Stimmt es, dass Liechtenstein seine Bahnstrecke von Österreich betreiben lässt?

Stimmt es, dass …?

„Nächster Halt Schaan-Vaduz, Sie befinden sich in Liechtenstein, im Zug der Österreichischen Bundesbahnen.“

Stimmt es, dass Liechtenstein seine Bahnstrecke von Österreich betreiben lässt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Die einzige Bahnstrecke Liechtensteins, die Linie Feldkirch–Buchs, gehört der ÖBB-Infrastruktur und wird seit ihrer Eröffnung 1872 von österreichischer Seite betrieben, auf Grundlage einer Konzession des Fürstentums.

Liechtenstein ist ein eigener Staat mit Fürst und Regierung.

Eine eigene Staatsbahn hat das kleine Land zwischen Österreich und der Schweiz aber nicht.

Wer die Züge durch Liechtenstein fährt und wem die Gleise gehören, zeigt dieser Mythos-Check.

Bahnhof Schaan Vaduz 20 08 2007
Foto: Mauritsvink, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

18,527 km

Streckenlänge

davon 8,963 Kilometer in Liechtenstein

24.10.1872

Eröffnung

durch die private Vorarlberger Bahn

2067

Konzession

bis Ende 2067 gilt die 2020 erteilte Konzession für die ÖBB

Vom 14. Juni bis zum 14. Oktober 2026 ist die Strecke wegen einer Sanierung für 35 Millionen Euro vollständig gesperrt.

Die einzige Bahnstrecke des Fürstentums

Die Bahnstrecke von Feldkirch nach Buchs ist eine eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn.

Sie führt von Feldkirch in Vorarlberg über Schaan nach Buchs im Kanton St. Gallen.

Es ist die einzige Eisenbahnstrecke im Fürstentum Liechtenstein.

Von ihren 18,527 Kilometern liegen 8,375 in Österreich, 8,963 in Liechtenstein und 1,189 in der Schweiz.

Gemeinsamer Grenzbahnhof ist Buchs in der Schweiz.

BusbahnhofSchaan
Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gleise im Besitz der ÖBB

Die Infrastruktur der Strecke gehört der ÖBB-Infrastruktur, also der österreichischen Bahn.

Ende 2019 hatte das Eigentum der ÖBB in Liechtenstein und der Schweiz einen Buchwert von rund 23,9 Millionen Euro.

Außerhalb Österreichs fahren die Züge auf Grundlage von Konzessionen der beiden anderen Staaten.

Die Betriebsführung erhielt schon am 14. Januar 1870 die Vorarlberger Bahn, deren Rolle heute die ÖBB übernommen haben.

Die Konzession des Fürstentums aus dem Jahr 1977 lief Ende 2017 aus und wurde zunächst nur provisorisch verlängert.

Eine eigene liechtensteinische Bahngesellschaft für diese Strecke gibt es damit nicht.

Gut zu wissen

Das Schweizer Generalabonnement gilt bis zum letzten liechtensteinischen Halt in Nendeln. Die Strecke verbindet Liechtenstein so mit beiden Nachbarländern.

Die Deutsche Reichsbahn baute 1940 bei Feldkirch eine Verbindungskurve, damit Züge von Norden ohne Richtungswechsel nach Buchs fahren konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie stillgelegt und in den 1950er Jahren abgebaut.

Ein Vertrag von 1870

Liechtenstein wollte die geplante Verbindung zwischen Österreich und der Schweiz unbedingt über das eigene Gebiet führen.

Nur so konnte das Land einen Anschluss an das Bahnnetz bekommen.

Am 27. August 1870 unterzeichneten Österreich-Ungarn, Liechtenstein, Bayern und die Schweiz in Bregenz einen Staatsvertrag, der bis heute gilt.

Am 24. Oktober 1872 eröffnete die private Vorarlberger Bahn die Strecke.

Am selben Tag fuhr erstmals ein Zug mit Dampflok durch das Fürstentum.

Alte Regeln, die noch gelten

Der Vertrag von 1870 enthält einige Regeln, die bis heute gültig sind.

Lokomotiven und Wagen dürfen weitgehend ohne Behinderung in allen beteiligten Staaten eingesetzt werden.

Güter, die auf dieser Strecke durchgefahren werden, sind mit wenigen Ausnahmen von Durchgangszöllen befreit.

Nach Artikel 14 gilt außerdem ein Verwendungsverbot für Personen, die wegen Verbrechen oder Schmuggels rechtskräftig verurteilt wurden.

