt, der verbliebene Güterverkehr endete am 31. Juli 1981.
Er bediente zuletzt nur noch ein Stahlbauunternehmen in Tittmoning mit unregelmäßigen Fahrten.
Danach wurde die Strecke abgebaut.
Tittmoning: der Bahnhof vor dem Salzburger Tor

Der Bahnhof Tittmoning wurde außerhalb der Altstadt vor dem Salzburger Tor errichtet und ging am 1. Mai 1894 in Betrieb.
Schon 1979 hatte die Deutsche Bundesbahn das Empfangsgebäude verkauft.
Als der Bahnhof noch bedient wurde, befanden sich im Erdgeschoss die Vereinsräume des Modelleisenbahnclubs Salzachtal-Tittmoning.
Nach dem Verkauf zog der Verein ins Haus des Gastes der Stadt Tittmoning.
Das Empfangsgebäude von 1894 ist ein zweigeschossiger Bau aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk mit Krüppelwalmdach.
Zugehörig ist ein erdgeschossiger Güterschuppen mit Satteldach aus ebenfalls unverputztem Bruchstein.
Zur östlichen Seite hin befand sich die Bahnhofsgaststätte, dieses Gebäude existiert noch heute.
Der Lokschuppen und die Betriebsgebäude wurden abgerissen.
Die Bahnhofsanlagen hatten sechs Weichen, darunter eine Doppelkreuzungsweiche, zwei Überladekräne und drei Laderampen.
Aus- oder Einfahrsignale gab es nicht.
Das Empfangsgebäude wird heute als Wohngebäude genutzt und steht unter Denkmalschutz.




Vorher und nachher: aus der Stichbahn wurde ein Weg
Vorher fuhren sieben Personenzugpaare am Tag zwischen Wiesmühl und Tittmoning.
Nachher wurde die Strecke abgebaut und die Trasse teilweise zum kombinierten Fuß- und Radweg.
Teilweise ist die Trasse nur noch schwer auszumachen.
Die Radroute zwischen Wiesmühl und Tittmoning ist 7,3 Kilometer lang, davon verlaufen etwa 2 Kilometer auf der ehemaligen Bahntrasse.
Im oberen Teil ist die Trasse weitgehend untergepflügt und wird erst am Rand des Salzachtals wieder sichtbar.
Stellenweise verläuft sie auf einem Damm.
Der Weg ist als Teil des Salzachtal-Wegs und des Benediktwegs beschildert.
So sieht es jetzt aus
Die Hauptstrecke Mühldorf–Freilassing ist in Betrieb.
Der Bahnhof Tittmoning ist als Wohngebäude erhalten, die Bahnhofsgaststätte steht ebenfalls noch.
Von den aufgelassenen Halten Mauerberg, Tyrlaching, Lanzing, Törring, Gastag und Surheim sind keine erhaltenen Gebäude belegt.
1873: Die bayerische Staatsregierung lässt den Bau einer Strecke von Mühldorf nach Freilassing untersuchen.
14. Juni 1890: Laufen erhält einen Bahnanschluss von Freilassing aus.
1. Mai 1894: Die Lokalbahn wird bis Tittmoning verlängert.
5. Juni 1907: Beginn der Bauarbeiten an der durchgehenden Strecke.
1. Dezember 1908: Die Strecke Mühldorf–Freilassing geht in Betrieb.
27. September 1969: Der Personenverkehr nach Tittmoning endet.
31. Juli 1981: Der Güterverkehr nach Tittmoning endet.
29. Mai 1988: Der Haltepunkt Kirchweidach wird aufgegeben.
29. Mai 1994: Der Haltepunkt Surheim wird nicht mehr bedient.
2. Juni 1996: Der Haltepunkt Kirchweidach wird wiedereröffnet.
Ist die Strecke Mühldorf–Freilassing stillgelegt?
Wann endete der Personenverkehr nach Tittmoning?
Wann wurde Surheim aufgelassen?
Warum heißt die Strecke bayerische Tauernbahn?
Was ist vom Bahnhof Tittmoning erhalten?
Kann man der Trasse nach Tittmoning folgen?
Die Hauptbahn fährt weiter, doch ihre kleinen Halte zwischen Mühldorf und Freilassing sind verschwunden oder nur noch als Name belegt.
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