Ortstermin
„Nächster Halt Schwerte (Ruhr), hier Umstieg in die Züge nach Hagen, Dortmund, Hamm, Iserlohn und hinauf ins Sauerland.“
Der Bahnhof Schwerte, wo die Kohlenzüge nach Mitteldeutschland abbogen
→ Ein Ortstermin im Kreis Unna an der Ruhr.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Schwerte (Ruhr) wurde am 1. April 1867 von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn eröffnet und wurde 1870 mit der Oberen Ruhrtalbahn zum Knotenpunkt. Von hier führen Strecken nach Hagen, Dortmund, Hamm, Iserlohn und durch das Sauerland bis nach Warburg.
Schwerte liegt südöstlich von Dortmund an der Ruhr, genau an der Schwelle vom Ruhrgebiet zum Sauerland, und gehört zum Kreis Unna.
Die Stadt trat im Jahr 1419 der Hanse bei, und ihr Wahrzeichen ist die St.-Viktor-Kirche mit dem erkennbar schiefen Turmhelm.
Für die Eisenbahn war Schwerte über Jahrzehnte ein wichtiger Ort, mit großem Rangierbetrieb, einem Ausbesserungswerk für Dampflokomotiven und einem Bahnhof, der heute als Kulturdenkmal eingestuft ist.

Eröffnet mit der Strecke Hagen–Unna
Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete den Bahnhof am 1. April 1867 zusammen mit dem Abschnitt Hengstey–Holzwickede ihrer Strecke von Hagen nach Unna.
Am 1. Juni 1870 ging das Teilstück von Schwerte nach Arnsberg der Oberen Ruhrtalbahn in Betrieb, und damit wurde Schwerte zu einem bedeutenden Knotenpunkt.
Besonders wichtig war der Bahnhof für die vielen Kohlenzüge, die zwischen dem Ruhrgebiet und Mitteldeutschland unterwegs waren.
Die Obere Ruhrtalbahn ist 138 Kilometer lang, bis heute nicht elektrifiziert und führt von Schwerte durch das Hochsauerland bis nach Warburg.

Ringlokschuppen und Rangiergleise
Der rasch wachsende Rangierbetrieb führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau eines Ringlokschuppens, einer Werkstatt und zahlreicher Gleise zum Bilden und Abstellen von Zügen.
Im Jahr 1910 kam die Strecke nach Iserlohn hinzu, und 1912 folgte die Strecke nach Dortmund-Hörde.
Beim Ausbau entstanden mehrere Über- und Unterführungen, damit sich Zugfahrten und Rangierbewegungen möglichst wenig behinderten, und 1913 erreichte der zweiseitige Verschiebebahnhof mit 2000 Wagen pro Tag seine volle Leistung.
Ab 1911 entstand an der Oberen Ruhrtalbahn zusätzlich der nahe Rangierbahnhof Geisecke, der im Zweiten Weltkrieg zu den größten Rangierbahnhöfen Westdeutschlands gehörte.

Gut zu wissen
Vom Bahnhof Schwerte (Ruhr) führen Strecken nach Hagen, Dortmund, Hamm, Iserlohn und über die Obere Ruhrtalbahn bis Warburg. Der Bahnhof ist als Kulturdenkmal eingestuft, und seit dem Umbau 2018 und 2019 sind alle Bahnsteige per Aufzug erreichbar.
Jedes Jahr im August findet in Schwerte das Festival Welttheater der Straße statt, eines der größten Straßentheaterfestivals in Europa. Das Ruhrtalmuseum im Alten Rathaus widmet sich unter anderem den Eiszeiten.
Das Ausbesserungswerk in Schwerte-Ost
Wegen seiner günstigen Lage an mehreren Hauptstrecken wurde Schwerte als Standort für ein Eisenbahnausbesserungswerk ausgewählt, und die ersten Vorarbeiten begannen im Sommer 1914.
Krieg, Genehmigungsverfahren, Kostensteigerungen und Streiks verzögerten den Bau, sodass das Werk in Schwerte-Ost erst am 1. Oktober 1922 eröffnet werden konnte.
Es besaß drei große Schiebebühnenfelder, eine Lokomotivrichthalle, eine Schmiede, eine Dreherei, eine Kesselschmiede und eine Gießerei.
Zunächst wurden hier preußische Lokomotiven wie die G 8, die T 16 oder die P 8 ausgebessert, und ab 1936 kamen auch Schnellzuglokomotiven der Baureihe 03 dazu.

