Die stillen Halte der Strecke Rosenheim–Salzburg: vom Simssee bis ins Ainringer Moos

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Strecke Rosenheim–Salzburg: vom Simssee bis ins Ainringer Moos

Die Hauptbahn Rosenheim–Salzburg fährt seit 1860, doch mehrere ihrer Halte sind aufgelassen. Hier stehen Stephanskirchen, Simssee, Krottenmühl, Rimsting, Lauter, Rückstetten und Niederstraß.

Das alte Bahnhofsgebäude des früheren Bahnhofs Stephanskirchen, aufgenommen 2016.
Das alte Bahnhofsgebäude des früheren Bahnhofs Stephanskirchen, aufgenommen 2016. Foto: Hg6996, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1860
Hauptbahn eröffnet
1967
Simssee aufgelassen
1981
Stephanskirchen und Krottenmühl enden
1982
Rückstetten und Lauter enden

Lage: Zwischen Rosenheim und Freilassing in Oberbayern. Status: Die Hauptbahn ist in Betrieb, die Halte Stephanskirchen, Simssee, Krottenmühl, Rimsting, Lauter, Rückstetten und Niederstraß sind für Reisende aufgelassen. Heute: Mehrere Empfangsgebäude stehen noch.

Die Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Bayern und Österreich.

Sie führt von Rosenheim über Traunstein und Freilassing nach Salzburg und ist eine internationale Verkehrsachse.

Mehrere kleine Halte an der Strecke wurden in den 1960er bis 1980er Jahren für Reisende aufgelassen.

Dieser Beitrag behandelt nur diese aufgelassenen Halte, nicht den heutigen Betrieb der Hauptbahn.

Freie Fotos gibt es nur von Stephanskirchen und Rimsting.

Entstehung: Eröffnung 1860 mit schwierigen Dämmen

Am 7. Mai 1860 wurde der Abschnitt Rosenheim–Traunstein in Betrieb genommen.

Zwischen Traunstein und Salzburg folgte die Eröffnung am 1. August 1860.

Am 12. August 1860 wurde die gesamte Strecke unter Anwesenheit von König Maximilian II. und Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet.

Die Feierlichkeiten dauerten drei Tage.

Die Bauarbeiten im Bereich des Chiemsees und des Simssees schritten nur langsam voran.

Da die Bahndämme immer wieder zusammenrutschten, mussten sie schließlich mit Holzgerüsten gestützt werden.

Die Baukosten betrugen insgesamt 10.204.649 Gulden.

Davon entfielen 568.301 Gulden auf die Bahnhofsbauten.

So sah es vorher aus: Ausbau und Selbstblock

Das Gesetz zum zweigleisigen Ausbau wurde am 29. Dezember 1891 beschlossen.

1893 begannen die Bauarbeiten zwischen Rosenheim und Stephanskirchen, 1894 wurde auf der gesamten Strecke gebaut.

Das zweite Gleis ging zwischen Rosenheim und Endorf am 1. August 1894 in Betrieb.

Am 21. März 1928 wurde die Oberleitung zwischen Rosenheim und Traunstein in Betrieb genommen.

Zwischen Bad Endorf und Prien ging am 28. Juni 1964 ein Selbstblocksystem in Betrieb, das die Besetzung des Bahnhofs Rimsting unnötig machte.

Am 14. Juli 1969 und in den folgenden Tagen wurde das Selbstblocksystem Traunstein–Teisendorf eröffnet.

So konnte das Personal der Stationen Bergen und Lauter eingespart werden.

Stephanskirchen: Kreuzungsbahnhof von 1860

Der Bahnhof Stephanskirchen wurde 1860 als Kreuzungsbahnhof an der zunächst eingleisig gebauten Strecke eröffnet.

Für den Güterverkehr gab es eine Laderampe, eine Ladestraße und einen Güterschuppen.

Der Reisezugverkehr wurde am 31. Mai 1981 aufgegeben.

Der Güterverkehr folgte vier Jahre später am 25. November 1985.

Das alte Bahnhofsgebäude des früheren Bahnhofs ist erhalten.

