Ortstermin
„Zwischen zwei Tunneln kurz Tageslicht, darunter liegt das Tal der Fils in rund 85 Metern Tiefe.“
Die Filstalbrücke, auf Y-Pfeilern hoch über dem Tal der Fils
→ Ein Ortstermin auf der Schwäbischen Alb.
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Kurz gesagt
Die Filstalbrücke verbindet zwei lange Tunnel und überspannt das Tal der Fils in bis zu 85 Metern Höhe. Sie gilt als dritthöchste Eisenbahnbrücke Deutschlands und ist seit Dezember 2022 in Betrieb.
Zwischen Wiesensteig und Mühlhausen im Täle schießen die Züge für einen kurzen Moment aus dem Berg.
Dann rollen sie über zwei schmale Bänder aus Beton, die auf mächtigen Pfeilern ruhen.
Die Filstalbrücke ging erst im Dezember 2022 in Betrieb und prägt seitdem das obere Filstal.

Ein Sprung zwischen zwei Tunneln
Die Filstalbrücke gehört zur Schnellfahrstrecke von Wendlingen nach Ulm.
Im Norden schließt sie an den Boßlertunnel an, der rund 8,8 Kilometer lang ist.
Im Süden geht es direkt in den Steinbühltunnel mit rund 4,8 Kilometern Länge.
Tunnel, Brücke und Tunnel bilden zusammen den Albaufstieg der neuen Strecke.
Auf rund 14 Kilometern klettert die Bahn dabei von etwa 400 auf etwa 750 Meter über dem Meer.

Die dritthöchste Eisenbahnbrücke
An ihrer höchsten Stelle liegt die Brücke etwa 85 Meter über dem Tal.
Damit ist sie nach der Müngstener Brücke und der Rombachtalbrücke die dritthöchste Eisenbahnbrücke in Deutschland.
Genau genommen sind es zwei Brücken, die nebeneinander stehen, jede mit einem Gleis.
Die Brücke für die Fahrt in Richtung Ulm ist 472 Meter lang, die andere 485 Meter.
Ihre Achsen liegen rund 30 Meter auseinander.

Gut zu wissen
Die beiden Teilbrücken sind 472 und 485 Meter lang und liegen bis zu etwa 85 Meter über dem Tal. Die größte Öffnung ist 150 Meter weit.
Die Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm wurde am 9. Dezember 2022 eröffnet. Von 2017 bis 2021 gab es insgesamt 543 Führungen über die Baustelle der Brücke.
Pfeiler in Form eines Y
Jede der beiden Brücken überspannt sechs Öffnungen, die größte ist 150 Meter weit.
Die großen Pfeiler teilen sich nach oben wie ein Y in zwei schräge Arme.
Überbau und Pfeiler sind fest miteinander verbunden, Lager auf den Pfeilern gibt es nicht.
Der Grund ist praktisch, denn Lager in 85 Metern Höhe auszutauschen wäre sehr aufwendig.
Verbaut wurden 55.000 Kubikmeter Beton, 7700 Tonnen Stahl und 800 Tonnen Spannstahl.

Lange Planung und Widerstand im Tal
Schon 1989 war eine Brücke über das Filstal vorgesehen, damals noch als Bogenbrücke.
Im März 1999 übergab eine Bürgerinitiative dem Stuttgarter Regierungspräsidenten 3700 Unterschriften gegen die Brücke.
Die eigentliche Planung des heutigen Bauwerks begann im Jahr 2000.
Unter mehreren Entwürfen setzte sich am Ende die Lösung mit den Y-Pfeilern durch.
Die Bogenbrücke schied unter anderem aus, weil sie 15 bis 20 Prozent teurer gewesen wäre.

Takt für Takt über das Tal
Anfang 2016 wurden die ersten Pfeiler betoniert.
Ab Februar 2018 baute man eine 800 Tonnen schwere Vorschubrüstung auf, eine Art fahrbares Gerüst für den Beton.
Mit ihr entstand die erste Brücke ab September 2018 in zehn Abschnitten von je 50 Metern.
Jeder dieser Takte dauerte sechs bis acht Wochen.
Die zweite Brücke war in etwa der halben Zeit fertig, weil dort in drei Schichten gearbeitet wurde.

Brückenschlag und Probefahrt
Am 14. Juli 2021 wurde der Brückenschlag gefeiert.
Ende 2021 fuhr zur Probe ein 700 Tonnen schwerer und 110 Meter langer Güterzug auf die Brücke.
Dabei bog sie sich in der größten Öffnung nur um etwa 30 Millimeter durch.
Im Februar 2022 begannen Testfahrten, bei denen bis zu 275 Kilometer pro Stunde geplant waren.
Weil die Autobahn A 8 unter der Brücke hindurchführt, schützte sie von 2019 bis 2022 ein eigenes Dach vor der Baustelle.

In Betrieb seit Dezember 2022
Am 9. Dezember 2022 wurde die Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm offiziell eröffnet.
Seitdem nehmen die Fernzüge zwischen Stuttgart und Ulm diesen Weg über die Alb.
Die Strecke ist für bis zu 250 Kilometer pro Stunde ausgelegt.
Mehr als die Hälfte ihrer knapp 60 Kilometer liegt in Tunneln.
Auf der alten Geislinger Steige der Filstalbahn sind wegen der engen Kurven dagegen nur 70 Kilometer pro Stunde möglich.

Die alte Tälesbahn
Lange vor der Schnellfahrstrecke hatte das obere Filstal schon einmal eine Eisenbahn.
Die Tälesbahn von Geislingen an der Steige nach Wiesensteig wurde am 21. Oktober 1903 eingeweiht.
Im Dialekt hieß sie Täleskätter, und sie war gut 21 Kilometer lang.
Zwischen Deggingen und Wiesensteig endete der Verkehr im Jahr 1968, bis Deggingen fuhren Personenzüge noch bis 1980.
Für die Baustelle der Filstalbrücke musste sogar der Tälesbahn-Radweg verlegt werden.

Ankommen in Wiesensteig
Einen Bahnhof gibt es an der Brücke nicht, denn sie liegt genau zwischen zwei Tunneln.
Wiesensteig liegt im oberen Filstal, wo mehrere Karstquellen zum Lauf der Fils zusammenfließen.
Das Stadtrecht besitzt der Ort schon seit 1356, damals unterstand er den Grafen von Helfenstein.
Auf der anderen Seite der Brücke liegt die Gemeinde Mühlhausen im Täle.
Vom Talgrund aus wirkt die Brücke am stärksten, wenn gerade ein Zug zwischen den Tunneln auftaucht.

Häufige Fragen
Wo steht die Filstalbrücke?
Wie hoch ist die Brücke?
Warum sind es zwei Brücken?
Seit wann fahren Züge darüber?
Kann man an der Brücke aussteigen?
Weiterfahrt
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