Stimmt es, dass Buster Keaton für einen Film eine echte Lokomotive abstürzen ließ?

Stimmt es, dass …?

„Vorsicht an der Flussbrücke, die nächste Lokomotive fährt nur ein einziges Mal, bitte halten Sie die Kameras bereit.“

Stimmt es, dass Buster Keaton für einen Film eine echte Lokomotive abstürzen ließ?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Für seine Komödie Der General ließ Buster Keaton 1926 eine echte Lokomotive über eine eigens gebaute Brücke fahren, die unter ihr einstürzte, und diese Einstellung gilt als teuerste der Stummfilmzeit.

Heute würde man so eine Szene wohl am Computer entstehen lassen.

Im Jahr 1926 aber fuhr für einen Stummfilm eine echte Lokomotive über eine brennende Brücke.

Ob Buster Keaton sie wirklich in den Fluss stürzen ließ, klärt dieser Mythos-Check.

The General, Western & Atlantic RR Locomotive Stolen in Andrews Raid, 18
Foto: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

42.000 $

1926

Kosten der Brückenszene, die als teuerste Einstellung der Stummfilmzeit gilt

über 3000

Schaulustige

sahen beim einmaligen Dreh des Brückensturzes zu

12.4.1862

Big Shanty

Entführung der echten Lok General im Bürgerkrieg

Etwa ein Fünftel des fertigen Films wurde mit fahrenden Kameras gedreht.

Eine Komödie auf Schienen

Der General, im Original The General, ist eine Stummfilmkomödie von und mit Buster Keaton aus dem Jahr 1926.

Der Film spielt zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs und erzählt von einem Lokomotivführer namens Johnnie Gray.

Nordstaatliche Spione entführen seine geliebte Lokomotive General, und Johnnie nimmt ganz allein die Verfolgung auf.

Erst läuft er zu Fuß hinterher, dann fährt er mit einer Draisine und schließlich mit einer anderen Lokomotive.

Am Ende gewinnt er seine Maschine und die Gunst seiner geliebten Annabelle Lee zurück.

The General, Southern Museum of Civil War and Locomotive History 2
Foto: JJonahJackalope, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die wahre Lok-Jagd von 1862

Die Handlung beruht auf einem historisch verbürgten Ereignis, dem Andrews-Überfall vom 12. April 1862.

An diesem Tag übernahmen James J. Andrews und 21 weitere Männer in Zivil im Bahnhof von Big Shanty einen Zug mit der holzbefeuerten Lokomotive The General.

Sie wollten Telegrafenleitungen kappen und Brücken anzünden, um den Nachschub für die Stadt Chattanooga zu unterbrechen.

Wegen des regnerischen Wetters gelang es ihnen aber nicht, die hölzernen Brücken in Brand zu setzen.

Bei Ringgold in Georgia ließen sie die nicht mehr funktionstüchtige Lok zurück und flohen zu Fuß.

Gut zu wissen

Der echte Lokführer William Fuller verfolgte die Entführer 1862 zuerst zu Fuß und mit einer Handhebeldraisine, dann mit mehreren Lokomotiven. Die echte Lok General steht heute restauriert im Southern Museum of Civil War and Locomotive History in Kennesaw in Georgia.

Walt Disney verfilmte den Andrews-Überfall 1956 noch einmal unter dem Titel The Great Locomotive Chase. Um die echte Lok stritten sogar die Stadt Chattanooga und der Bundesstaat Georgia vor dem obersten Gericht der USA, Georgia gewann.

Drehort in Oregon

Die Originalschauplätze in Atlanta und Chattanooga entsprachen nicht Keatons Vorstellungen.

Er wählte deshalb die Gegend um Cottage Grove im US-Bundesstaat Oregon.

Dort gab es neben einer fotogenen Landschaft die Oregon, Pacific and Eastern Railway, eine rund 30 Kilometer lange Kleinbahn für den Holztransport.

Die Bahn war technisch so zurückgeblieben und ungepflegt, wie Keaton es sich für seinen Film wünschte.

Am 8. Juni 1926 begannen dort die Dreharbeiten.

Alte Loks im Kostüm

Eigentlich wollte das Team die erhaltene Original-General für die Dreharbeiten nutzen.

Als bekannt wurde, dass Keaton aus dem Überfall eine Komödie machen wollte, protestierten einige Nachkommen der damaligen Entführer.

Daraufhin zog die zuständige Bahngesellschaft ihr Angebot zur Zusammenarbeit zurück.

