Die stillen Halte der Schambachtalbahn: von Ingolstadt bis Riedenburg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Schambachtalbahn: von Ingolstadt bis Riedenburg

Die Nebenbahn von Ingolstadt nach Riedenburg ist seit 1972 ohne Personenverkehr, ihr letztes Stück wurde 1995 stillgelegt. Hier stehen ihre Halte von Kösching bis Riedenburg.

VORHER · 2003

Das Bahnhofsgebäude von Altmannstein im Jahr 2003, kurz vor dem Abbau der Strecke.

Das Bahnhofsgebäude von Altmannstein im Jahr 2003, kurz vor dem Abbau der Strecke. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2009

Das ehemalige Bahnhofsgelände von Altmannstein am Schambachtalbahn-Radweg.

Das ehemalige Bahnhofsgelände von Altmannstein am Schambachtalbahn-Radweg. Foto: EI206, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1903
Personenverkehr beginnt
1904
Strecke bis Riedenburg
1972
Personenverkehr endet
1995
Letztes Stück stillgelegt

Lage: Von Ingolstadt Nord durchs Schambachtal nach Riedenburg an der Altmühl. Status: Seit 1995 vollständig stillgelegt, die Gleise sind abgebaut. Heute: Auf der Trasse verläuft der Schambachtalbahn-Radweg.

Die Nebenbahn Ingolstadt–Riedenburg verband die Donaustadt Ingolstadt in Oberbayern mit Riedenburg an der Altmühl.

Riedenburg gehörte bis 1972 zur Oberpfalz und liegt seitdem im Regierungsbezirk Niederbayern.

Die Strecke wird heute als Schambachtalbahn bezeichnet, weil sie auf langer Strecke dem windungsreichen Schambachtal folgte.

Der Personenverkehr endete am 28. Mai 1972, das letzte Teilstück wurde am 1. August 1995 stillgelegt.

Ingolstadt Nord ist weiterhin in Betrieb, dieser Beitrag behandelt nur die stillgelegten Halte der Strecke.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, die meisten Bilder zeigen die Strecke kurz vor dem Abbau oder danach.

Entstehung: Riedenburg sucht einen Bahnanschluss

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich die Stadt Riedenburg um einen Eisenbahnanschluss.

Eine Weiterführung der 1888 eröffneten Sulztalbahn von Neumarkt über Beilngries nach Dietfurt und weiter durch das Altmühltal bot sich zwar an.

Sie wäre aber unter anderem wegen nötiger Brückenbauten recht teuer geworden.

Außerdem hätte sie die Schifffahrt auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal beeinträchtigt.

So entstand der Plan zu einer Nebenbahn von Ingolstadt über Altmannstein nach Riedenburg.

Sie ließ sich kostengünstiger bauen und konnte zur Holzabfuhr aus den großen staatlichen Waldungen des Köschinger Forstes genutzt werden.

Auf Kosten der anschlussbereiten Gemeinden wurde 1898 eine günstige Trasse festgelegt.

Sie sollte drei Kilometer nördlich des Ingolstädter Hauptbahnhofs nach Osten Richtung Kösching abzweigen und bei Sandersdorf das Schambachtal erreichen.

In diesem Tal führte sie bis zur Mündung in Riedenburg.

Die Gemeinden erklärten sich auch zur kostenlosen Grundabtretung und zu erheblichen Zuschüssen bereit.

Der bayerische Landtag genehmigte den Bau der 38,7 Kilometer langen Strecke mit Gesetz vom 30. Juni 1900.

Bau und Eröffnung

Mit dem Bau wurde ab der Abzweigung von der Strecke nach Treuchtlingen in Ingolstadt Nord schon 1901 begonnen.

Bis Dolling stand die Strecke ab Herbst 1902 für den Güterverkehr zur Verfügung.

Der Personenverkehr begann am 1. Mai 1903.

Die restlichen 23 Kilometer bis Riedenburg gingen am 1. Oktober 1904 in Betrieb.

