Zabergäubahn: Die stillen Halte zwischen Lauffen und Leonbronn
Die Zabergäubahn ist seit 1995 stillgelegt, die Reaktivierung wird seit Jahrzehnten verfolgt. Sieben Halte der Strecke, von Hausen bis Leonbronn, stehen in diesem Beitrag.

Lage: Zabergäu, Landkreis Heilbronn, Lauffen am Neckar bis Leonbronn. Status: Seit 1995 stillgelegt, aber weiterhin als Eisenbahnstrecke gewidmet. Heute: Der Landkreis Heilbronn verfolgt die Reaktivierung als Stadtbahnstrecke.
Die Zabergäubahn führt von Lauffen am Neckar durch das Zabergäu nach Leonbronn.
Seit 1995 ist sie stillgelegt, als Eisenbahnstrecke ist sie aber weiterhin gewidmet.
Der Landkreis Heilbronn verfolgt seitdem die Reaktivierung als Teil der Stadtbahn Heilbronn.
Dieser Beitrag geht sieben Halte der Strecke einzeln durch: Hausen, Meimsheim, Brackenheim, Güglingen, Pfaffenhofen, Zaberfeld und Leonbronn.
Wo zu einem Halt wenig belegt ist, steht das offen im Text.
Die Strecke: Von der Schmalspur zur Normalspur
Am 28. August 1896 eröffneten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Schmalspurbahn von Lauffen am Neckar bis Güglingen.
Die Spurweite betrug 750 Millimeter.
Im April 1901 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung bis Leonbronn, noch 1901 ging sie in Betrieb.
Die Kraichgauorte Sternenfels, Kürnbach, Derdingen, Großvillars und Knittlingen wünschten eine Fortsetzung bis Bretten.
Die Staatsbahn hielt das wegen der ungünstigen Topografie am Talende des Zabergäus nicht für wirtschaftlich.
Von 1919 bis 1923 entstand stattdessen die nicht vollendete Bahnstrecke Bretten–Kürnbach.
Nach dem Zweiten Weltkrieg genügte die Schmalspurbahn den Anforderungen der Deutschen Bundesbahn nicht mehr.
Sie richtete ab 1950 einen parallelen Bahnbus-Verkehr ein und dünnte den Fahrplan der Personenzüge aus, mit dem Ziel, die Strecke stillzulegen.
Am 20. Juni 1959 wurde bei Lauffen ein Bahnbus auf einem Bahnübergang von einem Zug der Frankenbahn erfasst.
45 Menschen starben bei dem Unglück.
Die Anliegergemeinden und die heimische Wirtschaft gründeten danach die Aktionsgemeinschaft Zabergäu.
Sie setzte die Rückverlagerung des Verkehrs, die Modernisierung der Strecke und die Umspurung durch.
Der Umbau auf Normalspur begann am 11. Mai 1964.
Am 27. September 1964 ging der Abschnitt Lauffen–Brackenheim in Betrieb, am 11. Oktober 1964 folgte das Stück bis Güglingen und am 25. Juli 1965 der Rest bis Leonbronn.
Die meisten der 69 ungesicherten Bahnübergänge verschwanden dabei.
Die Höchstgeschwindigkeit stieg von 30 auf 60 Kilometer pro Stunde, die Fahrzeit zwischen den Endpunkten sank von 69 auf 35 Minuten.
Abgesehen vom Güterabschnitt der Bottwartalbahn von Marbach nach Steinheim war das die einzige von der Bundesbahn durchgeführte Umspurung.
In den 1970er und 1980er Jahren sank die Auslastung.
Die Zahl der Fahrgäste ging von 1976 bis 1983 von 425 auf 218 pro Tag zurück.
1986 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr ein.
Der Verein Freunde der Zabergäubahn fuhr von 1986 bis 1992 jedes Jahr am 1. Mai Ausflugs-Sonderfahrten mit gecharterten Zügen.
Ab 1993 gestattete die Bahn wegen des schlechten Streckenzustands keine Fahrten mehr.
Die Rübenkampagne 1992 sorgte zuletzt für nennenswerten Güterverkehr.
Danach wurde noch kurz eine Recyclingfirma in Pfaffenhofen bedient.
Zum 25. September 1994 gab die Bahn auch den Güterverkehr auf.
Die Stilllegung wurde zum 1. Juli 1995 wirksam.
Hausen (Zaber): Der Halt, der früh verschwand
Hausen an der Zaber liegt im unteren Zabergäu und gehört seit 1974 zu Brackenheim.
Der Haltepunkt Hausen (Zaber) lag bei Streckenkilometer 2,73 in 172 Metern Höhe.
Er bestand nur bis 1957.
Die übrigen Bahnhöfe der Strecke blieben dagegen bis 1986 im Personenverkehr.
Zu einem Empfangsgebäude in Hausen ist nichts belegt.
Kurz hinter dem Haltepunkt lagen mehrere Gleisanschlüsse.
Der Anschluss Steinbruch bei Kilometer 3,0 bestand bis 1958.
Die Untere Schellenmühle bei Kilometer 3,65 hatte einen Anschluss bis 1964, ein Sägewerk bei Kilometer 3,72 ab 1964.

