Federseebahn: Die stillen Halte zwischen Bad Buchau und Riedlingen
Das Buchauer Zügle fuhr auf 750 Millimetern Spurweite von Bad Schussenried nach Riedlingen. Ein Rundgang durch die Halte der zuletzt eröffneten Schmalspurstrecke der württembergischen Staatsbahn.

Lage: Landkreis Biberach, von Bad Schussenried über Bad Buchau nach Riedlingen. Status: Schmalspurbahn mit 750 Millimetern Spurweite, die Strecke ist stillgelegt. Heute: Eine Denkmallokomotive erinnert am ehemaligen Bahnhof in Bad Buchau an die Bahn.
Die Federseebahn war eine 29,34 Kilometer lange Schmalspurbahn in Oberschwaben.
Sie verband Bad Schussenried mit Riedlingen, die Spurweite betrug 750 Millimeter.
Vor Ort heißt sie nicht Federseebahn, sondern Buchauer Zügle oder Buchauer Bähnle, auch Kanzachtalbahn wird sie genannt.
Dieser Beitrag geht die stillen Halte zwischen Bad Buchau und Riedlingen einzeln durch und schreibt bei jedem nur, was belegt ist.
Freie historische Fotos der Strecke sind auf Wikimedia Commons selten, deshalb zeigt der Beitrag nur drei Aufnahmen.
Ein Name von außen
Den Namen Federseebahn brachte der Esslinger Unternehmer Emil Kessler junior auf.
Er ließ 1880 auf eigene Rechnung zwei Lokomotiven für das Projekt einer Dampftramway von Schussenried nach Buchau bauen.
Die Vereinbarung mit der Gemeinde Buchau kam nicht zustande.
Eisenbahnfreunde griffen die Bezeichnung in den 1960er Jahren auf.

Entstehung
Der Bau der Schmalspurbahn auf eigenem Gleiskörper wurde am 14. Juli 1895 genehmigt.
Die Arbeiten begannen am 8. April 1896.
Schon am 13. Oktober desselben Jahres wurde die Strecke von Schussenried nach Buchau eröffnet.
Der Bahnhof Buchau war so angelegt, dass eine Fortsetzung ins Kanzachtal ohne zusätzlichen Aufwand möglich war.
Dass es dazu kam, ist vor allem dem Kunstmüller Josef Blank aus Seelenwald zu verdanken.
Er wies auf den erwarteten Holzverkehr und auf die Wallfahrten zum Berg Bussen hin.
Am 16. August 1907 wurde der Weiterbau nach Riedlingen genehmigt.
Am 15. November 1915 ging die Verlängerung bis Dürmentingen in Betrieb, am 27. November 1916 war Riedlingen erreicht.
Das Stück Buchau–Riedlingen war die letzte Schmalspurstrecke, die die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eröffneten.
So sah es vorher aus: kleine Zahlen
Der Verkehr blieb bescheiden.
1912 und 1913 wurden in Buchau 11.650 Tonnen Güter umgeschlagen und 44.030 Fahrkarten verkauft.
Von 1907 bis 1919 übernahm der einzige schmalspurige Dampftriebwagen der württembergischen Staatsbahn, der DWss Nr. 1, fast den gesamten Personenverkehr zwischen Schussenried und Buchau.
Als Zugmaschinen dienten vor allem Lokomotiven der Baureihe Tssd.
1950 wurden in Buchau 29.918 Fahrkarten verkauft, in Schussenried Ort 17.901.
Dürmentingen und Unlingen kamen auf je etwas über 5.000 Fahrkarten.