Die Bahnhofsanlagen in Riedenburg mit Lokomotivschuppen und Kohlenbansen lagen südöstlich des Ortes.

Sie hätten eine Weiterführung der Strecke im Altmühltal bis Kelheim erlaubt.

So sah es vorher aus: der Zugverkehr

Mit Blick auf den Ausflugsverkehr fuhren ab 1904 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs täglich zwei Zugpaare.

1913 brauchten sie etwa zwei Stunden für die 42 Kilometer ab Ingolstadt Hauptbahnhof, 1924 galt noch die gleiche Reisezeit.

Für 1936 zeigt das Kursbuch bei eineinhalb Stunden Reisezeit drei Zugpaare.

Damals wurden die Dampfzüge von einer bayerischen Pt 2/3 geführt.

In den Jahren 1969 bis 1971 fuhren fünf Zugpaare mit Fahrzeiten zwischen 60 und 80 Minuten.

Nach einer Übergangszeit mit Dampflokomotiven der Baureihe 64 kamen im Personenverkehr Schienenbusse der Baureihe VT 95 zum Einsatz.

Bis 1925 wurden die Arbeiter- und Schülerzüge Riedenburg–Ingolstadt teilweise über Ingolstadt Nord hinaus zum Militärbahnhof an der Donaulände durchgebunden.

Dort liegt heute das Stadttheater, und es waren nur wenige Schritte zu den Schulen in der Altstadt.

Nach Auflassung des Militärbahnhofs 1925 entstand zwischen Ingolstadt Nord und Ingolstadt Hauptbahnhof der Haltepunkt Schlachthof.

Dort hielten die Züge der Riedenburger Lokalbahn bis in die 1960er Jahre, obwohl der Halt im offiziellen Kursbuch nicht verzeichnet war.

Niedergang und Stilllegung

Ab den 1960er Jahren wurde der Reiseverkehr mit Schienenbussen nach und nach ausgedünnt, und es wurde Parallelverkehr auf der Straße eingerichtet.

1971 verkehrten auf der Gesamtstrecke noch fünf Zugpaare, aber auch vier Paare von Omnibuskursen und weitere Omnibusse zwischen Ingolstadt und Kösching.

Das Ende des Personenverkehrs am 28. Mai 1972 war deshalb nicht überraschend.

Am 30. September 1973 wurde auf dem Streckenteil Altmannstein–Riedenburg auch der Güterverkehr eingestellt.

Die Gleise wurden im Folgejahr abgebaut, hier entstand ein Radweg.

Auf der Reststrecke Ingolstadt Nord–Altmannstein fuhren bis in die 1980er Jahre Güterzüge mit Zuckerrüben.

Außerdem bestand ein Betrieb in Altmannstein darauf, seinen Warenumschlag per Bahn durchzuführen, und trug so bis in die 1990er Jahre zum Erhalt der Strecke bei.

Am 1. Juni 1994 endete der Güterverkehr von Offendorf nach Altmannstein.

Das letzte Teilstück Ingolstadt–Offendorf wurde am 1. August 1995 stillgelegt.

Zuvor gab es noch Sonderfahrten mit einem Dieseltriebwagen der Bundesbahn und mit einem Dampfzug des Bayerischen Eisenbahnmuseums Nördlingen.

Seit dem Abbau der Strecke im Jahr 2004 wurde die Trasse zum Radweg umgebaut.

Erhalten blieb nur der in Ingolstadt Nord abzweigende Anschluss zur Raffinerie und zum Kraftwerk bei Großmehring.

Kösching: Abzweig Richtung Osten

Kösching liegt bei Kilometer 7,9 der Strecke.

Die Trasse sollte nach der Planung von 1898 drei Kilometer nördlich des Ingolstädter Hauptbahnhofs nach Osten Richtung Kösching abzweigen.

