Die Bahnstrecke Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting: stille Halte zwischen Rott und Isar

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting: stille Halte zwischen Rott und Isar

Der Nordteil der Strecke Mühldorf–Pilsting erreichte nie die erhoffte Bedeutung. 1969 endete der Verkehr bis Pilsting, die Reststrecke bis Marklkofen wurde 2018 stillgelegt.

Brückenpfeiler der Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting.
Brückenpfeiler der Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting. Foto: Ginda09, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1875
Strecke eröffnet
1969
Verkehr bis Pilsting beendet
1970
Letzte Reisezüge bis Marklkofen
2018
Rest bis Marklkofen stillgelegt

Lage: Niederbayern, nördlich von Neumarkt-Sankt Veit bis Pilsting. Status: Der Abschnitt Frontenhausen-Marklkofen–Pilsting ist seit 1969 stillgelegt, der Abschnitt bis Neumarkt-Sankt Veit seit dem 22. Mai 2018. Heute: Seit dem 28. Oktober 2024 ist die Weiche am Abzweig Elsenbach entfernt.

Die Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke in Bayern.

Ihr südlicher Teil bis Neumarkt-Sankt Veit wurde zu einer wichtigen regionalen Verbindung, der Rest erlangte nie die erhoffte Bedeutung.

Um diesen Rest geht es hier, vom Bahnhof Neumarkt-Sankt Veit bis Pilsting.

1969 legte die Deutsche Bundesbahn den Abschnitt bis Pilsting still, bis Frontenhausen-Marklkofen lief nur noch Güterverkehr.

Dieser Abschnitt wurde 2018 ebenfalls stillgelegt.

Behandelt werden die Halte Thambach, Gangkofen, Frontenhausen-Marklkofen, Poxau, Mamming und Pilsting.

Freie historische Fotos dieser Halte liegen nicht vor, deshalb gibt es nur ein Bild der Strecke.

Entstehung: eine Verbindung zwischen Inntal und Böhmen

Die Planung geht auf ein Bauprogramm zurück, das die bayerische Staatsregierung am 3. August 1869 genehmigte.

Die Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen sollte Mühldorf mit Plattling verbinden.

Zusammen mit der Strecke Rosenheim–Mühldorf und der Bayerischen Waldbahn sollte so eine überregionale Verbindung zwischen Inntal und Böhmen entstehen.

Die Baukonzession erteilte der Ostbahn am 25. November 1872.

Oberingenieur Ludwig Fromm und der Architekt Carl Zenger führten den Bau, die 80,8 Kilometer lange Verbindung entstand in knapp drei Jahren.

Am 15. Oktober 1875 wurde die Strecke eröffnet.

Zum 1. Januar 1876 übernahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen sie mit der gesamten Ostbahngesellschaft.

Einige Abschnitte waren schon für ein späteres zweites Gleis trassiert worden, weil man viel Verkehr erwartete.

So sah es vorher aus: viel Hügel, wenig Fahrgäste

Hinter Neumarkt-Sankt Veit stieg die Strecke nach Norden an und querte nach dem Halt Thambach in einem Einschnitt die Wasserscheide zwischen Rott und Bina.

Danach führte sie hinab ins Binatal nach Gangkofen und stieg nördlich davon erneut an, über die Höhe zwischen Bina und Vils.

Bei Marklkofen erreichte sie das Vilstal, hinter Frontenhausen-Marklkofen überquerte sie die Vils und stieg weiter nach Norden an.

Bei Wunder durchschnitt ein längerer Einschnitt die Wasserscheide zwischen Vils und Isar.

Danach fiel das Gleis mit teils erheblichem Gefälle über Mamming zur Isar und weiter nach Pilsting.

Die erhoffte überregionale Bedeutung blieb aus, der Verkehr zwischen Tirol und Böhmen lief weiter vorwiegend über München.

Auf dem Abschnitt Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting entstanden nie hohe Reisendenzahlen.

Als Gründe gelten die dünne Besiedlung, Bahnstationen weit abseits der Orte und Verkehrsbeziehungen, die vor allem nach Landshut ausgerichtet waren.

In den ersten Jahren fuhren täglich zunächst zwei, später vier Zugpaare zwischen Mühldorf und Plattling.

1924 waren es drei Zugpaare auf der Gesamtstrecke, einige Jahre später wieder vier.

In den Nachkriegsjahren richtete die Bahn den Zwischenhalt Poxau neu ein und ergänzte einen Eilzug Rosenheim–Plattling.