Meimsheim: Der Bahnhof bei Kilometer 5,22
Der Bahnhof Meimsheim lag bei Streckenkilometer 5,22 in 179,7 Metern Höhe.
Das Empfangsgebäude wurde als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.
Kurz hinter dem Bahnhof überquerte die Strecke bei Kilometer 5,7 die Zaber.
Laut einem Bericht vom April 2026 mähen in Meimsheim Vereinsmitglieder die Trasse, damit sie nicht zuwächst.

Brackenheim: Bahnhof mit Eröffnungsfest
Der Bahnhof Brackenheim lag bei Streckenkilometer 7,36 in 200,5 Metern Höhe.
Sein Empfangsgebäude ist ein Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.
Aufnahmen der Eröffnungsfeier zeigen die Dampflokomotive Tss 3 und Festschmuck in den Straßen.
Im Ort gab es mehrere Gleisanschlüsse, darunter Anschlüsse eines Lagerhauses und von Raiffeisen.
Bei Kilometer 8,4 kam nach 1964 der Anschluss Bofinger hinzu.



Für den Betrieb einer Stadtbahn war in den Planungen um 1999 ein Kreuzungsbahnhof in Brackenheim oder Frauenzimmern vorgesehen.
Die Machbarkeitsstudie von 2017 sah stattdessen eine 1,1 Kilometer lange Doppelspurinsel zwischen Brackenheim und Frauenzimmern vor.
Güglingen: Endpunkt der ersten Bauetappe
Der Bahnhof Güglingen lag bei Streckenkilometer 11,82 in 197,1 Metern Höhe.
Bis hierher reichte die Strecke bei ihrer Eröffnung 1896.
Das Empfangsgebäude ist wie das in Brackenheim ein Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.
Der Modellbauhersteller Faller bietet den Güglinger Bahnhof als H0-Modell und als N-Modell an.

Die Dampflok 99 716 mit dem Spitznamen Rosa war meist im Zabergäu im Einsatz.
Sie kam noch kurz zur Bottwartalbahn und wurde im März 1965 ausgemustert.
Die Aktionsgemeinschaft Zabergäu erwarb sie als Dauerleihgabe und stellte sie im November 1968 als Denkmal in Güglingen auf.
1970 erhielt der Standort eine Überdachung und wurde zum Eisenbahnmuseum.
1987 übernahm die Stadt Güglingen das Museum.
1993 übernahm die Öchsle-Museumsbahn die Lok und machte sie wieder betriebsfähig, das Museum wurde aufgelöst.

Die Machbarkeitsstudie von 2017 schlug für eine Reaktivierung einen zusätzlichen Haltepunkt Güglingen Sophienstraße vor.
Pfaffenhofen: Eine Trasse, die gesichert wird
Der Bahnhof Pfaffenhofen lag bei Streckenkilometer 14,46 in 203,3 Metern Höhe.
1901 erreichte die Zabergäubahn Pfaffenhofen und Weiler.
Das Empfangsgebäude wurde als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.
Nach der Rübenkampagne 1992 bediente die Bahn hier noch kurz eine Recyclingfirma.

Nach einem Planfeststellungsbeschluss vom März 2017 wird die Trasse östlich und innerhalb von Pfaffenhofen auf knapp 900 Metern von der Ortsumfahrung Güglingen–Pfaffenhofen der Landesstraße 1103 überbaut.
Weil eine Reaktivierung rechtlich jederzeit möglich sein muss, wurde die Trasse im Verfahren um 6 bis 10 Meter nach Norden versetzt planerisch abgesichert.
2024 war die Ortsumfahrung im Bau.