Simssee: ein Haltepunkt für Ausflügler

Der Haltepunkt Simssee wurde 1934 in Betrieb genommen.

Er diente hauptsächlich dem Ausflugsverkehr an den Simssee und wurde deshalb viele Jahre nur in der Sommersaison bedient.

Am 28. August 1967 wurde die Station stillgelegt.

Die Strecke führt am Simssee in starker Steigung am nördlichen Ufer entlang.

2023 wurde die Überleitstelle Simssee nahe dem Ufer auf Höhe des Dorfs Edling errichtet.

Sie liegt mehr als einen Kilometer vom gleichnamigen ehemaligen Haltepunkt entfernt.

Krottenmühl: Haltepunkt von 1895

Am 15. Oktober 1895 entstand in Krottenmühl ein Haltepunkt für den Personenverkehr.

Er wurde wenige Jahre später auch für den Güterverkehr genutzt.

Seit dem 5. Februar 1901 steuerte ein mechanisches Stellwerk die Weichen und Signale.

Am 31. Mai 1981 wurde der Güter- und Personenverkehr eingestellt.

Das Empfangsgebäude ist heute noch vorhanden.

Rimsting: ein Bahnhof für König Ludwig II.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Rimsting, aufgenommen 2008, damals als Kulturbahnhof genutzt.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Rimsting, aufgenommen 2008, damals als Kulturbahnhof genutzt. Foto: Rottaler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Bahnhof Rimsting liegt bei Streckenkilometer 20,6 und östlich des Dorfes zwischen Dorf und Chiemsee.

1881 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Bahnhof exklusiv für König Ludwig II.

Normale Personenzüge bedienten die Station nicht.

Der König nutzte ihn als Umsteigepunkt, um die Baustelle des Schlosses Herrenchiemsee zu besuchen.

1886 wurde der Bahnhof aufgegeben, da der König verstarb.

Der als Aufenthaltsraum für den König erbaute Pavillon wurde nach Prien am Chiemsee versetzt und steht dort unter Denkmalschutz.

Im Oktober 1895 wurde der Bahnhof als reguläre Station wiedereröffnet.

Das heutige Empfangsgebäude wurde in den Jahren 1910 bis 1911 erbaut.

1940 hatte der Bahnhof eine Laderampe, eine Ladestraße und einen Güterschuppen.

1981 hielt der letzte Personenzug in Rimsting.

Ein Gleisanschluss zur Anlieferung von Flüssiggas besteht bis heute, der ehemalige Bahnhof ist eine Ausweichanschlussstelle.

Das ehemalige Empfangsgebäude ist denkmalgeschützt.

Seit 2006 war darin eine Kulturbegegnungsstätte untergebracht, 2013 wurden die Räume von einem Thai-Restaurant übernommen.

1995, zum 150. Geburtstag von König Ludwig II., wurde wenige Meter südlich des Bahnhofsgebäudes ein kleines Denkmal in Form einer mannshohen Stahlsäule aufgestellt.

Die Inschrift weist darauf hin, dass der König hier mit dem Zug ankam und dann über den Chiemsee fuhr.

Lauter: Bahnhof mit Güterschuppen

Der Bahnhof Lauter wurde mit der Eröffnung der Strecke 1860 in Betrieb genommen.

Es gab zwei Bahnsteiggleise sowie ein weiteres Stumpfgleis mit Laderampe und Güterschuppen.

1982 wurde der Bahnhof für den Personenverkehr stillgelegt, 1990 für den Güterverkehr.

Seitdem ist Lauter eine Überleitstelle.

Rückstetten: erst Blockstelle, dann Haltepunkt

Die Blockstelle Rückstetten existierte seit März 1906.

Seit 1908 hielten dort auch Personenzüge.

Im Juli 1969 wurde die Blockstelle aufgelöst.

Am 23. Mai 1982 wurde der Haltepunkt stillgelegt.

2019 wurde der Bau einer Überleitstelle nahe dem ehemaligen Haltepunkt bei Kilometer 64,5 ausgeschrieben, im Spätsommer 2020 ging sie in Betrieb.