Ab den 1950er-Jahren übernahmen Schienenbusse der Reihen VT 95 und VT 98 einen Großteil des Personenverkehrs.

Thambach

Thambach war ein Zwischenhalt hinter Neumarkt-Sankt Veit.

Nach dem Halt führte die Strecke in einem Einschnitt über die Wasserscheide zwischen Rott und Bina.

Weitere Angaben zum Halt Thambach sind nicht belegt.

Gangkofen

Gangkofen erhielt am 15. Oktober 1875 mit der Eröffnung der Strecke seinen Bahnanschluss.

Der Bahnhof lag deutlich westlich der Kernbebauung des Marktes.

Im Güterverkehr fuhren die Züge von Norden überwiegend bis einschließlich Gangkofen.

Etwa um 1980 diente der Streckenabschnitt zwischen den Weilern Leitl und Kurthambach, einige Kilometer südlich von Gangkofen, als Drehort für die Schweizer-Zug-Szenen der Kriminalkomödie „Ach du lieber Harry“.

Der Film gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen des Jahres 1981.

Frontenhausen-Marklkofen

Der Bahnhof Frontenhausen-Marklkofen liegt im Dorf Marklkofen und trägt den Doppelnamen nach dem nahegelegenen Markt Frontenhausen.

Mit der Stilllegung des Abschnitts nach Pilsting am 13. Dezember 1969 wurde er zum nördlichen Endpunkt der Strecke.

Das Gleis überquerte westlich des Bahnhofs bis 1969 die Vils auf drei Brückensegmenten.

Die Reisezüge fuhren hier nach September 1970 nicht mehr, danach gab es nur noch Güterverkehr.

Lange war ein Werk des Automobilzulieferers Mann+Hummel in Marklkofen ein Kunde, bis das Unternehmen seine Transporte in den 1990er-Jahren auf die Straße verlagerte.

Danach nutzte vor allem ein regionaler Abfallzweckverband die Strecke, der in Marklkofen Hausmüll in Container umlud und per Bahn zu einer Müllverbrennungsanlage in Burgkirchen schickte.

Poxau

Poxau war ein Zwischenhalt, der in den Nachkriegsjahren neu eingerichtet wurde, um zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen.

Der Ort liegt an dem Abschnitt, auf dem die Strecke nach der Vilsbrücke ansteigend nach Norden führte.

Auch hier endete der Verkehr mit der Stilllegung am 29. September 1969.

Weitere Angaben zum Halt Poxau sind nicht belegt.

Mamming

Mamming erhielt am 15. Oktober 1875 mit der Strecke einen Bahnanschluss.

Der Bahnhof lag nördlich des Mamminger Bachs, den die Strecke auf einem größeren Brückenbauwerk querte.

Mit der Stilllegung der Strecke 1969 wurde der Bahnhof aufgegeben.

Im Ortsteil Mammingerschwaigen besteht dagegen die 1880 errichtete Station Schwaigen an der Strecke Landshut–Plattling bis heute, sie wird aber nicht im Reiseverkehr genutzt.

Das größte Bauwerk der Strecke folgte hinter Mamming, eine Brücke aus fünf Stahlfachwerksegmenten von je 36 Metern Länge über die Isar.

Pilsting

Der Bahnhof Pilsting wurde am 15. Oktober 1875 im Gemeindeteil Harburg eröffnet.

Er lag etwa zwei Kilometer südlich des Marktes Pilsting.

Später diente er an der Strecke Landshut–Plattling nur noch betrieblichen Zwecken, etwa für Zugkreuzungen.

Heute ist er gänzlich zurückgebaut.

Die nächsten Stationen für Personen- und Güterverkehr liegen in Landau an der Isar und Dingolfing.

Der Abschnitt Pilsting–Plattling ist heute Teil der Bahnstrecke Landshut–Plattling.

Das Ende der Strecke

Mit dem Aufkommen des Autoverkehrs sanken ab den 1950er-Jahren die ohnehin niedrigen Fahrgastzahlen weiter.

1964 stufte die Bundesbahn den Abschnitt Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting von der Haupt- zur Nebenbahn zurück.

Das Betriebsergebnis blieb trotzdem unzureichend.

Zum 29. September 1969 stellte die DB mit Billigung des Bundesverkehrsministeriums den Verkehr zwischen Frontenhausen-Marklkofen und Pilsting ein, bis auf einige Güterzüge zwischen Pilsting und Griesbach.

Mit der Aufgabe der Gütertransporte zwischen Griesbach und Pilsting zum 13. Dezember 1969 war der Abschnitt komplett stillgelegt.

