Zahlen, bitte!
„Nächster Halt München, nach 1175 Kilometern ohne einen einzigen Tankstopp seit Bremervörde.“
Wie weit kommt ein Wasserstoffzug mit einer Füllung?
→ Ein Antrieb in Zahlen.
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Kurz gesagt
Ein Wasserstoffzug vom Typ Coradia iLint soll mit vollen Tanks 600 bis 1000 Kilometer weit kommen. Im September 2022 schaffte ein Serienzug sogar 1175 Kilometer ohne Nachtanken.
Wasserstoffzüge fahren elektrisch, brauchen aber keine Oberleitung.
Ihren Strom erzeugen sie an Bord selbst, und zwar aus Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft.
Wie weit sie damit kommen und wie sie sich im Alltag schlagen, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
600–1000 km
Reichweite des iLint
mit vollen Tanks
1175 km
Rekordfahrt 2022
ohne Nachtanken bis München
15 Min.
Tankzeit
für etwa 500 bis 600 Kilometer
Zum Vergleich schafft ein Akkuzug vom Typ Mireo Plus B im Batteriebetrieb 80 bis 120 Kilometer.
Mehrere hundert Kilometer
Der bekannteste Wasserstoffzug ist der Coradia iLint des Herstellers Alstom.
Mit vollen Tanks soll er 600 bis 1000 Kilometer weit kommen, andere Angaben nennen 600 bis 800 Kilometer.
Auf einer knapp 100 Kilometer langen Strecke wie der zwischen Cuxhaven und Buxtehude reicht eine Füllung damit für mehrere Fahrten.
Wasserstoffzüge haben damit eine deutlich größere Reichweite als Züge, die ihren Strom nur aus Batterien beziehen.

Die Rekordfahrt nach München
Im September 2022 fuhr ein Serienzug der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen von Bremervörde nach München.
Dabei legte er 1175 Kilometer zurück, ohne seine Wasserstofftanks nachzufüllen.
Der Zug war dafür nicht umgebaut worden.
Er erreichte damit die Reichweite von rund 1000 Kilometern, die für Dieselzüge üblich ist.
Gut zu wissen
Der zweiteilige iLint bietet 138 Sitzplätze und 144 Stehplätze. Entwickelt wurde er auf Basis des Dieseltriebwagens Lint 54, zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Die Lebensdauer der Brennstoffzellen bezifferte ein Vertreter der Branche im Jahr 2023 auf etwa drei Jahre. Der Wasserstoff für die Züge im Taunus stammt aus dem Industriepark Höchst, wo er als Nebenprodukt anfällt.
Strom aus Wasserstoff
In den Brennstoffzellen reagiert der gespeicherte Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu Wasser.
Dabei entstehen Wärme und vor allem elektrische Energie für die Fahrmotoren.
Batterien an Bord puffern diesen Strom und helfen beim Beschleunigen.
Beim Bremsen speichern sie außerdem Energie, die der Zug danach wieder nutzen kann.
Tanks auf dem Dach
Beim iLint sitzen zwei Wasserstofftanks mit einem Druck von 350 bar auf dem Dach, die je 125 Kilogramm fassen.
Zwei Brennstoffzellen mit je 200 Kilowatt Leistung erzeugen daraus den Strom.
Unter dem Fahrgastraum liegen zwei Lithium-Ionen-Batterien mit je 110 Kilowattstunden Kapazität.
Der Antrieb leistet 544 Kilowatt und bringt den Zug auf bis zu 140 Kilometer pro Stunde.
In 15 Minuten wieder voll
Nach Angaben eines Herstellers kann ein Wasserstoffzug binnen 15 Minuten Treibstoff für etwa 500 bis 600 Kilometer tanken.
Ein Akkuzug schafft in der gleichen Zeit nur Strom für 50 bis 150 Kilometer.
In Europa muss ein Akkuzug allerdings selten mehr als 80 Kilometer ohne Fahrdraht fahren.
Danach kann er unter der Oberleitung nachladen, weshalb das schnellere Tanken nach dieser Einschätzung im Alltag kaum ins Gewicht fällt.
Weltpremiere im Jahr 2018
Alstom stellte den iLint am 20. September 2016 auf der Messe InnoTrans vor.
Am 11. Juli 2018 erhielt er die Zulassung für den Fahrgastverkehr in Deutschland.
Seit dem 17. September 2018 fuhren zwei Vorserienzüge zwischen Buxtehude, Bremerhaven und Cuxhaven.
Es war der weltweit erste Einsatz eines Wasserstoffzugs im regulären Linienbetrieb.
Vierzehn Züge im Elbe-Weser-Netz
Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen bestellte 14 Brennstoffzellenzüge für das Netz rund um Bremervörde.
Am 24. August 2022 begann dort offiziell der Regelbetrieb, der als erster dauerhafte Wasserstoffzug-Linienverkehr der Welt gilt.
Die Züge ersetzen nach und nach die bisherigen Dieseltriebwagen vom Typ Lint 41.
Getankt wird an einer Wasserstofftankstelle am Bahnhof Bremervörde.
Schwierigkeiten im Alltag
Seit September 2024 ist der Betrieb im Elbe-Weser-Netz stark eingeschränkt, weil eine Bezugsquelle für den Wasserstoff ausgefallen ist.
Im Taunus sollten ab Dezember 2022 insgesamt 27 Brennstoffzellenzüge fahren, doch technische Probleme führten dort zu vielen Ausfällen.
Seit Januar 2025 fahren auf der Linie von Bad Homburg nach Brandoberndorf ersatzweise gemietete Dieselzüge.
Ende 2025 gab Alstom bekannt, die Produktion von Wasserstoffzügen einzustellen, weil die Technik zu wenig zuverlässig sei.
Der Mireo Plus H
Auch Siemens hat mit dem Mireo Plus H einen Wasserstoffzug entwickelt.
Der zweiteilige Triebzug hat eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern und fährt bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell.
Vorgestellt wurde er Anfang Mai 2022 in Krefeld.
Für 2024 war mit einer eigens entwickelten Schnelltankstelle ein einjähriger Probebetrieb zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim geplant.
Wasserstoff oder Akku
Die meisten Strecken ohne Oberleitung in Deutschland sind kürzer als 70 Kilometer.
Dort sind Akkuzüge oft besser geeignet, weil sie Energie effizienter nutzen und Brennstoffzellentechnik teurer in der Anschaffung ist.
Nach Einschätzung eines Herstellers spielen Wasserstoffzüge ihre Vorteile vor allem auf Strecken von mehr als 200 Kilometern aus.
In Ausschreibungen ohne feste Vorgabe setzte sich nach seinen Angaben fast überall der Akkuzug durch.
Wasserstoffzüge in aller Welt
Der Hersteller Stadler liefert Wasserstoffzüge vom Typ Flirt H2 nach Kalifornien.
Seit September 2025 fährt dort ein solcher Zug zwischen San Bernardino und Redlands im Fahrgastverkehr.
Auch mehrere Schmalspurbahnen in Italien, etwa auf Sardinien und in Kalabrien, haben Wasserstoffzüge bestellt.
Die Zillertalbahn in Österreich rückte dagegen 2024 von ihren Wasserstoffplänen ab und bevorzugt nun Akkuzüge oder eine Mischung aus Akku und Oberleitung.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
