Ortstermin
„Nächster Halt Schwelm, die S-Bahnen fahren an den Gleisen 1 und 2, die Regional-Express-Züge an den Gleisen 3 und 4.“
Der Bahnhof Schwelm, wo die S-Bahn unter der Hauptstrecke abtaucht
→ Ein Ortstermin an der Grenze zwischen Westfalen und dem Bergischen Land.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Schwelm wurde 1847 an der Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn eröffnet und war knapp anderthalb Jahre lang das östliche Ende des Personenverkehrs. Seit 1988 halten hier auch die Züge der S-Bahn Rhein-Ruhr, deren Gleise gleich hinter dem Bahnhof unter der Hauptstrecke hindurchführen.
Schwelm ist eine über 500 Jahre alte Stadt am Südrand des Ruhrgebiets, die im Westen an Wuppertal grenzt und zugleich Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises ist.
Hier wurde im Jahr 1901 die Dogge Cäsar als erster Polizeihund Deutschlands eingesetzt, und hier halten heute Regional-Express-Züge und S-Bahnen an einem Bahnhof, der schon 1847 eröffnet wurde.
Hinter diesem Bahnhof steckt die Geschichte einer großen Strecke nach Köln, die nie fertig wurde, und einer S-Bahn, die unter der Hauptbahn hindurchtaucht.

Die Pforte Westfalens
Schwelm liegt unmittelbar an der alten Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland, und diese Grenzlage hat Geschichte, Stadtbild und Wirtschaft über Jahrhunderte geprägt.
Weil die Stadtgrenze im Westen und Süden genau dieser alten Grenze folgt, wird Schwelm auch die Pforte Westfalens genannt.
Mit nur 2050 Hektar ist Schwelm nach der Fläche die kleinste politische Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, von Osten nach Westen misst das Stadtgebiet gerade einmal 4,6 Kilometer.
Das Stadtrecht erhielt Schwelm am 24. November 1496 von Johann II., Herzog von Kleve und Graf von der Mark, als der Ort aus etwa 50 Häusern und 250 bis 400 Einwohnern bestand.

Endstation im Oktober 1847
Der Bahnhof Schwelm wurde 1847 von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet und liegt an ihrer Stammstrecke von Elberfeld nach Dortmund.
Im Oktober 1847 wurde der Abschnitt von Elberfeld bis Schwelm für Reisende freigegeben, und bis zum 9. März 1849 war Schwelm damit das östliche Ende des Personenverkehrs.
Seit seiner Einweihung wurde der Bahnhof mehrmals umgebaut, zum ersten Mal im Jahr 1865.
Im Jahr 1902 bekamen die Bahnsteige eine Überdachung, und am 8. November desselben Jahres wurde eine Unterführung zum zweiten Bahnsteig fertig.

Gut zu wissen
Am Bahnhof Schwelm halten die S-Bahn-Linien S 8 und S 9 sowie die Regional-Express-Linien RE 4, RE 7 und RE 13. Beide Mittelbahnsteige sind seit 2022 über Aufzüge barrierefrei erreichbar.
Vom Bahnhof fährt die Schnellbuslinie SB 37 nach Hattingen und zum Bochumer Hauptbahnhof, dazu kommen mehrere Stadtbuslinien. Das Heimatmuseum in Haus Martfeld zeigt mehr als 1000 Exponate zur Geschichte der Region.
Die Elbschetalbahn macht Schwelm zum Knoten
Im Jahr 1934 wurde Schwelm zum Eisenbahnknoten, als die Deutsche Reichsbahn die Bahnstrecke von Witten nach Schwelm vollendete, die auch Elbschetalbahn genannt wird.
Die Arbeiten hatten schon 1911 begonnen, denn die Strecke sollte Teil einer Entlastungsstrecke aus dem Ruhrgebiet in Richtung Köln werden und über Schwelm hinaus via Lennep weiterführen.
Der Erste Weltkrieg und der wirtschaftliche Niedergang danach verhinderten diese Pläne, und die letzten Arbeiten wurden erst zu Beginn der 1930er Jahre als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erledigt.
Von 1934 bis 1939 fuhren auf der Strecke täglich 23 Personenzüge, darunter fünf Eilzüge.

Vom Personenzug zum S-Bahn-Tunnel
Nach 1945 nahm der Verkehr auf der Elbschetalbahn stetig ab, und auf dem mittleren Teil von Witten-Höhe nach Gevelsberg West endete der Personenverkehr am 30. November 1979.
Am 14. Januar 1980 wurde dieser Abschnitt ganz gesperrt und zum 1. Januar 1983 stillgelegt.
Der südliche Abschnitt lebt dagegen weiter, denn durch den 945 Meter langen Linderhauser Tunnel zwischen Gevelsberg und Schwelm fahren heute die S-Bahnen.
Auf dem stillgelegten Teil ist ein Radweg geplant, auf dem der 845 Meter lange Silscheder Tunnel ein ungewöhnlich langer Fahrradtunnel würde, doch die Finanzierung galt zuletzt als ungeklärt.