Die Gleise dort wurden in den folgenden Jahren abgebaut.

Zwischen Neumarkt-Sankt Veit und Frontenhausen-Marklkofen blieb der Betrieb länger bestehen, die letzten Reisezüge fuhren im September 1970.

So sieht es jetzt aus

Der Abschnitt Neumarkt-Sankt Veit–Frontenhausen-Marklkofen wurde seit 2006 von der DB Netz AG zur Abgabe ausgeschrieben.

Am 30. Juni 2010 pachtete ihn die Rhein-Sieg-Eisenbahn.

Wegen nötiger Investitionen von bis zu vier Millionen Euro in Brücken und den Austausch der Holzschwellen wollte sich die RSE von der Strecke trennen.

Weil der Instandhaltungsrückstand die Betriebssicherheit gefährdete, musste sie die Strecke zum 9. Oktober 2017 sperren.

Mit Wirkung vom 22. Mai 2018 wurde die Strecke stillgelegt.

Bis Ende 2019 bestand noch ein wenig Hoffnung auf eine Sanierung, weil sich die Innrail UG um den Betrieb bemühte.

Diese stellte ihren Geschäftsbetrieb Ende 2019 mangels Sicherheitsbescheinigung ein.

Am 28. Oktober 2024 wurde die Weiche am Abzweig Elsenbach entfernt, seitdem hat der stillgelegte Abschnitt keine Verbindung mehr zum übrigen Bahnnetz.

Vorher und nachher

1875 eröffnete die Ostbahn eine Strecke, die Inntal und Böhmen verbinden sollte.

Die Reisenden blieben auf dem Nordteil aus, schon 1969 endete dort der Verkehr bis Pilsting.

Bis 2017 rollten noch Güterzüge, vor allem mit Müll aus Marklkofen.

Heute ist die Strecke stillgelegt und vom Netz getrennt.

3. August 1869: Die bayerische Staatsregierung genehmigt das Bauprogramm der Ostbahn.

25. November 1872: Die Ostbahn erhält die Baukonzession.

15. Oktober 1875: Die Strecke Mühldorf–Plattling wird eröffnet.

1. Januar 1876: Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen übernehmen die Strecke.

1964: Der Abschnitt Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting wird zur Nebenbahn zurückgestuft.

29. September 1969: Der Verkehr zwischen Frontenhausen-Marklkofen und Pilsting wird eingestellt.

13. Dezember 1969: Die Strecke Frontenhausen-Marklkofen–Pilsting ist ganz stillgelegt.

September 1970: Die letzten Reisezüge verkehren bis Frontenhausen-Marklkofen.

9. Oktober 2017: Die Rhein-Sieg-Eisenbahn sperrt den Abschnitt Neumarkt-Sankt Veit–Frontenhausen-Marklkofen.

22. Mai 2018: Der Abschnitt wird stillgelegt.

28. Oktober 2024: Die Weiche am Abzweig Elsenbach wird entfernt.

Fährt auf der Strecke Neumarkt-Sankt Veit–Pilsting noch ein Zug?
Nein, der Abschnitt Frontenhausen-Marklkofen–Pilsting ist seit 1969 stillgelegt, der Abschnitt bis Neumarkt-Sankt Veit seit dem 22. Mai 2018.
Wann fuhren die letzten Reisezüge?
Zwischen Neumarkt-Sankt Veit und Frontenhausen-Marklkofen im September 1970, zwischen Frontenhausen-Marklkofen und Pilsting endete der Verkehr am 29. September 1969.
Warum hatte die Strecke so wenig Fahrgäste?
Der Abschnitt war dünn besiedelt, die Bahnstationen lagen teils weit von den Orten entfernt, und die meisten Verkehrsströme gingen Richtung Landshut.
Wo wurde ein Kinofilm auf der Strecke gedreht?
Um 1980 diente der Abschnitt zwischen Leitl und Kurthambach südlich von Gangkofen als Drehort für „Ach du lieber Harry“.
Gibt es den Bahnhof Pilsting noch?
Der Bahnhof im Gemeindeteil Harburg ist heute gänzlich zurückgebaut, die nächsten Stationen liegen in Landau an der Isar und Dingolfing.

Der Südteil der Strecke bis Neumarkt-Sankt Veit blieb dagegen mit den Zweigen nach Landshut und Passau in Betrieb.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting · Wikipedia: Pilsting · Wikipedia: Mamming · Wikipedia: Gangkofen · Wikipedia: Marklkofen · Wikipedia: Frontenhausen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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