Radolfzell–Mengen: Die stillen Halte der Ablachtalbahn
Die Strecke von Radolfzell nach Mengen wurde zwischen 1867 und 1873 gebaut und verlor ihren Personenverkehr in Etappen. Ein Rundgang durch Halte, an denen die Züge heute vorbeifahren oder erst wieder anhalten.

Lage: Landkreise Konstanz und Sigmaringen, Ende in Mengen. Status: Güterverkehr, Freizeitverkehr als Biberbahn und das Seehäsle zwischen Radolfzell und Stockach. Heute: Zizenhausen und Hoppetenzell werden ohne Halt durchfahren.
Die Bahnstrecke Radolfzell–Mengen heißt auch Ablachtalbahn, Hegau-Ablachtal-Bahn oder Biberbahn.
Der südliche Abschnitt zwischen Radolfzell und Stockach wird als Seehäsle vermarktet und ist ein aktiver Nahverkehrsabschnitt.
Auf dem nördlichen Abschnitt von Stockach nach Mengen fahren Güterzüge und seit Juli 2021 an Sonn- und Feiertagen Freizeitzüge als Biberbahn.
Der reguläre Personenverkehr endete auf der Strecke in Etappen zwischen 1954 und 1982.
Dieser Beitrag geht die Halte Zizenhausen, Hoppetenzell, Ablach, Göggingen, Zielfingen und Haselbrunn durch und schreibt bei jedem nur, was belegt ist.
Freie historische Fotos der Halte sind nicht verfügbar, deshalb zeigt der Beitrag nur Aufnahmen der Strecke.
Eine Fernbahn, die zur Nebenbahn wurde
Die Strecke wurde als Teil einer Fernverbindung von Ulm an den Bodensee und in die Schweiz gebaut.
Zwischen 1865 und 1873 baute sie die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn.
Der Bahndamm wurde für zwei Gleise angelegt, ebenso die steinernen Widerlager der Brücken.
Verlegt wurde aber nur ein Gleis, und dabei ist es bis heute geblieben.
Als erstes wurde am 20. Juli 1867 die Strecke Radolfzell–Stahringen–Stockach eröffnet.
Am 3. Februar 1870 folgte Stockach–Schwackenreute–Meßkirch.
Am 6. September 1873 wurde Meßkirch–Krauchenwies–Mengen zusammen mit der Strecke von Krauchenwies nach Sigmaringen eingeweiht.
Ein Schnellzugpaar, das am 1. November 1873 zwischen Radolfzell und Ulm eingesetzt wurde, fuhr 1875 mangels Nachfrage nicht mehr.
1879 wurde die Strecke zur Nebenbahn abgestuft, danach hielten die Personenzüge überall.
Zizenhausen
Zizenhausen liegt bei Kilometer 20,83 der Strecke und war früher ein Bahnhof.
Heute verläuft die Strecke ohne Halt durch den Ort.
Zwischen Mühlingen und Zizenhausen stehen noch die beiden großen Brücken mit den Widerlagern für ein zweites Gleis.
Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Stockach–Meßkirch, an dem Zizenhausen liegt, wurde am 28. Mai 1972 eingestellt.
In der Nutzen-Kosten-Untersuchung für eine Reaktivierung, die im März 2026 vorgestellt wurde, wurden zusätzlich Halte in Zizenhausen und Hoppetenzell unterstellt.
Hoppetenzell
Hoppetenzell liegt bei Kilometer 22,6 und ebenfalls an der Bundesstraße 313.
Die Strecke verläuft ohne Halt durch den Ort.
Auch für Hoppetenzell wurde in der Untersuchung von 2026 ein Halt angenommen.
Ablach
Ablach ist ein Ortsteil von Krauchenwies, der 1975 eingemeindet wurde.
Der Ort liegt nahe der Bahnstrecke.
Die Ablach ist auch der Fluss, den die Strecke mehrmals auf Brücken überquert.
Ein Halt Ablach ist in der Streckentabelle nicht verzeichnet.

Im Park von Krauchenwies erinnern Lager und Pfeiler der Ablachbrücke an die zweigleisige Schienenführung.
Göggingen
Göggingen liegt bei Kilometer 44,42 und gehört seit 1974 zu Krauchenwies.
Der Ort hatte seit der Eröffnung am 6. September 1873 einen Bahnhof mit Empfangsgebäude und Warenlager.
Der Personenverkehr zwischen Meßkirch und Krauchenwies wurde zum 1. Juni 1969 eingestellt.
Seit 2021 fährt die Strecke als Freizeitbahn unter dem Namen Biberbahn.
Im Frühjahr 2025 bauten Bürger und Vereine an alter Stelle in Eigenleistung einen neuen Bahnsteig.
Die ersten Züge hielten dort am 1. Mai 2025 zum Gögginger Bierfest.
Im Lauf der Saison 2025 sollte die Biberbahn auch dauerhaft in Göggingen halten.
Zielfingen
Zielfingen lag bei Kilometer 51,85, zwischen Krauchenwies und Mengen.
Der Ort wurde von 1873 bis 1954 von einer Haltestelle der Strecke bedient.

