Die Bahnstrecke Straubing–Miltach: stille Halte im Vorderen Bayerischen Wald

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Straubing–Miltach: stille Halte im Vorderen Bayerischen Wald

Von Bogen bis Miltach verband die Nebenbahn den Vorderen Bayerischen Wald mit Straubing. Heute führt ein Radweg über die Brücken, in Konzell Süd steht noch das Empfangsgebäude.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd.
Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd. Foto: Elcom.stadler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1895
Straubing–Bogen eröffnet
1905
Bis Miltach durchgehend
1984
Personenverkehr nach Miltach beendet
1995
Güterverkehr nach Miltach beendet

Lage: Niederbayern und Oberpfalz, von Bogen über Mitterfels und Konzell nach Miltach. Status: In Betrieb ist nur Straubing–Bogen, ab Bogen ist die Strecke stillgelegt. Heute: Radweg Bogen–Miltach, davon 37 Kilometer auf der alten Bahntrasse.

Die Bahnstrecke Straubing–Miltach ist eine Nebenbahn, die von Straubing in Niederbayern über Bogen nach Miltach in der Oberpfalz führte.

In Betrieb ist nur noch der kurze Abschnitt von Straubing nach Bogen, ab Bogen ist die Strecke stillgelegt.

Dieser Beitrag begleitet die stillen Halte hinter Bogen: Bogen Ost, Hunderdorf, Steinburg, Mitterfels, Haselbach, Haibach, Konzell und Rattenberg.

Alte freie Fotos der Halte liegen nicht vor, darum zeigen die Bilder erhaltene Gebäude und Brücken aus jüngerer Zeit.

Entstehung: erst Stichbahn, dann bis Miltach

Die Stadt Straubing beantragte am 20. Januar 1884 den Bau einer Lokalbahn nach Viechtach im Bayerischen Wald.

Als das abgelehnt wurde, bat sie um eine Durchgangsbahn nach Cham, auch das wurde unter Verweis auf die schon gebaute Waldbahn abgelehnt.

In Aussicht gestellt wurde nur eine Stichbahn.

Als Endbahnhof entschied man sich für das damals nur 200 Einwohner zählende Konzell.

Am 26. Mai 1892 wurde der Bahnbau gesetzlich genehmigt.

Nach dem Lokalbahngesetz mussten die Interessenten 195.000 Mark für den Grunderwerb aufbringen, nach längeren Diskussionen stand dafür die Stadt Straubing ein.

Die Strecke maß 32,7 Kilometer bei einer Luftlinie von 21,3 Kilometern zwischen Straubing und Konzell.

Am 9. Dezember 1895 wurde der erste Abschnitt von Straubing nach Bogen festlich eröffnet, mit Böllern und der Militärmusik des 11. Infanterie-Regiments.

Der Abschnitt von Bogen nach Steinburg folgte am 16. Mai 1896, der von Steinburg nach Konzell am 5. Dezember 1896.

Straubing forderte umgehend den Weiterbau nach Miltach, am 30. Juni 1900 wurde die Verlängerung Konzell–Miltach gesetzlich beschlossen.

Für den Konzeller Höhenzug und den Klinglbach mussten 210.000 Kubikmeter Erde bewegt werden.

Kötzting steuerte 10.000 Mark zum Grunderwerb bei, Mitterfels 3.000 Mark.

Am 1. Juni 1905 wurde das Reststück eröffnet und damit die Verbindung zur 1892 eröffneten Nebenbahn Cham–Kötzting geschaffen.

So sah es vorher aus: Schüler, Ziegel und Möbelcontainer

Der Personenverkehr übertraf 1897 mit 186.556 Reisenden die Erwartungen deutlich, weil viele Schüler mit dem Zug nach Straubing zur Schule fuhren.

Der Güterverkehr überstieg bald 20.000 Tonnen, dazu trug eine große Ziegelei in Bärndorf bei.

Bis in die 1950er-Jahre fuhren Dampflokomotiven der Baureihe 70.0, danach übernahmen Uerdinger Schienenbusse, die bis in die 1990er-Jahre blieben, und V 100 mit dreiachsigen Umbauwagen.

Die 50-Jahr-Feier von 1945 konnte nicht stattfinden, deshalb wurde 1955 eine 60-Jahr-Feier begangen, bei der die Kinder Freifahrkarten erhielten.

Bogen Ost

Bogen erhielt am 9. Dezember 1895 mit der Eröffnung des ersten Abschnitts seinen Eisenbahnanschluss.

