Stimmt es, dass …?
„Achtung, die alten Holzschwellen an Gleis vier sind nicht zum Mitnehmen bestimmt, auch nicht für das Hochbeet.“
Stimmt es, dass alte Bahnschwellen in den Garten dürfen?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Nein, das stimmt nicht. Mit Teeröl imprägnierte Holzschwellen dürfen in Deutschland nicht in Gärten verwendet werden, denn das Imprägniermittel gilt als gesundheits- und umweltgefährdend, und ein Verstoß gegen die Verbote kann sogar eine Straftat sein.
Früher galten ausgediente Bahnschwellen als ideales Baumaterial für Beeteinfassungen, Treppenstufen und Sichtschutzwände.
Das Holz war robust, günstig und schien fast unverwüstlich.
Ob alte Bahnschwellen heute noch in den Garten dürfen, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1991
erste Beschränkungen
für Teeröl-Schwellen in Deutschland
35 Jahre
Lebensdauer
einer Holzschwelle im Gleis
31.10.2029
Zulassung bis
Kreosot für Eisenbahnschwellen in der EU
Mit Teeröl imprägnierte Holzschwellen dürfen nach der Chemikalien-Verbotsverordnung nicht in Gärten verwendet werden.
Früher ein beliebtes Gartenholz
Gebrauchte Holzschwellen waren früher preisgünstig zu haben.
Im gewerblichen Landschaftsbau und bei Privatleuten, etwa in Kleingärten, dienten sie als Stützmauern, freistehende Sichtschutzwände oder Sitzgelegenheiten.
Weil es noch kein ausreichendes Bewusstsein für die Giftigkeit der Holzschutzmittel gab, wurden sie sogar auf Kinderspielplätzen verwendet.
Aus öffentlichen Grünanlagen wurden sie meist wieder entfernt, in privaten Gärten, vor allem von Einfamilienhäusern aus den 1970er- und 1980er-Jahren, finden sie sich mitunter noch heute.
Jahrzehntelang wurden alte Schwellen außerdem als preiswertes Heizmaterial genutzt.

Warum Holzschwellen so lange halten
Holzschwellen müssen Witterung, schweren Lasten und dauerndem Bodenkontakt standhalten.
Damit sie das schaffen, werden sie im Kesseldruckverfahren imprägniert.
Bei Buchenholzschwellen bohrt man an der Unterseite sogar eigene Imprägnierlöcher, damit das Holz mehr Tränkmittel aufnimmt.
Lange war Teeröl das Mittel der Wahl, denn es wirkt fäulnishemmend und schützt selbst Holz, das dauerhaft im Boden liegt.
So erreicht eine Holzschwelle eine Lebensdauer von bis zu 35 Jahren.
Gut zu wissen
Für Holzschwellen, die mit Kupfer-Chrom-Arsen-Verbindungen imprägniert wurden, gelten ebenfalls strenge Beschränkungen. Sie dürfen unter anderem nicht in Wohngebäuden, in der Landwirtschaft oder an Orten mit häufigem Hautkontakt verwendet werden.
Stahlschwellen halten mit einer Liegedauer von etwa 70 bis 100 Jahren deutlich länger als Holzschwellen. Sie sind allerdings empfindlich gegenüber Chemieabgasen und Salzwasser.
Was im Teeröl steckt
Carbolineum, auch Steinkohlenteeröl genannt, ist ein öliges, braunrotes und teerig riechendes Destillat aus Steinkohlenteer.
Es wird wegen seiner fäulnishemmenden und desinfizierenden Wirkung für Bahnschwellen, Telegrafenmasten und Pfähle verwendet.
Carbolineum gilt als hautreizend und krebserregend.
Auch einige Inhaltsstoffe der verwandten Kreosot-Mischungen sind krebserzeugend.
Das Imprägniermittel und die gasförmigen Kohlenwasserstoffe, die daraus verdampfen, zählen deshalb zu den gesundheits- und umweltgefährdenden Stoffen.
Seit 1991 streng geregelt
In Deutschland unterliegen solche Stoffe und damit imprägnierte Holzschwellen seit 1991 Verwendungsbeschränkungen.
Bis 2002 standen sie in der Teerölverordnung, seit 2002 in der Chemikalien-Verbotsverordnung.
In der Europäischen Union sind das Inverkehrbringen von Kreosot und die Verwendung damit behandelten Holzes seit dem 1. Juni 2009 grundsätzlich verboten.
