Ortstermin
„Endstation Lichtenhainer Wasserfall, hier ließ früher ein Wasserfallzieher das Wasser gegen Geld rauschen.“
Die Kirnitzschtalbahn, mit der Straßenbahn zum Wasserfall
→ Ein Ortstermin in der Sächsischen Schweiz.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Die Kirnitzschtalbahn fährt seit dem 27. Mai 1898 von Bad Schandau durch das Kirnitzschtal bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Mit knapp acht Kilometern ist sie der kleinste Straßenbahnbetrieb in Sachsen.
Von Bad Schandau an der Elbe führt ein enges, grünes Tal hinein in den Nationalpark Sächsische Schweiz.
Durch dieses Tal rumpelt seit über 125 Jahren eine kleine Straßenbahn.
Die Kirnitzschtalbahn ist eine echte Ausflugsbahn, und ihr Ziel ist ein Wasserfall.

Pläne für eine Bahn ins Tal
Schon um 1870 gab es erste Pläne für eine Pferdebahn durch das Kirnitzschtal, um den Fremdenverkehr zu fördern.
Im Jahr 1893 gründete sich ein Komitee für eine Straßenbahn mit Motorantrieb.
Geplant war eine Strecke bis an die böhmische Grenze, sogar ein Ring zurück nach Schandau war im Gespräch.
Gebaut wurde am Ende nur das Stück bis zum Lichtenhainer Wasserfall.
Auch die Strecke vom Bahnhof in die Innenstadt entstand nie, weil Händler, Fährleute und Gastwirte dagegen protestierten.

Eröffnung zu Pfingsten 1898
Im Mai 1898 trafen die ersten sechs Triebwagen aus Bautzen ein.
Am 27. Mai 1898, einem Pfingstsamstag, fuhren um 12 Uhr die ersten Wagen zum Wasserfall.
Wegen einiger Entgleisungen dauerte die erste Fahrt etwa 45 Minuten.
Die Bahn war von Beginn an eine reine Ausflugsbahn und fuhr damals nur von Mai bis Oktober.
Schon im ersten Jahr zählte sie rund 80.000 Fahrgäste.

Gut zu wissen
Die Kirnitzschtalbahn fährt seit 1898 auf Meterspur von Bad Schandau zum Lichtenhainer Wasserfall. Die knapp acht Kilometer lange Strecke ist eingleisig und hat zwei Ausweichen.
Betrieben wird sie von der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unter der Linienbezeichnung K. Im Jahr 2024 fuhren rund 110.000 Fahrgäste mit.
Winde und Holzklötze an Bord
Die Entgleisungen blieben lange ein Problem.
Jeder Wagen hatte deshalb eine Winde und Holzklötze dabei.
Trotzdem stiegen die Fahrgastzahlen bis etwa 1920 auf 200.000 im Jahr.
In der Nacht zum 27. Juli 1927 vernichtete ein Brand das Depot und alle Fahrzeuge.
Mit geliehenen Wagen der Lößnitzbahn ging es ab dem 12. August 1927 weiter, und 1928 kamen elf neue Fahrzeuge von MAN.

Kürzer, gesperrt, gerettet
Am 23. Juni 1969 wurde die Strecke in Bad Schandau um etwa 350 Meter verkürzt, weil der Verkehr in der Innenstadt zunahm.
Nach einem schweren Unfall im Juli 1969 wurde die Strecke wegen Mängeln am Gleis gesperrt.
Erst am 25. Juli 1972 konnte sie teilweise wieder eröffnet werden.
Als 1985 erneut Schäden auftauchten, wollte der Betreiber die Bahn stilllegen, doch massive Proteste der Bevölkerung verhinderten das.
Von 1986 bis 1990 wurde die Bahn umfassend erneuert, und 1990 war die ganze Strecke wieder in Betrieb.

Fahren mit dem Stab
Die Strecke ist durchgehend eingleisig und verläuft neben der Kirnitzschtalstraße.
Begegnen können sich die Wagen nur an zwei Ausweichen, am Depot und an der Schneiderweiche.
Seit einem Zusammenstoß im Jahr 1973 gilt ein Zugstabsystem.
Nur wer den Stab für einen Abschnitt hat, darf diesen Abschnitt befahren.
Die Strecke ist dafür in drei Teilabschnitte gegliedert.

Das Hochwasser von 2010
Am 7. August 2010 traf ein schweres Hochwasser das Kirnitzschtal.
Die Strecke wurde teilweise unterspült, und der gesamte historische Wagenpark erlitt Motorschäden.
Ab dem 28. August 2010 fuhr die Bahn wieder, allerdings nur bis zum Beuthenfall.
Für die Beseitigung der Schäden gab es 1,8 Millionen Euro Fördermittel.
Seit dem 14. Dezember 2012 fährt sie wieder bis zum Lichtenhainer Wasserfall.

Alte Wagen aus Gotha
Die Kirnitzschtalbahn setzt ausschließlich zweiachsige Wagen älterer Bauart ein.
In Deutschland macht das sonst nur noch die Straßenbahn Naumburg.
Die heutigen Triebwagen stammen aus Gotha und kamen in den 1990er Jahren aus Plauen und Zwickau.
Im Jahr 2007 kam noch ein früherer Wagen aus Jena hinzu.
Seit 1994 liefert eine Solaranlage auf dem Dach des Betriebshofs einen Teil des Fahrstroms.

Der Wasserfall am Ende der Strecke
Die Endstation liegt am Lichtenhainer Wasserfall südlich von Lichtenhain.
Den kleinen natürlichen Wasserfall erhöhte man 1830 und staute ihn mit einem Wehr auf.
Ein Wasserfallzieher öffnete das Wehr gegen Geld für ein paar Minuten.
Die Gaststätte in Fachwerk am Wasserfall stammt aus dem Jahr 1852.
Südöstlich davon liegt der Kuhstall, nach dem Prebischtor das zweitgrößte Felsentor im Elbsandsteingebirge.

Ankommen in Bad Schandau
Die Bahn beginnt am Kurpark in Bad Schandau.
Unterwegs hält sie an sieben weiteren Haltestellen.
Im Sommer fahren die Wagen im 30-Minuten-Takt, im Winter etwa alle 70 Minuten.
Zum Bahnhof Bad Schandau auf der anderen Elbseite fährt die Straßenbahn nicht, eine Verlängerung dorthin wurde aber untersucht.
Von 1904 bis 1921 bekam sogar der Personenaufzug von Bad Schandau seinen Strom aus der Oberleitung der Bahn.

Häufige Fragen
Wie lang ist die Kirnitzschtalbahn?
Seit wann fährt die Bahn?
Fährt die Bahn auch im Winter?
Wozu gibt es den Stab?
Was ist am Ende der Strecke zu sehen?
Weiterfahrt
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