Radolfzell–Mengen: Die stillen Halte der Ablachtalbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Radolfzell–Mengen: Die stillen Halte der Ablachtalbahn

Die Strecke von Radolfzell nach Mengen wurde zwischen 1867 und 1873 gebaut und verlor ihren Personenverkehr in Etappen. Ein Rundgang durch Halte, an denen die Züge heute vorbeifahren oder erst wieder anhalten.

Die Ablachtalbahn zwischen Krauchenwies und Mengen.
Die Ablachtalbahn zwischen Krauchenwies und Mengen. Foto: Louis Bafrance, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1867
Eröffnung bis Stockach
1873
Mengen erreicht
1954
Erste Einstellung
1982
Letzte Einstellung

Lage: Landkreise Konstanz und Sigmaringen, Ende in Mengen. Status: Güterverkehr, Freizeitverkehr als Biberbahn und das Seehäsle zwischen Radolfzell und Stockach. Heute: Zizenhausen und Hoppetenzell werden ohne Halt durchfahren.

Die Bahnstrecke Radolfzell–Mengen heißt auch Ablachtalbahn, Hegau-Ablachtal-Bahn oder Biberbahn.

Der südliche Abschnitt zwischen Radolfzell und Stockach wird als Seehäsle vermarktet und ist ein aktiver Nahverkehrsabschnitt.

Auf dem nördlichen Abschnitt von Stockach nach Mengen fahren Güterzüge und seit Juli 2021 an Sonn- und Feiertagen Freizeitzüge als Biberbahn.

Der reguläre Personenverkehr endete auf der Strecke in Etappen zwischen 1954 und 1982.

Dieser Beitrag geht die Halte Zizenhausen, Hoppetenzell, Ablach, Göggingen, Zielfingen und Haselbrunn durch und schreibt bei jedem nur, was belegt ist.

Freie historische Fotos der Halte sind nicht verfügbar, deshalb zeigt der Beitrag nur Aufnahmen der Strecke.

Eine Fernbahn, die zur Nebenbahn wurde

Die Strecke wurde als Teil einer Fernverbindung von Ulm an den Bodensee und in die Schweiz gebaut.

Zwischen 1865 und 1873 baute sie die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn.

Der Bahndamm wurde für zwei Gleise angelegt, ebenso die steinernen Widerlager der Brücken.

Verlegt wurde aber nur ein Gleis, und dabei ist es bis heute geblieben.

Als erstes wurde am 20. Juli 1867 die Strecke Radolfzell–Stahringen–Stockach eröffnet.

Am 3. Februar 1870 folgte Stockach–Schwackenreute–Meßkirch.

Am 6. September 1873 wurde Meßkirch–Krauchenwies–Mengen zusammen mit der Strecke von Krauchenwies nach Sigmaringen eingeweiht.

Ein Schnellzugpaar, das am 1. November 1873 zwischen Radolfzell und Ulm eingesetzt wurde, fuhr 1875 mangels Nachfrage nicht mehr.

1879 wurde die Strecke zur Nebenbahn abgestuft, danach hielten die Personenzüge überall.

Zizenhausen

Zizenhausen liegt bei Kilometer 20,83 der Strecke und war früher ein Bahnhof.

Heute verläuft die Strecke ohne Halt durch den Ort.

Zwischen Mühlingen und Zizenhausen stehen noch die beiden großen Brücken mit den Widerlagern für ein zweites Gleis.

Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Stockach–Meßkirch, an dem Zizenhausen liegt, wurde am 28. Mai 1972 eingestellt.

In der Nutzen-Kosten-Untersuchung für eine Reaktivierung, die im März 2026 vorgestellt wurde, wurden zusätzlich Halte in Zizenhausen und Hoppetenzell unterstellt.

Hoppetenzell

Hoppetenzell liegt bei Kilometer 22,6 und ebenfalls an der Bundesstraße 313.

Die Strecke verläuft ohne Halt durch den Ort.

Auch für Hoppetenzell wurde in der Untersuchung von 2026 ein Halt angenommen.

Ablach

Ablach ist ein Ortsteil von Krauchenwies, der 1975 eingemeindet wurde.

Der Ort liegt nahe der Bahnstrecke.

Die Ablach ist auch der Fluss, den die Strecke mehrmals auf Brücken überquert.

Ein Halt Ablach ist in der Streckentabelle nicht verzeichnet.

Die Brücke der Hegau-Ablachtal-Bahn über die Ablach im Fürstlichen Park von Krauchenwies.
Die Brücke der Hegau-Ablachtal-Bahn über die Ablach im Fürstlichen Park von Krauchenwies. Foto: Manuel Heinemann, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Park von Krauchenwies erinnern Lager und Pfeiler der Ablachbrücke an die zweigleisige Schienenführung.

Göggingen

Göggingen liegt bei Kilometer 44,42 und gehört seit 1974 zu Krauchenwies.

Der Ort hatte seit der Eröffnung am 6. September 1873 einen Bahnhof mit Empfangsgebäude und Warenlager.

Der Personenverkehr zwischen Meßkirch und Krauchenwies wurde zum 1. Juni 1969 eingestellt.

Seit 2021 fährt die Strecke als Freizeitbahn unter dem Namen Biberbahn.

Im Frühjahr 2025 bauten Bürger und Vereine an alter Stelle in Eigenleistung einen neuen Bahnsteig.

Die ersten Züge hielten dort am 1. Mai 2025 zum Gögginger Bierfest.