1971 verkehrten außer den Zügen auch Omnibusse zwischen Ingolstadt und Kösching.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Theißing: der Bahnhof im Feld

Der ehemalige Bahnhof Theißing im Jahr 2003, kurz vor dem Abbau der Strecke.
Der ehemalige Bahnhof Theißing im Jahr 2003, kurz vor dem Abbau der Strecke. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Theißing liegt bei Kilometer 12,8 der Strecke.

Der ehemalige Bahnhof Theißing ist erhalten und wird am Radweg dokumentiert.

Dolling: Endpunkt der ersten Bauetappe

Die Steigung bei Unterdolling im Jahr 2003.
Die Steigung bei Unterdolling im Jahr 2003. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dolling liegt bei Kilometer 15,7.

Bis Dolling stand die Strecke ab Herbst 1902 dem Güterverkehr zur Verfügung.

Am 1. Mai 1903 begann hier der Personenverkehr, ab Dolling bis Riedenburg folgte am 1. Oktober 1904 die zweite Etappe.

Der Radweg führt heute durch Oberdolling und Unterdolling.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Offendorf, Tettenagger, Mendorf, Steinsdorf und Sandersdorf

Der Bahnhof Offendorf im Jahr 2003.
Der Bahnhof Offendorf im Jahr 2003. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Offendorf liegt bei Kilometer 18,3 der Strecke, Tettenagger bei 20,5, Mendorf bei 22,2, Steinsdorf bei 23,4 und Sandersdorf bei 25,4.

Der ehemalige Bahnhof Offendorf ist erhalten.

Hier endete am 1. Juni 1994 der Güterverkehr von Offendorf nach Altmannstein, das Stück Ingolstadt–Offendorf folgte am 1. August 1995.

Zwischen Tettenagger und Mendorf verläuft die Trasse über mehrere Brücken und Dämme.

Bei Sandersdorf erreichte die Strecke das Schambachtal.

Ein Bahnübergang zwischen den Bahnhöfen Mendorf und Sandersdorf im Jahr 2003.
Ein Bahnübergang zwischen den Bahnhöfen Mendorf und Sandersdorf im Jahr 2003. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Brücke über die B 299 in Sandersdorf im Jahr 2003.
Die Brücke über die B 299 in Sandersdorf im Jahr 2003. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Abschnitt Tettenagger–Sandersdorf wurde am 7. Oktober 2004 als Radweg eröffnet.

Er wurde auf 4,4 Kilometern neben der B 299 gebaut und kostete 520.000 Euro.

Altmannstein: Zuckerrüben und das letzte Gleisstück

Der Bahnhof Altmannstein im Jahr 2003.
Der Bahnhof Altmannstein im Jahr 2003. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eisenbahnfahrzeuge am Streckenende in Altmannstein im Jahr 2003; sie stehen auf einem Gleisstück, das mit dem Rest der Strecke nicht mehr verbunden ist.
Eisenbahnfahrzeuge am Streckenende in Altmannstein im Jahr 2003; sie stehen auf einem Gleisstück, das mit dem Rest der Strecke nicht mehr verbunden ist. Foto: EI206, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Altmannstein liegt bei Kilometer 28,3 der Strecke.

Hier lag der Schwerpunkt des letzten Güterverkehrs.

Bis in die 1980er Jahre fuhren Güterzüge mit Zuckerrüben, und ein Betrieb in Altmannstein hielt die Strecke bis in die 1990er Jahre am Leben.

Der ehemalige Bahnhof Altmannstein ist erhalten.

Am Radweg nach Altmannstein stehen teilweise noch Kilometersteine.

Der Abschnitt Lenting–Altmannstein wurde am 8. November 2007 als Radweg eröffnet.

Hexenagger und Schambach: kleine Halte im engen Tal

Hexenagger liegt bei Kilometer 33,7 der Strecke, Schambach bei 36,0.

Zwischen Altmannstein und Hexenagger überquert eine Holzbrücke auf alten Widerlagern einen Graben.

Weitere Angaben zu beiden Halten sind nicht belegt.

