Ortstermin
„Nächster Halt Ennepetal (Gevelsberg), hier bitte aussteigen für die Kluterthöhle, das Straßenindustriemuseum und die Busse nach Gevelsberg.“
Der Bahnhof Ennepetal, der den Namen der Nachbarstadt trägt
→ Ein Ortstermin im Ennepe-Ruhr-Kreis.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Der Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg) wurde am 9. März 1849 an der Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn eröffnet, damals noch unter dem Namen Milspe. Sein Empfangsgebäude gilt als eines der ältesten seiner Art in Nordrhein-Westfalen und steht seit 1986 unter Denkmalschutz.
Ennepetal ist eine Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern im Ennepe-Ruhr-Kreis am Südrand des Ruhrgebiets und trägt den Namen des Flusses Ennepe, an dem sie liegt.
Seit dem 24. Juli 2012 darf sie sich offiziell Stadt der Kluterthöhle nennen, nach der großen Höhle nahe dem Zentrum des Stadtteils Milspe.
Wer mit dem Zug anreist, steigt an einem Bahnhof aus, der hundert Jahre älter ist als die Stadt selbst und trotzdem den Namen der Nachbarstadt Gevelsberg in Klammern trägt.

Eine Stadt aus zwei Gemeinden
Die Stadt Ennepetal gibt es erst seit dem 1. April 1949, als sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Milspe und Voerde zusammenschlossen.
Die Namen der Ortsteile Voerde und Willringhausen tauchen allerdings schon im 11. Jahrhundert in einem Urbar des Klosters Werden auf, damals in Schreibweisen wie fordi und wilgerinchuson.
Funde belegen, dass in der Gegend schon im 11. bis 13. Jahrhundert Eisen erzeugt wurde, und diese Eisenindustrie hat das Tal der Ennepe über Jahrhunderte geprägt.
Die Gemeinde Milspe selbst entstand erst am 1. April 1923 aus Mühlinghausen, Oelkinghausen und Schweflinghausen, und mit knapp 9900 Einwohnern im Jahr 2020 ist sie der größte Ortsteil der Stadt.

Eröffnet im März 1849
Ab 1844 baute die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft nach den Plänen von Friedrich Harkort ihre Stammstrecke, die das Wuppertal mit Dortmund verbinden sollte.
Im Oktober 1847 fuhren die ersten Personenzüge zwischen Elberfeld und Schwelm, doch oberhalb des Kruiner Tunnels zwischen Schwelm und Gevelsberg kam der Bau nur langsam voran.
Am 29. Dezember 1848 rollte der Güterverkehr auf der ganzen Strecke, und am 9. März 1849 folgte der Personenverkehr zwischen Schwelm und Dortmund.
Am selben 9. März 1849 wurde auch der Bahnhof in Milspe eröffnet, der heute der Bahnhof von Ennepetal ist.

Gut zu wissen
Der Haltepunkt heißt offiziell Ennepetal (Gevelsberg) und liegt im Stadtteil Milspe an der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund. Hier halten die Linien RE 4, RE 7 und RE 13, und am Bahnhof fahren die Busse 551 und 563 ab.
Die Kluterthöhle ist Schauhöhle und Kurstätte zugleich und hat das ganze Jahr über 10 Grad. Das Straßenindustriemuseum ist rund um die Uhr zugänglich, weil seine Maschinen im öffentlichen Raum stehen.
Ein Fachwerkhaus im Holzkleid
Das Empfangsgebäude wurde im Fachwerkstil errichtet und anschließend mit Holz verkleidet.
Es gilt als eines der ältesten Empfangsgebäude seiner Art in Nordrhein-Westfalen und steht seit 1986 unter Denkmalschutz.
Der frühere Bahnhof ist außerdem eine Station auf der Route der Industriekultur, die zu den wichtigen Orten der Industriegeschichte im Ruhrgebiet führt.
Im März 2010 gründete sich ein Förderverein, der sich für die Sanierung des Hauses und für eine dauerhafte Nutzung einsetzt, denn das Gebäude wird heute nur noch privat genutzt.

Drei Namen für einen Bahnhof
Bis 1954 hieß der Bahnhof schlicht Milspe, obwohl Milspe und Voerde schon fünf Jahre zuvor zur Stadt Ennepetal geworden waren.
Erst 1954 bekam er den Namen Ennepetal-Milspe, der den neuen Stadtnamen endlich auf das Schild brachte.
Im Jahr 1963 wurde der nur etwa drei Kilometer entfernte Bahnhof Gevelsberg an derselben Strecke aufgegeben und später abgerissen, sodass die Nachbarstadt dort keinen eigenen Halt mehr hatte.
Deshalb heißt der Bahnhof seit 1968 Ennepetal (Gevelsberg), obwohl er vollständig auf Ennepetaler Gebiet liegt und die Nordseite der Gleise hier die Stadtgrenze bildet.