Stattdessen kaufte das Team drei alte Lokomotiven mit Holzfeuerung und gestaltete sie zu Maschinen aus der Bürgerkriegszeit um.

Selbst die Kupplungen wurden auf alt getrimmt, statt der längst üblichen Klauenkupplung bekamen die Fahrzeuge eine historische Link-and-pin-Kupplung.

Kameras auf Rädern

Etwa ein Fünftel des fertigen Films wurde mit fahrenden Kameras gedreht.

Entweder saß die Kamera auf der gefilmten Lokomotive, oder sie fuhr auf Schienen parallel neben ihr her.

Dafür stellte das Team ein Automobil auf ein Fahrwerk, das auf Gleisen rollte, und montierte die Kamera auf dieses Auto.

Spezielle Stoßdämpfer sorgten dafür, dass das Bild ruhig blieb.

Riskant war eine Szene, in der Keaton auf der Kuppelstange der anfahrenden Lok sitzt, denn mit etwas zu viel Dampf wären die Räder durchgedreht und er wäre auf der Stelle tot gewesen.

Der Sturz von der Brücke

Auf dem Höhepunkt des Films bricht eine brennende Brücke unter einer Lokomotive der Verfolger zusammen.

Für diese Szene verzichtete Keaton bewusst auf ein Modell.

Über den Fluss ließ er eigens eine etwa 70 Fuß lange Eisenbahnbrücke bauen, das sind rund 21 Meter.

Eine der alten Lokomotiven fuhr mit einer Puppe im Führerhaus los, und in der Mitte der brennenden Brücke wurden vorbereitete Sprengsätze gezündet.

Über 3000 Schaulustige kamen, um die Szene zu sehen, die nur ein einziges Mal gedreht werden konnte.

Die teuerste Einstellung der Stummfilmzeit

Die Einstellung kostete rund 42.000 US-Dollar.

Sie gilt als die teuerste Einstellung der gesamten Stummfilmepoche.

Das Wrack der Lokomotive blieb danach noch jahrelang als Touristenattraktion im Flussbett liegen.

Erst im Zweiten Weltkrieg wurde es entfernt, weil man den Stahl für Kriegszwecke brauchte.

Die Angaben zu den Gesamtkosten des Films schwanken zwischen 330.000 und 750.000 US-Dollar, sicher war es die teuerste Produktion der Keaton-Studios.

Vom Flop zum Klassiker

Uraufgeführt wurde der Film am 31. Dezember 1926 in Tokio, in Deutschland lief er erstmals am 4. April 1927.

Bei Publikum und Kritik stieß er zunächst größtenteils auf Ablehnung.

Der Misserfolg brachte das Ende von Keatons künstlerischer Unabhängigkeit.

Erst als Ende der 1950er Jahre seine vergessenen Stummfilme wiederentdeckt wurden, rückte The General in den Mittelpunkt.

Im Jahr 1989 gehörte er zu den ersten Filmen, die in das National Film Registry der USA aufgenommen wurden.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Buster Keaton ließ für Der General tatsächlich eine echte Lokomotive über eine eigens gebaute, brennende Brücke fahren und in die Tiefe stürzen.

Die Szene konnte nur einmal gedreht werden und gilt als teuerste Einstellung der Stummfilmzeit.

Das Wrack lag danach noch jahrelang im Fluss, bis es im Zweiten Weltkrieg entfernt wurde.

Heute zählt der Film, der zunächst floppte, zu den bedeutendsten Komödien der Filmgeschichte.

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So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Häufige Fragen

Wie heißt der Film mit dem Brückensturz?
Der General, im Original The General, eine Stummfilmkomödie von und mit Buster Keaton aus dem Jahr 1926.
Stürzte wirklich eine echte Lok in den Fluss?
Ja, Keaton verzichtete auf ein Modell und ließ eine alte Lokomotive über eine eigens gebaute, brennende Brücke fahren, die dann einstürzte.
Was geschah mit dem Wrack?
Es lag noch jahrelang als Touristenattraktion im Flussbett und wurde erst im Zweiten Weltkrieg entfernt, als man den Stahl brauchte.
Gibt es die echte Lok General noch?
Ja, sie steht restauriert im Southern Museum of Civil War and Locomotive History in Kennesaw im US-Bundesstaat Georgia.
War der Film ein Erfolg?
Zunächst nicht, doch heute gilt er als eine der bedeutendsten Komödien der Filmgeschichte.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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