Im Lauf der Saison 2025 sollte die Biberbahn auch dauerhaft in Göggingen halten.

Zielfingen

Zielfingen lag bei Kilometer 51,85, zwischen Krauchenwies und Mengen.

Der Ort wurde von 1873 bis 1954 von einer Haltestelle der Strecke bedient.

Die Hegau-Ablachtal-Bahn beim Zielfinger Vogelsee.
Die Hegau-Ablachtal-Bahn beim Zielfinger Vogelsee. Foto: Dg-505, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am 13. Dezember 1954 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Krauchenwies und Mengen ein.

Am 1. September 1960 folgte der Gesamtverkehr auf diesem Abschnitt.

Danach wurden die Schienen von Krauchenwies bis zur Werksanbindung des Dillmannschen Sägewerks bei Mengen entfernt.

Dieser Anschluss lag bei Kilometer 53,9.

Die Strecke beim Zielfinger Vogelsee, aufgenommen 2012.
Die Strecke beim Zielfinger Vogelsee, aufgenommen 2012. Foto: Dg-505, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Haselbrunn

Haselbrunn gehört zu Radolfzell.

Die Streckentabelle nennt bei Kilometer 1,465 den bestehenden Haltepunkt Radolfzell-Haselbrunn und bei Kilometer 2,7 den früheren Bahnhof Haselbrunn.

Mehr ist zu diesem Halt nicht belegt.

Niedergang und Ende

Die Deutsche Bundesbahn legte die Strecke in Etappen still.

Der Personenverkehr endete am 13. Dezember 1954 zwischen Krauchenwies und Mengen.

Am 1. Juni 1969 folgte der Abschnitt Meßkirch–Krauchenwies.

Am 28. Mai 1972 wurde der Personenverkehr zwischen Stockach und Meßkirch eingestellt.

Am 25. September 1982 endete er auch auf dem südlichen Abschnitt Stockach–Stahringen.

Der Abschnitt zwischen Krauchenwies und Mengen wurde nach der Stilllegung 1960 zunächst abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Am 29. September 1986 wurde der abgebaute Abschnitt Krauchenwies–Mengen für den Güterverkehr wieder aufgebaut.

Im Oktober 2004 kaufte die Ablachtal-Bahn GmbH die Strecke von Stockach nach Mengen, und damit wurde die drohende Stilllegung abgewendet.

Am 8. September 1996 wurde der Abschnitt Stockach–Radolfzell wieder für den Personenverkehr reaktiviert.

Seit dem 1. März 2021 betreibt die Stadt Meßkirch die Strecke als kommunale Eisenbahninfrastruktur.

Im Juli 2021 war die Strecke wieder durchgängig befahrbar.

Am 1. Mai 2024 wurde der ehemalige Bahnhof Mühlingen-Zoznegg als Haltepunkt reaktiviert.

Eine Machbarkeitsstudie bis Juni 2023 empfahl eine Verlängerung der Linie Radolfzell–Stockach bis Mengen oder Meßkirch.

Im März 2026 ergab die Nutzen-Kosten-Untersuchung für eine durchgehende Linie Radolfzell–Mengen ein Verhältnis von 1,24.

Die Hegau-Ablachtal-Bahn beim Steidlesee, aufgenommen 2012.
Die Hegau-Ablachtal-Bahn beim Steidlesee, aufgenommen 2012. Foto: Dg-505, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

20. Juli 1867: Eröffnung Radolfzell–Stahringen–Stockach.

3. Februar 1870: Eröffnung Stockach–Schwackenreute–Meßkirch.

6. September 1873: Eröffnung Meßkirch–Krauchenwies–Mengen.

13. Dezember 1954: Personenverkehr Krauchenwies–Mengen eingestellt.

1. September 1960: Gesamtverkehr Krauchenwies–Mengen eingestellt.

1. Juni 1969: Personenverkehr Meßkirch–Krauchenwies eingestellt.

28. Mai 1972: Personenverkehr Stockach–Meßkirch eingestellt.

25. September 1982: Personenverkehr Stockach–Stahringen eingestellt.

8. September 1996: Reaktivierung Radolfzell–Stockach.

Juli 2021: Strecke durchgängig befahrbar, Biberbahn startet.

1. Mai 2025: Erste Züge halten wieder in Göggingen.

Häufige Fragen

Wie heißt die Strecke noch?
Ablachtalbahn, Hegau-Ablachtal-Bahn und im nördlichen Abschnitt Biberbahn.
Was ist das Seehäsle?
Der Nahverkehr zwischen Radolfzell und Stockach.
Wann endete der Personenverkehr auf der Gesamtstrecke?
Er endete in Etappen zwischen 1954 und 1982.
Halten die Züge heute in Zizenhausen und Hoppetenzell?
Nein, die Strecke läuft heute ohne Halt durch beide Orte.
Gibt es wieder einen Halt in Göggingen?
Ja, die ersten Züge hielten dort am 1. Mai 2025.

Die Ablachtalbahn ist kein toter Strang, aber an ihren Halten zeigt sich, wie unterschiedlich es nach dem Ende des Regelverkehrs weiterging.

Für Zizenhausen und Hoppetenzell wird ein neuer Halt untersucht, in Göggingen gibt es seit 2025 wieder einen Bahnsteig.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Radolfzell–Mengen · Wikipedia: Zizenhausen · Wikipedia: Hoppetenzell · Wikipedia: Göggingen (Krauchenwies) · Wikipedia: Zielfingen · Wikipedia: Krauchenwies · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen zur Ablachtalbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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