Zaberfeld: Der Halt, der den Ort durchquerte
Der Bahnhof Zaberfeld lag bei Streckenkilometer 17,79 in 218,6 Metern Höhe.
1901 erreichte die Zabergäubahn Zaberfeld.
Das Empfangsgebäude wurde als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.
Die Bahn durchquerte den Ort.
Mit der Stilllegung 1995 gingen im Ort umfangreiche Umgestaltungs- und Sanierungsmaßnahmen einher.
2004 wurde die Bahnhofstraße saniert.

Im Konzept von 1999 und 2000 sollte die Zabergäubahn nur noch bis Zaberfeld wieder in Betrieb gehen.
Die Stadtbahnlinie S3 sollte dann von Neckarsulm Nord bis Zaberfeld fahren.
Leonbronn: Das Ende der Strecke
Der Bahnhof Leonbronn lag am Streckenende bei Kilometer 20,25 in 244,6 Metern Höhe.
Der Ort war von 1901 bis 1995 Endpunkt der Zabergäubahn.
Das Bahnhofsgebäude wurde als Einheitsbahnhof vom Typ IIa gebaut.
Leonbronn schloss sich am 1. Januar 1971 mit Ochsenburg zur Gemeinde Burgbronn zusammen.
Am 1. Januar 1975 kam Burgbronn zu Zaberfeld.

Das im September 1992 vorgestellte und im Januar 1994 beschlossene ÖPNV-Leitbild sah vor, die Zabergäubahn bis Leonbronn in der letzten Ausbaustufe zu elektrifizieren.
Die dafür nötigen Investitionen wurden auf 34,8 Millionen D-Mark geschätzt.
So sieht es jetzt aus
Die Zabergäubahn ist stillgelegt, aber weiterhin als Eisenbahnstrecke gewidmet.
Die Strecke gehörte nach einem Gutachten von 2020 weiterhin der DB Netz.
2010 wurde sie im Bereich des Lauffener Bahnhofs unterbrochen, dort steht ein Vorsignal der Hauptbahn.
Laut einem Bericht vom April 2026 ist die Trasse noch vorhanden, ebenso einige Zeugnisse der Eisenbahnvergangenheit.
Eine Studie von 2017 bescheinigte, dass die Trasse noch vollständig zur Verfügung steht und die Brücken in akzeptablem Zustand sind.
Das Gleisbett müsste vollständig saniert, Gleise, Sicherungstechnik und Bahnsteige müssten neu errichtet werden.
Im Juli 2023 lag das Ergebnis der Standardisierten Bewertung vor: knapp 86 Millionen Euro Baukosten und 2.110 bis 2.660 zusätzliche Fahrgäste täglich.
Der Kosten-Nutzen-Faktor betrug 1,42 im Stundentakt und 1,94 im Halbstundentakt.
Von Oktober bis Dezember 2023 stimmten der Kreistag, der Heilbronner Gemeinderat und alle Anrainerkommunen im Grundsatz der Reaktivierung zu.
Das Landesverkehrsministerium ging 2025 von einem Baubeginn in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre aus, die Inbetriebnahme sei frühestens Mitte der 2030er-Jahre möglich.
Die Geschichte in Daten
28. August 1896: Die Schmalspurbahn Lauffen–Güglingen wird eröffnet.
1901: Die Verlängerung nach Leonbronn geht in Betrieb.
1957: Der Haltepunkt Hausen (Zaber) besteht bis zu diesem Jahr.
20. Juni 1959: Ein Bahnbus wird bei Lauffen von einem Zug erfasst, 45 Menschen sterben.
27. September 1964: Der normalspurige Abschnitt Lauffen–Brackenheim geht in Betrieb.
25. Juli 1965: Die Umspurung bis Leonbronn ist abgeschlossen.
1986: Die Bundesbahn stellt den Personenverkehr ein.
25. September 1994: Der Güterverkehr wird aufgegeben.
1. Juli 1995: Die Stilllegung wird wirksam.
Juli 2023: Die Standardisierte Bewertung für die Reaktivierung liegt vor.
Häufige Fragen
Ist die Zabergäubahn stillgelegt?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Wird die Strecke wieder in Betrieb genommen?
Wie lang ist die Strecke?
Warum wurde die Strecke auf Normalspur umgebaut?
Gibt es noch ein Bahnmuseum in Güglingen?
Die Zabergäubahn ist eine stillgelegte, aber nicht aufgegebene Strecke.
Über die sieben Halte ist unterschiedlich viel belegt, am meisten über Güglingen und Brackenheim.
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