Am 13. Dezember 1954 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Krauchenwies und Mengen ein.
Am 1. September 1960 folgte der Gesamtverkehr auf diesem Abschnitt.
Danach wurden die Schienen von Krauchenwies bis zur Werksanbindung des Dillmannschen Sägewerks bei Mengen entfernt.
Dieser Anschluss lag bei Kilometer 53,9.

Haselbrunn
Haselbrunn gehört zu Radolfzell.
Die Streckentabelle nennt bei Kilometer 1,465 den bestehenden Haltepunkt Radolfzell-Haselbrunn und bei Kilometer 2,7 den früheren Bahnhof Haselbrunn.
Mehr ist zu diesem Halt nicht belegt.
Niedergang und Ende
Die Deutsche Bundesbahn legte die Strecke in Etappen still.
Der Personenverkehr endete am 13. Dezember 1954 zwischen Krauchenwies und Mengen.
Am 1. Juni 1969 folgte der Abschnitt Meßkirch–Krauchenwies.
Am 28. Mai 1972 wurde der Personenverkehr zwischen Stockach und Meßkirch eingestellt.
Am 25. September 1982 endete er auch auf dem südlichen Abschnitt Stockach–Stahringen.
Der Abschnitt zwischen Krauchenwies und Mengen wurde nach der Stilllegung 1960 zunächst abgebaut.
So sieht es jetzt aus
Am 29. September 1986 wurde der abgebaute Abschnitt Krauchenwies–Mengen für den Güterverkehr wieder aufgebaut.
Im Oktober 2004 kaufte die Ablachtal-Bahn GmbH die Strecke von Stockach nach Mengen, und damit wurde die drohende Stilllegung abgewendet.
Am 8. September 1996 wurde der Abschnitt Stockach–Radolfzell wieder für den Personenverkehr reaktiviert.
Seit dem 1. März 2021 betreibt die Stadt Meßkirch die Strecke als kommunale Eisenbahninfrastruktur.
Im Juli 2021 war die Strecke wieder durchgängig befahrbar.
Am 1. Mai 2024 wurde der ehemalige Bahnhof Mühlingen-Zoznegg als Haltepunkt reaktiviert.
Eine Machbarkeitsstudie bis Juni 2023 empfahl eine Verlängerung der Linie Radolfzell–Stockach bis Mengen oder Meßkirch.
Im März 2026 ergab die Nutzen-Kosten-Untersuchung für eine durchgehende Linie Radolfzell–Mengen ein Verhältnis von 1,24.

Die Geschichte in Daten
20. Juli 1867: Eröffnung Radolfzell–Stahringen–Stockach.
3. Februar 1870: Eröffnung Stockach–Schwackenreute–Meßkirch.
6. September 1873: Eröffnung Meßkirch–Krauchenwies–Mengen.
13. Dezember 1954: Personenverkehr Krauchenwies–Mengen eingestellt.
1. September 1960: Gesamtverkehr Krauchenwies–Mengen eingestellt.
1. Juni 1969: Personenverkehr Meßkirch–Krauchenwies eingestellt.
28. Mai 1972: Personenverkehr Stockach–Meßkirch eingestellt.
25. September 1982: Personenverkehr Stockach–Stahringen eingestellt.
8. September 1996: Reaktivierung Radolfzell–Stockach.
Juli 2021: Strecke durchgängig befahrbar, Biberbahn startet.
1. Mai 2025: Erste Züge halten wieder in Göggingen.
Häufige Fragen
Wie heißt die Strecke noch?
Was ist das Seehäsle?
Wann endete der Personenverkehr auf der Gesamtstrecke?
Halten die Züge heute in Zizenhausen und Hoppetenzell?
Gibt es wieder einen Halt in Göggingen?
Die Ablachtalbahn ist kein toter Strang, aber an ihren Halten zeigt sich, wie unterschiedlich es nach dem Ende des Regelverkehrs weiterging.
Für Zizenhausen und Hoppetenzell wird ein neuer Halt untersucht, in Göggingen gibt es seit 2025 wieder einen Bahnsteig.
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