Der Bahnhof Bogen wird noch heute von der Linie RB 32 angefahren, ab hier ist die Strecke stillgelegt.

Der Gesamtverkehr zwischen Bogen Ost und Konzell endete am 1. Dezember 1986, danach war die Strecke in zwei Teile geteilt.

Ab dem 27. Mai 1994 endete der Personenverkehr von Straubing bereits in Bogen, womit der Abschnitt Bogen–Bogen Ost stillgelegt war.

Seit 1988 verläuft von Bogen Ost bis Konzell ein Radweg.

Steinbogen-Eisenbalken-Brücke über die ehemalige Bahnstrecke Straubing–Miltach in Bogen-Bärndorf.
Steinbogen-Eisenbalken-Brücke über die ehemalige Bahnstrecke Straubing–Miltach in Bogen-Bärndorf. Foto: Gomera-b, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hunderdorf

Hunderdorf liegt an der stillgelegten Bahnstrecke Straubing–Miltach.

Dort feierte die Nolte-Möbel KG am 27. Februar 1973 die Verladung des 5.000. Großcontainers.

Weitere Angaben zum Halt Hunderdorf sind nicht belegt.

Steinburg

Der Abschnitt Bogen–Steinburg ging am 16. Mai 1896 in Betrieb.

Von Steinburg nach Konzell folgte am 5. Dezember 1896 der nächste Abschnitt.

Am 26. Mai 1983 beschloss der Verwaltungsrat der DB, den Reisezugverkehr zwischen Steinburg und Miltach einzustellen.

1978 hatte es auf diesem Abschnitt noch 16 Züge und 165 Fahrgäste pro Tag gegeben, zuletzt waren es vier Züge und 23 Fahrgäste.

Zuletzt lief nur noch ein Schienenbuspaar.

Die Stilllegung begann am 27. September 1984 mit dem Ende des Personenverkehrs zwischen Steinburg und Miltach.

Mitterfels

Von 1896 bis 1984 war Mitterfels durch die Bahnstrecke an das Bahnnetz angebunden.

Der Markt steuerte 3.000 Mark zum Grunderwerb für die Verlängerung nach Miltach bei.

Der Bahnhof Mitterfels ist erhalten.

Kurz davor führt eine 90 Meter lange Stahlbrücke in 23 Metern Höhe über das Menachtal, über sie verläuft heute der Radweg zum Bahnhof.

Steinbogenbrücke über die ehemalige Bahnlinie Straubing–Miltach in Mitterfels.
Steinbogenbrücke über die ehemalige Bahnlinie Straubing–Miltach in Mitterfels. Foto: Bernhard Puls, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Brücke bei Mitterfels.
Brücke bei Mitterfels. Foto: Willi Heidelbach, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Haselbach

Haselbach lag an der Bahnstrecke Straubing–Miltach.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Haibach

Die stillgelegte und abgebaute Bahnstrecke führte durch die Gemeinde Haibach.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Konzell

Konzell war von 1896 bis zur Verlängerung 1905 der Endbahnhof der Strecke.

Bei der Rentabilitätsrechnung für die Verlängerung zählte der Ort schon 1.000 Einwohner.

An der Strecke gab es die Stationen Konzell Süd und Konzell-Steifenau.

Im September 1978 empfing das Unternehmen Bischof und Klein auf seinem Anschlussgleis in Konzell den 5.000. Waggon der DB.

Der Gesamtverkehr zwischen Bogen Ost und Konzell endete am 1. Dezember 1986.

Von Konzell Süd sind Empfangsgebäude, Güterabfertigung und Lokomotivschuppen erhalten.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd, von der ehemaligen Gleisstrecke aus gesehen.
Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd, von der ehemaligen Gleisstrecke aus gesehen. Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Güterhalle des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd, vom ehemaligen Gleis aus gesehen.
Die Güterhalle des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd, vom ehemaligen Gleis aus gesehen. Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Nebengebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd.
Nebengebäude des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd. Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Nebengebäude mit Toilette, Holzlege und Waschküche des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd.
Nebengebäude mit Toilette, Holzlege und Waschküche des ehemaligen Bahnhofs Konzell-Süd. Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rattenberg

Ab 1905 hatte Rattenberg einen Bahnhof im nördlichen Gemeindeteil Wies.

Er gehörte zu dem Reststück, das am 1. Juni 1905 eröffnet wurde.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Miltach, der Endpunkt

In Miltach endete die Strecke bis 1995 und traf auf die Linie Cham–Kötzting.