Niederstraß: Haltepunkt für den Torf

Der Haltepunkt Niederstraß wurde 1895 am damaligen Bahnübergang östlich des Weilers Niederstraß eingerichtet.

Er diente hauptsächlich der Verladung des Torfes aus der Umgebung.

Dafür entstand nach dem Ersten Weltkrieg eine eigene Torfbahn in Schmalspur.

Teile davon werden als Museumsbahn durch die Freunde Ainringer Moos betrieben.

Am 1. Oktober 1978 wurde der Haltepunkt für den Personenverkehr stillgelegt.

Seit April 1984 befindet sich das Gebäude in Privatbesitz, wurde umgebaut und ist für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Im Mai 1990 wurde die Torfverladung eingestellt.

Nach der Verlegung der Bundesstraße 304 am 26. Oktober 2015 wurde der Bahnübergang gesperrt und die Schranken wurden abgebaut.

Der Gleisanschluss für das ehemalige Torfwerk und das Lagerhaus war schon vor der Einstellung des Torfabbaus abgebaut worden.

Vorher und nachher: Überleitstellen statt Halte

Vorher hielten Personenzüge an kleinen Stationen wie Stephanskirchen, Krottenmühl, Rückstetten und Lauter.

Nachher wurden einige dieser Stellen zu Überleitstellen, die nur Zügen den Gleiswechsel ermöglichen.

So entstand die Überleitstelle Simssee 2023 und die Überleitstelle Rückstetten im Spätsommer 2020.

Lauter ist seit der Stilllegung eine Überleitstelle.

So sieht es jetzt aus

Erhalten sind das alte Empfangsgebäude in Stephanskirchen, das Empfangsgebäude in Krottenmühl und das denkmalgeschützte Empfangsgebäude in Rimsting.

In Niederstraß steht das umgebaute Gebäude in Privatbesitz.

Zu Gebäuden in Simssee, Lauter und Rückstetten sind keine Angaben belegt.

7. Mai 1860: Der Abschnitt Rosenheim–Traunstein wird eröffnet.

12. August 1860: Die gesamte Strecke wird feierlich eröffnet.

1881: Der Bahnhof Rimsting wird für König Ludwig II. eröffnet.

15. Oktober 1895: In Krottenmühl entsteht ein Haltepunkt.

1934: Der Haltepunkt Simssee geht in Betrieb.

28. August 1967: Der Haltepunkt Simssee wird stillgelegt.

1. Oktober 1978: Niederstraß verliert den Personenverkehr.

31. Mai 1981: In Stephanskirchen und Krottenmühl endet der Reisezugverkehr.

23. Mai 1982: Der Haltepunkt Rückstetten wird stillgelegt.

25. November 1985: Der Güterverkehr in Stephanskirchen endet.

Spätsommer 2020: Die Überleitstelle Rückstetten geht in Betrieb.

2023: Die Überleitstelle Simssee wird errichtet.

Ist die Strecke Rosenheim–Salzburg stillgelegt?
Nein, sie ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn, aufgelassen sind einzelne Halte.
Wann wurde Simssee stillgelegt?
Am 28. August 1967.
Wann endete der Personenverkehr in Stephanskirchen?
Am 31. Mai 1981, der Güterverkehr am 25. November 1985.
Wofür wurde der Bahnhof Rimsting gebaut?
Er wurde 1881 für König Ludwig II. eingerichtet, der hier zur Baustelle des Schlosses Herrenchiemsee umstieg.
Was ist aus Lauter geworden?
Der Bahnhof verlor 1982 den Personenverkehr und 1990 den Güterverkehr und ist seitdem eine Überleitstelle.
Gibt es in Niederstraß etwas zu sehen?
Teile der alten Torfbahn werden als Museumsbahn betrieben, das Stationsgebäude ist in Privatbesitz und nicht zugänglich.

Die Hauptbahn fährt weiter, doch an ihren aufgelassenen Halten erinnern Gebäude und einzelne Überleitstellen an die kleinen Stationen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg · Wikipedia: Bahnhof Rimsting

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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