Ausnahmen gelten nur unter engen Voraussetzungen für Industrie und Gewerbe.
Im Garten ausdrücklich verboten
Die Chemikalien-Verbotsverordnung nennt konkrete Orte, an denen carbolineumimprägnierte Holzschwellen nicht verwendet werden dürfen.
Dazu gehören Innenräume, Gärten und die Landwirtschaft sowie alle Orte, an denen häufiger Hautkontakt mit dem Holz stattfinden kann.
Dasselbe gilt für Möbel, Spielzeug und Spielplätze.
Verboten ist die Verwendung auch überall dort, wo die Schwellen mit Nahrungsmitteln, Nutztieren oder Nutzpflanzen in Berührung kommen können.
Zwar darf Holz, das vor dem 31. Dezember 2002 mit Kreosot behandelt wurde, ausnahmsweise zur Wiederverwendung angeboten werden, doch die ausdrücklich verbotenen Einsatzbereiche bleiben davon ausgenommen.
Ein Verstoß gegen diese Verbote ist in Deutschland eine Straftat.
Warum die Bahn sie trotzdem nutzen darf
Im Gleis gelten andere Regeln als im Garten.
Unter engen Voraussetzungen dürfen Kreosot und damit behandelte Holzerzeugnisse in Industrie und Gewerbe weiter verwendet werden, etwa für Bahnschwellen.
Nach einer Durchführungsverordnung der EU-Kommission vom Oktober 2022 ist Kreosot zur Imprägnierung von Eisenbahnschwellen bis zum 31. Oktober 2029 weiter zugelassen.
Holzschwellen liegen heute vor allem auf Brücken, in Weichen und in engen Bögen, wo sich ihre flexiblen Maße und ihre geringere Höhe auszahlen.
Mit Teeröl imprägnierte Holzschwellen müssen bei Umbauten allerdings ersetzt werden.
Mehr als nur Teeröl
Alte Holzschwellen sind nicht nur wegen des Imprägniermittels problematisch.
Nach Jahren im Gleis haften an ihnen auch Rückstände aus dem Bahnbetrieb.
Dazu gehören Achsöl, Staub aus teilweise asbesthaltigem Bremsabrieb, Ruß aus Abgasen sowie Pflanzenschutzmittel aus der Unkrautbekämpfung.
Schwellen aus Regionen mit Bergbau und Metallverhüttung können zudem Anhaftungen von Bergbauprodukten oder Metallen tragen.
Ab in die Verbrennungsanlage
Ausgebaute Holzschwellen müssen als gefährlicher Sondermüll betrachtet werden.
Sie werden deshalb in Müllverbrennungsanlagen mit entsprechenden Rauchgasfiltern entsorgt.
Gut erhaltene gebrauchte Schwellen können dagegen aufgearbeitet und wieder im Gleis eingebaut werden.
Ein Weiterverkauf als Gartenholz ist für teerölimprägnierte Schwellen jedenfalls nicht der vorgesehene Weg.
Wer beim Abriss eines alten Gartens auf solche Schwellen stößt, hat es also mit einem Fall für die fachgerechte Entsorgung zu tun.
Vom Eichenholz zur Betonschwelle
Um 1880 bestand über die Hälfte der deutschen Holzschwellen aus Eichenholz, der Großteil des Restes aus Kiefer.
In den 1960er-Jahren wurden dann ausschließlich Buchenholzschwellen eingebaut.
Mit der Verbreitung von Betonschwellen ging der Anteil der Holzschwellen immer weiter zurück.
Heutige Holzschwellen, die mit Salz oder Öl hitzebehandelt werden, erreichen nicht die gleiche Lebensdauer wie die früher mit Teeröl imprägnierten.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nicht, denn mit Teeröl imprägnierte Holzschwellen dürfen in Deutschland nicht in Gärten verwendet werden.
Die Chemikalien-Verbotsverordnung schließt ausdrücklich Gärten, Innenräume, Spielplätze und Orte mit häufigem Hautkontakt aus.
Das Imprägniermittel gilt als gesundheits- und umweltgefährdend, und an alten Schwellen haften zusätzlich Rückstände aus dem Bahnbetrieb.
Ausgebaute Schwellen gelten als gefährlicher Sondermüll und gehören in die Verbrennung, sofern sie nicht aufgearbeitet und wieder im Gleis verbaut werden.
Wer noch alte Bahnschwellen im Garten hat, sollte sich bei der zuständigen Behörde über die richtige Entsorgung informieren.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