Der Bahnhof erhielt sechs Gleise und trug bis in die 1980er-Jahre den inoffiziellen Beinamen „größter Nebenbahnbahnhof Bayerns“.

1919 entstand dort ein einstöckiges Bahnhofsgebäude mit Natursteinmauerwerk, großen Fenstern und einem Ziegelwalmdach.

Miltach wird heute weiter von Zügen der Oberpfalzbahn bedient, die Strecke nach Straubing wurde bis 1997 demontiert.

In Miltach überquerte die Bahn den Regen auf einer Stahlbrücke, die auf vier Pfeilern ruhte.

Ehemalige Bahnbrücke über den Regen in Miltach.
Ehemalige Bahnbrücke über den Regen in Miltach. Foto: Gomera-b, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Bahnbrücke über den Regen in Miltach, Blick von der Bahnhofstraße nach Osten.
Die ehemalige Bahnbrücke über den Regen in Miltach, Blick von der Bahnhofstraße nach Osten. Foto: Gomera-b, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Auf der ehemaligen Trasse wurde 1988 der Radweg Bogen Ost–Konzell eröffnet, 1997 folgte der Abschnitt Konzell–Miltach.

Von der 39 Kilometer langen Verbindung Bogen–Miltach verlaufen 37 Kilometer auf der alten Bahntrasse.

Auf dem Abschnitt Straubing–Bogen fahren weiter Regionalbahnen der Linie RB 32.

Der Güterverkehr zwischen Konzell und Miltach, den zuletzt die Regentalbahn besorgte, endete am 31. Oktober 1995.

Vorher und nachher

Als Straubing 1895 den ersten Abschnitt feierte, war die Strecke eine Stichbahn mit Ziel Konzell.

1905 reichte sie bis Miltach und schuf eine durchgehende Nord-Süd-Verbindung zwischen Straubing und Cham.

1984 endete der Personenverkehr nach Miltach, 1986 und 1994 folgten weitere Abschnitte.

1995 endete der Güterverkehr nach Miltach.

Heute führen Radfahrer über dieselben Brücken.

20. Januar 1884: Straubing beantragt eine Lokalbahn nach Viechtach.

26. Mai 1892: Der Bau der Strecke nach Konzell wird gesetzlich genehmigt.

9. Dezember 1895: Der Abschnitt Straubing–Bogen wird eröffnet.

16. Mai 1896: Der Abschnitt Bogen–Steinburg folgt.

5. Dezember 1896: Steinburg–Konzell geht in Betrieb.

1. Juni 1905: Das Reststück nach Miltach wird eröffnet.

26. Mai 1983: Der DB-Verwaltungsrat beschließt das Ende des Reisezugverkehrs Steinburg–Miltach.

27. September 1984: Der Personenverkehr zwischen Steinburg und Miltach endet.

1. Dezember 1986: Der Gesamtverkehr zwischen Bogen Ost und Konzell endet.

27. Mai 1994: Der Personenverkehr von Straubing endet in Bogen.

31. Oktober 1995: Der Güterverkehr zwischen Konzell und Miltach endet.

Fährt auf der Strecke Straubing–Miltach noch ein Zug?
Nur zwischen Straubing und Bogen, dort verkehren Regionalbahnen der Linie RB 32. Ab Bogen ist die Strecke stillgelegt.
Wann endete der Personenverkehr nach Miltach?
Der Personenverkehr zwischen Steinburg und Miltach endete am 27. September 1984.
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
Ja, von Bogen Ost bis Konzell seit 1988 und von Konzell bis Miltach seit 1997, 37 der 39 Kilometer verlaufen auf der alten Bahntrasse.
Was ist vom Bahnhof Konzell Süd erhalten?
Empfangsgebäude, Güterabfertigung und Lokomotivschuppen sind erhalten.
Welcher Bahnhof ist an der Strecke erhalten?
Auch der Bahnhof Mitterfels ist erhalten, der Radweg führt über die Stahlbrücke über das Menachtal dorthin.

Zu Hunderdorf, Haselbach und Haibach ist wenig mehr als die Lage an der Strecke belegt.

Dafür sind in Konzell Süd und Mitterfels die Bahnhöfe erhalten geblieben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Straubing–Miltach · Wikipedia: Bogen (Stadt) · Wikipedia: Hunderdorf · Wikipedia: Mitterfels · Wikipedia: Haselbach (Niederbayern) · Wikipedia: Haibach (Niederbayern) · Wikipedia: Konzell · Wikipedia: Rattenberg (Niederbayern) · Wikipedia: Miltach

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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