Bad Buchau
Der Bahnhof Buchau lag bei Kilometer 9,45 und war der wichtigste Zwischenbahnhof der Strecke.
Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Empfangsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.
Vor 1964 hieß der Bahnhof Buchau (Württ), danach Bad Buchau.
Am ehemaligen Bahnhof steht heute die Denkmallokomotive 99 637.
Der örtliche Lumpenchor organisiert ein jährliches Züglesfest und kümmert sich um die Instandhaltung der Lokomotive.
Kappel
Der Bahnhof Kappel lag bei Kilometer 10,2 hinter Buchau.
Nach der Stilllegung von Buchau bis Riedlingen im Jahr 1960 wurde die Strecke zwischen Kappel und Riedlingen bald darauf abgebaut.
Der Abschnitt Buchau–Kappel blieb dagegen bestehen und diente als Bahnhofsgleis des Bahnhofs Buchau zur Bedienung des Lagerhauses in Kappel.
Dürnau
In der Streckentabelle steht bei Kilometer 12,5 der Haltepunkt Volloch-Dürnau.
Der Ort Dürnau selbst hatte dagegen keine Haltestelle, hier gehen die Angaben auseinander.
Kanzach
Kanzach hatte einen Bahnhof bei Kilometer 14,22.
Rund eineinhalb Kilometer weiter lag der Bahnhof Seelenwald bei Kilometer 15,76, der Heimatort des Müllers Josef Blank.
Zur Gemeinde Kanzach gehören bis heute die Häuser Bahnhof Seelenwald.
Die Strecke mit den Haltestellen Kanzach und Seelenwald wurde 1960 stillgelegt.
Dürmentingen
Dürmentingen erhielt 1915 einen Haltepunkt an der Federseebahn.
Er lag bei Kilometer 19,49.
Bis hierher reichte die Strecke zunächst, das Reststück nach Riedlingen folgte 1916.
Hinter Dürmentingen folgten der Haltepunkt Burgau bei Kilometer 20,5 und der Bahnhof Hailtingen bei Kilometer 22,45.
Unlingen
In Unlingen gab es zwei Haltestellen, Unlingen Ort und Göffingen.
Der Halt Göffingen lag bei Kilometer 24,31, Unlingen Ort bei Kilometer 25,55.
Gut anderthalb Kilometer weiter überquerte die Federseebahn bei Kilometer 27,2 die Hauptbahn Ulm–Sigmaringen.
Sie endete im Bahnhof Riedlingen bei Kilometer 29,34, der als Bahnhof der Strecke Ulm–Sigmaringen nicht stillgelegt ist.
Niedergang und Ende
Am 2. Oktober 1960 wurde der Abschnitt Buchau–Riedlingen stillgelegt.
Am 31. Mai 1964 endete der Personenverkehr zwischen Schussenried und Bad Buchau.
In den letzten Jahren davor fuhr nur noch ein einzelner Reisezug in eine Richtung, also kein Zugpaar.
Der Güterverkehr lief zunächst weiter.
Zum 1. Juni 1969 wurde auch dieser Abschnitt stillgelegt.
Bis Anfang 1970 war in Bad Schussenried noch eine Schmalspurlokomotive der Baureihe 251 stationiert, die Gleisanschlüsse bediente.
Danach wurden die Schmalspurschienen abgebaut, im Abschnitt Bad Schussenried–Torfwerk wurde auf Normalspur umgespurt.
So sieht es jetzt aus
Das umgespurte Gleis diente zuletzt einem Kieswerk auf dem früheren Torfwerksgelände und Anschließern in Bad Schussenried.
Die Bedienung der Anschlüsse im Stadtgebiet endete im Dezember 2001, im Spätsommer 2002 fuhren die letzten Kieszüge.
Nachdem das Eisenbahn-Bundesamt im November 2013 den Abbau genehmigt hatte, wurden die Gleise der Deutschen Bahn Mitte der 2010er Jahre teilweise entfernt.
Der Privatgleisabschnitt zum Kieswerk ist noch vorhanden, aber mit dem übrigen Netz nicht mehr verbunden.
Vom 13. April bis 6. Oktober 2003 pendelten Triebwagen während der Landesausstellung zwischen dem Bahnhof Bad Schussenried und einem neuen Haltepunkt vor dem Klostertor.
Der damals angelegte Bahnsteig ist noch vorhanden.
Im Juni 2026 beschloss der Gemeinderat von Bad Schussenried, die Planungen für eine Reaktivierung bis zum Kloster auf Eis zu legen.
Stattdessen sollen Rufbus-Verkehre oder ein Bürgerbus den Bahnhof anbinden.
Die Geschichte in Daten
14. Juli 1895: Genehmigung des Baus.
13. Oktober 1896: Eröffnung Schussenried–Buchau.
16. August 1907: Der Weiterbau nach Riedlingen wird genehmigt.
15. November 1915: Verlängerung bis Dürmentingen in Betrieb.
27. November 1916: Riedlingen erreicht.
2. Oktober 1960: Stilllegung Buchau–Riedlingen.
31. Mai 1964: Ende des Personenverkehrs.
1. Juni 1969: Stilllegung des Güterverkehrs Schussenried–Buchau.
1970: Umspurung eines Teilstücks auf Normalspur.
Sommer 2002: Letzte Kiesganzzüge.
13. April bis 6. Oktober 2003: Vorübergehender Personenverkehr zum Klostertor.
Häufige Fragen
Welche Spurweite hatte die Federseebahn?
Wie lang war die Strecke?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Wie nennt man die Bahn vor Ort?
Was erinnert in Bad Buchau an die Bahn?
Von der Federseebahn sind in Bad Buchau eine Denkmallokomotive und ein jährliches Fest geblieben.
Die Strecke zwischen Kappel und Riedlingen wurde nach 1960 abgebaut.
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