Der Teckel im Tal der Ennepe
Nur etwa 150 Meter Luftlinie vom Bahnhof entfernt lag der frühere Haltepunkt Milspe Tal an der Ennepetalbahn, einer eigenen Strecke, die von Hagen aus dem Lauf der Ennepe folgt.
Im Mai 1876 wurde der erste Abschnitt von Hagen bis Gevelsberg-Haufe eröffnet, und im September 1882 fuhren die Personenzüge weiter bis Altenvoerde.
Die Züge auf dieser Strecke, vor allem die Schienenbusse, hießen im Volksmund nur der Teckel.
Der Personenverkehr endete am 28. September 1969, seitdem dient die Strecke überwiegend dem Güterverkehr, und zwischen 2007 und 2019 fuhr an einigen Tagen im Jahr noch ein Museumsschienenbus.

Drei Express-Linien am Mittelbahnsteig
Aus dem einstigen Bahnhof ist heute ein Haltepunkt für den Nahverkehr geworden, an dem die Regional-Express-Linien RE 4, RE 7 und RE 13 halten.
Die drei Linien tragen die Beinamen Wupper-Express, Rhein-Münsterland-Express und Maas-Wupper-Express, und alle fahren über Wuppertal und Hagen.
Die Stammstrecke von Elberfeld nach Dortmund, an der Ennepetal liegt, ist 56 Kilometer lang und inzwischen auf ganzer Länge elektrifiziert.
Direkt am Bahnhof halten außerdem die Buslinien 551 und 563 der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr, die zum Busbahnhof Ennepetal und zum Hauptbahnhof Gevelsberg fahren.

Ein Aufzug und zwei Stufen
Über Jahrzehnte war das Gleis Richtung Hagen ebenerdig zu erreichen, während zum Gleis Richtung Wuppertal nur eine Unterführung führte.
Im Jahr 2010 wurde der Bahnsteigtunnel verlängert und umgebaut, und seit Mitte 2011 fährt ein Aufzug zum Bahnsteig hinauf.
Der Mittelbahnsteig erhielt zwei neue Kanten mit der Normhöhe von 76 Zentimetern, während das hölzerne Bahnsteigdach erhalten blieb und einen neuen Anstrich bekam.
Weil die beiden Gleise unterschiedlich hoch liegen, hat der Bahnsteig an beiden Enden eine Stufe, die mit einer Absperrung gesichert ist.

Die Höhle unter der Stadt
Die Kluterthöhle ist durch Auslaugung einer rund 12,5 Meter mächtigen Schicht aus Riffkalk entstanden, der sich im Devon vor rund 370 Millionen Jahren im Meer gebildet hat.
Sie besteht aus mehr als 300 Gängen, unterirdischen Seen und Bächen auf einer Fläche von rund 400 mal 200 Metern, und bis zur Entdeckung der Salzgrabenhöhle im Jahr 1959 war sie die größte bekannte Höhle Deutschlands.
In der Höhle herrscht das ganze Jahr über eine Temperatur von 10 Grad, und wegen ihres Klimas wird sie auch als Kurstätte für Menschen mit Asthma genutzt.
Im Zweiten Weltkrieg suchte die Bevölkerung hier Schutz vor Luftangriffen, heute gibt es neben normalen Führungen auch Abenteuertouren mit Taschenlampe durch enge Gänge.

Ankommen in Ennepetal
Ankommen in Ennepetal heißt, ein Museum zu betreten, das nie schließt, denn das Straßenindustriemuseum ist Tag und Nacht geöffnet und über das ganze Stadtgebiet verteilt.
Seit 1987 hat der Verein Kulturschmiede Ennepetal dort alte Maschinen wie Fallhämmer, Luftdruckhämmer, Schleifsteine und Pressen aufgestellt, die in der Industrie der Gegend vom 15. bis zum 20. Jahrhundert benutzt wurden.
Wer lieber in den Himmel schaut, findet auf dem Hinnenberg im Stadtteil Voerde eine Volkssternwarte mit öffentlichen Beobachtungen und Vorträgen.
Und wer wandern möchte, geht durch das Hülsenbecker Tal oder zur Heilenbecketalsperre bei Rüggeberg, die von 1894 bis 1896 gebaut wurde und als älteste Talsperre Westfalens gilt.

Häufige Fragen
Warum heißt der Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg)?
Wie alt ist der Bahnhof Ennepetal?
Welche Züge halten in Ennepetal?
Was war der Teckel?
Wie groß ist die Kluterthöhle?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Hagen Hauptbahnhof – der große Bahnknoten im Osten, Ausgangspunkt der alten Ennepetalbahn
→ Ortstermin: Wuppertal Hauptbahnhof – die Stadt der Schwebebahn, durch die alle drei Express-Linien fahren