Eine Siedlung für die Eisenbahner
Der Aufschwung durch die Bahn ließ die Einwohnerzahl der Stadt zwischen 1885 und 1910 auf das Vierfache wachsen.
Für die Arbeiter des Ausbesserungswerks entstand ab 1920 in Schwerte-Ost die Kreinberg-Siedlung, die im Jahr 1935 fertig wurde.
Im Jahr 1925 arbeiteten im Werk etwa 1600 Menschen, und 1938 besserten über 2300 Arbeiter rund 1100 Lokomotiven aus.
Im Jahr 1942 feierte das Werk die Ausbesserung seiner 20.000. Lokomotive.

Bomben und Zwangsarbeit
Im Juni 1940 wurde der Bahnhof zu einem der Hauptangriffsziele des britischen Bomber Command im Ruhrgebiet.
Der schwerste Luftangriff auf Schwerte folgte am 31. Mai 1944, als US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof angriffen und dabei über 217 Menschen getötet wurden.
Vom 6. April 1944 bis zum 29. Januar 1945 bestand in Schwerte eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald, deren Häftlinge im Ausbesserungswerk Zwangsarbeit leisten mussten.
Weil viele Arbeiter zur Front eingezogen worden waren, arbeiteten im Werk zunehmend Frauen, und 1942 wurde die Wochenarbeitszeit auf 63 Stunden heraufgesetzt.

Das Ende der Dampflokzeit
Nach dem Krieg ging die Arbeit weiter, 1949 verließ die 30.000. Lokomotive die Hallen, und 1961 wurde die 40.000. ausgebesserte Lok gezählt.
Die Deutsche Bundesbahn ließ in Schwerte vor allem Lokomotiven der Baureihen 42, 50 und 56 unterhalten.
Am 25. Oktober 1967 endete die Ausbesserung von Dampflokomotiven, danach wurden dort noch Tiefladewagen betreut und ausgemusterte Lokomotiven zerlegt.
Im Jahr 1983 wurde das Werk endgültig geschlossen, und seit Mitte 1983 halten auch am Bahnhof Schwerte Ost keine Personenzüge mehr.

Ein ICE mit dem Namen Schwerte
Fernzüge halten seit 2002 nicht mehr regelmäßig in Schwerte, und die stündlichen ICE zwischen Berlin und Köln fahren ohne Halt durch.
Von Dezember 2021 bis Dezember 2024 hielten immerhin wieder zwei Zugpaare der Intercity-Linie 34 zwischen Frankfurt und Münster hier.
Im Jahr 2011 folgte die Deutsche Bahn einem Antrag der Stadt und des Vereins der Eisenbahnfreunde und taufte einen ICE auf den Namen Schwerte.
Bis 2007 wurde der Bahnhof noch von elektromechanischen Stellwerken gesteuert, und an den Gleisen standen Formsignale.

Neue Bahnsteige für den Nahverkehr
In den Jahren 2018 und 2019 wurden die Bahnsteige von 38 auf 76 Zentimeter angehoben und bekamen Blindenleitstreifen und modernisierte Dächer.
An jedem Bahnsteig kam ein Aufzug dazu, und dafür musste an den Gleisen 1/2 und 3/4 jeweils der zweite Treppenaufgang weichen.
Heute halten in Schwerte vier Linien des Nahverkehrs, mit denen man stündlich nach Dortmund, Hagen, Münster, Köln oder Düsseldorf fahren kann.
Im Stadtteil Ergste gibt es außerdem einen Haltepunkt an der Strecke Dortmund–Iserlohn, an dem die Ardey-Bahn RB 53 hält.

Ankommen in Schwerte
Ankommen in Schwerte heißt, den schiefen Turmhelm von St. Viktor zu suchen, einer Kirche, die 1050 als Tochterkirche des Xantener Viktor-Stifts errichtet wurde.
Im Inneren steht der Goldene Altar, ein rund 8,5 Meter hohes Retabel aus Eichenholz, das Künstler der Antwerpener Lukasgilde schufen und das zu Ostern 1523 aufgestellt wurde.
Gleich nebenan steht das Alte Rathaus, dessen Grundstein 1547 gelegt wurde und in dem seit 1933 das Ruhrtalmuseum untergebracht ist.
Unten an der Ruhr steht die Rohrmeisterei, eine Pumpstation von 1890 für das Trinkwasser des Wasserwerks Hörde, die heute ein Bürger- und Kulturzentrum an der Route der Industriekultur ist.

Häufige Fragen
Wann wurde der Bahnhof Schwerte eröffnet?
Halten Fernzüge in Schwerte?
Was war das Ausbesserungswerk Schwerte-Ost?
Welche Strecken treffen sich in Schwerte?
Was ist der Goldene Altar?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Dortmund Hauptbahnhof – die Großstadt im Nordwesten, stündlich mit dem Nahverkehr erreichbar
→ Ortstermin: Der Bahnhof Iserlohn im Sauerland – die Nachbarstadt im Süden, Endpunkt der Ardey-Bahn über Ergste