So wirkt ein Vertrag aus der Zeit der Dampflok bis in den heutigen Bahnbetrieb hinein.

Ein Kaiser auf dem Weg ins Exil

Am 24. März 1919 reiste Kaiser Karl I. von Österreich mit einem Sonderzug durch Liechtenstein ins Exil in die Schweiz.

Begleitet wurde er von drei britischen Offizieren und zwölf Soldaten.

Der Regierungschef Liechtensteins stieg in Feldkirch in den verspäteten Sonderzug, um die Souveränität seines Landes zu wahren.

Die Strecke wurde auf liechtensteinischem Gebiet von der Polizei überwacht.

Den Wunsch des Kaisers, in Vaduz zu übernachten, lehnte der Regierungschef aus Sicherheitsgründen ab.

Strom, Hochwasser und Krieg

Am 16. Dezember 1926 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen, zusammen mit der Arlbergbahn.

Am 25. September 1927 verkeilte sich bei einem Rheinhochwasser Treibholz an der zu niedrigen Eisenbahnbrücke zwischen Schaan und Buchs.

Der Rheindamm brach auf 250 Metern, die Talebene wurde überflutet und ein Brückenträger stürzte ins Wasser.

Erst am 17. November 1927 konnten wieder Züge fahren.

In der NS-Zeit diente die Bahn durch Liechtenstein auch als Fluchtweg, etwa für den Schriftsteller Carl Zuckmayer.

Viele Fernzüge, wenige Halte

Ein großer Teil des Fernverkehrs zwischen Österreich und der Schweiz rollt über diese eingleisige Strecke.

Im Fahrplan 2020 gehörten dazu unter anderem Nachtzüge der ÖBB und der EuroCity Transalpin zwischen Zürich und Graz.

Für zusätzliche Nahverkehrszüge bleibt deshalb kaum Platz.

In Liechtenstein halten Züge in Schaan-Vaduz, Forst Hilti und Nendeln.

Die Haltestelle Schaanwald wurde in den 2010er Jahren geschlossen, weil dort zuletzt nur noch ein Regionalzug pro Richtung hielt.

Die gescheiterte S-Bahn

Mit dem Projekt S-Bahn Liechtenstein sollte die Strecke ausgebaut und ein dichter Takt im Nahverkehr möglich werden.

In einer Volksabstimmung am 30. August 2020 lehnte die Bevölkerung Liechtensteins den Kredit dafür ab.

Seitdem wird das Projekt nicht mehr weiterverfolgt.

Im Dezember 2020 erteilte Liechtenstein der ÖBB-Infrastruktur eine neue Konzession, die bis zum 31. Dezember 2067 gilt.

Laut dem Rahmenplan der ÖBB sind bis 2027 rund 100 Millionen Euro für die Modernisierung der Strecke vorgesehen.

Statt der S-Bahn wollen die ÖBB die Strecke modernisieren und haben sie dafür vom 14. Juni bis zum 14. Oktober 2026 vollständig gesperrt.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Die einzige Bahnstrecke Liechtensteins gehört der ÖBB-Infrastruktur und wird von österreichischer Seite betrieben.

Grundlage sind ein Staatsvertrag von 1870 und eine Konzession des Fürstentums, die inzwischen bis 2067 verlängert wurde.

Knapp neun Kilometer der Strecke liegen in Liechtenstein, mit Halten in Schaan-Vaduz, Forst Hilti und Nendeln.

Eine eigene Staatsbahn hat das Fürstentum dagegen nicht, und auch die geplante S-Bahn scheiterte 2020 an einer Volksabstimmung.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Häufige Fragen

Hat Liechtenstein eine Eisenbahn?
Ja, genau eine Strecke, die Linie von Feldkirch nach Buchs, die auf knapp neun Kilometern durch Liechtenstein führt.
Wem gehört die Strecke?
Die Infrastruktur gehört der ÖBB-Infrastruktur, also der österreichischen Bahn.
Wo halten Züge in Liechtenstein?
In Schaan-Vaduz, Forst Hilti und Nendeln.
Warum gibt es keine S-Bahn Liechtenstein?
Die Bevölkerung lehnte am 30. August 2020 in einer Volksabstimmung den Kredit für das Projekt ab.
Fahren dort gerade Züge?
Vom 14. Juni bis zum 14. Oktober 2026 ist die Strecke wegen einer Sanierung vollständig gesperrt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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