Stimmt es, dass …?
„Extrazug von Liverpool nach London, Abfahrt sofort, der Herr mit der Wette bitte in den ersten Wagen.“
Stimmt es, dass Phileas Fogg mit dem Ballon um die Welt reiste?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt nicht. Im Roman von Jules Verne reist Phileas Fogg vor allem mit Eisenbahn und Dampfschiff, dazu kommen ein Elefant und ein Segelschlitten, der berühmte Ballon stammt aus der Verfilmung von 1956.
Wer an Phileas Fogg denkt, sieht oft einen bunten Heißluftballon über den Wolken vor sich.
Das Bild ist so bekannt, dass viele es für einen Teil des Romans halten.
Womit Fogg bei Jules Verne wirklich um die Welt reiste, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
80 Tage
Wette
für eine Reise um die Welt ab London
20.000 £
Einsatz
wettete Fogg mit Mitgliedern des Reform Club
1869
Suezkanal und US-Bahn
erst seitdem war eine so schnelle Weltreise denkbar
Der Roman erschien im Januar 1873 unter dem französischen Titel Le Tour du monde en quatre-vingts jours.
Eine Wette im Londoner Klub
Reise um die Erde in 80 Tagen ist ein Roman von Jules Verne, der im Januar 1873 als Buch erschien.
Die Hauptfigur Phileas Fogg wettet darin mit Mitgliedern des Reform Club in London um 20.000 Pfund.
Er behauptet, in nur 80 Tagen um die Welt reisen zu können.
Noch am selben Abend bricht er mit seinem neuen französischen Diener Jean Passepartout auf.
Die Stationen dieser Reise beschreibt der Roman genau, und oft spielt dabei die Eisenbahn eine Rolle.

Mit dem Zug zum Dampfer
Die erste Etappe führt mit dem Zug über Paris nach Brindisi in Italien.
Dort besteigen Fogg und Passepartout das Dampfschiff Mongolia, das durch den Suezkanal nach Bombay fährt.
Unterwegs heftet sich der Detektiv Fix an ihre Fersen.
Er hält Fogg für einen Bankräuber, der die Bank of England bestohlen hat.
Fix lässt sich deshalb einen Haftbefehl hinterherschicken und reist heimlich mit.
Gut zu wissen
Einen Ballonroman hat Jules Verne tatsächlich geschrieben, er heißt Fünf Wochen im Ballon und erschien 1863. Mit Phileas Fogg hat dieses Buch aber nichts zu tun.
Für die Datumsgrenzen-Pointe ließ sich Verne von einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe anregen. Darin gelingt es einem Mann, eine Woche mit drei Sonntagen vorzuweisen.
Eine Bahnstrecke mit Lücke
Von Bombay aus soll es mit dem Zug quer durch Indien nach Kalkutta gehen.
Doch die Eisenbahnstrecke ist noch nicht fertig gebaut.
Die Reisenden müssen den Zug verlassen und auf einem Elefanten weiterreisen.
Unterwegs retten sie die junge Witwe Aouda, die sich ihnen anschließt.
Schließlich erreichen sie Kalkutta, von wo aus es mit dem Schiff nach Hongkong weitergeht.
Über den Pazifik
Von Hongkong geht die Reise weiter in Richtung Japan.
Weil Fix Passepartout betäubt, verpassen Fogg und Aouda das Dampfschiff nach Yokohama.
Fogg mietet kurzerhand ein Schiff nach Shanghai und erreicht dort das Postschiff nach Yokohama.
In Yokohama finden sie den verschwundenen Diener in einem Zirkus wieder.
Gemeinsam überqueren sie den Pazifik bis nach San Francisco.
Mit der Eisenbahn quer durch Amerika
Von San Francisco fahren die Reisenden mit der Eisenbahn quer über den nordamerikanischen Kontinent.
Unterwegs blockiert eine Herde Bisons das Gleis, und eine baufällige Brücke muss überquert werden.
In der Prärie von Nebraska wird der Zug von Sioux überfallen.
Passepartout kuppelt während der Fahrt die Wagen von der Lok ab, damit sie nahe dem Militärposten Fort Kearney zum Stehen kommen.
Weil Fogg danach seinen entführten Diener befreit, verpassen sie den Zug.
Segelschlitten statt Ballon
Statt eines Ballons nutzt die Gruppe nun einen Schlitten, der von Segeln angetrieben wird.
Mit ihm gelangen sie zum nächsten Bahnhof in Omaha und fahren von dort über Chicago nach New York.
Über den Atlantik geht es mit einem Raddampfer, für den Fogg am Ende sogar das Holz des Schiffes verfeuern lässt.
Von Liverpool rast er mit einem Extrazug nach London, kommt aber scheinbar fünf Minuten zu spät.
Erst dann merkt er, dass er durch die Reise nach Osten über die Datumsgrenze einen ganzen Tag gewonnen hat, und gewinnt die Wette doch.
Woher der Ballon kommt
Der Ballon gelangte erst mit einer berühmten Verfilmung in die Geschichte.
Im Jahr 1956 kam der Film In 80 Tagen um die Welt von Regisseur Michael Anderson in die Kinos, produziert von Michael Todd.
In diesem Film reisen die Figuren unter anderem mit Gasballons, Eisenbahnen, Schiffen und Elefanten.
Der Film gewann fünf Oscars, darunter den für den besten Film.
Auch dort spielen die Zugszenen eine große Rolle, mit Büffelherde, einstürzender Brücke und Überfall.
Die Bahn macht die Reise möglich
Dass eine Weltreise in 80 Tagen überhaupt denkbar wurde, lag an zwei Bauwerken des Jahres 1869.
In diesem Jahr wurde der Suezkanal eröffnet, und in den USA trafen sich die Strecken der ersten transkontinentalen Eisenbahn am Promontory Summit.
Vorher war eine Reise um die Erde in 80 Tagen nahezu unmöglich.
Der Roman beruht auf der Weltreise des Amerikaners George Francis Train aus dem Jahr 1870.
Train soll verärgert darüber gewesen sein, dass Verne seine Hauptfigur Phileas Fogg nannte.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nicht.
Im Roman von Jules Verne reist Phileas Fogg mit Eisenbahn, Dampfschiff, Elefant und Segelschlitten um die Welt, ein Ballon kommt in der Reisebeschreibung nicht vor.
Das bekannte Ballonbild stammt aus der Verfilmung von 1956, in der die Figuren auch mit Gasballons unterwegs sind.
Tatsächlich spielt die Eisenbahn im Roman eine Hauptrolle, denn erst sie und der Suezkanal machten so schnelle Reisen möglich.
Am Ende bringt ihn ein Extrazug nach London, und ein gewonnener Tag rettet die Wette.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