Die S-Bahn taucht ab
Im Jahr 1988 wurde Schwelm an das Netz der S-Bahn Rhein-Ruhr angeschlossen.
Dafür baute die Deutsche Bundesbahn in den 1980er Jahren ein Überwerfungsbauwerk, in dem die S-Bahn-Gleise gleich hinter dem Bahnhof in Richtung Hagen unter der Fernbahn hindurchführen.
Von Wuppertal bis Schwelm verlaufen die S-Bahn-Gleise parallel zur Hauptstrecke, ab Schwelm nutzen die Züge bis Gevelsberg West die Trasse der alten Elbschetalbahn.
Seit Mai 2020 fahren die Linien S 8 und S 9 jeweils im Stundentakt nach Hagen, und die S 9 verbindet Schwelm über Wuppertal, Velbert, Essen, Bottrop und Gladbeck direkt mit Recklinghausen.

Vier Gleise und ein Stellwerk ohne Personal
Der Bahnhof hat vier Personengleise an zwei Mittelbahnsteigen, und die S-Bahnen halten an den Gleisen 1 und 2.
An den Gleisen 3 und 4 halten die Regional-Express-Linien RE 4, RE 7 und RE 13, während die Fernzüge hier ohne Halt durchfahren.
Seit 2022 sind beide Bahnsteige über Aufzüge barrierefrei erreichbar, und im Eingangsbereich des Bahnhofsgebäudes gibt es ein Kundencenter der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr.
Das Stellwerk Sf steuert die Bahnhöfe Schwelm und Gevelsberg West, ist aber nicht vor Ort besetzt, sondern wird vom Stellwerk in Wuppertal-Oberbarmen aus ferngesteuert.

Ein Kurort mit Gesundbrunnen
Am 18. Oktober 1722 zerstörte ein Stadtbrand mehr als hundert Wohnhäuser, und auch außerhalb der Stadtmauer brannten Kirche, Schule und Pfarrhaus der katholischen Gemeinde ab.
Zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Schwelm dennoch weit über die Stadtgrenzen hinaus als Kur- und Badeort bekannt, denn im heutigen Stadtviertel Brunnen gab es eine eisenhaltige Heilquelle, den Schwelmer Gesundbrunnen.
Seine Glanzzeit hatte schon begonnen, als im Jahr 1706 zwei Ärzte die Qualität des Wassers lobten und ihm eine heilende Wirkung bescheinigten.
Das Brunnenhäuschen, das über der Heilquelle entstand, steht heute unter Denkmalschutz.

Schiefer, Fachwerk und zwei Kirchtürme
Nachdem in den 1970er Jahren viele alte Fachwerkhäuser abgerissen worden waren, steht heute fast jedes historisch wertvolle Gebäude der Altstadt unter Denkmalschutz.
Typisch sind verschieferte Fachwerkhäuser im bergischen Stil in Schwarz, Weiß und Grün, und an der Kirchstraße 5 steht eines der wenigen Häuser, die die Stadtbrände des 18. Jahrhunderts überstanden haben.
Über der Altstadt ragen die zwei 56 Meter hohen Türme der evangelischen Christuskirche auf, die mit etwa 1200 Sitzplätzen als zweitgrößte Kirche Westfalens gilt.
An ihrer Stelle stand schon eine Kirche, die sich für das Jahr 1085 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Sigewin nachweisen lässt.

Ankommen in Schwelm
Ankommen in Schwelm heißt, am östlichen Stadtrand Haus Martfeld zu besuchen, ein ehemaliges Rittergut, das aus einer Wasserburg mit Ursprüngen im 14. Jahrhundert hervorgegangen ist.
Im Mittelflügel zeigt das Heimatmuseum auf drei Etagen mehr als 1000 Stücke von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert, und ganz in der Nähe wurde 2014 an der Bahnstrecke die Schlosshöhle entdeckt.
Um das erste Wochenende im September feiert die Stadt fünf Tage lang ihr Heimatfest mit Kirmes und einem Festzug am Sonntag, an dem die Nachbarschaftsvereine mit ihren Motivwagen teilnehmen.
Und wer durch die Brauereigasse geht, sieht dort noch ein Stück der alten Stadtmauer, die einst etwa einen Kilometer lang war und elf Türme hatte.

Häufige Fragen
Wann wurde der Bahnhof Schwelm eröffnet?
Welche Züge halten in Schwelm?
Was ist die Elbschetalbahn?
Warum heißt Schwelm Pforte Westfalens?
Wann ist das Schwelmer Heimatfest?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Wuppertal-Barmen – der Nachbar im Westen an derselben Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Bahn
→ Ortstermin: Hagen Hauptbahnhof – der Bahnknoten im Osten, Endpunkt der S-Bahn-Linien S 8 und S 9