Riedenburg: Endpunkt an der Altmühl

Blick von der Rosenburg auf das Bahnhofsgebäude und das ehemalige Bahnhofsgelände in Riedenburg im Jahr 2009.
Blick von der Rosenburg auf das Bahnhofsgebäude und das ehemalige Bahnhofsgelände in Riedenburg im Jahr 2009. Foto: EI206, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Riedenburg liegt bei Kilometer 38,7, am Ende der Strecke.

Die Bahnhofsanlagen mit Lokomotivschuppen und Kohlenbansen lagen südöstlich des Ortes.

Der Radweg schließt bei Riedenburg an den Altmühltalradweg an.

Die Trasse ist hier laut Radwegbeschreibung teilweise verschüttet.

Vorher und nachher: vom Güterzug zum Radweg

Vorher fuhren hier Schienenbusse und Güterzüge zwischen Ingolstadt und dem Altmühltal.

Nachher entstand auf der Trasse ein Radweg.

Er wurde abschnittsweise eröffnet, 2008 wurde der nunmehr durchgängige Weg freigegeben.

Die Längenangaben gehen auseinander, sie reichen von etwa 40 bis 45 Kilometern.

Etwa 31,3 Kilometer davon liegen auf der ehemaligen Bahntrasse.

Die Oberfläche ist asphaltiert, der Weg ist 2,5 Meter breit und für Fußgänger und Radfahrer zugelassen.

Mehrere Infotafeln erläutern die Geschichte der Strecke und der angrenzenden Orte.

So sieht es jetzt aus

Erhalten sind die ehemaligen Bahnhöfe Theißing, Offendorf und Altmannstein.

Hinzu kommen teilweise erhaltene Kilometersteine, Einschnitte und Dämme entlang der Trasse sowie eine Brücke über die Autobahn A 9 bei Lenting.

Weitere erhaltene Gebäude der Strecke sind nicht belegt.

1888: Die Sulztalbahn wird eröffnet, Riedenburg bleibt ohne Bahn.

1898: Die Gemeinden legen eine Trasse für die Nebenbahn fest.

30. Juni 1900: Der bayerische Landtag genehmigt den Bau.

1901: Baubeginn in Ingolstadt Nord.

1. Mai 1903: Der Personenverkehr beginnt.

1. Oktober 1904: Die Strecke bis Riedenburg geht in Betrieb.

28. Mai 1972: Der Personenverkehr endet.

30. September 1973: Der Güterverkehr Altmannstein–Riedenburg endet.

1. Juni 1994: Der Güterverkehr Offendorf–Altmannstein endet.

1. August 1995: Das letzte Teilstück Ingolstadt–Offendorf wird stillgelegt.

2004: Abbau der Strecke.

2008: Der Schambachtalbahn-Radweg ist durchgängig.

Wie lang war die Strecke?
Die Nebenbahn von Ingolstadt Nord nach Riedenburg war 38,7 Kilometer lang.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 28. Mai 1972.
Wann wurde die Strecke ganz stillgelegt?
Das letzte Teilstück Ingolstadt–Offendorf wurde am 1. August 1995 stillgelegt.
Warum wurde die Bahn gebaut?
Riedenburg suchte einen Bahnanschluss, die Strecke war günstiger als eine Verlängerung der Sulztalbahn und diente zur Holzabfuhr aus dem Köschinger Forst.
Was fuhr zuletzt auf der Strecke?
Bis in die 1980er Jahre Güterzüge mit Zuckerrüben, zuletzt vor allem Diesellokomotiven der Baureihe 290.
Kann man die Trasse befahren?
Ja, der Schambachtalbahn-Radweg folgt der Trasse, etwa 31,3 Kilometer liegen auf der ehemaligen Bahnstrecke.

Wer dem Schambachtal von Ingolstadt nach Riedenburg folgt, fährt über die Trasse einer Bahn, die 1904 ihre volle Länge erreichte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Ingolstadt–Riedenburg · Bahntrassenradeln BY 6.03: Schambachtalbahn-Radweg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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